Mailand-Sanremo 2026

(ITA/1.UWT) - Siegerliste Mailand-Sanremo

Pogacar hat sein Sanremo – gegen Pidcock

Tadej Pogacar (UAE) triumphierte bei Mailand-Sanremo 2026 im Zweiersprint. Der 32-jährige Slowene schlug von vorne Tom Pidcock (Pinarello) um ein halbes Vorderrad. Damit erfüllte sich Pogacar den heiß ersehnten Traum, auch dieses Monument des Radsports in seine außerirdischen Palmarès aufzunehmen. Für den 3. Platz löst sich Wout van Aert (Visma) innerhalb der letzten 2 Kilometer aus einem Verfolgerfeld als Finisseur.

Die beiden Top-Favoriten Mathieu van der Poel (Alpecin) und Pogacar waren wenige Kilometer vor der Cipressa, dem vorletzten Anstieg, gestürzt. Sie kamen zurück, und trotzdem lancierte Pogacar an der Cipressa die vorentscheidende Attacke, der nur Pidcock und van der Poel folgen konnten. Van der Poel musste im finalen Poggio-Anstieg abreißen lassen – mit gefletschten Zähnen und verletzter Hand.

Ausgangs der Poggio-Abfahrt wurde van der Poel von einem Verfolgerfeld gestellt. Kurz darauf brach van Aert aus und rettete den Podestplatz vor den heransprintenden Mads Pedersen (Lidl) und Corbin Strong (NSN). Van der Poel kam noch auf den 8. Platz.

4 Sekunden davor schrieb Pogacar ein weiteres Mal Geschichte, als erster Sanremo-Sieger im Weltmeister-Trikot seit über 40 Jahren und nun Triumphator von fast allen wichtigen Rennen. Ihm fehlt von den Monumenten jetzt nur noch Paris-Roubaix in der Sammlung – und das als 4-maliger Tour-de-France-Sieger!

Den Zweiersprint gegen Pidcock startete Pogacar spät zwischen der 200- und 150-Meter-Marke, nachdem er das Tempo etwas verschleppt hatte. Pidcock ließ sich minimal an der Bande einbauen, scherte dann nach links aus und kassierte fast noch Pogacar. Beide zeigten den Tigersprung. Pogacar begann erst einige Meter nach der Ziellinie ausgelassen mit nur einem Arm vom Lenker zu jubeln.

Direkt 2 Kilometer nach dem Start in Pavia bog ein offizielles Vorausfahrzeug und eine erste Spitzengruppe in einem Kreisverkehr falsch ab. So bekamen 9 andere frühe Ausreißer ihre Chance, sich in Szene zu setzen: Martin Marcellusi, Manuele Tarozzi (beide Bardiani), Lorenzo Mileso, Manilo Moro (beide Movistar), Andrea Peron, David Lozano (beide Novo Nordisk), Alexy Faure (Picnic), Dario Belletta und Mirco Maestri (beide Polti).

Den Rückstand des Hauptfeldes kontrollierte über 200 Kilometer Silvan Dillier für van der Poel und danach vor allem Domen Novak für Pogacar. 64 Kilometer vorm Ziel ereignete sich der erste heftigere Sturz, als Marcel Camprubi (Pinarello)  fast in erster Reihe gleich 3 Ineos-Fahrer (Kiwatkowski, Swift, Turner) gegen den Bordstein kegelte.

Bereits 40 Kilometer vorm Ziel lösten sich Maestri, Belletta und Milesi an der Capo Berta, der letzten der 3 Capi, bei noch 1:40 Minuten Vorsprung vor dem Hauptfeld. Der maximale Vorsprung hatte unter 7 Minuten betragen.

Dann erfolgten die Stürze der Favoriten, die erst einmal alles durcheinander wirbelten. Wohl Pogacar selbt löste 32,5 Kilometer vorm Ziel einen Massensturz aus, in den unter anderem van Aert und dessen Teamkollege Matteo Jorgenson verwickelt waren.

