Giro d'Italia 2019 - 20. Etappe

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Bilbao siegt - Landa, Carapaz, Nibali stürmen

Pello Bilbao (Astana) gewann am Monte Avena die 20. Etappe des Giro d'Italia 2019 und damit eine weitere nach der 7. Etappe. Im Bergsprint in den Süddolomiten konkurrierten 3 Klassementfahrer und 5 eingeholte Ausreißer um den Tagessieg. Mikel Landa (Movistar) eröffnete früh den Sprint, wurde aber von Bilbao um mehr als Radlänge überflügelt. In der ersten Gruppe waren auch der Gesamtführende Richard Carapaz (Movistar) und der Gesamtzweite Vincenzo Nibali (Bahrain).

Primoz Roglic (Jumbo) verlor knapp eine Minute und damit vorübergehend den 3. Platz der Gesamtwertung an Landa. In seiner Paradedisziplin Einzelzeitfahren, mit der die Rundfahrt am folgenden Tag beschlossen wird, dürfte Landa wahrscheinlich wieder zu kassieren sein, Nibali jetzt nicht mehr unbedingt, zumal Roglic nachher 10 Sekunden Zeitstrafe aufgebrummt bekam. Er wurde von Zuschauern angeschoben.

Landa hatte im abschließenden Doppelanstieg der 20. Etappe (Croce d'Aune + Monte Avena) rund 13 Kilometer vorm Ziel aus der Gruppe der besten Klassementfahrer attackiert. Nibali und an seinem Hinterrad Carapaz lösten sich 3 Kilometer später in der technischen, kurzen Abfahrt hinterm Croce d'Aune von Roglic, Miguel Angel Lopez (Astana), Bauke Mollema (Trek) und Pawel Siwakow (Ineos).

Nibali und Carapaz erreichten noch in der Abfahrt Landa. Dann stürmte Nibali mit den beiden im Schlepptau die letzten 6 steigenden Kilometer hinauf und sammelte dabei die vorn verbliebenen Fahrer aus der Fluchtgruppe des Tages ein. Von denen belegte im Ziel Giulio Ciccone (Trek) in seinem blauen Bergtrikot den 3. Platz vor Carapaz und Nibali – und Bilbao gewann. Roglic musste im Schlussanstieg sogar noch Majka (Bora), Siwakow, Yates (Mitchelton) und Mollema ziehen lassen. Rafal Majka schaffte dies, obwohl er kurz vor Nibalis Bergab-Attacke in einer Serpentine gestürzt war. Fast 2 Minuten verlor Lopez am Monte Avena, nachdem er mit einem Zuschauer kollidierte und diesen danach ausführlich ohrfeigte.

Ergebnis
1. Pello Bilbao (ESP) - Astana 5:46:02
2. Mikel Landa (ESP) - Movistar gl.Zeit
3. Giulio Ciccone (ITA) - Trek-Segafredo +0:02
4. Richard Carapaz (ECU) - Movistar +0:04
5. Vincenzo Nibali (ITA) - Bahrain-Merida gl.Zeit
6. Tanel Kangert (EST) - EF Education First +0:15
7. Mikel Nieve (ESP) - Mitchelton-Scott gl.Zeit
8. Valentin Madouas (FRA) - Groupama-FDJ +0:25
9. Rafal Majka (POL) - Bora-Hansgrohe +0:44
10. Domenico Pozzovivo (ITA) - Bahrain-Merida gl.Zeit
11. Pawel Siwakow (RUS) - Ineos +0:48
12. Simon Yates (GBR) - Mitchelton-Scott gl.Zeit
13. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo gl.Zeit
14. Primoz Roglic (SLO) - Jumbo-Visma +0:54
15. Hugh Carthy (GBR) - EF Education First +1:10
16. Lucas Hamilton (AUS) - Mitchelton-Scott +1:19
17. Ama. Ghebreigzabhier (ETI) - Dimension Data +1:19
18. Miguel Angel Lopez (COL) - Astana +1:49
19. Eddie Dunbar (IRL) - Ineos +1:59
20. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha-Alpecin +2:18
21. Joe Dombrowski (USA) - EF Education First +3:25
...
28. Fausto Masnada (ITA) - Androni-Sidermec +9:32
30. Victor de la Parte (ESP) - CCC +12:48
33. Davide Formolo (ITA) - Bora-Hansgrohe +12:50
34. Jan Polanc (SLO) - UAE-Emirates +12:50
- 142 Fahrer klassiert.
DNF Florian Sénéchal (FRA) - Deceuninck-Quick Step

Am Gesamtführenden Richard Carapaz perlten auch auf der letzten schweren Alpenetappe alle Attacken ab, wie in der ersten Tageshälfte ein Fluchtversuch von Lopez am Manghenpass. Angesichts nach wie vor 1:54 Minuten Vorsprung vor Nibali ist Carapaz der erste Gesamtsieg eines Ecuadorianers bei einer großen Rundfahrt so gut wie sicher. 59 Sekunden hinter Nibali rückte Landa auf den 3. Platz auf, wird sich im Zeitfahren aber wieder nach hinten orientieren müssen.

