Straßen-WM 2018 in Innsbruck - Straßenrennen

Übersicht WM 2018 - Siegerliste Straßenrennen

So 30. September 2018
Location: Kufstein - Innsbruck (AUT)
Distanz: 258,5 km

Valverde krönt sich doch noch mit WM-Titel

Alejandro Valverde (Spanien) hat mit 38 Jahren endlich den lang ersehnten WM-Titel im Straßenrennen geholt. In Innsbruck 2018 siegte er im Vierersprint von vorne gegen Romain Bardet (Frankreich), Michael Woods (Kanada) und Tom Dumoulin (Niederlande). Woods, Bardet und Valverde hatten sich im letzten Anstieg, der bis zu 28 % steilen Höttinger Höll, aus einem rund 30-köpfigen Feld abgesetzt. Dumoulin kam innerhalb der letzten 2 Kilometer an das Trio heran, ging dann aber doch leer aus.

Nach sechseinhalb Stunden im Sattel, bereits über 250 Rennkilometern und 7 Passagen am Lanser Anstieg südlich von Innsbruck spitzte sich die Vorentscheidung zwischen den Favoriten zu auf den Gramartboden-Anstieg, vom Veranstalter stilisiert zur «Höll». Diesen enterte Michael Valgren (Dänemark) als Solist 30 Sekunden vor dem Verfolgerfeld, nachdem er am letzten Lanser Anstieg attackiert hatte.

Dumoulin jagt Bardet, Woods und Valverde

Die Franzosen sprengten das Feld zu dritt von der Spitze weg mit Thibaut Pinot, Bardet und dem im Vorfeld am höchsten gewetteten Julian Alaphilippe. Nur Woods, Valverde und Moscon hielten mit, und Pinot war auch schon verbraucht, als Valgren von der Spitze verdrängt wurde. Dann ließ auch Alaphilippe abreißen. Moscon verlor den Kontakt erst kurz vorm Gipfel, während sich von hinter Dumoulin näherte, der die steilsten Stellen in Schlangenlinien fuhr.

Oben auf dem Plateau behob Bardet ein Kettenproblem schnell mit der Hand. Dumoulin ging an Moscon vorbei, stürzte sich die Abfahrt herunter und erreichte das Spitzentrio im Flachstück 1,6 Kilometer vorm Ziel. Den Rest fuhr Valverde aus erster Position, gefolgt von Woods, Bardet und Dumoulin. Als Dumoulin an der Kilometermarke kurz zuckte, brach er seinen Antritt sofort ab, als Valverde den Braten schon roch.

Bardet und Woods zu Silber und Bronze

Letztlich setzte sich der klar sprintstärkste Fahrer aus der Spitze auf der Zielgarden an der Hofburg durch. Bardet hätte es auch nichts gebracht, wenn er den Sprint aus günstiger Position hinter Valverde gestartet hätte. Dumoulin war wohl zu ermattet von der Aufholjagd, so dass Woods Bronze holte. Die Top-4-Fahrer trennten auf der Ziellinie je mehr als eine Radlänge. 13 Sekunden hinter ihnen belegte Moscon den 5. Platz, eine weitere halbe Minute später Roman Kreuziger (Tschechien) den 6. Platz vor Valgren, Alaphilippe und Pinot.

Nach dem scharfen Start in Kufstein formierte sich eine 11-köpfige Spitzengruppe mit Rob Britton (Kanada), Tobias Ludvigsson (Schweden), Kasper Asgreen (Dänenmark), Ryan Mullen (Irland), Daniil Fominych (Kasachstan), Vegard Stake Laengen (Norwegen), Ryan Mullen (Irland), Karel Hnik (Tschechien), Jacques Janse van Rensburg (Südafrika), Ilja Kotschewoi (Weißrussland) und Laurent Didier (Luxemburg). Die frühen Ausreißer hatte 190 Kilometer vorm Ziel 19 Minuten Vorsprung vor dem Hauptfeld. In diesem sahen sich im weiteren Verlauf die Franzosen, Österreicher, Briten und Slowenen in der Verantwortung, je einen Mann für die Nachführarbeit abzustellen.

Sagan nach Ausscheidungsfahren früh eliminiert

Bereits knapp 100 Kilometer vor dem Ziel fiel Titelverteidiger Peter Sagan (Slowakei) zurück, der die vergangenen 3 WM-Straßenrennen für sich entschiedenen hatte. Als noch 75 Kilometer zu fahren waren, also in der drittletzten Runde, schalteten sich die Spanier in die Nachführarbeit ein. Im Lanser Anstieg kam es zur ersten Attacke eine großen Nation: Cataldo (Italien) riss aus, und Herrada (Spanien) und dann auch Buchmann (Deutschland) mit. Im Verlauf der 8 Kilometer langen Anstiegs gingen noch Kwiatkowski (Polen), de Marchi, Nibali (beide Italien) und weitere hinterher, so dass alles wieder zusammenlief.

