Straßen-WM 2019 in Yorkshire - Straßenrennen

Übersicht WM 2019 - Siegerliste Straßenrennen

So 29. September 2019
Location: Leeds - Harrogate (GBR)
Distanz: 285,0 km 261,8 km

Pedersen Regenkönig gegen Trentin und Küng!

Mads Pedersen (Dänemark) krönte sich in Harrogate nach fast 7 Stunden durch den kalten Dauerregen zum Straßen-Weltmeister 2019. Der 23-jährige verwies im Dreiersprint sensationell Matteo Trentin (Italien) klar auf den 2. Platz. Bronze ging an Stefan Küng (Schweiz), der die letzten 68 Kilometer an der Spitze verbrachte. 47 Kilometer vorm Ziel stieß unter anderem Pedersen hinzu, rund 32 Kilometer vorm Ziel Trentin mit dem  Top-Favoriten Mathieu van der Poel (Niederlande), den es jedoch innerhalb der letzten 13 Kilometer völlig unverhofft aufstellte.

Zu diesem Zeitpunkt war außerdem noch Trentins Landsmann Gianni Moscon an der Spitze. Küng verschärfte 6 Kilometer vorm Ziel mit verzerrtem Gesicht das Tempo, wodurch Moscon abfiel. Dennoch deutete alles auf den Triumph des auf dem Papier sprintstärksten Trentin hin. Aus 2. Position trat er auf der leicht steigenden Zielgeraden an der 200-Meter-Marke an. Hinter ihm hatte Küng nichts mehr entgegen zu setzen. Pedersen stattdessen sprintete relativ explosiv um mehrere Radlängen vorbei an Trentin, dem die Beine aufgingen.

17 Sekunden hinter dem Trio rettete Moscon den 4. Platz. Aus dem geschlagenen Mini-Hauptfeld sprang kurz vorm Ziel der dreifache Weltmeister Peter Sagan (Slowakei) heraus für den 5. Platz, markiert von Michael Valgren (Dänemark), einem Teamkollegen des neuen Weltmeisters. Im Sprint der nächsten Gruppe um den 7. Platz setzte sich Kristoff (Norwegen) vor van Avermaet (Belgien) durch.

Veränderter Kurs wegen überschwemmter Straßen

Wegen überschwemmter Straßen musste ein Teil der Anfahrt zum Schlussrundkurs gestrichen werden. Dadurch fehlten die 2 schwierigsten Anstiege. Der 13,8 Kilometer lange Rundkurs in Harrogate wurde dafür 9-mal gefahren, also 2-mal mehr als ursprünglich vorgesehen.

Es entwickelte sich ein gnadenloses Ausscheidungsfahren bei 11 Grad und teils starkem Dauerregen. Allerdings musste man dann bei den Attacken zwischen Kilometer 68 und 32 vorm Ziel dabei sein, was die meisten Favoriten verpassten. Am Ende erreichten nur 46 der 197 gestarteten Fahrer das Ziel. Zu den ausgestiegenen Fahrern gehörte auch der Titelverteidiger Valverde (Spanien), der im Anschluss grinsend von einem «WM-Rennen für die Verrückten» sprach.

11-köpfige Spitzengruppe in Anfahrt auf Harrogate

Die erste Rennhälfte fuhr eine hochkarätig besetzte 11-köpfige Spitzengruppe maximal 4 Minuten voraus: Nairo Quintana (Kolumbien), Primoz Roglic, Jan Polanc (beide Slowenien), Magnus Cort (Dänemark), Michael Vakoc (Tschechien), Silvan Dillier (Schweiz), Maciej Bodnar (Polen), Jonas Koch (Deutschland), Hugo Houle (Kanada), Richard Carapaz (Ecuador) und Alex Howes (USA). Vorne dabei waren also 2 aktuelle Grand-Tour-Sieger und ein weiterer ehemaliger. Die Nachführarbeit teilten sich in erster Linie van Emden (Niederlande), Dennis (Australien) und Bernard (Frankreich) untereinander auf.

