Straßen-WM 2026 in Montréal - Straßenrennen
Übersicht WM 2026 | Siegerliste Straßenrennen |
So 27. September 2026
Location: Broussard - Montréal (CAN)
Distanz: 273,7 km
McNulty etwas überraschend zum WM-Titel
Erster Saisonsieg für Brandon McNulty: Der 28-jährige US-Amerikaner holte sich zum Abschluss der Straßen-WM in Montréal 2026 den Titel im Straßenrennen der Männer. Ein bis dahin aufregendes Regenbogen-Rennen nahm ein antiklimatisches Ende, als McNulty aus einer zu diesem Zeitpunkt 8-köpfigen, hochkarätigen Spitzengruppe in der Fläche 32,5 Kilometer vorm Ziel attackierte. Trotzdem blieb es aufregend um die Medaillen. Silber und Bronze schnappten sich mit letzter Kraft im Sprint einer Verfolgergruppe Michael Matthews (Australien) und Mathieu van der Poel (Niederlande).
An den Favoriten ging das Rennen weitgehend vorbei, abgesehen von van der Poel, der früh die Initiative ergriff und damit die vorher am höchsten gewetteten Evenepoel (Belgien), del Toro (Mexiko) und Seixas (Frankreich) in die Dauer-Defensive drängte. Während alle Nationen auf ihren Kapitän zusammenschrumpften, waren die US-Amerikaner mit McNulty, Quinn Simmons und Matteo Jorgenson noch zu dritt in der Verlosung – und sie spielten es perfekt.
Erst störten McNulty und Jorgenson die Nachführarbeit, als van der Poel mit unter anderem Simmons fast 90 Kilometer vorm Ziel zu einer frühen, gefährlichen Flucht aufbrach. Erst rund 55 Kilometer später schlossen Issac del Toro, Paul Seixas, Giulio Ciccone (Italien), Tom Pidcock (Großbritannien), Jorgenson, McNulty, Matthews und Santiago Buitrago (Kolumbien) zum Spitzenquartett auf, dem neben van der Poel und Simmons da noch Primoz Roglic (Slowenien) und Ben Healy (Irland) angehörten. Nach dem Zusammenschluss attackierte erst Jorgenson erfolglos und dann wenig später McNulty, der sofort eine riesige Lücke riss.
Remco Evenepoel war zu diesem Zeitpunkt schon ein weiteres Mal zurückgefallen, kämpfte sich aber wie viele andere Fahrer immer wieder zurück. Sogar ein Mads Pedersen (Dänemark), von dem den gesamten Tag nichts zu sehen war, kehrte in der Schlussrunde auf dem Rundkurs von Montréal zurück und hatte plötzlich Chancen auf die Silbermedaille. Die gewann dann aber Matthews, der zum 4. Mal das Podest im WM-Straßenrennen der Elite erklomm, anders als in der U23 allerdings nie auf der höchsten Stufe. Van der Poel holte seine zweites WM-Bronze auf der Straße. Er hätte freilich lieber sein zweites Gold in dieser Disziplin geholt.
Pedersen belegte letztlich den 6. Platz hinter Simmons und del Toro sowie vor Pidcock, Jorgenson, Ciccone und Healy. Auch im Ergebnis spiegelte sich die phänomnale Teamleistung der US-Amerikaner wieder mit den Plätzen 1, 4 sowie 8. Den 11. Platz belegte Mauro Schmid (Schweiz), der wie Pedersen ganz spät aus dem Nichts zurück im Rennen um die Medaillen war. Hinter ihm trudelte Evenepoel auf dem 12. Platz ein. Seixas fiel in der Schlussphase mit Krämpfen zurück.
Wenn auch etwas überraschend – eine Sensation war der Triumph McNultys nicht. Er hatte vor einem Jahr genau an Ort und Stelle den GP de Montréal 2025 gewonnen, wenn auch geschenkt durch seinen Werksteam-Kapitän Tadej Pogacar (Slowenien). Dessen verletzungsbedingte Abwesenheit führte zu genau dem offenen WM-Rennen, das viele erwartet und erhofft hatten. Mit wenigen Ausnahmen war Pogacar die letzten 2 Jahren bei allen großen Rennen der übergroße Favorit und wurde dieser Rolle durch die Bank mit erdrückender Überlegenheit gerecht. Seine vermeintlichen Kronprinzen konnten daraus kein Kapital schlagen, stattdessen sein Helfer aus dem alltäglichen Werksteam UAE-XRG, dem nun ausgerechnet 2 US-Kollegen aus den 2 anderen großen Werkteams in aller Einigkeit den WM-Sieg vorbereiteten.
Das Elite-Straßenrennen in Montréal führte über eine Mammutdistanz von 273,7 Kilometern, davon zum Schluss über 13 Runden auf dem Kurs des GP de Montréal, wie er 2026 gefahren wurde. Bei Temperaturen zwischen 12 und 16 Grad blieb es über das gesamte Rennen trocken, obwohl fürs Finale eine gewisse Regenwahrscheinlichkeit bestand. Das Rennen geriet aber auch so hart genug, inklusive wechselnden, aufregenden Konstellationen für fast die kompletten letzten 100 Kilometer. Gegen Ende fegten die fallenden Blätter bei auffrischendem Wind über die Straße wie bei einem Herbstklassiker.
