Vuelta a España 2020 - 17. Etappe

Übersicht - Etappenplan - Berge - Startliste - Endklassement - Vuelta-Siegerliste

16. Etappe ◄ Sa 7. November: 17. Etappe ► 18. Etappe

Weiterer Bergsieg für Gaudu, Roglic rettet Rot

David Gaudu (Groupama) gewann aus der großen Flucht des Tages heraus die 17. Etappe der Vuelta 2020. Am Schlussanstieg zur Alto de Covatilla setzte sich der 24-jährige Franzose 28 Sekunden vor Gino Mäder (NTT) durch. Knapp 3 Minuten dahinter entglitt Primoz Roglic (Jumbo) fast das zweite Mal innerhalb von 7 Wochen einen Tag vor Schluss die Gesamtführung bei einer großen Rundfahrt. Richard Carapaz (Ineos) hatte an der Kilometermarke 30 der 45 Sekunden Vorsprung von Roglic abgeknabbert. Auf dem letzten Kilometer rettete Roglic das Rote Trikot dann, indem er den Rückstand zu Carapaz auf 21 Sekunden reduzierte. Zwischen den beiden kam Hugh Carthy (EF) an, der damit den 3. Podestplatz verteidigte.

 

Ergebnis
 1. David Gaudu (FRA)          - Groupama-FDJ             4:54:32
 2. Gino Mäder (SUI)           - NTT                        +0:28
 3. Ion Izagirre (ESP)         - Astana                     +1:05
 4. David de la Cruz (ESP)     - UAE-Emirates             gl.Zeit
 5. Mark Donovan (GBR)         - Sunweb                     +1:53
 6. Michael Storer (AUS)       - Sunweb                   gl.Zeit
 7. Guillaume Martin (FRA)     - Cofidis                    +2:23
 8. Richard Carapaz (ECU)      - Ineos                      +2:35
 9. Hugh Carthy (GBR)          - EF                         +2:50
10. Primoz Roglic (SLO)        - Jumbo-Visma                +2:56
11. Enric Mas (ESP)            - Movistar                   +3:03
12. Marc Soler (ESP)           - Movistar                   +3:16
13. Dorian Godon (FRA)         - AG2R La Mondiale           +3:21
14. Alexander Wlasow (RUS)     - Astana                     +3:38
15. Alejandro Valverde (ESP)   - Movistar                   +3:45
16. Stan Dewulf (BEL)          - Lotto-Soudal             gl.Zeit
17. Sergio Henao (COL)         - UAE-Emirates               +3:50
18. Daniel Martin (IRL)        - Israel                     +3:51
19. Mattia Cattaneo (ITA)      - Deceuninck-Quick Step
20. Wout Poels (NED)           - Bahrain-McLaren           alle
21. Felix Großschartner (AUT)  - Bora-Hansgrohe           gleiche
22. Thymen Arensman (NED)      - Sunweb                    Zeit
23. Lennard Hofstede (NED)     - Jumbo-Visma                +4:43
...
25. Sepp Kuss (USA)            - Jumbo-Visma                +5:00
27. Gorka Izagirre (ESP)       - Astana                     +5:13
28. George Bennett (NZL)       - Jumbo-Visma                +6:08
29. Mikel Nieve (ESP)          - Mitchelton-Scott           +6:08
36. Georg Zimmermann (GER)     - CCC                        +8:51
- 143 Fahrer klassiert.

 

Carapaz nur wegen weniger Boni hinter Roglic

Roglics Vorsprung vor Carapaz reduzierte sich auf 24 Sekunden. Da auf der Schlussetappe nichts mehr passiert, wird Roglic seinen 2. Vuelta-Gesamtsieg hintereinander einfahren, nachdem er zuvor die Tour de France nach sicher geglaubten Triumph noch abgeben musste. Auf der Strecke war während der Vuelta 2020 Carapaz 8 Sekunden schneller als Roglic. Aber Roglic holte 32 Bonussekunden mehr.

Gaudu enterte durch den Sieg auf der 17. Etappe die Top-Ten, stieg vom 11. auf den 8. Platz. David de la Cruz (UAE), der ebenfalls zur Flucht um Gaudu gehörte, verbesserte sich vom 10. auf den 7. Platz – beides zum Leidwesen von Großschartner (Bora), Valverde (Movistar) und Wlasow (Astana), die je einen Platz verloren und auf 9, 10 und 11 zurückfielen. Wlasow fehlten nur 2 Sekunden auf die Top-Ten. Für Großschartner war ein Defekt just am Fuße des Schlussanstiegs sicherlich nicht hilfreich, um den 7. Platz gegen de la Cruz und Gaudu zu verteidigen.