Nicht von den Kameras eingefangen wurde, dass van der Poel ebenfalls zu Boden gegangen sein musste. Denn seine Hand war lädiert, und er fuhr in einem zweiten Feld, das von seinem Co-Kapitän Jasper Philipsen höchstpersönlich, immerhin Sieger von vor 2 Jahren, angeführt wurde. Sehr wohl von den Kameras dokumentiert war, dass sich van Aert sehr lange mit Jorgenson im Windschatten des Begleitautos aufhielt.

Am Fuße der Cipressa-Steigung, 27 Kilometer vorm Ziel, wurden die letzten 3 frühen Ausreißer gestellt. Hinterm Hauptfeld dockte Pogacar gerade rechtzeitig an. Brandon McNulty pilotierte ihn nach vorne und fuhr dann von 26 bis 24,5 Kilometer vorm Ziel sogar noch Tempo an erster Position, bis Isaac del Toro für kurze Zeit als letzter Helfer übernahm.

2,5 Kilometer unterhalb des Gipfels, und damit 24,2 Kilometer vorm Ziel, attackierte Pogacar und hatte damit außer Pidcock und van der Poel alle anderen sogleich um mehrere Radlängen abgestellt. Ob wurden 23 Sekunden Vorsprung des Trios gemeldet.

Als es den Poggio hinaufging, war der Vorsprung auf 10 Sekunden geschrumpft. Im Flachstück hatten Pidcock und van der Poel Tempoarbeit übernommen, obschon Pogacar deutlich mehr als ein Drittel übernahm. Dann stürmte er in den Poggio herein, so dass der vorgegrillte Vorjahressieger van der Poel abplatzte. Pogacar wurde jedoch nicht Pidock los.

Die Kuppe, 5,5 Kilometer vorm Ziel, erreichte das Spitzenduo mit 16 Sekunden vor van der Poel und 20 Sekunden vorm stark geschrumpten Verfolgerfeld. In der Abfahrt und im abschließenden Flachstück übernahm Pidcock ein paar Führungen, pokerte aber auch etwas am Hinterrad des außerirdischen Weltmeisters. So musste es Pogacar mit einem anderen Gegner van der Poel aufnehmen, seinem Hauptrivalen bei den »flacheren« Eintagesrennen.

 

Sa 21. März 2026, Pavia - Sanremo
Ergebnis der 117. Auflage Milano-Sanremo (289,0km)
 1. Tadej Pogacar (SLO)        - UAE-XRG                  6:35:49
 2. Tom Pidcock (GBR)          - Pinarello-Q36.5          gl.Zeit
 3. Wout van Aert (BEL)        - Visma-Lease a Bike         +0:04
 4. Mads Pedersen (DEN)        - Lidl-Trek
 5. Corbin Strong (NZL)        - NSN
 6. Andrea Vendrame (ITA)      - Jayco-Alula
 7. Jasper Stuyven (BEL)       - Soudal-Quick Step
 8. Mathieu van der Poel (NED) - Alpecin-Premier Tech
 9. Matteo Trentin (ITA)       - Tudor
10. Edoardo Zambanini (ITA)    - Bahrain Victorious
11. Jenno Berckmoes (BEL)      - Lotto-Intermarché
12. Alex Aranburu (ESP)        - Cofidis
13. Tobias Lund Andresen (DEN) - Decathlon-CMA CGM
14. Mike Teunissen (NED)       - XDS-Astana
15. Matej Mohoric (SLO)        - Bahrain Victorious
16. Christophe Laporte (FRA)   - Visma-Lease a Bike
17. Paul Lapeira (FRA)         - Decathlon-CMA CGM
18. Romain Grégoire (FRA)      - Groupama-FDJ
19. Laurence Pithie (NZL)      - Red Bull-Bora
20. Jon Barrenetxea (ESP)      - Movistar                  alle
21. Bastien Tronchon (FRA)     - Groupama-FDJ
22. Bryan Coquard (FRA)        - Cofidis
23. Guillermo Silva (URU)      - XDS-Astana
24. Jonas Abrahamsen (NOR)     - Uno-X                    gleiche
25. Georg Zimmermann (GER)     - Lotto-Intermarché
26. Max Schachmann (GER)       - Soudal-Quick Step
...
33. Filippo Ganna (ITA)        - Ineos Grenadiers          Zeit
41. Julian Alaphilippe (FRA)   - Tudor                      +0:23
60. John Degenkolb (GER)       - Picnic-PostNL              +3:45
69. Jasper Philipsen (BEL)     - Alpecin-Premier Tech       +3:45
- 175 Teilnehmer, davon 168 klassiert.

