Straßen-WM 2013 in Florenz - Straßenrennen

Übersicht WM 2013 - Siegerliste im WM-Straßenrennen

So 29. September 2013
Location: Toskana (Lucca - Florenz, Italien)
Distanz: 272,26km

Rui Costa erster portugisischer Weltmeister
Rui Costa holte in Florenz den Straßen-WM-Titel 2013 in einem packenden Duell mit Joaquin Rodriguez. Der 26-jährige Portugiese ist damit der erste Titelträger im Straßenrennen für sein Heimatland. Für Bronze setzte sich Alejandro Valverde locker gegen Vincenzo Nibali durch. Das Quartett kristallisierte sich auf der letzten Runde des WM-Kurses heraus, nachdem es über weite Strecken des über 272 Kilometer langen Rennens stark geregnet hatte.

Nibali und die Spanier ließen sich abkochen
Die Spanier Rodriguez und Valverde vermochten ihren zahlenmäßigen Vorteil nicht zu vollenden. Costa baute erfolgreich darauf, dass Nibali bei seiner Heim-WM zunächst jede Lücke zu den beiden Spaniern schloss. Im unmittelbaren Finale hatte Rodriguez einen minimalen Vorsprung. Valverde fokussierte sich allein auf Nibali und einen möglichen Sprint - ein Fehler: Etwa 1,7 Kilometer vor dem Ziel sprang Costa ungeahndet von Valverde davon, fuhr in einem nervenaufreibenden Schlusskilometer zu Rodriguez vor. Dieser drehte sich ungläubig um, dass Valverde nicht dabei war. Rui Costa setzte zum Sprint an. Rodriguez versuchte dagegenzuhalten, war aber letztlich ohne Chance. Der Portugiese hatte am Ende mehr Kräfte gespart.

Die letzte gut 16 Kilometer lange Runde nahm ein knapp 50-köpfiges Feld in Angriff. Am längeren Anstieg nach Fiesole im Norden von Florenz attackierte zunächst der Italiener Scarponi. Er wurde gekontert von Rodriguez. Es folgten Uran (Kolumbien), Nibali und Costa. Dann attackierte Nibali mit Rodriguez am Rad. Costa führte Uran und den aufschließenden Valverde heran. Einer weiteren Rodriguez-Attacke kurz unterhalb der Kuppe folgte nur Nibali. Rodriguez hängte in der Abfahrt Nibali ab. Uran stürzte in eine Böschung.

Im anschließenden kurzen, aber steileren Anstieg an der Via Salviati hielt Rodriguez seinen 5-Sekunden-Vorsprung vor den 3 verbliebenen Verfolgern, die von Nibali angeführt wurden. In der Abfahrt stellte Nibali den Solisten. 3,5 Kilometer vor dem Ziel trat Valverde an, aber Nibali passte auf. Am letzten kurzen Gegenhang zog erneut Rodriguez davon. Dem ewigen Zweiten und Dritten bei großen Rennen blieb aber wieder einmal der ganz große Sieg verwehrt. Im Ziel flossen bei ihm die Tränen, während Valverde der Siegerehrung mit versteinerter Miene beiwohnte. Valverde gewann gar seine 5. Medaille in dieser Disziplin - Gold und das Regenbogentrikot waren jedoch auch diesmal nicht dabei. Costa war 2013 wie Valverde bei Movistar unter Vertrag, präsentiert aber 2014 das Weltmeistertrikot für Lampre. Die Teams von Rodriguez und Nibali sind die sonstige Saison über Katusha und Astana.

Sagan, Gilbert, Cancellara 34 Sekunden weg
Rui Costa gehörte zum erweiterten Favoritenkreis auf die Medaillen. Er ist der erste Straßen-Weltmeister seit 13 Jahren, der in der Vorbereitung nicht die Spanien-Rundfahrt bestritt. (Nibali, Valverde und Rodriguez belegten dort die Plätze 2, 3 und 4.) Für die in Florenz am höchsten gewetteten Cancellara (Schweiz), Gilbert (Belgien) und Sagan (Slowakei) entpuppte sich der WM-Kurs 2013 als etwas zu schwierig. Hinter dem Ukrainer Griwko auf dem 5. Platz führte Peter Sagan eine 11-köpfige Gruppe 34 Sekunden hinter dem Sieger an. Darin vertreten waren auch Titelverteidiger Gilbert (9.) und Cancellara (10.) sowie auf dem 14. Platz als bester Deutscher Simon Geschke. Der Österreicher Denifl verpasste möglicherweise ein ähnliches Ergebnis wegen eines späten Defekts.

