Tour de France 2018 - Favoriten

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Lange Favoritenlisten

Die Liste der Favoriten, die bei der Tour de France 2018 ernsthaft das Podium anvisieren können, ist außergewöhnlich lang. Sie könnte sich jedoch schon im Teamzeitfahren und auf der Kopfsteinpflaster-Etappe erheblich ausdünnen, bevor es überhaupt in die Berge geht. Insbesondere die Teams Sky und Movistar haben mit Froome, Bernal, Thomas und Quintana, Landa, Valverde gleich mehrere Fahrer im Kader, die für die Top-3 infrage kommen. Auch für die zahlreichen Sprinteretappen gibt es ebenso viele Favoriten auf Tagessiege, wobei aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs am ehesten Groenewegen (LottoNL), Gaviria (Quick Step) und Sagan (Bora) zu nennen sind.

Um den Gesamtsieg

Größter Favorit um den Gesamtsieg ist wieder Chris Froome (Sky), um dessen Start es in der Woche vor der Tour großen Wirbel gab. Froome fuhr seit der stark erhöhten Salbutamol-Probe beim Vuelta-Sieg im September 2017 unter Vorbehalt. Ungeachtet dessen gewann Froome im Mai 2018 den Giro d'Italia und damit nach Tour 2017 und Vuelta 2017 die dritte große Rundfahrt in Folge. Eine Woche vor dem Tour-de-France-Start 2018 schloss der Tour-Veranstalter ASO Froome von der Tour de France 2018 aus und berief sich auf einen Paragrafen, nach dem eine Teilnahme von Froome rufschädigend für die Veranstaltung sei. In der Tat war es als unerträglich einzustufen, dass Froome inzwischen im 10. Monat ohne Klarheit darüber mitgefahren wäre, ob seine Ergebnisse überhaupt zählen.

Froomes Team Sky erhob Einspruch beim olympischen Komitee Frankreichs. Eine Entscheidung sollte nur 2 oder 3 Tage vor dem Tour-Start erfolgen. Dem kam der Weltverband UCI doch noch zuvor, indem er das Verfahren gegen Froome überraschend 6 Tage vorm Tour-Start einstellte. Froomes Anwälten war es gelungen, diverse Parameter des Salbutamol-Tests infrage zu stellen. In der Vergangenheit waren die Italiener Petacchi und Ulissi für ein Überschreiten des Salbutamol-Grenzwertes für 10 und 9 Monate gesperrt worden. Das Problem ließe sich ganz einfach lösen, indem es keine Ausnahmegenehmigungen mehr gäbe. Schwer kranke Asthmatiker könnten dann eben nicht mehr die Tour de France gewinnen.

Genau dies möchte Froome 2018 zum 5. Mal schaffen. Es wäre nebenbei auch das erste Giro-Tour-Double seit Pantani 1998. Und falls Froome irgendetwas passiert - das Team ist mit lauter Hochkarätern besetzt: Beispielsweise gilt Egan Bernal als das größte Rundfahrten-Talent der letzten Zeit, und Geraint Thomas gewann im Vorlauf zur Tour de France das Critérium du Dauphine ...

Ein vergleichbares Star-Team bring Movistar an den Start: Nairo Quintana möchte endlich seine erste Tour de France gewinnen und Mikel Landa endlich mal nicht im Schatten eines Kapitäns stehen. Hinzu kommt der beste Allrounder des vergangenen Jahrzehnts, Alejandro Valverde. Wie groß wird die Einigkeit innerhalb dieser theoretisch übermächtigen Dreierspitze sein, zumal auch noch der talentierte Marc Soler im Aufgebot steht?

Klarer ist die Ausgangsposition für Richie Porte (BMC), dem möglicherweise größten Herausforderer von Froome. Sein schwerer Sturz bei der Tour de France im Vorjahr stand allerdings sinnbildlich für Pleiten, Pech und Pannen, die Porte irgendwann bei einer 3-Wochen-Rundfahrt immer dazwischen kommen.

Endlich einmal als alleiniger Kapitän seines Teams darf Jakob Fuglsang (Astana) antreten, der bei der Tour de Suisse den 2. Platz hinter Porte und vor Quintana belegte. Ebenso wie beim französischen Hoffnungsträger Romain Bardet (AG2R) haben sich die Hoffnungen aber vielleicht schon nach dem Teamzeitfahren erledigt, so dass jeweils mit einer offensiven Fahrweise im Gebirge zu rechnen ist.

Der letzte Tour-Gesamtsieger, der nicht Froome hieß, war vor 4 Jahren Vincenzo Nibali (Bahrain). Dort stand das letzte Mal im Rahmen eine Tour de France Kopfsteinpflaster im Programm. Froome schied damals auf der Pflaster-Etappe aus, und Nibali sorgte u. a. mit seinem damaligen Teamkollegen Fuglsang für eine Vorentscheidung ...