In der Kurve zur Abfahrt stürzte Roglic (Slowenien). Dort war zuvor schon Barguil (Frankreich) nach einem Sturz ausgeschieden. Roglic kehrte zwar wieder in die Favoritengruppe zurück, war aber letztlich ohne Chance. Unten in Innsbruck attackierte van Avermaet (Belgien) in der leicht steigenden Höttinger Gasse. Er nahm Caruso (Italien) und Fraile (Spanien). Aus der frühen Spitzengruppe waren noch Asgreen, Britton, van Rensburg und Britton übrig.

Im vorletzten Lanser Anstieg war das Trio um van Avermaet schnell gestellt. Simon Yates (Großbritannien), Dan Martin (Irland) und Kwiatkowski strichen hier schon die Segel. Brambilla (Italien) ging in die Offensive. Einige andere Helfer folgten ihm, so dass über die Kuppe und in der Abfahrt wieder alles zusammenlief. Als Spitzenreiter behaupteten sich nur noch Asgreen und Laengen. Das Duo ging 2:30 Minuten vor einem 64-köpfigen Verfolgerfeld in die letzte Runde, in die nun zusätzlich zum Lanser Ansieg die Höttinger Höll eingebaut war.

Valgren startet spätes Solo

Kruijswijk (Niederlande) attackierte 26 Kilometer vorm Ziel, kam aber nicht weg. Dann ging sein Landsmann Oomen, doch Kreuziger schloss das Loch. 23 Kilometer vorm Ziel wurde Asgreen und Laengen nach mehr als 230 Kilometern an der Spitze überholt. Oomen beschleunigte nochmals mit Kreuziger und Pinot am Rad. Es folgte eine Attacke von Kennaugh (Großbritannien), der sich Valgren anschloss. Die diversen Attacken führten dazu, dass sich das Hauptfeld ungefähr halbierte. Zu den Zurückgefallenen gehörte Nibali.

Valgren hängte Kennaugh in der Abfahrt ab. Der Däne passierte die Alstadt-Kurve in Innsbruck neben dem Goldenen Dachl mit 32 Sekunden Vorsprung vor dem Verfolgerfeld. Doch es kam noch die Höttinger Höll - und Gold holte stattdessen zum ersten Mal Valverde, der zuvor schon 2-mal WM-Silber und 4-mal -Bronze im Straßenrennen umgehängt bekam. Das Regenbogentrikot fehlte also noch in der langen Siegessammlung.

Bardet gelang die erste WM-Medaille im Straßenrennen für Frankreich seit 2005, Woods für Kanada seit 1984. Dumoulin beendete eine Saison der knapp verpassten Triumphe (2. bei Giro, Tour und Zeitfahr-WM) nach grandioser Aufholjagd bezeichnenderweise auf dem 4. Platz. Von den 4 Nationen, die früh im Hauptfeld die Tempoarbeit übernahmen, entpuppte sich dies am Ende nur bei den Franzosen als berechtigt.

