Flandern-Rundfahrt 2018

(BEL/1.UWT) - Siegerliste Flandern-Rundfahrt

Terpstra fliegt allen davon

Niki Terpstra (Quick Step) gewann die Flandern-Rundfahrt 2018 nach einem 28-Kilometer-Solo. Der 33-jährige Niederländer flog den Mitfavoriten am drittletzten bezeichneten Anstieg, Kruisberg/Hotond, unwiderstehlich davon. Der 2. Platz ging überraschend an Mads Pedersen (Trek), der seine Offensive schon 83 Kilometer vor dem Ziel gestartet hatte. Aus einer 10-köpfigen Verfolgergruppe setzten sich kurz vor Schluss Michael Valgren (Astana) und Philippe Gilbert (Quick Step) ab, wobei Gilbert den 3. Platz abstaubte.

Die 102. Flandern-Rundfahrt wurde bei nasskaltem Wetter gestartet und geriet bei abtrocknenden Bedingungen zu einem Ausscheidungsfahren unter den Favoriten. Von denen machte Terpstra am scheinbar endlosen Kombianstaig Kruisberg/Hotond allen einen Strich durch die Rechnung, die auf die letzten beiden Anstiege, Oude Kwaremont und Paterberg, warteten.

Terpstra nutzte eine Attacke von Vincenzo Nibali (Bahrain) als Startrampe, bevor den Sanremo-Sieger von seinem Hinterrad scheinbar mühelos abschüttelte. Nibali glänzte auf ungewohntem Terrain, obwohl er die Flandern-Rundfahrt eigentlich «nur» als Trainingseinheit für die 9. Tour-de-France-Etappe nutze wollte. Dennoch muss man konstatieren, dass Terpstra Nibali und letztlich auch alle anderen wie Amateure aussehen ließ.

Pedersen nach langer Flucht auf 2. Platz

Ebenfalls in Zeitfahrmanier war zum Schluss Mads Pedersen unterwegs. Der Dänische Meister stellte wie Terpstra alle anderen in den Schatten und rettete den 2. Platz vor den dem Vorjahressieger Gilbert, der ein Jahr später die Plätze mit seinem Teamkollegen Terpstra tauschte. Terpstra fügte nach Paris-Roubaix 2014 ein weiteres Monument seinen Palmarès hinzu.

Die Strecke für die Flandern-Rundfahrt 2018 war beinahe identisch zum Vorjahr. Zum 2. Mal fungierte Antwerpen als Startort. Auf den folgenden 262,9 Rennkilometern stellten sich den Fahrern 18 Hellingen in den Weg, davon 3-mal Oude Kwaremont und 2-mal Paterberg, die auch wieder die letzten beiden Anstiege 16,7 und 13,2 Kilometer vor dem Ziel in Oudenaarde waren. Knapp 100 Kilometer vor dem Ziel stand die Mauer von Geraardsbergen auf dem Programm. An der Muur wurden im letzten Jahr die Favoriten der Flandern-Rundfahrt überraschend früh auf dem falschen Fuß erwischt. 2018 kam alles wieder anders.

Nach dem scharfen Start in Antwerpen dauerte es 65 Kilometer bis die 11-köpfige Flucht des Tages bei der Flandern-Rundfahrt 2018 stand. Garcia (Bahrain), Gibbons (Dimension Data), Haller (Katusha), Eenkhoorn (LottoNL), Ganna (UAE), de Gendt (Sport Vlaanderen), Goolaerts (Verandas Willems), Peyskens (WB), Ligthart, Gerts (beide Roompot) und Turgis (Cofidis) waren die Name.

Als es in die Mauer von Geraardsbergen ging, war der Vorsprung der Spitzengruppe von zwischenzeitlich 6 auf nun etwas mehr als 2 Minuten gesunken. Im Hauptfeld erreignete sich kurz zuvor noch ein heftiger Massensturz, infolgedessen Oliver Naesen (AG2R) eine 15 Kilometer lange Aufholjagd betreiben musste. Sein ebenfalls häufig von Missgeschicken gebeutelter Landsmann Sep Vanmarcke (EF) war zu diesem Zeitpunkt schon in 2 Stürze verwickelt, allerdings in noch weniger entscheidenden Rennsituationen. Durch den Massensturz um Naesen geriet auch Valgren kurzzeitig ins Hintertreffen.

Diesmal keine Vorentscheidung an der Muur

An der Kapelmuur kam vorne Ivan Garcia zuerst heraus. 7 seiner Mitausreißer schlossen schnell wieder auf. Im Hauptfeld zeigten sich Tiesj Benoot (Lotto) und Vanmarcke - letztlich ohne weitreichende Konsequenzen. Bis zum nächsten Anstieg wollten einige Fahrer zu der inzwischen nicht mehr weiten Spitzengruppe springen: de Kort (Trek), Cort (Astana) und Kusnezow (Katusha), dann Weening (Roompot) und Devriendt (Wanty), dann van Emden (LottoNL) und Mads Pedersen. 78 Kilometer vor dem Ziel stießen davon Devriendt, Weening, van Emden und Pedersen zu den 8 Spitzenreitern Garcia, Haller, Eenkhoorn, Ganna, de Gendt, Peyskens, Ligthart und Turgis.

