Straßen-WM 2016 in Doha - Straßenrennen

Übersicht WM 2016 - Siegerliste Straßenrennen

So 16. Oktober 2016
Location: Doha (QAT)
Distanz: 257,5km

Sagan verteidigt Titel erfolgreich

Peter Sagan wurde 2016 zum 2. Mal in Folge Straßen-Weltmeister. Am Ende eines Windkantenrennen in der Wüstenlandschaft von Katar verwies der Slowake im Sprint einer gut 20-köpfigen Gruppe Mark Cavendish (Großbritannien) und Tom Boonen (Belgien) auf die weiteren Medaillenplätze. Bereits über 180 Kilometer vor dem Ziel sprengten die Belgier das Feld im Wüstenwind und führten somit eine frühe Vorselektion herbei.

Somit traten Stimmen, Doha sei aus verschiedenen Gründen als WM-Ort unwürdig, doch noch etwas in den Hintergrund. Ein phasenweise aufregendes Rennen in bester flämischer Manier verebbte allerdings auf den 7 Schlussrunden, die auf der künstlichen Insel The Pearl ausgetragen wurden. Die Belgier machten erst in der Wüste alles richtig, verwendeten die zahlenmäßige Überlegenheit in einer 26-köpfigen Spitzengruppe jedoch nur stumpf zur Herbeiführung eines Sprints.

3 Weltmeister auf Podest statt Sensation durch Leezer

Diesen versuchten einzig die beiden Niederländer Terpstra und Leezer auf den letzten Kilometern zu verhindern, wobei sich Tom Leezer mit seiner Attacke immerhin bis auf den Schlusskilometer vorne hielt. Aufs Podest sprinteten letztlich die 3 Fahrer des Teilnehmerfeldes, die alle schon vorher einmal Straßen-Weltmeister waren, Sagan 2015 in den USA, Cavendish 2011 in Dänemark und Boonen 2005 in Spanien.

Im Zielsprint von Doha 2016 kam Sagan aus hinterer Position auf und schlug Cavendish um etwas mehr als eine Radlänge. Cavendish war kurzzeitig durch einen Fahrer vor ihm blockiert und legte damit ebenso einen alles andere als optimalen Sprint hin. Eine weitere gute Radlänge hinter Cavendish behauptete sich Boonen knapp vor Giacomo Nizzolo (Italien) und Michael Matthews (Australien), gefolgt von Edvald Boasson Hagen und Alexander Kristoff (beide Norwegen) sowie als erstem Außenseiter William Bonnet (Frankreich). Dessen höher gewettete Landsmänner Bouhanni und Démare gehörten zu den frühen Geschlagenen des Windkantenrennens, ebenso wie Greipel, Kittel und Degenkolb (alle Deutschland).

Kurz nach dem scharfen Start des 257,5 Kilometer langen WM-Rennens von 2016 setzten sich 7 Fahrer ab, die kurzzeitig über 10 Minuten Vorsprung vor dem Hauptfeld hatten: Brayan Ramirez (Kolumbien), Nick Dougall (Südafrika), Natnael Berhane (Eritrea), Ryan Roth (Kanada), Annas Ait El Abdia (Marokko), Sergej Lagkuti (Ukraine) und Rene Corella (Mexiko), wobei letztgenannter wieder zurückfiel, als es ans Eingemachte ging. Berhane, Roth, Dougall und Ait El Abdia hielten sich bis in die Schlussphase hinein in der Spitzengruppe, die den Weltmeister unter sich ausmachte.

Belgier mit Operation Wüstenwind

Etwa 180 Kilometer vor dem Ziel begannen die Belgier ihre Operation Wüstenwind. Das Feld zerriss just vor André Greipel (Deutschland) auf der Windkante und spaltete sich in mehrere Gruppen mit je etwa 30 Fahrern. In der ersten Gruppe hinter der noch bestehenden 6-köpfigen frühen Ausreißergruppe wurden zuerst gesichtet: Sagan, Kolar (beide Slowakei), Blythe, Cavendish, Rowe (alle Großbritannien), Bonnet, Petit (beide Frankreich), Boonen, Keukeleire, Naesen, Roelandts, Stuyven, van Avermaet (alle Belgien), Hayman, Matthews (beide Australien), Bennati, Guarnieri, Nizzolo, Viviani (alle Italien), Leezer, Terpstra (beide Niederlande), Schär (Schweiz) Boasson Hagen, Korsaeth, Kristoff (alle Norwegen), Degenkolb (Deutschland), Bennett (Irland) und Cort (Dänemark). Die Belgier waren also 6-fach vertreten, die Italiener 4-fach, die Norweger 3-fach und die Briten anfangs auch.

Als noch 145 Kilometer zu fahren waren, wurden die 6 frühen Ausreißer eingeholt. Degenkolb, Rowe, Bennett, Cort, Schär, und Petit waren inzwischen zurückgefallen, wohl alle wegen technischer Probleme. Das deutsche Team mit der hochkarätigen Dreierspitze aus Greipel, John Degenkolb und Marcel Kittel war damit früh schachmatt gesetzt. Denn die Helfer Martin, Politt und Sütterlin waren in noch weiter hinten rangierenden Gruppen gefangen.

Deutsche 3er-Spitze früh schachmatt

In der Gruppe um die 3 deutschen Sprintkapitäne standen zudem Bouhanni (Frankreich) und Groenewegen (Niederlande) auf verlorenem Posten. Von den schnellsten Sprintern waren Gaviria (Kolumbien) wegen Sturzes, der kleine Ewan (Australien) vom Winde verweht und Démare (Frankreich) in der 3. Gruppe bereits noch früher aus dem Geschäft.

