Tour de France 2018 - 11. Etappe

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Thomas, Froome & Team fahren alles kaputt

Es macht keinen Spaß mehr. Das Team von Chris Froome (Sky) präsentierte sich auf der 11. Etappe der Tour de France 2018 noch dominanter als jemals zuvor und spielte die überbordende Stärke taktisch eiskalt aus. Froomes Adjutant Geraint Thomas gewann die Alpen-Bergankunft in La Rosière und übernahm das Gelbe Trikot.

Einzig Tom Dumoulin (Sunweb) war in der Lage, dem übermächtigen Duo die Stirn zu bieten. 20 Sekunden hinter Thomas belegte er - zeitgleich mit Froome - den 2. Platz. Mikel Nieve (Mitchelton) von den frühen Ausreißern wurde erst 400 Meter vorm Ziel von Thomas überrollt und kam schließlich auf den 5. Platz hinter Damiano Caruso (BMC), der ebenfalls zu der einst riesigen Ausreißergruppe gehörte, die sich zu Beginn der 11. Etappe formierte.

Auf der nur 108,5 Kilometer kurzen mittleren der 3 Alpenetappen ging Alejandro Valverde (Movistar) am drittletzten der 4 Anstiege des Tages früh in die Offensive und schloss auf seinen vorher ausgerissenen Teamkollegen Marc Soler auf. Aufgrund von Solers aufopferungsvoller Arbeit fuhr das Duo zeitweise fast 2 Minuten vorm Hauptfeld.

Valverde und Dumoulin versuchen es vor Schlussanstieg

Doch das Team von Froome und Thomas war noch in fast voller Teamstärke unterwegs und ließ sich deswegen zunächst auch nicht davon beeindrucken, als Dumoulin in der letzten Abfahrt mit seinem Teamkollegen Søren Kragh Andersen attackierte. Zu allem Überfluss sprang Nibali (Bahrain) Froomes Teams auch noch nach Valverdes Attacke mit 2 Helfern zur Seite.

Dumoulin fuhr mit Andersen eingangs des Schlussanstiegs zu Soler und Valverde auf. Soler war nun aufgebraucht und 14,5 Kilometer vorm Ziel auch Andersen. Von jetzt an fuhr Dumoulin nur noch von vorne, während Thomas und Froome noch mehrere Helfer als Schrittmacher hatten und deren Tempo die Gruppe der verbliebenen Klassementfahrer immer weiter schrumpfen ließ.

Valverde musste 6 Kilometer später Dumoulin ziehen lassen. Thomas attackierte 6 Kilometer vorm Ziel, als außer Froome alle Teamkollegen aufgebraucht waren und noch Dan Martin (UAE), Bardet (AG2R), Quintana, Landa (beide Movistar), Roglic, Kruijswijk (beide LottoNL) Anschluss hielten.

Thomas dockte an Dumoulin 4,5 Kilometer vorm Ziel an und ließ diesen an der 800-Meter-Marke stehen, kurz bevor Froome zu Dumoulin aufschloss. Froome hatte zuvor alle anderen Konkurrenten abgeschüttelt, zuletzt Dan Martin, der 57 Sekunden hinter Thomas das Ziel auf dem 6. Platz erreichte. Bardet, Nibali, Quintana, Roglic begrenzten den Schaden auf 59 Sekunden, knapp gefolgt von Kruijswijk. Der Rest erlebte ein mehr oder weniger großes Debakel.

Ergebnis
1. Geraint Thomas (GBR) - Sky 3:29:36
2. Tom Dumoulin (NED) - Sunweb +0:20
3. Christopher Froome (GBR) - Sky gl.Zeit
4. Damiano Caruso (ITA) - BMC +0:22
5. Mikel Nieve (ESP) - Mitchelton-Scott gl.Zeit
6. Daniel Martin (IRL) - UAE-Emirates +0:57
7. Jesus Herrada (ESP) - Cofidis gl.Zeit
8. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +0:59
9. Vincenzo Nibali (ITA) - Bahrain-Merida alle
10. Nairo Quintana (COL) - Movistar gleiche
11. Primoz Roglic (SLO) - LottoNL-Jumbo Zeit
12. Steven Kruijswijk (NED) - LottoNL-Jumbo +1:07
13. Mikel Landa (ESP) - Movistar +1:47
14. Egan Bernal (COL) - Sky gl.Zeit
15. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha-Alpecin +1:58
16. Daniel Navarro (ESP) - Cofidis +2:51
17. Pierre Latour (FRA) - AG2R La Mondiale +2:59
18. Gorka Izagirre (ESP) - Bahrain-Merida +3:06
19. Guillaume Martin (FRA) - Wanty-Groupe Gobert +3:08
20. Warren Barguil (FRA) - Fortuneo-Samsic gl.Zeit
...
23. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +3:30
26. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana +3:53
27. Bob Jungels (LUX) - Quick Step Floors +4:42
28. Adam Yates (GBR) - Mitchelton-Scott +11:29
36. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +11:29
37. Rafal Majka (POL) - Bora-Hansgrohe +11:29
71. Greg van Avermaet (BEL) - BMC +22:23
- 162 Fahrer klassiert.
HD Mark Cavendish (GBR) - Dimension Data
HD Mark Renshaw (AUS) - Dimension Data
HD Marcel Kittel (GER) - Katusha-Alpecin

