Tour de France 2025 - 21. Etappe
Übersicht | Etappenplan | Berge | Startliste | Endklassement | Tour-Siegerliste |
20. Etappe ◄ So 27. Juli: 21. Etappe
Van Aert verhindert totale Pogacar-Party
Wout van Aert (Visma) gewann auf triefend nassen Straßen in Paris die abschließende 21. Etappe der Tour de France 2025 als Solist. Auf veränderter Streckenführung attackierte der Belgier bei der letzten von 3 Montmartre-Passagen und vergrößerte die kleine Lücke zum Gesamtsieger Tadej Pogacar (UAE) im Windschatten des ersten Kameramotorrads. Von 5 versprengten Verfolgern sprintete Davide Ballerini (XDS) auf der Champs-Élysées auf den 2. Platz vor Matej Mohoric (Bahrain) und Pogacar.
Im Gelben Trikot hatte Pogacar das Finale der letzten Etappe an sich gerissen, obwohl die Zeit wegen des Regenwetters schon 50 Kilometer vorm Ziel genommen wurde. Pogacar stürmte die ersten beiden Montmartre-Auffahrten in Front hinauf und reduzierte damit die Spitze erst auf 23, dann auf 6 Fahrer. Von denen bereitete Matteo Jorgenson (Visma) mit seinen Attacken das Siegessolo des Teamkollegen van Aert vor. Der konnte sich schließlich im letzten Anstieg als letzter an Pogacars Hinterrad halten und übertrumpfte ihn im oberen Teil. Die Top-6 komplettierte Matteo Trentin (Tudor).
Ergebnis 1. Wout van Aert (BEL) - Visma-Lease a Bike 3:07:30 2. Davide Ballerini (ITA) - XDS-Astana +0:19* 3. Matej Mohoric (SLO) - Bahrain Victorious gl.Zeit 4. Tadej Pogacar (SLO) - UAE-XRG gl.Zeit 5. Matteo Jorgenson (USA) - Visma-Lease a Bike +0:26 6. Matteo Trentin (ITA) - Tudor +0:38 7. Arnaud de Lie (BEL) - Lotto +1:14 8. Kévin Vauquelin (FRA) - Arkéa-B&B Hotels alle 9. Mike Teunissen (NED) - XDS-Astana gleiche 10. Dylan Teuns (BEL) - Cofidis Zeit 11. Kaden Groves (AUS) - Alpecin-Deceuninck +1:22 12. Tobias Lund Andresen (DEN) - Picnic-PostNL 13. Biniam Girmay (ERI) - Intermarché-Wanty alle 14. Alex Aranburu (ESP) - Cofidis gleiche 15. Neilson Powless (USA) - EF Education-Easypost Zeit - 160 Fahrer klassiert. *) Rückstände der Tageswertung gingen nicht in Gesamtwertung ein.
Jonas Vingegaard (Visma) ließ es im Finale ausrollen. Er beteiligte sich wie die meisten anderen nicht mehr um den Kampf für den letzten, prestigeträchtigen Etappensieg. Wegen der frühen Zeitnahme war dies möglich, und es veränderte sich am Rückstand von 4:23 in der Gesamtwertung zu Pogacar nichts mehr. Pogacar machte seinen 4. Tour-Gesamtsieg bei seiner 6. Teilnahme perfekt. Bei den 2 Nicht-Gesamtsiegen landete er auf dem 2. Platz hinter Vingegaard, der seinerseits bei 5 Teilnahmen 2 Gesamtsiege und drei 2. Plätze hinter Pogacar vorzuweisen hat.
Schon vor der Tour de France 2025 war relativ klar, dass es für alle anderen nur noch um den 3. Platz ging. Und diesen holte sich samt des weißen Trikots für den besten Jungprofi Florian Lipowitz (Red Bull). Der 24-jährige Deutsche attackierte sogar auf den kleineren Champs-Élysées-Runden, bevor es auf die 3 größeren Runde inklusive Montmartre ging. Dadurch überfuhr er die Zeitnahme sogar 9 Sekunden vor dem Hauptfeld, wodurch er den finalen Rückstand auf Pogacar auf exakt 11 Minuten reduzierte. Nach der Einholung spielte Lipowitz wie Vingegaard keine Rolle mehr. Denn es war egal für die beiden, mit 5 und 7 Minuten Rückstand ins Ziel zu kommen.
Endklassement 1. Tadej Pogacar (SLO) - UAE-XRG 76:00:32 2. Jonas Vingegaard (DEN) - Visma-Lease a Bike +4:24 3. Florian Lipowitz (GER) - Red Bull-Bora +11:00 4. Oscar Onley (GBR) - Picnic-PostNL +12:12 5. Felix Gall (AUT) - Decathlon-AG2R +17:12 6. Tobias Johannessen (NOR) - Uno-X +20:14 7. Kévin Vauquelin (FRA) - Arkéa-B&B Hotels +22:35 8. Primoz Roglic (SLO) - Red Bull-Bora +25:30 9. Ben Healy (GBR) - EF Education-Easypost +28:02 10. Jordan Jegat (FRA) - Totalenergies +32:42 mehr ...