 

Gesamtwertung
 1. Primoz Roglic (SLO)        - Jumbo-Visma             69:17:59
 2. Richard Carapaz (ECU)      - Ineos                      +0:24
 3. Hugh Carthy (GBR)          - EF                         +0:47
 4. Daniel Martin (IRL)        - Israel                     +2:43
 5. Enric Mas (ESP)            - Movistar                   +3:36
 6. Wout Poels (NED)           - Bahrain-McLaren            +7:16
 7. David de la Cruz (ESP)     - UAE-Emirates               +7:35
 8. David Gaudu (FRA)          - Groupama-FDJ               +7:45
 9. Felix Großschartner (AUT)  - Bora-Hansgrohe             +8:15
10. Alejandro Valverde (ESP)   - Movistar                   +9:34
11. Alexander Wlasow (RUS)     - Astana                     +9:36
12. George Bennett (NZL)       - Jumbo-Visma               +14:04
13. Mikel Nieve (ESP)          - Mitchelton-Scott          +14:47
14. Guillaume Martin (FRA)     - Cofidis                   +15:07
15. Sergio Henao (COL)         - UAE-Emirates              +15:36
16. Sepp Kuss (USA)            - Jumbo-Visma               +16:26
17. Mattia Cattaneo (ITA)      - Deceuninck-Quick Step     +17:09
18. Marc Soler (ESP)           - Movistar                  +21:01
19. Gorka Izagirre (ESP)       - Astana                    +21:46
20. Gino Mäder (SUI)           - NTT                       +43:39
21. Georg Zimmermann (GER)     - CCC                       +45:04

 

34 frühe Ausreißer, darunter der spätere Sieger

n der Anfangsphase der 17. Etappe konnten sich gleich 34 Fahrer aus dem Hauptfeld absetzen. Außer Gaudu, Mäder und de la Cruz waren dies: Hofstede (Jumbo), Cavagna (Deceuninckp), Costa, Henao, Ivo Oliveira (wie de la Cruz alle UAE), Lopez (Trek), Donovan, Storer, Sütterlin (alle Sunweb), Fraile, Ion Izagirre (beide Astana), Ackermann, Schwarzmann (beide Bora-Hansgrohe), Schultz, Smith (beide Mitchelton-Scott), Armirail (wie Gaudu Groupama), van den Berg (EF), Wright (Bahrain), Godon (AG2R), Dewulf, van der Sande (beide Lotto), Herrada, Martin, Lafay (alle Cofidis), de Bod (wie Mäder NTT), Arcas, Erviti, Oliveira (alle Movistar), Bagües, Lastra (beide Caja Rural) und Molenaar (Burgos).

Insbesondere Armirail für Gaudu und Oliveira für de la Cruz opferten sich auf, um mit ihrer Tempoarbeit das Hauptfeld auf Distanz zu halten. Denn neben einem möglichen Etappensieg winkte auch eine verbesserte einstellige Platzierung im Gesamtklassement. Im bergigen Etappenverlauf verabschiedeten sich nach und nach Fahrer aus der Spitze nach hinten. Und das, was man Hauptfeld nannte, war auch nicht nennenswert größer als die Spitzengruppe oder das sich formierende Gruppetto.

In der Nachführarbeit kontrollierte Roglics Team den Abstand nach vorne auf ein verträgliches Maß. De la Cruz und Gaudu waren mit rund 10 Minuten Rückstand aufs Rote Trikot keine große Gefahr, und man wollte Carapaz und Carthy auch nicht die Möglichkeit geben, um den Etappensieg zu fahren, für den es 10 Bonussekunden gab. Carapaz und Carthy hatten anders als Roglic keine schlagkräftige Mannschaft mehr an ihrer Seite, um etwas vor dem Schlussanstieg zu bewegen.

Stattdessen rückte 60 Kilometer vorm Ziel das Team vom Gesamtfünften Mas (Movistar) vor und reduzierte den Rückstand zur Spitze von 3:20 auf 30 Kilometer später 1:30 Minuten. Dann attackierte aus diesem Team Soler im vorletzten Anstieg, fuhr zum Teamkollegen Erviti auf und erreichte mit dessen Hilfe innerhalb der letzten 20 Kilometer die Spitzengruppe, die zu diesem Zeitpunkt noch aus 14 Fahrer bestand. Von diesen machten sich in einem malerisch gepflasterten Dorfanstieg Mäder, Ion Izagirre und Mark Donovan auf und davon.

Der Rückstand des Feldes ums Rote Trikot sprang nun – wieder unter Führung von Roglics Team – hoch auf 3:30 Minuten. Das neue Spitzentrio fuhr bis zu 45 Sekunden auf die nächsten Verfolger heraus, von denen sich im 11,4 Kilometer langen Schlussanstieg Gaudu und Guillaume Martin im Bergtrikot als die ersten Verfolger herauskristallisierten. Izagirre hatte nach 2 Attacken Mäder und Donovan erst einmal abgeschüttelt, wurde dann aber 4,5 Kilometer vorm Ziel von Gaudu überholt, der seinerseit Martin hatte stehen lassen. Am Ende belegte Ion Izagirre mit 65 Sekunden Rückstand den 3. Platz. Zu ihm war noch de la Cruz vorgefahren.