Im längsten Anstieg des Tages hatte sich in einer Senke ein knöcheltiefer See gebildet, den sowohl die Spitzengruppe als auch das Hauptfeld unfallfrei durchquerten. Pünktlich zum Eintritt in den Schlussrundkurs in Harrogate fiel das TV-Signal aus, weil das Flächenflugzeug eine Stunde zum Auftanken wegfliegen musste. Helikopter konnten wegen des schlechten Wetters mit Ausnahme der Schlussphase sowieso nicht in die Luft.

Während des Signalausfalls wurden die 11 Spitzenreiter geschnappt. Auf der Zielgeraden ereignete sich ein Massensturz, in dessen Folge Mitfavorit Gilbert (Belgien) inklusive dem auf ihn wartenden Evenepoel nach vergeblicher Aufholjagd ausstiegen. Es war dies erst der Beginn einer langen Ausfallliste. In dem nun angezettelten Ausscheidungsrenen bogen nun immer mehr Fahrer in die Verpflegungsboxen ab. Wer einmal – und sei es wegen eines Defekts – abgehängt war, hatte kaum noch eine Chance zurückzukommen.

Im Hauptfeld, das nun gleichzeitig die Spitze des Rennens darstellte, drückten lange die Franzosen aufs Tempo, sukzessive auch die Dänen, Italiener, Niederländer und Belgier. 68 Kilometer vorm Ziel hatte Craddock (USA) attackiert und ein Spitzenduo mit Küng initiiert. Das Duo fuhr maximal eine halbe Minute heraus. Pedersen stürmte vor zur Spitze, als noch 46,5 Kilometer zu fahren waren. Mit etwas Verzögerung schaffte es auch Mike Teunissen (Niederlande) in die Spitzengruppe, aus der Craddock bereits zurückgefallen war.

Trentin mit van der Poel zu Küng, Pedersen und Moscon

Eingangs der 3 letzten Runden lag ein Spitzentrio aus Pedersen, Küng und Teunissen 5 Sekunden vor dem inzwischen ausgerissenen Moscon und 20 vorm immer kleiner werdenden Hauptfeld. Moscon schloss auf. Dann 27 Sekunden hinter dem Quartett attackierte Politt (Deutschland). Teuns (Belgien), Martinez (Kolumbien) und Pöstlberger (Österreich) waren dabei, wurden dann aber überrollt von van der Poel und Trentin gut 33 Kilometer vorm Ziel am längsten Anstieg des Rundkurses. Dort fiel Teunissen aus der Spitzengruppe zurück.

31 Kilometer vorm Ziel erreichten van der Poel und Trentin das Spitzentrio. Die Vorentscheidung war gefallen. Es gab kurzzeitig ein Verfolgtrio aus Gorka Izagirre (Spanien), Betancur (Kolumbien) und Skujins (Lettland), das allerdings nur eng vorm Verfolgerfeld unterwegs war, ohne dem Spitzenquintett näher zu kommen. 2 Runden vor Schluss lag das Feld 25 Sekunden hinter Spitze. Als Moscon innerhalb der letzten 20 Kilometer kurzzeitig abreißen ließ, waren es schon 50 Sekunden.

Mit 48 Sekunden ging es dann in die Schlussrunde. Die Zeichen standen auf eine Revanche zwischen van der Poel und Trentin, die sich in der WM-Vorbereitung bereits die Tagessiege und ersten beiden Plätze bei der Großbritanninen-Rundfahrt aufteilten – mit deutlichen Vorteilen für van der Poel. Umso überraschender. war es, als dann von einem Moment auf den anderen der Tank bei van der Poel völlig leer war. Er kam auf dem 43. Platz 11 Minuten hinter dem Sieger ins Ziel.

Pedersens Triumph mit erst 23 Jahren kam zwar überraschend, aber nicht völlig sensationell. Seine 2 letzten Siege eine Woche zuvor beim GP d'Isbergues und ein Jahr zuvor bei der Tour de l'Eurométrople waren ebenfalls harte Wetterschlachten im Herbst. Und bei der Flandern-Rundfahrt des Vorjahres verbuchte er bereits einen Podestplatz bei einem Monument. Vor Mads Pedersen hatte noch kein Däne das WM-Straßenrennen der Profis für sich entschieden.

