Straßen-WM 2014 in Ponferrada - Straßenrennen

Übersicht WM 2014 - Siegerliste im WM-Straßenrennen

So 28. September 2014
Location: Ponferrada (Spanien)
Distanz: 254,8km

Kwiatkowski erster Profi-Weltmeister für Polen
Michal Kwiatkowski wurde im spanischen Ponferrada erster polnischer Straßen-Weltmeister bei den Profis. Durch einen Angriff noch kurz vor dem letzten Anstieg ging er dem Schlagabtausch der großen Favoriten aus dem Weg und vollendete sein Werk als Solist vor Simon Gerrans (Australien) und Alejandro Valverde (Spanien). Diese setzten sich im Sprint um die übrigen Medaillen gegen Breschel (Dänemark), van Avermaet (Belgien), Gallopin (Frankreich) und Gilbert (Belgien) durch. Nur 7 Sekunden hinter dem neuen Weltmeister sprintete Alexander Kristoff (Norwegen) aus dem Hauptfeld auf den 8. Platz vor Degenkolb (Deutschland), Bouhanni (Frankreich) und Cancellara (Schweiz).

Der 24-jährige Alleskönner Kwiatkowski galt als äußerst talentiert in sämtlichen Disziplinen. Die bisher noch fehlenden großen Siege wurden auf die fehlende Spezialisierung zurückgeführt. Nun aber feierte er bei der WM in Ponferrada 2014 seinen größten Erfolg. Im April hatte er 3. Plätze bei den Ardennen-Klassikern belegt und im März die Strade Bianche gewonnen im Duell gegen Peter Sagan (Slowakei), der in Ponferrada keine Rolle spielte.

Kwiatkowski setzte beim 254,8 Kilometer langen WM-Straßenrennen alles auf eine Karte, als die anderen sich auf den letzten Anstieg einstellten. WM-Favorit Gerrans kam im Sprint noch auf eine Sekunde an Kwiatkowski heran, weil dieser schon weit vor der Ziellinie zu jubeln begann. Valverde holte seine 6. Medaille bei WM-Straßenrennen seit 2005 - Gold war allerdings noch nie dabei.

Regenrennen in Spanien
203 Fahrer nahmen am Vormittag das im weite Strecken verregnete Rennen in Angriff, dass auf einem 18,2-Kilometer-Rundkurs mit 2 Anstiegen ausgefahren wurde (siehe Vorschau). In der letzten von 14 Runden waren noch 84 Fahrer im im Hauptfeld oder knapp davor unterwegs. Als letzte Ausreißer wurden Valgren (Dänemark), de Marchi (Italien), Kirijenka (Weißrussland) und Gautier (Frankreich) von Kwiatkowski gestellt und überholt, kurz nachdem der spätere Weltmeister attackiert hatte. Michael Valgren Andersen konnte noch am längsten bis in den Anstieg hinein mit Kwiatkowski mithalten, belegte am Ende noch den 20. Platz.

In der Spitzengruppe des Tages fuhren Savickas (Litauen), Kvasina (Kroatien), Quintero (Kolumbien) und Poliwoda (Ukraine). Als der Vorsprung des Quartetts auf eine gute Viertelstunde angewachsen war, nahmen die Polen für über 100 Kilometer im Hauptfeld das Heft in die Hand. Bei gemäßigter Durchschnittsgeschwindigkeit verkleinerten sie die Lücke zu den 4 Führenden. Zu diesem Zeitpunkt war es erstaunlich, dass sich ausgerechnet die Polen um die Verfolgung kümmerten, da Kwiatkowski nicht zu den größten Favoriten zählte.

Innerhalb der letzten 80 Kilometer erinnerten sich die Italiener, dass sie keinen Sprinter dabei hatten und übernahmen das Zepter der Polen, aber mit etwas strafferem Tempo, woraufhin das Hauptfeld erstmals zerbrach. In der nächsten Runde attackierten Aru und Visconti für die Squadra Azzura. Es folgten Juul Jensen (Dänemark), Wellens (Belgien), Kennaugh (Großbritannien) und Albasini (Schweiz). Dahinter schlossen noch mehrere Verfolger auf, während mit Carlos Quintero der letzte frühe Ausreißer gestellt wurde, zuerst von Visconti und Kennaugh.

In der Folgezeit formierten sich 12 Mann an der Spitze: Neben Visconti und Kennaugh waren dies Juul Jensen, Albasini, Wellens, Geschke (Deutschland), Boasson Hagen (Norwegen), Vanmarcke (Belgien), Trofimow (Russland), Giampaolo Caruso (Italien), Daniel Navarro (Spanien) und Tony Martin (Deutschland). 59 Kilometer vor dem Ziel entkam Tony Martin auf einer Abfahrt und führte das Rennen für gut 20 Kilometer als Solist an. Als die 11 Verfolger ihn einholten, attackierte Visconti gefolgt von Kennaugh, dies 40 Sekunden vor dem Hauptfeld, das nun die Australier anführten. Das neue Spitzenduo wurde nur 6 Kilometer später vom Hauptfeld geschluckt.