Den Sieg machten 4 Fahrer unter sich aus, die auch bei Hochgebirgs-Bergankünften in Grand Tours vorne mitmischen. Nibali scheiterte vor allem an seiner fehlenden Sprintstärke, die Spanier an Valverdes Unaufmerksamkeit im entscheidenden Moment. Im Falle eines schwierigen Rennens war auch mit den Kolumbianern zu rechnen. Deren Chancen waren nach Urans Sturz dahin. Die Briten mit Toursieger Froome gingen nach überheblichem Beginn völlig unter, brachten keinen der 8 gestarteten Fahrer ins Ziel. Die vielversprechenden Iren Roche und Dan Martin schieden ebefalls früh aus, genauso wie der gestürtzte Ex-Weltmeister Evans (Australien) und Vuelta-Sieger Chris Horner (USA).

Langes Regenrennen in der Toskana
Nach einer WM-Woche in der Toskana mit Sonnenschein und warmen Temperaturen regnete es am Schlusstag beim Straßenrennen der Männer wie aus Kübeln. Die letzte Straßen-WM bei entsprechendem Wetter (Valkenburg 1998) lag schon eine halbe Ewigkeit zurück. Hinzu kam der Rundkurs im Norden von Florenz, der vielen als schwierigster WM-Kurs seit der Gebirgs-WM in Kolumbien 1995 galt. Ein denkwürdiges Rennen kündigte sich an. Pünktlich zum Finale klarte der Himmel aber für die letzten 40 der über 272 Rennkilometer. So konzentrierte sich die Entscheidung - abgesehen von der vorherigen Auslese - dann doch ausschließlich auf die letzte Runde, die nach einer Fahrzeit von fast 7-einhalb Stunden beschlossen wurde.

In der Anfahrt auf den Rundkurs von Florenz setzten sich wenige Kilometer hinter dem Startort Lucca 5 Ausreißer ab: Brändle (Österreich), Chtioui (Tunesien), Godoy (Venezuela) sowie die beiden Netapp-Profis Barta (Tschechien) und Huzarski (Polen). Im Hauptfeld kontrollierten zunächst die Briten das Tempo, und dann - ab dem Eintritt in den Rundkurs - die Italiener. Dort ging das Rennen bereits über 150 Kilometer vor dem Ziel so richtig los, als das Hauptfeld durch das Tempo der Italiener mehrmals auseinanderriss und immer mehr verkleinerte. Auf den glitschigen Abfahrten mussten mehrere Fahrer nach Stürzen die WM aufgeben.

Huzarski und Barta lange an der Spitze
6 Runden vor Schluss reduzierte sich die Spitze auf das Netapp-Duo. Im Hauptfeld war nach der harten Selektion durch die italienische Mannschaft eine Weile die Luft raus, so dass Huzarskis und Bartas Vorsprung von anderthalb noch einmal auf knapp 3 Minuten anwuchs. Als noch etwas mehr als 4 Runden zu fahren waren, brachte der Deutsche Burghardt mit seinem Angriff wieder etwas Unruhe ins eingeschlafene Feld, das zu diesem Zeitpunkt über 70 Fahrer zählte. Als Verfolger setzten sich allerdings der Österreicher Preidler und der Niederländer Kelderman ab.

Im nächsten Anstieg nach Fiesole flüchtete Gautier (Frankreich) aus dem Hauptfeld, gefolgt von Visconti für die Italiener, der damit vor allem die Belgier zur Nachführarbeit verleitete. Die 4 Verfolger näherten sich in der drittletzten Runde den 2 Spitzenreitern. Huzarski hängte schließlich Barta nach Fiesole ab und Visconti seine 3 Begleiter. Der Italiener fuhr zum Polen nach vorne. Beide hatte 2 Runden vor Schluss eine gute Minute Vorsprung aufs Feld, das nach einem Sturz kurzzeitig geteilt war. Der Grund war ein Sturz von Nibali. Dessen Ambitionen wären wohl erloschen, wenn ihn nicht sein Teamwagen im Windschatten wieder zurück ins Hauptfeld eskortiert hätte.

Als es zum vorletzten Mal über die Via Salviati ging, wurde ein Angriff von Bardet (Frankreich) durch Scarponi und das Feld sofort neutralisiert. Kurz vorm Einläuten der Schlussrunde versuchte der Slowene Polanc erfolglos zu fliehen. Den letzten Stieg hoch nach Fiesole spannte sich Chris Sørensen für seinen Kapitän Fuglsang vor. Das noch relativ große Feld zerplatzte dann in seine Einzelteile, als Scarponi mit seiner Attacke die Offensive seines Kapitäns Nibali und dessen Gegner Rodriguez vorbereitete. Oben in Fiesole hatten Rodriguez und Nibali 5 Sekunden Vorsprung auf Uran, Costa und Valverde sowie 16 auf Nordhaug (Norwegen) und Scarponi.