Anfänglich pendelte der Abstand zwischen erster und zweiter Gruppe in der Wüste von Katar um die Minutenmarke. Beim Übergang vom Wüstenabschnitt zum Rundkurs auf der künstlichen Insel The Pearl betrug der Abstand bereits etwa anderthalb Minuten und wuchs dann weiter auf rund 2 Minuten. Insbesondere den Belgiern war diese Rennsituation zu verdanken - durch ihre Tempoarbeit vorne und ihre Störarbeit durch Debusschere und Keisse hinten, was zur sichtbaren Frustration bei Degenkolb führte. 3 Runden vor Schluss stiegen Degenkolb und Kittel völlig entkräftet aus. Mit inzwischen 3 Minuten Rückstand waren die Chancen inzwischen ohnehin auf den Nullpunkt gesunken.

Die Belgier spannten weiterhin stur ihre Fahrer vor die Spitzengruppe. 2 Runden vor Schluss scherte Keukeleire aus, und 9 Kilometer vor dem Ziel, also bereits in der letzten Runde, Naesen. Keine 3 Kilometer später war auch Stuyven verbraucht und auch Italiens Bennati. Für Norwegen übernahm kurzzeitig das unbeschriebene Blatt Truls Korsaeth die Tempoarbeit. Eine Attacke 4,5 Kilometer vor dem Ziel von Niki Terpstra mit dem Olympiasieger van Avermaet am Rad neutralisierte Roubaix-Sieger Mathew Hayman.

Nun hielt Michal Kolar für Sagan das Tempo hoch. Dennoch gelang es Tom Leezer mit einer Attacke 2,4 Kilometer vor dem Ziel ein gefährliches Loch zu erzeugen. Die Belgier zogen mit Roelandts die letzte Option, um eine Sensation durch Leezer zu unterbinden. In einem wenig organisierten Sprint hatte Sagan auch Glück, wie er im Siegerinterview selbst zugab, dass er von Nizzolo nicht an der Bande eingebaut wurde. Cavendish hingegen musste ein paar Pedaltritte auslassen, weil vor ihm Matthews im Weg war.

Ergebnis
1. Peter Sagan (SVK) 5:40:43
2. Mark Cavendish (GBR)
3. Tom Boonen (BEL)
4. Giacomo Nizzolo (ITA)
5. Michael Matthews (AUS)
6. Edvald Boasson Hagen (NOR) alle
7. Alexander Kristoff (NOR)
8. William Bonnet (FRA)
9. Niki Terpstra (NED) gleiche
10. Greg van Avermaet (BEL)
11. Jacopo Guarnieri (ITA)
12. Adam Blythe (GBR) Zeit
13. Natnael Berhane (ERI) +0:04
14. Jürgen Roelandts (BEL) +0:09
15. Ryan Roth (CAN)
16. Truls Korsaeth (NOR)
17. Tom Leezer (NED)
18. Nick Dougall (RSA) Zeit
19. Michal Kolar (SVK) +0:13
20. Elia Viviani (ITA) +0:14
21. Mathew Hayman (AUS) +0:21
22. Anas Ait El Abdia (MAR) +2:48
23. Oliver Naesen (BEL) +4:00
24. Jasper Stuyven (BEL) gl.Zeit
25. Daniele Bennati (ITA) gl.Zeit
26. Alexander Porsew (RUS) +5:26
28. Maximinalo Richeze
29. Magnus Cort Nielsen (DEN)
30. Sven Erik Bystrøm (NOR)
31. Jauhen Hutarowitsch (BLR)
32. Nacer Bouhanni (FRA)
33. Imanol Erviti (ESP)
34. Marco Haller (AUT)
35. Yukiya Arashiro (JPN)
36. Michael Schär (SUI)
37. Dylan Groenewegen (NED)
38. Stefan Küng (SUI)
39. Juraj Sagan (SVK)
40. Maciej Bodnar (POL)
41. Iljo Keisse (BEL) alle
42. André Greipel (GER)
43. Taylor Phinney (USA)
44. Koen de Kort (NED)
45. Zdenek Stybar (CZE)
46. Manuel Quinziato (ITA) gleiche
47. Jens Debusschere (BEL)
48. Dylan van Baarle (NED)
49. Ben Swift (GBR)
50. Mitchell Docker (AUS) Zeit
51. Zakkari Dempster (AUS) +5:33
52. Scott Thwaites (GBR) gl.Zeit
53. Robin Carpenter (USA) +6:03
- 53 Fahrer klassiert.

Streckenvorschau

Der Straßen-Weltmeister 2016 wird auf der künstlichen Insel The Pearl in Doha, der Hauptstadt von Katar, ermittelt. Dort ist ein kurviger 15,2-Kilometer-Rundkurs 7-mal zu bewältigen. Der Start des WM-Straßenrennens 2016 erfolgt jedoch in der Aspire Zone, einem Areal in Doha mit mehreren Sportstätten. Danach geht es in nördlicher Richtung bis hinter al-Chaur und zurück nach Doha für die letzten 106,4 Kilometer auf dem Rundkurs auf The Pearl.

Die Gesamtdistanz der völlig flachen Strecke beträgt 257,5 Kilometer. Wegen der Hitze liegt der Termin der WM 2 bis 3 Wochen später als üblich mit dem Straßenrennen zum Abschluss am 16. Oktober. Auch wenn Hitze und die aus der Katar-Rundfahrt bekannten heftigen Winde ein Selektionskriterium sein könnten, ist wohl doch mit einer Entscheidung um Gold, Silber und Bronze im Massensprint zu rechnen.

www-tipps

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