Roglics Rückstand gegenüber Nibali vergrößerte sich auf 72 Sekunden – zunächst. Denn Roglic wurde im Croce-d'Aune-Anstieg von Zuschauern lange angeschoben und ließ dies ohne sichtliche Widerworte geschehen. 10 Sekunden Zeitstrafe verhängte die Jury gegen ihn.

Lopez verprügelt Zuschauer und wird nicht disqualifiziert

Ganz anders reagierte Lopez, als er im Schlussanstieg in einer Gruppe mit Roglic, Mollema, Siwakow und Pozzovivo (Bahrain) mit einem nebenher rennenden Zuschauer kollidierte und vom Rad musste. Nach einem zuvor schon für ihn verhunzten Giro entlud sich bei Lopez der Frust und er wurde tätlich gegenüber dem Zuschauer, ohrfeigte diesen mehrfach. Die Jury sprach – völlig zu Unrecht – keine Disqualifikation aus: ein Skandalurteil.

Die Regeln des Weltverbandes lassen nach tätlichen Angriffen eines Fahrers überhaupt keinen Spielraum. Eine Disqualifikation ist die zwingende Folge. Die Jury nahm sich den Spielraum trotzdem und sah eine «menschliche Reaktion». Aber egal, ob man es als menschlich bezeichnet oder nicht: Wenn ein Fahrer auf einen anderen Menschen einprügelt, muss das sanktioniert werden, egal was vorher passiert ist. Die Jury verbreitet damit das Bild, als sei Gewalt eine angemessene Reaktion, da ja menschlich. Unfassbar. So blieb Lopez auf dem 6. Platz der Gesamtwertung, nun deutlich hinter Mollema und nur noch knapp vor Majka und Yates.

Gesamtwertung
1. Richard Carapaz (ECU) - Movistar 89:38:28
2. Vincenzo Nibali (ITA) - Bahrain-Merida +1:54
3. Mikel Landa (ESP) - Movistar +2:53
4. Primoz Roglic (SLO) - Jumbo-Visma +3:16
5. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +5:51
6. Miguel Angel Lopez (COL) - Astana +7:18
7. Rafal Majka (POL) - Bora-Hansgrohe +7:28
8. Simon Yates (GBR) - Mitchelton-Scott +8:01
9. Pawel Siwakow (RUS) - Ineos +9:11
10. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha-Alpecin +12:50
11. Hugh Carthy (GBR) - EF Education First +15:57
12. Joe Dombrowski (USA) - EF Education First +20:12
13. Valentin Madouas (FRA) - Groupama-FDJ +21:13
14. Davide Formolo (ITA) - Bora-Hansgrohe +22:52
15. Jan Polanc (SLO) - UAE-Emirates +23:13
16. Giulio Ciccone (ITA) - Trek-Segafredo +26:20
17. Mikel Nieve (ESP) - Mitchelton-Scott +27:22
18. Tanel Kangert (EST) - EF Education First +30:00
19. Domenico Pozzovivo (ITA) - Bahrain-Merida +33:22
20. Fausto Masnada (ITA) - Androni-Sidermec +34:18
21. Eddie Dunbar (IRL) - Ineos +39:18


Vorschau auf diese Etappe: Eine weitere und letzte Bergetappe beim Giro d'Italia 2019 steht am 20. Renntag auf dem Programm. Noch einmal 4 Alpenpässe heizen den Fahrern ein: Cima Campo, Manghenpass (ersatzweise Cima Coppi anstatt des verschneiten Gavipasses auf der 16. Etappe), Passo Rolle, Croce d'Aune, und dazu die Bergankunft am Monte Avena. Der Anstieg zum Croce d'Aune ist 13,5 Kilometer lang, beginnt eher sanft, wird aber zunehmend schwieriger auf den bis zu 16 % steilen Rampen der letzten 6 Kilometer. Hinter der Passhöhe geht es zunächst 4 Kilometer bergab und dann noch einmal 6,9 Kilometer bergauf am Monte Avena (7,3 % im Schnitt und 11 % maximal). Auch die Berge davor haben es schon in sich, so dass der Veranstalter von einer «Königsetappe in den Dolomiten» spricht.
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► Landkarte und Profile auf www.la-flamme-rouge.eu

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Giro d'Italia 2019

Giro d'Italia 2019
20. Etappe (194,0km)
von Feltre 11:20
nach Monte Avena 17:13

-km167 12:19 Cima Campo
-km136 13:04 Telve
-km116 13:59 Manghenpass
-km82 14:48 Predazzo
-km61 15:31 Passo Rolle
-km11 16:47 Croce d'Aune
-km0 17:13 Monte Avena

Etappensieg:
Pello Bilbao (ESP)

Rosa Trikot:
Richard Carapaz (ECU)

Punktewertung:
Pascal Ackermann (GER)

Bergwertung:
Giulio Ciccone (ITA)

Jungprofi-Wertung:
Miguel Angel Lopez (COL)

Teamwertung:
Movistar

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