Tour de France 2019 - Favoriten

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Die Konstellation zwischen den Favoriten auf den Gesamtsieg der Tour de France 2019 ist merkwürdig. Einige der besten Rundfahrer fehlen, andere haben bereits den Giro d'Italia in den Beinen. Die Favoritenrolle gehört so dem Vorjahressieger Geraint Thomas und seinem aufstrebenden Teamkollegen Bernal (beide Ineos). Beide können sowohl auf die individuelle Stärke und als auch das wahrscheilich wieder beste Team setzen. Ganz ohne Fragezeichen gehen aber auch diese beiden nicht in die Tour 2019. Jakob Fuglsang (Astana), Adam Yates (Mitchelton), Thibaut Pinot (Groupama) und andere haben vielleicht die Chance ihres Lebens.

Um den Gesamtsieg

Egan Bernal (Ineos) sollte eigentlich den Giro auf Sieg fahren, brach sich dann aber kurz vorher das Schlüsselbein. Gewann 2019 Paris-Nizza und Tour de Suisse und fuhr auch bei allen anderen Rennen stark. Bei seiner einzigen großen Rundfahrt landete er vor einem Jahr loyal als Helfer von Thomas auf dem 15. Platz. Der Kolumbianer wird als größtes Talent seiner Generation gehandelt, fährt im wohl stärksten Team, hat aber auch noch keine große Rundfahrt auf Sieg gefahren, ist erst 22 Jahre alt und hat den vielleicht größten Gegner im eigenen Team.

Geraint Thomas (Ineos) wäre als Vorjahressieger der logische Favorit. Doch beim 33-jährigen Walliser lief der Saisonstart nach den Feierlichkeiten des Vorjahres schleppend. Bei der Tour de Romandie kam er mit einem 3. Platz in Schwung, schied dann aber kurz vor der Tour de France nach hartem Sturz während der Tour de Suisse aus. Kann sich ebenso wie Bernal nicht mehr hinter dem großen Froome verstecken, aber auf schon auf das Teamzeitfahren am 2. Tag bauen, ebenso auf das Einzelzeitfahren.

Jakob Fuglsang (Astana) hatte mit seinen 34 Jahren ein bisher herausragendes 2019, u. a. mit Siegen bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und dem Critérium du Dauphiné. Das ganze Team fährt seit Saisonbeginn wie entfesselt. Allerdings ist Fuglsangs bestes Ergebnis bei einer großen Rundfahrt nur ein 7. Platz aus der Tour 2013, wobei der Däne häufig einen anderen Kapitän vor der Nase hatte oder durch Stürze zurückgeworfen wurde.

Adam Yates (Mitchelton) fuhr 2019 zunächst Podestplätze bei einwöchigen WorldTour-Rundfahrten ein, ließ es dann aber in der Dauphiné ruhiger angehen. 2016 schrammte der 26-jährige Brite knapp am Podium der Tour de France vorbei. Hat wie sein Zwillingsbruder Simon aber auch gerne mal einen schlechten Tag.

Thibaut Pinot (Groupama) könnte diesen schlechten Tag schon kollektiv beim Teamzeitfahren am 2. Tag erleben. Die Zeit, die hier für ihn flöten geht, muss er erst einmal woanders wieder herausfahren. Der 29-jährige Franzose setzt 2019 alles auf die Tour de France, nachdem er im Vorjahr aussichtsreich liegend späten Schiffbruch beim Giro erlitt. War dort schon 2017 im Endklassement 4. und bei der Tour 2014 als Dritter auf dem Podest.

Romain Bardet (AG2R) war schon 2016 Zweiter und 2017 Dritter der Tour de France – fehlt eigentlich nur noch der Gesamtsieg. Im Vorjahr war es dann allerdings nur noch ein 6. Platz, und 2019 war der 28-jährige Franzose sehr dezent unterwegs. Dürfte noch mehr als Pinot die Zeitfahren fürchten.

Steven Kruijswijk (Jumbo) würde man vom Gefühl her wohl eher nicht zu den Favoriten zählen. Der 32-jährige Niederländer ist jedoch 2019 grundsolide unterwegs, belegte bei der Tour im Vorjahr den 5. Platz (die Plätze 2 bis 4 fehlen diesmal!) und legte noch mit einem 4. Platz bei der Vuelta nach.

Vom Vermögen her gehörten Vincenzo Nibali (Bahrain), Mikel Landa (Movistar) und Simon Yates (Mitchelton) locker in obige Aufzählung. Sie haben jedoch den Giro in den Knochen, ebenso wie Sakarin (Katusha) und Mollema (Trek), was normalerweise nichts Gutes für die Tour de France erahnen lässt.

Höher gewettet sind deswegen Nairo Quintana (Movistar), Richie Porte (Trek) und Rigoberto Uran (EF), die jedoch inzwischen etwas in die Jahre kommen und schon einmal gezeigten Leistungen eher hinterherfahren. Ein bisschen besser sieht es da vielleicht bei Daniel Martin (UAE) aus, der in den letzten 3 Jahren die Tour de France immer in den Top-Ten beschloss.

