Straßen-WM 2017 in Bergen - Straßenrennen

Übersicht WM 2017 - Siegerliste Straßenrennen

So 24. September 2017
Location: Rong - Bergen (NOR)
Distanz: 267,5 km

Hattrick für Sagan statt Heimsieg für Kristoff

Peter Sagan (Slowakei) wurde als erster Fahrer zum 3. Mal hintereinander Straßen-Weltmeister. Im norwegischen Bergen setzte er sich im Sprint eines 29-köpfigen Feldes knapp vor Alexander Kristoff (Norwegen) durch. Gegen die beiden chancenlos war Michael Matthews (Australien) auf den 3. Platz vor Matteo Trentin (Italien).

Kristoff eröffnete den Sprint früh auf der 250 Meter langen Zielgeraden - ein Tick zu früh. Lange wehrte er sich gegen Sagan, der das richtige Hinterrad gewählt hatte. Erst kurz vor der Linie ging Sagan um eine viertel Vorderradlänge mit dem Tigersprung vorbei. Matthews konnte das Hinterrad von Sagan überhaupt nicht halten.

Alaphilippe und Moscon nach letztem Anstieg vorn

Zuvor war es niemandem gelungen, auf dem sprinterfreundlichen Rundkurs von Bergen eine Sprintentscheidung ernsthaft infrage zu stellen. Am Salmon Hill zeigte sich zwar Julian Alaphilippe (Frankreich) in der letzten Runde deutlich am stärksten, und Gianni Moscon (Italien) folgte ihm. Aber das Duo konnte nur wenige Sekunden herausfahren, die auf dem abfallenden bis flachen Schlussstück nicht ausreichten.

Alaphilippe hängte den unterlegenen Moscon auf einem Pflasterabschnitt 4,5 Kilometer vor dem Ziel ab. Kurzzeitig fuhr ihnen ein Verfolgerduo mit Pöstlberger (Österreich) und Kirijenka (Weißrussland) hinterher, das allerdings einen noch geringeren Abstand zum Verfolgerfeld hatte als zur Spitze.

Bildausfall während spannendster Phase

Die letzten 3,5 Kilometer fiel das Signal der Kameramotorräder aus, womit sich das norwegische Fernsehen vor der gesamten Welt bis auf die Knochen blamierte. Erst die letzten 800 Meter konnte man wieder im Live-Bild verfolgen. Alaphilippe war da eingeholt, und der rote Teppich für Kristoff, Sagan und Matthews ausgerollt.

Nachtrag: Davor hatte Moscon während des Bildausfalls noch einmal den Anschluss zu Alaphilippe hergestellt. Kurz vor dem Schlusskilometer erreichten Gaviria (Kolumbien) und Cort (Dänemark) das Spitzenduo. Magnus Cort unterquerte den Kilometerbogen dann mit einigen Radlängen Vorsprung, wurde aber auf Betreiben der Italiener gestellt. Nach dem Rennen folgte die Disqualifikation von Moscon, weil er sich in der vorletzten Runde am Materialwagen festhielt.

Heiteres Wetter in der Regenhauptstadt

Sicherlich spielte auch das sehr gute Wetter eine Rolle in einer Stadt, die eigentlich als Regenhauptstadt Europas gilt. So wurde eine Sprintentscheidung wahrscheinlicher. Auch die frühe Spitzengruppe und die ersten ereignislosen Rennstunden waren keine Argumente dagegen, dass am Ende der 267,5 Rennkilometer ein Sprint übers Regenbogentrikot richten würde.

Die frühe Flucht des Tages bestand aus 10 Fahrern, die maximal 10 Minuten herausfahren durften, und zwar: Dunne, McKenna (beide Irland), Vermeulen (USA), Smit (Südafrika), Mraouni (Marokko), Amador (Costa Rica), Magnusson (Schweden), Asadow (Aserbaidschan), Manninen (Finnland) und Zhupa (Albanien). Relativ zeitig kümmerten sich die Tschechen und vor allem Julien Vermote für die Belgier um die Nachführarbeit. Bei beiden Teams musste man zumindest im Nachhinein fragen: Wozu?