Ergebnis
1. Mads Pedersen (DEN) 6:27:28
2. Matteo Trentin (ITA) gl.Zeit
3. Stefan Küng (SUI) +0:02
4. Gianni Moscon (ITA) +0:17
5. Peter Sagan (SVK) +0:43
6. Michael Valgren (DEN) +0:45
7. Alexander Kristoff (NOR) +1:10
8. Greg van Avermaet (BEL)
9. Gorka Izagirre (ESP)
10. Rui Costa (POR)
11. Sonny Colbrelli (ITA) alle
12. Jakob Fuglsang (DEN)
13. Zdenek Stybar (CZE) gleiche
14. Carlos Betancur (COL)
15. John Degenkolb (GER) Zeit
16. Ion Izagirre (ESP) +1:14
17. Amund G. Jansen (NOR) gl.Zeit
18. Tadej Pogacar (SLO) gl.Zeit
19. Nils Politt (GER) +1:22
20. Niki Terpstra (NED) gl.Zeit
21. Toms Skujins (LAT) +1:46
22. Michael Albasini (SUI) +1:48
23. Tony Gallopin (FRA) +1:50
24. Michael Matthews (AUS) +1:57
25. Alberto Bettiol (ITA) gl.Zeit
26. Tao Geoghegan Hart (GBR) +2:20
27. Marc Hirschi (SUI) gl.Zeit
28. Julian Alaphilippe (FRA) +2:26
29. Daniel Martinez (COL) +3:59
30. Felix Großschartner (AUT) gl.Zeit
31. Ben Swift (GBR) +6:38
32. Yves Lampaert (BEL) +7:48
33. Oliver Naesen (BEL) +8:07
34. Sven Erik Bystrøm (NOR)
35. Tim Wellens (BEL) alle
36. Mike Teunissen (NED)
37. Dylan Teuns (BEL) gleiche
38. Esteban Chaves (COL)
39. Andrey Amador (CRC) Zeit
40. Chad Haga (USA) +10:27
41. Neilson Powless (USA) gl.Zeit
42. Benoît Cosnefroy (FRA) +10:52
43. Mathieu v. d. Poel (NED) gl.Zeit
44. Imanol Erviti (ESP) +14:48
45. Lucas Eriksson (SWE) gl.Zeit
46. Petr Vakoc (CZE) +19:25
- 197 Teilnehmer, davon 46 klassiert.

Streckenvorschau

Das WM-Straßenrennen 2019 in Yorkshire führt über eine Mammutdistanz von 285 Kilometern. Startort ist Leeds. Von Leeds führt die Strecke hüglig in einer Runde mit dem Uhrzeiger bis nach Harrogate, der Destination aller Rennen der Straßen-WM 2019. Dort sind dann noch 7 Runden auf einem 13,8 Kilometer langen Rundkurs zurückzulegen. Der Harrogate-Rundkurs ist wellig und vom Charakter her irgendwo zwischen Amstel Gold Race und Sprint einer großen Gruppe einzuordnen. Es geht rauf und runter, wobei zwischen Kilometer 8 und 9 der schwierigste Anstieg 80 Meter Höhenunterschied aufweist.

Planänderung wegen starker Regenfälle: Wegen schlechten Wetters musste die Anfahrt nach Harrogate wenige Stunden vorm Rennen stark verkürzt werden. Die Straßen in den reizvollen Mooren waren teilweise überflutet. Dadurch wurde das Rennen um 2 der 3 schwierigsten Anstiege und seine Mammutdistanz beschnitten. Zum Ausgleich stehen 2 Runden mehr über den Rundkurs in Harrogate auf dem Programm – womit man nun auf eine Renndistanz von 261,8 Kilometern kommt.

www-tipps

Yorkshire 2019
▲ 2 der 3 Zacken zu Beginn gestrichen!
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