Straßen-WM 2015 in Richmond - Straßenrennen

Übersicht WM 2015 - Siegerliste Straßenrennen

So 27. September 2015
Location: Richmond, Virginia (USA)
Distanz: 259,2km

Sagan Weltmeister nach 2,7-Kilometer-Solo

Peter Sagan wurde im US-Bundesstaat Virginia Straßen-Weltmeister 2015 als Solist. 3 Sekunden hinter ihm sprintete Michael Matthews aus dem Verfolgerfeld zur Silbermedaille vor Ramunas Navardauskas. 2,7 Kilometer vor dem Ziel knallte Sagan an der 23rd Street, dem gepflastertern vorletzten Anstieg, davon und konnte von Greg van Avermaet und Edvald Boasson Hagen nicht ganz gehalten werden.

Das Duo wurde im letzten Anstieg zur Zielgeraden vom Hauptfeld, oder dem, was davon übrig war, gestellt, während Sagan zu seinem größten Triumph fuhr. Die derzeit schillernste Figur im Radsport-Zirkus häufte bisher Etappen- und Halbklassikersiege sowie 2. Plätze an. Der Ritterschlag bei einem Monument oder der WM fehlten aber noch bis zu diesem Tag. Natürlich holte der 25-jährige Slowake den ersten Titel für sein Heimatland im WM-Straßenrennen.

So lief das Finale

Die Entscheidung des fast 260 Kilometer langen Rennens fiel - wie kaum anders zu erwarten - auf den letzten 5 Kilometern, wo die einzigen 3 Anstiege des ansonsten flachen 16-Kilometer-Rundkurses im Profil standen. In den gepflasterten Serpentinen im Libby Hill Park sahen zunächst der vorpreschende Zdenek Stybar und John Degenkolb am stärksten aus. Aber van Avermaet und Hagen füllten die Lücke hier noch schnell genug, und dahinter kamen schon Sagan und ein ganzer Rattenschwanz weiterer Fahrer.

Im Stück zwischen Libby Hill und 23rd Street parierte Degenkolb eine Attacke von Niki Terpstra. In die 23rd Street hinein stürmte van Avermaet in Front, wurde dann aber von Sagan um die entscheidenden Meter überholt. Eine Mischung aus Uneinigkeit und schwindender Kräfte kosteten van Avermaet und Hagen im Anstieg an der Govenor Street die Medaillen hinter Sagan.

Matthews freute sich bei der Siegerehrung recht verhalten. Denn der Australier wäre bei einer Sprintentscheidung um den Sieg wohl Weltmeister geworden. Die Bronzemedaille schnappte sich Navardauskas für Litauen vor Alexander Kristoff, der neben Degenkolb, Sagan und Matthews einer der Hauptfavoriten war. Medaillien-Abonnent Valverde blieb diesmal der 5. Platz. Gerrans, Gallopin, Titelverteidiger Kwiatkowski und Costa platzierten sich vor den besten Fahrern aus den Niederlanden, aus Belgien und Italien. Für Deutschland fiel der Blick aufs Ergebnis mit dem 29. Platz für Degenkolb am Ende ernüchternd aus.

Aktivität nicht belohnt

Vor dem unmittelbaren Finale gab es die üblichen Fluchtgruppen. Kurz nach dem Start wurden Andrej Chripta, Jesse Sergent, Ivan Stevic, Park Sung Baek, Conr Dunne, Sergej Tvetcov, Ben King und und Carlos Alzata von den Niederländern für weit über 100 Kilometer an der kurzen Leine gehalten, namentlich von Jos van Emden.

Nach der Einholung der letzten dieser frühen Ausreißer dauerte es mehrere Attacken, vornehmlich von Belgiern, bis allerdings ein Trio ohne Belgier wegkam: Taylor Phinney, Konstantin Siwtsow und Guillaume Boivin hielten sich bis 37 Kilometer vor dem Ziel an der Spitze.

Kurz darauf setzten sich an der drittletzten Passage über die 23rd Street Bauke Mollema, Tom Boonen, Michal Kwiatkowski, Elia Viviani, Ian Stannard, Daniel Moreno und Andrey Amador ab. Eine Runde später war dieses verheißungsvolles Septett Geschichte, vor allem wegen der Nachführarbeit des deutschen Teams, das hier alle verbliebenen Fahrer außer Degenkolb aufrieb, auch Greipel.