Geraint Thomas vergrängte erwartungsgemäß Greg van Avermaet (BMC), der 8 Tage im Gelbe Trikot unterwegs war, von der Spitze der Gesamtwertung. Der 32-jährige Waliser hatte im Vorjahr nach dem Auftakt-Zeitfahren schon einmal das Gelbe Trikot getragen - und gewann einen Monat vor der Tour de France 2018 in den Alpen das Critérium du Dauphiné.

1:25 zwischen Teamkollegen Thomas und Froome

Woraus speist sich nun überhaupt noch die Spannung um den Gesamtsieg? Mit einer Portion Galgenhumor könnte man nun frohlocken, dass es interessant wird zu beobachten, wie es teamintern gelingt, dass Froome für das Giro-Tour-Double und seinen 5. Toursieg noch am vor Kraft nur so strotzenden Teamkollegen Thomas vorbeigeht. 85 Sekunden trennen die beiden nach der 11. Etappe. Dumoulin rückte auf den 3. Platz vor, immerhin nur 19 Sekunden hinter Froome.

Nibali verbesserte sich auf den 4. Platz. Zeitgleich mit ihm ist Roglic 2:23 Minuten hinterm Gelben Trikot und 17 Sekunden vor Kruijswijk, der gemeinsam mit seinem Teamkollegen Roglic wohl am ehesten die Erwartungen in La Rosière übertraf, sieht man mal von den Leistungen der Top-3 ab. Dan Martin rutschte nur knapp in die Top-Ten. Wie der mit ihm zeitgleiche Quintana - beiden fehlen 3:16 Minuten aufs Thomas - gehörte Martin zu denjenigen Klassementfahrern, die in der flachen ersten Woche die meiste Zeit einbüßten.

So liegt der enttäuschende Landa immer noch knapp vorm Co-Kapitän Quintana. Aus der einstigen Dreierspitze verabschiedete sich Valverde mit Pauken und Trompeten. Während Valverde dann gegen Dumoulin Schiffbruch erlitt und über 3 Minuten verlor, gingen Quintana und Landa gegen Thomas und Froome sang- und klanglos unter. In deren Bereich hielt sich außerdem Bardet, der es zwar nach Thomas' Attacke selbst einige Male probierte, dann aber der Verschärfung von Martin und Froome nicht mehr hinterherging.

Gesamtwertung
1. Geraint Thomas (GBR) - Sky 44:06:16
2. Christopher Froome (GBR) - Sky +1:25
3. Tom Dumoulin (NED) - Sunweb +1:44
4. Vincenzo Nibali (ITA) - Bahrain-Merida +2:23
5. Primoz Roglic (SLO) - LottoNL-Jumbo +2:23
6. Steven Kruijswijk (NED) - LottoNL-Jumbo +2:40
7. Mikel Landa (ESP) - Movistar +2:56
8. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +2:58
9. Nairo Quintana (COL) - Movistar +3:16
10. Daniel Martin (IRL) - UAE-Emirates +3:16
11. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +4:28
12. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana +4:53
13. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha-Alpecin +4:58
14. Mikel Nieve (ESP) - Mitchelton-Scott +5:21
15. Bob Jungels (LUX) - Quick Step Floors +5:50
16. Adam Yates (GBR) - Mitchelton-Scott +5:51
17. Domenico Pozzovivo (ITA) - Bahrain-Merida +6:36
18. Damiano Caruso (ITA) - BMC +10:01
19. Serge Pauwels (BEL) - Dimension Data +10:10
20. Pierre Latour (FRA) - AG2R La Mondiale +11:46
21. Warren Barguil (FRA) - Fortuneo-Samsic +12:46
22. Rafal Majka (POL) - Bora-Hansgrohe +13:19
23. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +13:45
24. Guillaume Martin (FRA) - Wanty-Groupe Gobert +13:49
25. Tanel Kangert (EST) - Astana +14:50
26. Egan Bernal (COL) - Sky +19:21
27. Greg van Avermaet (BEL) - BMC +20:11