Ergebnis
1. Alejandro Valverde (ESP) 6:46:41
2. Romain Bardet (FRA) alle
3. Michael Woods (CAN) gleiche
4. Tom Dumoulin (NED) Zeit
5. Gianni Moscon (ITA) +0:13
6. Roman Kreuziger (CZE) +0:43
7. Michael Valgren (DEN)
8. Julian Alaphilippe (FRA)
9. Thibaut Pinot (FRA) alle
10. Rui Costa (POR) gleiche
11. Ion Izagirre (ESP) Zeit
12. Bauke Mollema (NED) +0:49
13. Mikele Nieve (ESP) +0:52
14. Sam Oomen (NED) +1:21
15. Nairo Quintana (COL)
16. Peter Kennaugh (GBR)
17. Jan Hirt (CZE)
18. George Bennett (NZL) alle
19. Jack Haig (AUS)
20. Jakob Fuglsang (DEN) gleiche
21. Domenico Pozzovivo (ITA)
22. Andrej Seiz (KAZ) Zeit
23. Ben Hermans (BEL) +1:32
24. Simon Geschke (GER) +1:54
25. Sergej Tshernezki (RUS) +2:00
26. Mathias Frank (SUI) +2:10
27. Steven Kruijswijk (NED) alle
28. Antwan Tolhoek (NED) gleiche
29. Dylan Teuns (BEL) Zeit
30. Odd Christian Eiking (NOR) +2:42
31. Rudy Molard (FRA) gl.Zeit
32. Sébastien Reichenbach (SUI) gl.Zeit
33. Rigoberto Uran (COL) +2:57
34. Primoz Roglic (SLO) +4:00
35. Rafal Majka (POL)
36. Alexej Luzenko (KAZ) alle
37. Adam Yates (GBR) gleiche
38. Wilco Kelderman (NED) Zeit
39. Nelson Oliveira (POR) +5:00
40. Alessandro de Marchi (ITA) +5:05
41. Merhawi Kudus (ERI) +5:44
42. Xandro Meurisse (BEL) gl.Zeit
43. Vegard Stake Laengen (NOR) gl.Zeit
44. David de la Cruz (ESP) +5:56
45. Michael Gogl (AUS) gl.Zeit
46. Emanuel Buchmann (GER) gl.Zeit
47. Pawel Siwakow (RUS) +6:00
48. Sergio Henao (COL) +6:02
49. Vincenzo Nibali (ITA) gl.Zeit
50. Greg van Avermaet (BEL) +8:08
51. Pawel Kotschetkow (RUS) gl.Zeit
52. Kasper Asgreen (DEN) +10:22
53. Franco Pellizotti (ITA) +10:33
54. Hagen Carl Fredrik (NOR) +12:24
55. Emil Vinjebo (DEN) +12:57
56. Lukasz Owsian (POL) +13:05
57. Ilnur Sakarin (RUS)
58. Tony Gallopin (FRA) alle
59. Patrick Konrad (AUS) gleiche
60. Steve Morabito (SUI) Zeit
61. Jesus Herrada (ESP) +13:09
62. Toms Skujins (LAT) +13:13
63. Brent Bookwalter (USA) +14:23
64. Damiano Caruso (ITA)
65. Dario Cataldo (ITA)
66. Hugh Carthy (GBR) alle
67. Nicolas Roche (IRL)
68. Tim Wellens (BEL) gleiche
69. Pieter Weening (NED)
70. Robert Power (AUS) Zeit
71. Richard Carapaz (ECU) +14:48
72. Ben King (USA) +15:57
73. Eduardo Sepulveda (ARG) +16:51
74. Nico Denz (GER) +18:17
75. Gianluca Brambilla (ITA) +19:35
76. Rob Britton (CAN) +19:37
- 188 Teilnehmer, davon 76 klassiert.

Streckenvorschau

Eine der topografisch schwierigsten WM-Kurse der Geschichte wartet auf die Fahrer beim WM-Straßenrennen in Innsbruck 2018. Einem 7-mal zu fahrenden 23,8-Kilometer-Rundkurs mit Anstieg nach Igls schließt sich am dicken Ende noch der als «Höll» beworbene Anstieg zum Gramartboden an. Es folgt noch eine kurvenreiche Abfahrt von der Hungerburg zum Zielareal an der Hofburg. Schon nach dem Start in Kufstein verlassen die Fahrer das Inntal auf dem Weg nach Innsbruck für 3 weitere Anstiege, davon der schwierigste nach Gnadenwald.

Der 7-mal zu nehmende Anstieg von Innsbruck über Aldrans und Lans nach Igls ist für eine WM satte 7,9 Kilometer lang und im Schnitt 5,7 % steil, mit Spitzen von 10 % bei Lans nach der Hälfte des Anstiegs. Und der 2,4 Kilometer lange Anstieg von Innsbruck-Hötting auf den Gramartboden («Höll») steigt maximal um 28 % und ist an fast keiner Stelle weniger als 9 % steil. Von oben sind es noch rund 8 Kilometer bis ins Ziel, davon 5 technisch-kurvige bergab.

Die WM-Strecke von Innsbruck 2018 dürfte also auf die Kletterer zugeschnitten sein. Aber das hatte man im Vorfeld des Olympiarennens 2 Jahre zuvor in Rio auch schon vermutet. Und es gewann ein Jäger der Nord-Klassiker.

Der «Höll»-Anstieg wurde bereits im Frühjahr 2018 z. B. am Straßenrand der Frühjahrsklassiker gut sichtbar beworben. Die Aktion geriet insofern zur PR-Blamage für den Innsbrucker Rad-Tourismus, weil man den Anstieg im allgemeinen Straßenverkehr überhaupt nicht fahren darf, auch nicht mit dem Fahrrad. OK, beworben wurde genau genommen das Jedermannrennen einen Tag vor dem WM-Straßenrennen. Wer jedoch ansonsten speziell wegen dieses Anstiegs einen Rad-Urlaub in/bei Innsbruck plant, braucht erst gar nicht anzureisen...

www-tipps

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