Am Kanarieberg formierte sich wiederum ein Spitzenduo aus Tom Devriendt und Ivan Garcia. Da waren noch 72 Kilometer zu fahren. Die weiteren 10 Fahrer aus der Spitzengruppe wurden sukzessive vom Verfolgerfeld überholt, während sich Pedersen eisern dazwischen hielt. Wynants (LottoNL) und Politt (Katusha) probierten vor der 2. Kwaremont-Passage eine Offensive. Diese wurde dann aber überrollt von einer Verschärfung durch Yves Lampaert (Quick Step). Die großen Duellanten Peter Sagan (Bora) und Greg van Avermaet (BMC) verloren kurzzeitig den Kontakt zu den anderen Favoriten. Zwischen Oude Kwaremont und Paterberg attackierte Magnus Cort.

Hinter dem Paterberg gelang Pedersen der Wiederanschluss an Devriendt und Garcia. Sebastian Langeveld (EF) und Dylan van Baarle (Sky) sprangen vor zu Cort. Die beiden Trios fanden 47 Kilometer vor dem Ziel zusammen, allerdings nur knapp vor dem Verfolgerfeldfeld, in dem alle Favoriten wieder versammelt waren.

Van Baarle, Langeveld und Pedersen voraus

Aus dem berüchtigten Koppenberg gingen Langeveld, van Baarle und Pedersen mit Vorsprung heraus. Im Verfolgerfeld zeigte Terpstra eine erste Kostprobe, als er den Koppenberg mit leichtem Vorsprung vor seinem Teamkollegen Gilbert bewältigte. Ab etwa der 30. Position kam es zu einem Stau, und einige Fahrer mussten absteigen. Terpstras Einlage war schnell vorbei.

38 Kilometer vor dem Ziel hatte das Spitzentrio seinen knappen Vorsprung leicht auf 45 Sekunden ausbauen können. Am Taaienberg attackierte van Avermaet mit Zdenek Stybar (Quick Step) am Rad. Dann probierten es Benoot und Terpstra auf dem Flachstück dahinter, doch Kwiatkowski (Sky) und Sagan passten auf. Ebenso neutralisiert wurde ein Vorstoß von Stybar, Roelandts und Moscon. Hinter dem Spitzentrio verbrauchte Sagan nun seinen letzten Helfer Daniel Oss für die Tempoarbeit in der 30-köpfigen Verfolgergruppe.

Am Kruisberg Vorentscheidung nach Nibalis Attacke

Und da sollte die Vorentscheidung am Kruisberg fallen. In den unteren gepflasterten Teil attackierte Sonny Colbrelli (Bahrain) hinein - ohne nachhaltigen Effekt. Hinter dem Pflaster attackierte Stybar mit Kwiatkowski, Sagan und Nibali am Rad. Jasper Stuyven führte weitere Fahrer heran. Nun konterte Nibali, gefolgt von Terpstra. Vanmarcke ließ sich mit technischem Problemen zum Teamfahrzeug zurückfallen. Im weiteren Verlauf der Steigung brach Nibali den Kontakt zum Hinterrad des «fliegenden Holländers» ab.

Bis zum Oude Kwaremont reduzierte Terpstra den Rückstand zum Spitzentrio auf 12 Sekunden. Dagegen verloren das Verfolgerfeld über 20 Sekunden auf Terpstra, teils wegen dessen entfesselter Fahrt, teils wegen Uneinigkeit. Terpstra rauschte an den 3 Ausreißern vorbei. Von denen stellte es van Baarle und Langeveld auf, während Pedersen sogar fast Kontakt zu Terpstra hielt! Unter den Verfolgern bestimmten Benoot und Vanmarcke das Tempo bergauf, gefolgt von van Avermaet, Sagan, Stybar, Gilbert, Valgren, Naesen und Wout van Aert (Verandas Willems).

Bewachter Sagan reagierte zu spät

Auf der folgenden Hauptstraße machte sich bei Sagan allmählich Verzweiflung breit, da sich die Augen auf ihn richteten und das stärkste Team mit Terpstra auf der Weg zum Sieg war. Der Weltmeister attackierte im Flachen, aber van Aert schloss die Lücke mit Gilbert am Rad. So ging Terpstra relativ knapp vor Pedersen in der Paterberg. Die Verfolgergruppe war über eine halbe Minute zurück. Im Paterberg holte die Verfolgergruppe van Baarle ein. Bei Langeveld war dies schon zuvor geschehen. Erst auf den letzten Metern des steilen letzten Anstiegs trat Sagan an und brachte dafür eine erstaunlich große Lücke zwischen sich und die folgenden Vanmarcke, Benoot und Gilbert.