 

In der Startliste von Mailand-Sanremo 2026 stehen die 18 WorldTour-Teams, die 3 besten ProTeams des Vorjahres (Cofidis, Pinarello, Tudor) sowie 4 weitere ProTeams, an die der Veranstalter mit Wildcards bedachte, und zwar Bardiani, Novo Nordisk, Polti und Unibet.

Strecke

Mit dem neutralisierten Start um 10:10 Uhr beginnt Mailand-Sanremo 2026 zum 2. Mal in Pavia. Auch ansonsten gibt es auf den fast 300 Rennkilometern keine Neuigkeiten. Nach Überquerung des Turchinopasses geht es hinunter ans Mittelmeer, wo an der Riviera noch die 3 Capi sowie die entscheidenden Anstiege Cipressa und Poggio di Sanremo im Streckenprofil stehen.

Anstiegekm-Zeit
Turchinopass149,713:37
Capo Mele51,615:42
Capo Cervo46,715:48
Capo Berta38,916:00
Cipressa21,716:28
Poggio di Sanremo5,616:48
Zielankunft auf der Via Roma in Sanremo:
Kilometer 298,0 ca. 16:55

Favoriten-Vorschau

Mailand-Sanremo ist das einzige Monument, bei dem derzeit ganz vielleicht auch jemand anderes gewinnen kann als Tadej Pogacar (UAE) oder Mathieu van der Poel (Alpecin). So sie denn am Start stehen, sind Pogacar-Siege in Lüttich und Lombardei im Prinzip sicher, und in Flandern besteht eine Restchance für van der Poel, in Roubaix umgekehrt eine Restchance für Pogacar gegen Top-Favorit van der Poel.

Auch bei Mailand-Sanremo 2026 ist van der Poel klar favorisiert. Dem Vorjahressieger kommt die Länge der Anstiege perfekt entgegen, wohingegen sie für Pogacar einen winzigen Tick zu kurz scheinen. Wenn Pogacar gewinnen will, muss sein Team an allen Anstiegen das Rennen ultraschwer machen. Ob es dazu nach verletzungsbedingten Ausfällen reicht?

Filippo Ganna (Ineos), im Vorjahr Zweiter zwischen van der Poel und Pogacar, ist 2026 am dritthöchsten gewettet. Frisch aus der Verletzung kommt Mads Pedersen (Lidl), normalerweise der einzige, der außer Ganna bei solchen Rennen ansatzweise mit Pogacar und van der Poel mithalten kann. Van der Poel hat als Sprinter in Jasper Philipsen den Sieger von vor 2 Jahren in der Hinterhand, Pogacar seinen als Kronprinzen hochstilisierten Teamkollegen Isaac del Toro.

Eine Reihe von Fahrern für Top-Platzierungen vereint Visma (van Aert, Jorgenson, Laporte) – aber auch für den Sieg? Tom Pidcock (Pinarello) reist derweil mit der Empfehlung eines Sieges bei Mailand-Turin 3 Tage vor Mailand-Sanremo an. Schon eher Außenseiterchancen im Sprint haben Paul Magnier (Soudal), der zudem Ex-Sieger Stuyven im Kader hat, sowie der zuletzt formstarke Tobias Andresen (Decathlon). Bei einer Ausgabe für die Bergfahrer wären hingegen noch zum Beispiel Romain Grégoire (Groupama) oder Tobias Johannessen (Uno-X) zu nennen.

www-tipps

Radsport-Seite.de, Homepage / Termine/Result. / Radsport-Termine 2026 / Mailand-Sanremo 2026