Ergebnis
1. Rui Costa (POR) 7h25:44
2. Joaquin Rodriguez (ESP) gl.Zeit
3. Alejandro Valverde (ESP) +0:17
4. Vincenzo Nibali (ITA) gl.Zeit
5. Andrej Griwko (UKR) +0:31
6. Peter Sagan (SLO) +0:34
7. Simon Clarke (AUS)
8. Maxim Iglinskiy (KAZ)
9. Philippe Gilbert (BEL)
10. Fabian Cancellara (SUI) alle
11. Bauke Mollema (NED)
12. Lars Petter Nordhaug (NOR)
13. Daniel Moreno (ESP) gleiche
14. Simon Geschke (GER)
15- Sergio Henao (COL)
16. Michele Scarponi (ITA) Zeit
17. Filippo Pozzato (ITA) +1:05
18. Arthur Vichot (FRA)
19. Maciej Paterski (POL) alle
20. Edvald Boasson Hagen (NOR) gleiche
21. Jakob Fuglsang (DEN) Zeit
22. Ignatas Konovalovas (LTU) +1:26
23. Greg van Avermaet (BEL) gl.Zeit
24. Juri Trofimow (RUS) +1:44
25. Pieter Weening (NED) +1:59
26. Zdenek Stybar (CZE) gl.Zeit
27. Aleksejs Saramotins (LAT) +2:01
28. Romain Bardet (FRA)
29. Serge Pauwels (BEL)
30. Matija Kvasina (CRO)
31. Alex Howes (USA)
32. Chris Anker Sørensen (DEN)
33. Michal Golas (POL) alle
34. Darwin Atapuma (COL)
35. Carlos Betancur (COL) gleiche
36. Tiago Machado (POR)
37. Peter Stetina (USA) Zeit
38. Stefan Denifl (AUT) +2:05
39. Marcus Burghardt (GER) +3:40
40. Jan Polanc (SLO) gl.Zeit
41. Rigoberto Uran (COL) +4:27
42. John Degenkolb (GER) +4:53
43. Sergej Tschernetski (RUS) +4:55
44. Anthony Roux (FRA) gl.Zeit
45. Grégory Rast (SUI) +6:24
46. Thomas Löfkvist (SWE) +7:27
47. Andrei Nechita (ROM) +8:06
48. Jonathan Castroviejo (ESP) gl.Zeit
49. Paul Martens (GER) gl.Zeit
50. Thibaut Pinot (FRA) +9:09
51. Giovanni Visconti (ITA) +9:15
52. Bartosz Huzarski (POL) +9:36
53. Danilo Wyss (SUI) +11:20
54. Jan Barta (CZE)
55. Fabian Wegmann (GER) alle
56. Amael Moinard (FRA) gleiche
57. Jan Bakelants (BEL) Zeit
58. Rafal Majka (POL) +12:55
59. Cyril Gautier (FRA) +15:11
60. Wilco Kelderman (NED) gl.Zeit
61. Thomas Voeckler (FRA) gl.Zeit
- 207 Teilnehmer, davon 61 klassiert.

Vorschau

Kaum zu glauben, aber 2013 findet zum ersten Mal in der Geschichte ein WM-Profirennen auf der Straße im Radsportler-Paradies Toskana statt, trotz bereits zahlreicher Weltmeisterschaften in Italien. Der Straßen-Weltmeister 2013 wird auf einem relativ schwierigen Rundkurs in und nördlich von Florenz gesucht, nach einer Strecke von insgesamt langen und einer Rad-WM würdigen 272,26 Kilometern.

Wie in den letzten Jahren üblich beginnt das Straßenrennen zunächst in einem anderen Ort der gastgebenden Region, bevor es auf den Rundkurs geht. 2013 wird in der Toskana eine 113,6 Kilometer lange Anfahrt von Lucca aus genommen. In diesem ersten Streckenabschnitt stehen 2 bezeichnete Anstiege im Profil. Herzstück des Straßenrennens 2013 ist dann ein 16,1 Kilometer langer Rundkurs um Florenz mit einem Anstieg nach Fiesole, an dem rund 300 Höhenmeter zu bewältigen sind. Fiesole ist vom Start- und Zielbereich, dem Nelson Mandela Forum in Florenz, 7 Kilometer entfernt. Auf dem etwas weiteren Rückweg stehen noch zwei Wellen mit 12 bzw. 10 Prozent Steigung im Profil, die letzte davon 2,6 Kilometer von der Ziellinie entfernt. Der Fiesole-Rundkurs steht 10-mal auf dem Programm.

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://www.toscana2013.it/
    - Profile und Landkarte der gesamten Strecke
    - Profil und Landkarte des Fiesole-Rundkurses
    - Zeittabelle (PDF)
Profil des Anstiegs nach Fiesole auf salite.ch
(provisorische) Startliste auf procyclingstats.com
Reglement für die Anzahl der Startplätze pro Nation auf uci.ch (PDF)
Fotos des Vorjahres auf cyclingnews.com

Ergebnis des Vorjahres (Weltmeister Philippe Gilbert)
Ergebnis vor 2 Jahren (Weltmeister Mark Cavendish)

Toscana 2013
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