Aus mittlerweile arg reduzierten Gruppe ums Rote Trikot attackierte zuerst 6 Kilometer vorm Ziel Alexander Wlasow, den man ein wenig gewähren ließ. Einen Kilometer später probierte Carthy einen Angriff auf die Plätze 1 und 2. Carapaz stieg ihm direkt nach. Auch Roglic musste nun selbst ran, weil sein letzter Helfer Kuss verbraucht war. Die Gruppe zerflog nun in ihre Einzelteile, wie es zuvor schon an der Spitze geschah. Es hieß jetzt jeder gegen jeden.

Roglic schloss mit Mas und Cattaneo (Deceuninck) am Rad das Loch zu Carthy und Carapaz, und Wlasow wurde gestellt. Daniel Martin (Israel) geriet ins Hintertreffen und verlor letztlich 76 Sekunden auf Carapaz und – wichtiger – 48 auf Mas, womit Martin und Mas auf den Plätzen 4 und 5 der Gesamtwertung verblieben.

Zitterpartie nach Schlussattacke von Carapaz

Innerhalb der letzten Kilometer attackierte Carapaz und brachte Roglic ordentlich in die Bredouille. Mas versuchte sich noch ans Hinterrad von Carapaz zu heften, verlor aber den Kontakt. So kamen Mas, Roglic und Carthy wieder zusammen. Wlasow hatten abreißen lassen und Cattaneo hatte sich etwas überschätzt.

Roglic erhielt in der verzweifelten Verfolgung nun etwas Unterstützung von Mas, dem eventuell der 4. Platz gegen Dan Martin winkte, wohingegen Carthy auf die nächste Attacke lauerte – und am Ende 6 Sekunden vor Roglic und 13 vor Mas im Ziel war. Ein Zünglein an der Waage spielten zudem Roglics Teamkollege Hofstede aus der frühen Flucht sowie Soler, der sich wieder zurückfallen ließ. Beide gaben Roglic und Mas ein wenig Windschatten, während inzwischen 30 Sekunden davor Carapaz alles allein machte.

Im Schlusskilometer gaben dann alle ihr letztes Hemd her als Solisten für eine Verbesserung oder Verteidigung der Platzierung im Endklassement. Anstatt weiter sukzessive Zeit auf Carapaz zu verlieren, wendete Roglic sogar etwas das Blatt. Es war daher enorm spannend, aber ein Thriller um ganz wenige Sekunden blieb allen erspart. Schon nach Überfahren der Ziellinie ballte Roglic erleichtert die Faust.


Vorschau auf diese Etappe: Die letzte und wohl auch einzige Chance nach dem Einzelzeitfahren, im Gesamtklassement noch etwas umzubiegen, gibt es am Vorschlusstag der Vuelta 2020 auf der 17. Etappe, die mit einer Bergankunft an der Alto de Covatilla endet. Auf dem Weg zum Schlussanstieg im Südwesten von Kastilien-Leon gibt das hüglige bis bergige Profil durchaus die Chance her, dem Team des Gesamtführenden schon weit vorm Ziel auf den Zahn zu fühlen. Der Schlussanstieg präsentiert sich für Vuelta-Verhältnisse dann eher von der flacheren Seite bei durchschnittlich 7,1 % auf einer Länge von 11,4 Kilometern und «nur» maximal 12 %. Eine Schwäche darf man sich hier trotzdem nicht erlauben, will man seine vordere Position im Gesamtklassement halten.

16. Etappe ◄ Sa 7. November: 17. Etappe ► 18. Etappe

Vuelta a España 2020
17. Etappe (178,2km)
von Sequeros 12:10
nach Alto de La Covatilla 17:15

1 -km130 13:34 Alto Portillo de las Batuecas
3 -km90 14:41 Alto de San Miguel de Valero
3 -km75 15:06 Alto de Cristóbal
S -km49 15:52 Montemayor del Rio
1 -km44 16:00 Alto de Peñacaballera
2 -km26 16:30 Alto de la Garganta
E -km0 17:15 Alto de La Covatilla

Etappensieg:
David Gaudu (FRA)

Rotes Trikot:
Primoz Roglic (SLO)

Punktewertung:
Primoz Roglic (SLO)
- wird vertreten von Carapaz

Bergwertung:
Guillaume Martin (FRA)

Jungprofi-Wertung:
Enric Mas (ESP)

Teamwertung:
Movistar

Radsport-Seite.de, Homepage / Vuelta España / Vuelta a España - Spanien-Rundfahrt 2020 / Vuelta a España 2020, 17. Etappe (Alto de La Covatilla)