Große Töne spuckte zu Saisonbeginn Enric Mas (Deceuninck), nachdem er im Vorjahr überraschend den 2. Platz bei der Vuelta belegte. 2019 lief bisher solide, aber noch ohne Top-Ergebnis. Das Kontrastprogramm dazu ist Alejandro Valverde (Movistar). Der 39-jährige Weltmeister wollte eigentlich gar nicht die Tour de France fahren, verpasste dann aber verletzt den Giro und stapelt jetzt tief. Gemeinsam mit seinen beiden Teamkollegen Quintana und Landa stellen seine Ambitionen ein noch größeres Rätsel dar als dies schon bei fast allen anderen Fahrern der Fall ist.

Ganz klar auf dem Vormarsch ist Emanuel Buchmann (Bora), der mit Podestplätzen bei Baskenland- und Dauphiné-Rundfahrt 2019 seinen Durchbruch schaffte. Allein es bleiben die Zweifel, ob er das auch auf 3 Wochen durchziehen kann. Beinah ebenso aussichtsreich erscheint Buchmanns Teamkollege Patrick Konrad.

Bleiben abschließend noch Rohan Dennis (Bahrain) – der Zeitfahr-Weltmeister wirkt 2019 wie ausgewechselt und zum Kletterer transformiert – und Warren Barguil (Arkéa), der mit dem Rückenwind des französischen Meistertrikots eventuell nun an sein Traumjahr 2017 anknüpfen kann.

Mehrere Top-Klassementfahrer fehlen bei der Tour de France 2019, darunter die Plätze 2 bis 4 der vergangenen Tour de France: Tom Dumoulin (Sunweb) kam nach seinem Giro-Sturzaus noch nicht wieder in Schwung, der vierfache Toursieger Chris Froome (Ineos) verletzte sich schwer und Primoz Roglic (Jumbo) erholt sich vom Giro d'Italia. Für dessen überraschenden Gesamtsieger Richard Carapaz (Movistar) gilt dies ebenso wie für den dort enttäuschenden Miguel Angel Lopez (Astana).

Für die Sprints

Gleich auf der 1. Etappe winkt das Gelbe Trikot. Top-Favorit darauf und auf weitere Etappensiege ist Dylan Groenewegen (Jumbo). Seine größten Herausforderer in Massensprints sind wohl Elia Viviani (Deceuninck) und Caleb Ewan (Lotto). Nie zu unterschätzen ist Peter Sagan (Bora). Auf dem Weg zum alleinigen Rekord beim Grünen Trikot kommen ihm aber die nicht ganz flachen Etappen eher entgegen.

Bei Alexander Kristoff (UAE), Giacomo Nizzolo (Dimension Data) und Christophe Laporte (Cofidis) müsste schon alles zusammenpassen, um die Vorgenannten in Schwierigkeiten zu bringen. Reinhalten werden wohl auch Michael Matthews (Sunweb), Sonny Colbrelli, Ivan Garcia (beide Bahrain), Jasper Stuyven (Trek), Matteo Trentin (Mitchelton) und Greg van Avermaet (CCC), wobei ihre Stunde eher auf welligen Etappen schlagen dürfte, wo sich dann auch voraussichtlich Valverde und Julian Alaphilippe (Deceuninck) einschalten. Dazu dürfen sich die jungen Cees Bol (Sunweb) und Jasper Philipsen (UAE) austesten – auf ganz flachen Etappen vielleicht sogar mit mehr Ambitionen als ihre Kapitäne.

Beim einstigen Seriensieger André Greipel (Arkéa) sind die Erwartungen nach Teamwechsel und verkorkster erster Saisonhälfte sehr gering. Kaum größer sind die Aussichten bei den Sprintern aus 2 der 4 anderen Wildcard-Teams – Niccolo Bonifazio (Total) und Andrea Pasqualon (Wanty). Besser wären sie für Wout van Aert und Mike Teunissen (beide Jumbo), die jedoch im Dienst des mutmaßlich stärksten Sprinters der Tour 2019 stehen. Aus der Not geboren geht vielleicht was für Marco Haller (Katusha) oder seine Teamkollegen.

Bei der Tour de France 2019 fehlen von den Top-Sprintern Marcel Kittel (Auszeit nach Vertragsauflösung bei Katusha), Pascal Ackermann (Bora, brillierte beim Giro, Tour war von vornherein nicht im Saisonplan), Arnaud Démare (Groupama, sonst wie Ackermann), Fernando Gaviria (UAE, kurzfristige Tour-Absage wegen Knieproblemen), Sam Bennett (Bora, trotz Top-Ergebnissen nur noch 3. Geige hinter den ebenfalls starken Sagan und Ackermann) und Fabio Jakobsen (Deceuninck, im Schatten von Viviani).

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