Ständig wechselnde Spitzengruppe

An der Spitze gab es während der Etappe ständig neue Zusammensetzungen. Zwischenzeitlich wurden über 50 Fahrer gemeldet, die vor dem Hauptfeld unterwegs waren - aus unterschiedlichen Beweggründen: Einige wollten den Etappensieg, andere Bergpunkte, Sagan (Bora) Punkte fürs Grüne Trikot; Soler fungierte als Satellitenstation für Valverde, und ein paar Sprinter wollten sich zu Beginn ein Polster vorm ersten Berg aufbauen, um in der Karenzzeit zu bleiben.

Den frühen Zwischensprint passierte zuerst ein Quintett mit Sagan, Barguil (Fortuneo), Caruso, Sicard (Direct Energie) und Navarro (Cofidis). Im Montée de Bisanne schlossen mehrere Fahrer zur Spitze auf, darunter Alaphilippe (Quick Step) und Barguil (Fortuneo), die zuerst den HC-Berg passierten - rund 6 Minuten vor dem Hauptfeld. Julian Alaphilippe schuf damit die Grundlage, sein Bergtrikot zu verteidigen. Nach seinem Gala-Auftritt am Vortag fiel er aber im weiteren Verlauf der 12. Etappe entkräftet zurück.

Alaphilippe behält Bergtrikot gegen Pauwels und Barguil

Am folgenden Col du Pré war Warren Barguil zuerst oben, vorm eifrig Punkte sammelnden Serge Pauwels (Dimension). Diese beiden Fahrer positionierten sich nach der 12. Etappe entsprechend in Schlagdistanz zu Alaphilippe in der Bergwertung. Außerdem wurden an der Spitze zu diesem Zeitpunkt noch Nieve, Caruso, Kangert, Valgren (beode Astana), Gesbert, Moinard (beide Fortuneo), Frank (AG2R), Ion Izagirre (Bahrain), Herrada Navarro (beide Cofidis) und Atapuma (UAE) gesichtet.

Bergwertung
1. Julian Alaphilippe (FRA) - Quick Step Floors 61 p.
2. Serge Pauwels (BEL) - Dimension Data 49
3. Warren Barguil (FRA) - Fortuneo-Samsic 40
4. Rein Taaramäe (FRA) - Direct Energie 36
5. Rudy Molard (FRA) - Groupama-FDJ 22
6. David Gaudu (FRA) - Groupama-FDJ 21

Valverde fährt am Col du Pré zu Soler auf

Soler ließ sich am Col du Pré aus der Spitze zurückfallen, und Movistar übernahm kurzzeitig die Tempoarbeit von Sky, um die somit recht durchsichtige Aktion von Valverde vorzubereiten. Valverde schloss nach seiner Attacke relativ schnell zu Soler auf. Beide passierte den Col du Pré mit 3:50 Minuten Rückstand auf die Spitzen - und das Hauptfeld mit 5 Minuten.

Danach weiteten Valverde und Soler den Vorsprung vor Froome & Co. auf fast 2 Minuten aus. Im folgenden Cormet de Roseland schrumpfte der Abstand jedoch wieder - auch, weil Nibalis Helfer Pellizotti und Pozzovivo nun Froomes Mannen auch noch zur Hilfe sprangen - eine selten dämliche Aktion von Bahrain! Oben lagen die Abstände bei 1:55 von Soler und Valverde zur Spitze und 3 Minuten vom Hauptfeld zur Spitze.

Dumoulin versucht es später auf Abfahrt mit Andersen

In der Abfahrt wies Dumoulin seinen Teamkollegen Andersen an, das Tempo anzuziehen, und tatsächlich ging die Lücke hinter den beiden auf. Eingangs des Schlussanstiegs 17,5 Kilometer vorm Ziel hatte die Spitzengruppe, die jetzt aus Barguil, Moinard, Caruso, Valgren und Nieve bestand, 2:30 Vorsprung vor Soler und Valverde, 2:50 vor Andersen und Dumoulin sowie 3:20 vorm Hauptfeld.