De Marchi und Valgren die letzten Animatoren
Beim Zusammenschluss ging in die letzten 30 Kilometer hinein sogleich Alessandro de Marchi (Italien) in die Offensive. Letztlich erreichten ihn Valgren und Gautier sowie nach einiger Zeit auch Kirijenka. Gautier führte in der Gruppe nicht mit. Aus dem Hauptfeld heraus bildete sich eine Verfolgergruppe mit Albasini, Vanmarcke (Belgien), Castroviejo, Moreno (beide Spanien), Clarke (Australien) und Chaves (Kolumbien), die jedoch nur knapp vor dem Hauptfeld in die letzte Runde ging. Die 4 Ausreißer hatten dort 44 Sekunden Vorsprung vorm Hauptfeld.

In den vorletzten Anstieg hinein opferte Albasini aus dem nur 3 Mann starken Schweizer Team seine letzten Kräfte für Cancellara. Dann übernahmen vor allem die Spanier die Tempoarbeit bis zum vermeintlich entscheidenden letzten Anstieg. Zuvor entwischte jedoch Kwiatkowski bergab, als noch 7 Kilometer zu fahren waren. Joaquim Rodriguez initiierte mit seiner Attacke dahinter die Gruppe, die letztlich eine Sprintankunft gegen Kristoff, Degenkolb und Bouhanni vermied. Gilbert, Gerrans, Valverde und Breschel stiegen hinterher und überholten Valverde. Dahinter kämpften sich noch van Avermaet und Dumoulin heran.

Kwiatkowski hatte oben 7 Sekunden Vorsprung vor Valverde & Co. sowie 15 Sekunden vor dem Feld mit den Sprintern. In der Verfolgergruppe führten bis zur Zielgeraden nur noch Valverde und vor allem Gilbert für van Avermaet, ohne dass am Ende eine Medaille für Belgien heraussprang. Aus dem Feld konnten die Deutschen und Norweger die Lücke nicht mehr stopfen. So wurde Kwiatkowski ein verdienter Weltmeister, da sein Team viel arbeitete und er nicht 08/15 bis zum allerletzten Drücker abwartete.

Ergebnis
1. Michal Kwiatkowski (POL) 6h29:07
2. Simon Gerrans (AUS) +0:01
3. Alejandro Valverde (ESP)
4. Matti Breschel (NED) alle
5. Greg van Avermaet (BEL) gleiche
6. Tony Gallopin (FRA) Zeit
7. Philippe Gilbert (BEL) +0:04
8. Alexander Kristoff (NOR) +0:07
9. John Degenkolb (GER)
10. Nacer Bouhanni (FRA)
11. Fabian Cancellara (SUI)
12. Ben Swift (GBR)
13. Sonny Colbrelli (ITA)
14. Michael Matthews (AUS)
15. Ramunas Navardauskas (LTU)
16. Daryl Impey (RSA) alle
17. Maciej Paterski (POL)
18. Bauke Mollema (NED)
19. Warren Barguil (FRA)
20. Michael Valgren (DEN)
21. Daniele Bennati (ITA)
22. Tom Dumoulin (NED) gleiche
23. Rui Costa (POR)
24. Ion Izagirre (ESP)
25. Brent Bookwalter (USA)
26. Nicolas Roche (IRL)
27. Rigoberto Uran (COL)
28. Edvald Boasson Hagen (NOR) Zeit
29. Petr Vakoc (CZE) +0:14
30. Alex Howes (USA) alle
31. Chris Anker Sørensen (DEN) gleiche
32. Giovanni Visconti (ITA) Zeit
33. Joaquim Rodriguez (ESP) +0:17
34. Fabio Aru (ITA)
35. Juri Trofimow (RUS) alle
36. Daniel Moreno (ESP) gleiche
37. Lars Petter Nordhaug (NOR) Zeit
38. Dominik Nerz (GER) +0:21
39. Simon Geschke (GER) +0:24
40. Vincenzo Nibali (ITA) +0:27
...

Vorschau

Das Männer-Straßenrennen der WM 2014 wird auf einem 18,2-Kilometer-Rundkurs ausgetragen. Start und Ziel liegen im nordwestspanischen Ponferrada. Die Strecke verlässt die Stadt nach Nordosten, um 2 Anstiege im mittleren Kursabschnitt zu bewältigen. Der niedrigste und höchste Punkte des Rundkurses liegen 200 Höhenmeter auseinander. Im ersten, längeren Anstieg werden maximal 11% Steigung erreicht. Auf den insgesamt 14 Runden (= 254,8 Kilometer) müssen 4.284 Höhenmeter erklommen werden.

Das klingt zu schwierig für die reinrassigen Sprinter und zu leicht für Bergfahrer. Am wahrscheinlichsten dürfte eine Sprintentscheidung einer größeren Gruppe mit rund 20 Fahrern sein. Alternativ tendieren die Chancen wohl eher zu einer sehr kleinen Gruppe als zu einem großen Hauptfeld.

Eine Anfahrt von einem anderen Ort zum Rundkurs - wie von 2010 bis 2013 praktiziert - entfällt diesmal. Die Streckenlänge der Straßen-WM 2014 ist mit 254,8 Kilometern die kürzeste seit 2001. Bei einer Runde mehr wäre es andererseits eine der längsten Distanzen der letzten Jahre geworden.

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://www.mundialciclismoponferrada.com/
    - Landkarten, Zeittabelle und Profile
(provisorische) Startliste auf procyclingstats.com
Fotos des Vorjahres auf cyclingnews.com

Ergebnis des Vorjahres (Weltmeister Rui Costa)
Ergebnis vor 2 Jahren (Weltmeister Philippe Gilbert)

Ponferrada 2014
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