Geduld zahlte sich aus

Vor der vorletzten Zieldurchfahrt teilte sich wie schon öfter zuvor das Hauptfeld, rollte aber wieder zusammen. Tom Dumolin attackierte in die letzte Runde hinein mit Kusnetzow und Oliveira am Rad. Kurz war dann Oliveira allein in Front, wenig später begleitet von Amador, Kangert, Brutt und Benoot. Wie auch beim letzten vergeblichen Ausreißerduo mit Siwtsow und Tyler Farrar kontrollierten nun die Italiener, jedoch ohne später die Früchte daraus tragen zu können - eine Parallele zu allen Nationen, die an diesem Tag auffällig arbeiteten und nicht bis zu den letzten 3 Kilometern geduldig warteten.

Das WM-Rennen von Richmond verlief fast ausschließlich auf trockenen Straßen. Der fürs Wochenende vorhergesagte Regen blieb bis auf eine sehr kurze Phase rund 40 Kilometer vor dem Ziel aus. Die Straße trocknete umgehend wieder ab.

Ergebnis
1. Peter Sagan (SVK) 6:14:37
2. Michael Matthews (AUT) +0:03
3. Ramunas Navardauskas (LTU)
4. Alexander Kristoff (NOR)
5. Alejandro Valverde (ESP)
6. Simon Gerrans (AUS)
7. Tony Gallopin (FRA)
8. Michel Kwiatkowski (POL)
9. Rui Costa (POR)
10. Philippe Gilbert (BEL)
11. Tom Dumoulin (NED)
12. Alex Howes (USA)
13. Niki Terpstra (NED) alle
14. Rein Taaramae (EST)
15. Wjatscheslaw Kusnetzow (RUS)
16. Nelson Oliveira (POR)
17. Yukiya Arashiro (JPN)
18. Giacomo Nizzolo (ITA)
19. Brent Bookwalter (USA) gleiche
20. Edvald Boasson Hagen (NOR)
21. Nacer Bouhanni (FRA)
22. Ben Swift (GBR)
23. Greg van Avermaet (BEL)
24. Tanel Kangert (EST)
25. Andrey Amador (CRC) Zeit
26. Marco Haller (AUT) +0:12
27. Daniel Moreno (ESP) gl.Zeit
28. Silvan Dillier (SUI) gl.Zeit
29. John Degenkolb (GER) +0:15
30. Luis Leon Sanchez (ESP) gl.Zeit
31. Stephen Cummings (GBR) gl.Zeit
32. Rigoberto Uran (COL) +0:18
33. Matti Breschel (DEN) +0:21
34. Matteo Trentin (ITA) alle
35. Tom Boonen (BEL) gleiche
36. Pawel Brutt (RUS) Zeit
37. Alexej Zatewitsch (RUS) +0:28
38. Arnaud Démare (FRA) +0:32
39. Tomasz Marczynski (POL) +0:40
40. Sam Bennett (IRL)
41. Karel Hnik (CZE)
42. Vincenzo Nibali (ITA) alle
43. Zdenek Stybar (CZE) gleiche
44. Heinrich Haussler (AUS) Zeit
45. Lars Ytting Bak (DEN) +0:55
46. Andrej Griwko (UKR)
47. Luka Pibernik (SLO)
48. Luka Mezgec (SLO)
49. Michailo Kononenko (UKR)
50. Daryl Impey (RSA)
...

Vorschau

2015 findet zum 2. Mal nach 1986 eine Straßen-WM in den USA statt. In Richmond 2015 ist beim Straßenrennen der Männer ein 16,2 Kilometer langer Stadtkurs 16-mal zu umrunden.

Der Kurs in der Hauptstadt von Virginia ist eher als sehr flach zu bezeichnen. Die 3 Anstiege gehen auf nur knapp über 50 Meter Meereshöhe. Sie sind allerdings allesamt in die letzten 4 Kilometer des Rundkurses eingebaut und teilweise mit Kopfsteinpflaster belegt, u.a. eine Passage im Libby Hill Park mit 250 Meter Kopfsteinpflaster inklusive einer Serpentine. Quervergleiche zur Flandern-Rundfahrt drängen sich auf.

Vergleichbar ist der WM-Kurs von 2015 aber vielleicht eher mit dem GP de Québec, ebenfalls ein Rundstreckenrennen in Nordamerika mit ein paar kleineren Stichen im letzten Abschnitt vor den Zieldurchfahrten.

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://richmond2015.com/
    - Landkarte und Profil
(provisorische) Startliste auf procyclingstats.com

Ergebnis des Vorjahres (Weltmeister Michal Kwiatkowski)
Ergebnis vor 2 Jahren (Weltmeister Rui Costa)

Stream des WM-Straßenrennens

Richmond 2015
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