In der Anfangsphase der 21. Etappe posierten die Fahrer – noch bei trockenem Wetter – rollend für die Kameras, insbesondere das Team des designierten Gesamtsiegers, das dann das Hauptfeld auf die zunächst kleineren Schlussrunden führte. Dort gingen nach der ersten Zieldurchfahrt die ersten Attacken. Etwas länger vorne halten konnte sich allerdings nur als Duo Lipowitz und Quinn Simmons. Die beiden setzten sich nach dem Zwischensprint in Front. Den gewann standesgemäß Jonathan Milan (Lidl) als Sieger der Punktewertung ums Grüne Trikot. Die Zeit wurde wenig später genommen.
Es folgte die 3-malige Befahrung des Montmartre-Anstiegs hoch um die Basilika Sacré-Cœur, eine vielfach kritisierte Neuerung der Paris-Etappe. Ab 1975 endete die Tour de France auf der Champs-Élysées mit einem flachen Kurs und fast immer mit einem Massensprint. Die olympischen Spiele in Paris 2024 änderten den Lauf der Geschichte letzter Tour-de-France-Etappe: im selben Jahr wich man ausnahmsweise nach Nizza aus, ein Jahr später dienten die Traumbilder des Olympia-Straßenrennens für die Hinzunahme von Montmartre auch bei der Tour de France.
Mindestens bei den Sprinter sorgte das für lange Gesichter. Interessanterweise war nun mit Wout van Aert ein Fahrer erfolgreich, der auch schon ein flaches Finale auf der Champs-Élysées im Sprint für sich entschieden hatte. Der Plan der Tour-Organisatoren ging insgesamt auf: Aufgrund des Wetters gab es zwar nicht die leuchtenden Bilder von Sacré-Cœur wie bei Olympia. Dafür säumten wieder Zuschauermassen die engen Straßen von Montmartre, wo sonst in Paris die Zuschauer eher meterweit von der Rennstrecke an den breiten Straßen entfernt stehen.
Außerdem lieferten die Fahrer ein Spektakel, an dem natürlich vor allem Pogacar im Gelben Trikot seinen großen Anteil hatte. Das alles dürfte vielen Zuschauern wieder einen Schwall von Gänsehaut bereitet haben. Mit seinen Verschärfungen sortierte Pogacar erst selbst das Feld vor auf schließlich 6 Fahrer. Unter den waren neben Ballerini, Mohoric und Trentin allerdings auch als einzig doppelt vertretene Teamkollegen van Aert und Jorgensen. Zwischen vorletzten und letzten Anstieg zermürbte Jorgenson die Konkurrenten.
Wout van Aert konnte man diesen Erfolg von Herzen gönnen. Nach 2 sehr schweren Verletzungen aus Rennunfällen im Vorjahr bereitete er maßgeblich dem Giro-Gesamtsieg seines Teamkollegen Simon Yates den Boden und hatte schon zuvor bei den Klassikern mehrere 2. und 4. Plätze gesammelt. Einen persönlichen Saisonsieg 2025 gab nur auf einer Giro-Etappe.
Vorschau auf diese Etappe: Im letzten Jahr endete die Tour de France nicht wie davor immer in Paris, sondern ausnahmsweise in Nizza mit einem Zeitfahren. Grund waren die olympischen Spiele in Paris, die nur wenige Tage nach der Tour de France begannen. 2025 kehrt die Tour für die abschließende 21. Etappe natürlich nach Paris zurück. Trotzdem weht ein Jahr später noch der Hauch von Olympia. Denn beim dortigen Straßenrennen stand der Montmartre-Anstieg hoch nach Sacré-Cœur im Profil. Daraus resultierten Traumbilder vor einer riesigen Zuschauermenge. Inspiriert davon gibt es diese Hügelrunde auch 3-mal im absoluten Finale der Tour de France 2025. Dadurch werden nicht nur Runden auf der Champs-Élysées gefahren, wo weiterhin der Zielstrich aufgemalt ist. Stattdessen geht es nun abschließend über einen 16,8-Kilometer-Rundkurs inklusive Montmartre und jeweils zurück zum Ziel, nachdem die alte Schlussrunde zuvor schon 4-mal genommen wurde. Dadurch ist auch die Zielanfahrt bis auf die gewohnten letzten 700 Meter mit Rechtskurve am Place de la Concorde anders als sonst.
Die Meldung darüber war einer der größten Aufreger im Vorfeld der Tour 2025, weil dadurch der so gut wie sichere Massensprint nicht mehr ganz so sicher ist, und die letzte Etappe noch deutlich hektischer werden könnte. Aber seien wir ehrlich: Der vorhersagbare Ausgang am Sonntagabend nach 3 Wochen Tour de France interessierte alljährlich wohl die wenigsten Menschen im Vergleich zu allen anderen 20 Etappe.
20. Etappe ◄ So 27. Juli: 21. Etappe