Zum Trio hinter Sagan schlossen van Avermaet, Stybar, Naesen, Stuyven, Valgren, van Aert und van Baarle auf. 9 Kilometer vor dem Ziel gab Sagan sein Solo auf. Terpstra war uneinholbar vorn und ließ es am Ende auf der Zielgeraden genüsslich 12 Sekunden vor Pedersen austrudeln. Pedersen hingegen musste sich mächtig strecken, um 5 Sekunden auf die nächsten Verfolger zu halten. Valgren attackierte 2 Kilometer vor dem Ziel für den 3. Platz, hatte aber Gilbert an den Hacken. Um den 5. Platz sprintete van Avermaet vor Sagan und Stuyven über die Linie. Die Sprinter Démare (Groupama) und Kristoff (UAE) belegten rund eine Minute später den 15. und 16. Platz - unmittelbar vor Nils Politt.

So 1. April 2018, Antwerpen - Oudenaarde
Ergebnis der 102. Auflage Ronde van Vlaanderen (262,9km)
1. Niki Terpstra (NED) - Quick Step Floors 6:21:25
2. Mads Pedersen (DEN) - Trek-Segafredo +0:12
3. Philippe Gilbert (BEL) - Quick Step Floors +0:17
4. Michael Valgren (DEN) - Astana +0:20
5. Greg van Avermaet (BEL) - BMC +0:25
6. Peter Sagan (SVK) - Bora-Hansgrohe
7. Jasper Stuyven (BEL) - Trek-Segafredo
8. Tiesj Benoot (BEL) - Lotto-Soudal
9. Wout van Aert (BEL) - Verandas Willems alle
10. Zdenek Stybar (CZE) - Quick Step Floors
11. Oliver Naesen (BEL) - AG2R La Mondiale gleiche
12. Dylan van Baarle (NED) - Sky
13. Sep Vanmarcke (BEL) - EF Education First Zeit
14. Timo Roosen (NED) - LottoNL-Jumbo +1:09
15. Arnaud Démare (FRA) - Groupama-FDJ +1:13
16. Alexander Kristoff (NOR) - UAE-Emirates
17. Nils Politt (GER) - Katusha-Alpecin alle
18. Mike Teunissen (NED) - Sunweb
19. Edvald Boasson Hagen (NOR) - Dimension Data gleiche
20. Magnus Cort (DEN) - Astana
21. Gianni Moscon (ITA) - Sky Zeit
22. Sebastian Langeveld (NED) - EF Education First +1:15
23. Sonny Colbrelli (ITA) - Bahrain-Merida gl.Zeit
24. Vincenzo Nibali (ITA) - Bahrain-Merida +1:18
25. Heinrich Haussler (AUS) - Bahrain-Merida +1:24
...
27. Jürgen Roelandts (BEL) - BMC +3:16
28. Michal Kwiatkowski (POL) - Sky +3:16
32. John Degenkolb (GER) - Trek-Segafredo +3:40
45. Matteo Trentin (ITA) - Mitchelton-Scott +4:10
- 175 Teilnehmer, davon 104 klassiert.

Anstiege («Hellingen»)

km-

Zeit

Länge

med.

max.

KSP*

Lippenhovestraat

180

12:45

-

-

-

1,3

Paddestraat

178

12:47

-

-

-

1,5

1.

Oude Kwaremont

146

13:33

2,2

4,0%

11,6%

1,5

2.

Kortekeer

135

13:48

1,0

6,4%

17,0%

3.

Edelare

128

13:58

1,2

5,2%

10,0%

1,2

4.

Wolvenberg

125

14:03

0,6

7,9%

17,3%

-

Holleweg

125

14:03

-

-

-

1,5

Haaghoek

119

14:11

-

-

-

2,0

5.

Leberg

116

14:16

1,0

4,2%

13,8%

-

6.

Berendries

112

14:21

0,9

7,0%

12,3%

-

7.

Tenbosse

107

14:28

0,5

6,9%

8,7%

-

8.

Muur - Kapelmuur

97

14:43

0,8

9,0%

20,0%

0,8

9.

Pottelberg

78

15:10

1,4

3,3%

10,0%

-

10.

Kanarieberg

72

15:18

1,0

7,7%

14,0%

-

11.

Oude Kwaremont

56

15:41

2,2

4,0%

11,6%

1,5

12.

Paterberg

53

15:46

0,4

12,9%

20,3%

0,4

13.

Koppenberg

46

15:55

0,6

11,6%

22,0%

0,6

Mariaborrestraat

42

16:01

1,1

14.

Steenbeekdries

41

16:03

0,7

5,3%

6,7%

0,7

15.

Taaienberg

38

16:07

0,5

6,6%

15,8%

0,5

16.

Kruisberg/Hotond

27

16:23

2,5

5,0%

9,0%

0,5

17.

Oude Kwaremont

17

16:37

2,2

4,0%

11,6%

1,5

18.

Paterberg

14

16:42

0,4

12,9%

20,3%

0,4

Zielankunft in Oudenaarde: Kilometer 262,9 ca. 17:01
*) Kopfsteinpflaster

Neben den 18 WorldTour-Rennställen stehen die Teams Cofidis, Sport Vlaanderen, Roompot, Verandas Willems, Vital Concept, Wanty und WB-Aqua Project am Start der Flandern-Rundfahrt 2018. Diese 7 Formationen erhielten vom Veranstalter eine Wildcard.

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