Zwischen der Spitze und Valverde rangierten noch ein paar weitere frühe Ausreißer. Von denen kamen im Schlussanstieg noch einmal die Teamkollegen Herrada und Navarro nach vorne. Kurz darauf attackierte allerdings Nieve 9 Kilometer vorm Ziel - und setzte zum vermeintlichen Siegessolo an.

Thomas attackiert in Schlussanstieg vor Froome

Als erster Verfolger der frühen Spitzenreiter war Dumoulin bald auf sich allein gestellt. Dahinter mussten immer mehr Klassementfahrer ihre Hoffnungen begraben, weil sie aufgrund des Tempos von Kwiatkowski aus der Top-Gruppe zurückfielen. Als dieser ausscherte und auch Bernal den beiden Kapitänen Froome und Thomas keine Hilfe mehr war, attackierte Thomas.

Landa geriet in Probleme. Bardet versuchte, Thomas hinterher zu steigen, wurde aber von Froome markiert. Quintana fuhr Nibali und Roglic heran. Auch Martin fand wieder Anschluss, und Kruijswijk hing leicht zurück. Froome konterte die Attacke von Bardet, und nur Quintana und Bardet kamen mit. Bardet attackierte ein weiteres Mal, als Roglic und Nibali gerade wieder dran waren. Froomes schloss auf.

Von hinten kämpfte sich Martin vorbei. Froome ging ihm hinterher, wohingegen Quintana, Nibali, Bardet und Roglic abfielen und ab jetzt nur noch Schadensbegrenzung betreiben konnten. Zu ihnen kehrte Kruihswijk zurück.

Nieve erst 400 Meter vorm Ziel eingeholt

Thomas hatte über 4 Kilometer vorm Ziel zu Dumoulin aufgeschlossen. Froome schaltete kurz vor der Kilometermarke sein gewohntes Stakkato ein und schüttelte Martin ab. Es folgte noch die Attacke von Thomas auf Dumoulin und die Einholung von Nieve an der 400-Meter-Marke. Im Sprint um den 2. Platz konnte Dumoulin immerhin im letzten Moment an Froome vorbeigehen, was 2 Bonussekunden Unterschied machte.

Ohne Dumoulin hätte das Team Sky die versammelte Weltspitze also völlig deklassiert und nur noch wie Statisten aussehen lassen. Und ohne das Team Sky hätte diese 11. Etappe sogar ganz interessant sein können mit den ständig wechselnden Konstellationen an der Spitze und den frühen Attacken durch Valverde und Dumoulin. Aber über allem schwebte ein erdrückendes Team, das mit seiner Übermacht ausgerechnet das wichtigste Rennen der Saison zum langweiligsten Rennen der Saison macht. Alle Jahre wieder.


Vorschau auf diese Etappe: Auf der mittleren der 3 Alpenetappen liegt die Würze in der Kürze. Auf nur 108,5 Kilometern gibt es 4 Bergpreise: den Montée de Bisanne, den Col du Pré, den Cormet de Roseland und den Schlussanstieg nach La Rosière. Gut einen Monat zuvor gab es beim Critérium du Dauphiné eine entsprechende Etappe mit denselben 4 Anstiegen.
→ Profil und weitere Informationen auf www.letour.fr

Die 17. Etappe in den Pyrenäen ist übrigens - trotz Massenstart - noch kürzer. Die Juniorendistanzen dieser beiden Etappen sollen ein durchgängiges Feuerwerk der Angriffe provozieren. Kann klappen, muss es aber nicht. Wenn sich die Fahrer doch wieder auf den letzten Anstieg konzentrieren sollten, kommen sie dort frischer hin als nach einer Langdistanz.

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Tour de France 2018

Tour de France 2018
11. Etappe (108,5km)
von Albertville 14:05
nach La Rosière 17:23

-km97 14:20 Villard-sur-Doron
-km83 14:58 Montée de Bisanne
-km51 15:54 Col du Pré
-km39 16:14 Cormet de Roseland
-km0 17:23 La Rosière

Etappensieg:
Geraint Thomas (GBR)

Gelbes Trikot:
Geraint Thomas (GBR)

Grünes Trikot:
Peter Sagan (SVK)

Bergtrikot:
Julian Alaphilippe (FRA)

Jungprofi-Trikot:
Pierre Latour (FRA)

Teamwertung:
Movistar

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