Ergebnis 1. Brandon McNulty (USA) 6:17:04 2. Michael Matthews (AUS) +0:13 3. Mathieu van der Poel (NED) gl.Zeit 4. Quinn Simmons (USA) gl.Zeit 5. Isaac del Toro (MEX) +0:14 6. Mads Pedersen (DEN) 7. Tom Pidcock (GBR) 8. Matteo Jorgenson (USA) alle 9. Giulio Ciccone (ITA) gleiche 10. Ben Healy (IRL) Zeit 11. Mauro Schmid (SUI) +0:22 12. Remco Evenepoel (BEL) +0:25 13. Juan Ayuso (ESP) +2:08 14. Stefan Küng (SUI) +2:19 15. Paul Seixas (FRA) +2:47 16. Jørgen Nordhagen (NOR) +3:09 17. Oscar Onley (GBR) gl.Zeit 18. Christian Scaroni (ITA) +3:12 19. Mikkel Honoré (DEN) +3:14 20. Davide Piganzoli (ITA) +3:20 21. Primoz Roglic (SLO) +3:29 22. Michael Valgren (DEN) +4:20 23. Toms Skujins (LAT) +4:25 24. Anthon Charmig (DEN) gl.Zeit 25. Tiesj Benoot (BEL) +4:31
Strecke
Der Rundkurs des WM-Straßenrennens 2026 von Montréal ist identisch mit dem beim nur 2 Wochen vorher ausgetragenen WorldTour-Rennen GP de Montréal. Allerdings dauert das Rennen mit einer Distanz von 273,7 Kilometern fast 60 Kilometer länger – was es noch schwieriger macht – enthält allerdings trotzdem weniger Runden auf dem Rundkurs (12 an der Zahl), weil es zuvor einer eher flache Rund- und Anfahrt nach Startschuss auf der anderen Seite des Sankt-Lorenz-Stroms in Broussard gibt – was wiederum ein paar Höhenmeter einspart. Das Streckenprofil dürfte dennoch für eine WM auf der schwierigeren Seite liegen und eher Bergfahrer bevorzugen, so man sich die Resultate des GP de Montréal aus den vergangenen Jahren anschaut.
Favoriten
In Abwesenheit des Top-Top-Top-Favoriten für derzeit fast alle großen Rennen, könnte die große Stunde eines anderen Schlagen. Tadej Pogacar (Slowenien) wird seinen Titel nach seinem Vuelta-Sturz nicht verteidigen können und damit nicht zum 3. Mal in Folge das Regenbogentrikot übergestreift bekommen. Wer jetzt stattdessen ein spannendes Rennen erwartet hatte, konnte 16 Tage vor dem WM-Straßenrennen den Eindruck erhalten, die WM läuft genauso klar, nur dass nicht Pogacar, sondern Remco Evenepoel (Belgien) 2 bis 4 Runden vor Schluss attackiert und als Solist nie mehr eingeholt wird – so überlegen gewann er den GP de Québec.
Wie bei allen anderen Mitfavoriten bleiben aber doch Fragezeichen stehen. Bei der Generalprobe in Montréal selbst und dem dortigen Grand Prix entglitt Evenepoel das Rennen. Eine Woche später holte er dann freilich wieder überlegen seinen 4. Titel hintereinander im WM-Einzelzeitfahren. Auch Paul Seixas (Frankreich) und Isaac del Toro (Mexiko) waren dort überraschend stark. Diese beiden machten den GP de Montréal unter sich aus – mit del Toro als Sieger. Gegen del Toro bei der WM spricht jedoch, dass er über lange Klassiker-Distanz bisher immer schwächer abschnitt als bei kürzeren Rennen und außerdem nun das schwächste Team an seiner Seite hat. Seixas wiederum müsste bergauf sämtliche Mitstreiter loswerden, weil er vermutlich im Sprint allen Favoriten unterlegen ist.
Im Verlauf der Vuelta a Espana fuhr sich außerdem Wout van Aert (Belgien), der außerdem bei Paris-Roubaix als einziger Fahrer 2026 Pogacar besiegte, in den Favoritenkreis. Doch ausgerechnet auf der hügeligen letzten Vuelta-Etappe musste van Aert früh die Segel streichen. Ob van Aert und Evenepoel den theoretisch Vorteil als Kollegen im selben Nationalteam ausspielen, sei vor allem aufgrund Evenepoels Mentalität dahingestellt. Ebenso wie bei van Aert stellt sich zudem bei Mathieu van der Poel (Niederlande) die Frage, ob der Kurs in Montréal nicht vielleicht doch einen Tick zu schwer ist. Van der Poel ist neben Evenpoel einer von 4 ehemalige Straßen-Weltmeistern in der Startliste. Für Mads Pedersen (Dänemark) dürfte dasselbe Argument wie van Aert und van der Poel gelten. Und Michal Kwiatkowski (Polen) befindet sich im Ausklang seiner Karriere.
Bei den Rennen zuletzt in Kanada präsentierten sich Quinn Simmons, Brandon McNulty (beide USA), Tom Pidcock (Großbritannien) und Giulio Ciccone (Italien) ansprechend; mit Abstrichen auch der WM-Vorjahresdritte hinter Pogacar und Evenepoel, Ben Healy (Irland). Außerdem ist das komplette Vuelta-Podest mit Enric Mas (Spanien), Primoz Roglic (Slowenien) und Felix Gall (Österreich) bei der WM anwesend. Von den Fahrern, die vor der WM weder bei den Kanada-Rennen bei der Vuelta im Einsatz waren, ist außer van der Poel im sehr erweiterten Favoritenkreis noch am ehesten Giulio Pellizzari (Italien) zu nennen. All diese Fahrer haben möglicherweise Medaillenchancen. Der WM-Titel dürfte aber letztlich dann doch nur über Evenepoel gehen, und wenn nicht über ihn, dann über del Toro und Seixas.
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