Das erste Mal bei der Tour de France auf Gesamtwertung fährt Tom Dumoulin (Sunweb), der Giro-Gesamtsieger von 2017 und diesjährige Gesamtzweite hinter Froome. Ebenso wie bei Froome stellt sich bei Dumoulin die Frage, wie er die Doppelbelastung aus Giro und Tour verpackt.

Rigobert Uran (EF) möchte nach dem 2. Platz bei der Tour de France im Vorjahr nun zum ganz großen Wurf ausholen. Zweifel sind angebracht, schließlich war die Gelegenheit damals auch günstig.

Die Riege der Podest-Favoriten rundet Adam Yates (Mitchelton) ab, dessen Bruder beim Giro lange im Rosa Trikot unterwegs war, dann aber einbrach. Auffällig ist, dass Yates' Team seinen Top-Sprinter zu Hause ließ und vor allem aus Tempobolzern besteht. Hier sind die Ambitionen anscheinend groß.

Im erweiterten Favoritenkreis fährt Primoz Roglic (LottoNL) eventuell erstmals auf Klassement bei einer großen Rundfahrt. Ebenso wie für Dumoulin gilt bei Roglic, dass bei der Tour de France 2018 dafür ein paar Kilometer zu wenig im Einzelzeitfahren zu bestreiten sind. Offiziell heißt Roglics Team-Kapitän daher auch erst einmal Steven Kruijswijk. Ähnliche Sturzpiloten wie Porte sind Daniel Martin (UAE) und Ilnur Sakarin (Katusha). Sie sind aber genauso Top-Ten-Kandidaten wie Bauke Mollema (Trek) und Rafal Majka (Bora). Dass Warren Barguil (Fortuneo) seine traumhafte Tour aus dem Vorjahr wiederholen kann - davon träumt wohl höchstens das Gastgeber-Land.

Aus diesem fehlt Thibaut Pinot (Groupama) wegen der Folgen seiner Lungenentzündung beim Giro d'Italia. Weitere Klassementfahrer, die nach der Giro-Teilnahme auf die Tour de France verzichten, sind Fabio Aru (UAE) und Miguel Angel Lopez (Astana). Bei der Tour de France 2018 ist also fast alles dabei, was Rang und Namen hat.

In den Massensprints

Ähnlich undurchsichtig präsentiert sich die Ausgangslage vor den vielen Massensprints, von denen gleich der erste nicht nur um den Etappensieg, sondern auch ums Gelbe Trikot ausgetragen wird. Im Kampf gegeneinander sind Dylan Groenewegen (LottoNL), Fernando Gaviria (Quick Step), Peter Sagan (Bora) und auch Arnaud Démare (Groupama) alle für Etappensiege gut.

Erstmals seit mehreren Jahren nicht mehr als erstes zu nennen sind die beiden Deutschen Marcel Kittel (Katusha) und André Greipel (Lotto), die jedoch beide das Gegenteil beweisen wollen und auch können. Für die ebenfalls siegverwöhnten Mark Cavendish (Dimension Data) und Alexander Kristoff (UAE) wird es angesichts dieser Konkurrenz schon eng.

Weiterhin reinhalten werden Michael Matthews (Sunweb), Christophe Laporte (Cofidis), John Degenkolb (Trek), Sonny Colbrelli (Bahrain), Magnus Cort (Astana), Thomas Boudat (Direct Energie) und wahlweise Timothy Dupont oder Andrea Pasqualon (beide Wanty).

Die Punktewertung ums Grüne Trikot führt wieder nur über Weltmeister Peter Sagan. Nach Sagans früher und umstrittener Disqualifikation ging die Wertung im Vorjahr klar an der Allround-Sprinter Matthews. Aufgrund der vielen Flachetappen könnten 2018 jedoch auch mal Gaviria, Démare, Groenewegen und Kittel ein Wort mitreden, sofern sie denn auch Lust auf die Zwischensprints haben.

Von den besten Sprintern der Welt fehlt allen voran Elia Viviani (Quick Step), dessen Teamkollege Gaviria allerdings wie zu Saisonbeginn abgemacht den Vorzug für die Tour de France 2018 erhielt. Vivianis Giro-Konkurrent Sam Bennett (Bora) musste teamintern ebenso hinter Peter Sagan zurückstecken wie der neue Deutsche Meister Pascal Ackermann. Das Team von Caleb Ewan konzentriert sich 2018 allein aufs Gesamtklassement, und im Team von Nacer Bouhanni zählt man lieber auf Laporte.

→ Startliste der Tour de France 2018

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