Als noch um die 100 Kilometer zu fahren waren, schalteten sich auch ein Norweger und dann mehrere Niederländer ein. Der Vorsprung der übrigen frühen Ausreißer sank auf unter eine Minute. 85 Kilometer vor dem Ziel wurden die Ausreißer gestellt, und die Belgier und Polen begaben sich in die ersten Positionen des Hauptfeldes, das nun die Spitze des Rennens bildete.

Intermezzo mit Gruppe um Haller und Wellens

70 Kilometer vor dem Ziel initierte Marco Haller (Österreich) am Salmon Hill in der viertletzten der 19,1 Kilometer langen Runden eine neue 8-köpfige Spitzengruppe. Zu ihm gesellten sich Wellens (Belgien), Eiking (Norwegen), de la Cruz (Spanien), Pantano (Kolumbien), de Marchi (Italien), Haig (Australien) und Boom (Niederlande). Nun waren die Franzosen und Polen zum Nachfahren verurteilt.

Der Vorsprung dieser Gruppe wuchs nie auf über eine Minute, war aber dennoch groß genug, dass sinnlose Soloverfolgung von Politt (Deutschland) 43 Kilometer vor dem Ziel scheiterte. Im Vorfeld der vorletzten Salmon-Hill-Passage attackierte Dumoulin (Niederlande) ohne wegzukommen. Das Spitzenoktett hatte nur noch 10 Sekunden Vorsprung. Trotz oder wegen Attacken von Dumoulin und Gallopin (Frankreich) lief hinter dem Salmon Hill wieder alles zusammen.

Niemand erhielt wirklich Ausgang

Es folgten mehrere verzweifelte Attacken von Einzelzeitfahren, die fast alle sofort oder nach maximal 2 Kilometer wieder entschärft waren. Dies galt für Naesen (Belgien), Dillier (Schweiz), Mas (Spanien), gemeinsam Langeveld (Niederlande) und Martens (Deutschland) sowie noch einmal Gallopin, der es kurz vor dem letzten Anstieg versuchte.

Im Salmon Hill ging Valgren aus dem immer noch großen Hauptfeld in die Offensive. Dann war es aber Alaphilippe, der den Takt angab. Zunächst sah es so aus, als könnten Gilbert (Belgien) und Terpstra (Niederlande) mithalten. Stattdessen stieß Moscon zu Alaphilippe, der jedoch offensichtlich noch deutlich mehr im Tank hatte. Folgerichtig ließ Moscon auf dem leicht steigenden Kopfsteinpflaster abreißen. Zum WM-Titel aber reichte es für Alaphilippe nicht, weil er nun einer gegen alle war und die Distanz vom Salmon Hill bis ins Ziel für ihn zu lang war.

So kam es zum engen Duell zwischen Sagan und Alexander Kristoff, der sonst für Katusha-Alpecin fährt und nächste Saison das Regenbogentrikot für seinen dann neuen Arbeitgeber UAE-Emirates getragen hätte. Nun aber bleibt dieses Kleidungsstück in den Reihen von Bora-Hansgrohe, dem Team von Peter Sagan, der seinen 101. Profisieg verbuchte.

Mit erst 27 Jahren stieg Sagan in die Riege der 3-fachen Rad-Weltmeister im Straßenrennen auf: Binda (Italien), van Steenbergen, Merckx (beide Belgien) und Freire (Spanien). 4-mal hat noch niemand den Titel geholt. Das wird zumindest nächstes Jahr für Sagan schwierig: Denn der Kurs in Innsbruck 2018 ist etwas für die Kletterer. Da muss der kommende Weltmeister wohl mehr als die letzten 2 Meter des Rennens in Front sein...

Durchfahrtzeiten auf Tissot Timing.

Ergebnis
1. Peter Sagan (SVK) 6:28:11
2. Alexander Kristoff (NOR)
3. Michael Matthews (AUS)
4. Matteo Trentin (ITA)
5. Ben Swift (GBR)
6. Greg van Avermaet (BEL)
7. Michael Alabsini (SUI)
8. Fernando Gaviria (COL)
9. Alexej Luzenko (KAZ)
10. Julian Alaphilippe (FRA)
11. Michal Kwiatkowski (POL)
12. Søren Kragh Andersen (DEN) alle
13. Tony Gallopin (FRA)
14. Zdenek Stybar (CZE)
15. Wassil Kirijenka (BLR)
16. Wajtschesl. Kusnezow (RUS)
17. Philippe Gilbert (BEL)
18. Sergej Tschernezki (RUS)
19. Rui Costa (POR) gleiche
20. Simon Geschke (GER)
21. Michael Valgren (DEN)
22. Lukas Pöstlberger (AUT)
23. Ilnur Sakarin (RUS)
24. Niki Terpstra (NED)
25. Tom Dumoulin (NED)
26. Daniel Martin (IRL) Zeit
27. Rigoberto Uran (COL) +0:05
28. Alberto Bettiol (ITA) gl.Zeit
29. Magnus Cort (DEN) +0:27
30. Edvald Boasson Hagen (NOR) +1:04
31. Jonathan Castroviejo (ESP) alle
32. Julien Simon (FRA) gleiche
33. Nicolas Roche (IRL) Zeit
34. Bauke Mollema (NED) +1:20
35. Guillaume Boivin (CAN) gl.Zeit
36. Peter Kennaugh (GBR) +1:22
37. Warren Barguil (FRA) +1:23
38. Diego Ulissi (ITA) gl.Zeit
39. R. Janse v. Rensburg (RSA) +2:32
40. Nikias Arndt (GER)
41. Michael Schär (SUI)
42. Luka Pibernik (SLO)
43. Aleksejs Saramotins (LAT)
44. Stefan Küng (SUI)
45. Juraj Sagan (SVK)
46. Yukiya Arashiro (JPN)
47. Marcus Burghardt (GER)
48. Roman Kreuziger (CZE)
49. Daryl Impey (RSA)
50. Silvan Dillier (SUI)

Streckenvorschau

Das Straßenrennen der Rad-WM 2017 führt über einen 19,1 Kilometer langen Rundkurs in Bergen, der zweitgrößten Stadt Norwegens. Der Rundkurs beinhaltet den Salmon Hill, einen 1,4-Kilometer-Anstieg mit 6,4 % durchschnittlicher Steigung. Von der Kuppe sind es noch 10,7 Kilometer bis zur Ziellinie am Festplassen in Bergen.

Die ersten 41 Kilometer bis zum Eintritt in den Rundkurs werden vom Startort Rong aus zurückgelegt - wohl um ein paar Kameraeinstellungen von den Fjorden zu bekommen. Der Rundkurs selbst ist von den Profis 12-mal zu absolvieren, so dass die Gesamtdistanz - selbst für ein WM-Straßenrennen - mit 267,5 Kilometern recht groß ist.

Insgesamt handelt es sich 2017 eher um eine WM-Strecke für die Sprinter, vermeintlich besonders geeignet für Alexander Kristoff und Edvald Boasson Hagen bei ihrem Heimspiel in Norwegen. Dann müssten die beiden aber besser harmonieren als bei der Wüsten-WM des Vorjahres. Größter Favorit ist Peter Sagan (Slowakei), der das Regenbogentrikot fürs Straßenrennen als erster Fahrer 3-mal in Folge gewinnen könnte.

Ansonsten hätte auch noch der Regen beim Straßenrennen 2017 eine Rolle spielen können. In Bergen regnet es an 2 Drittel aller Tage im Jahr, so viel wie nirgendwo sonst in Europa. Für den Tag des Straßenrennens ist jedoch kein Niederschlag und heiteres Wetter vorhergesagt.

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