Straßen-WM 2012 in Limburg - Straßenrennen

Übersicht WM 2012 - Siegerliste im WM-Straßenrennen

23. September 2012
Location: Limburg (Maastricht - Valkenburg)
Distanz: 267km

Gilbert holt endlich seinen Straßen-Titel
Philippe Gilbert ist Straßen-Weltmeister in Valkenburg 2012. Der Belgier nahm das Feld an der letzten Cauberg-Passage auseinander und zog die folgenden knapp 2 Kilometer zum Ziel erfolgreich durch. Die weiteren Medaillen sicherten sich - auch noch abgesetzt vom ersten Feld - Edvald Boasson Hagen für Norwegen und Alejandro Valverde für Spanien. Den undankbaren 4. Platz ersprintete knapp dahinter der Deutsche John Degenkolb vorm Niederländer Lars Boom.

Der große Sieger Gilbert war bei vorangegangenen WM-Straßenrennen als Favorit und stärkster Fahrer bisher immer leer ausgegangen. Nun wurde er Weltmeister in einem Jahr, in dem er bis zu seinen beiden Vuelta-Etappensiegen überhaupt nichts zeigte. Sein unwiderstehlicher Antritt am Cauberg wurde nun von einer starken Armada belgischer Edelhelfer und unfreiwillig von seinem italienischen Gegner Nibali lanciert. Hagen und der Russe Kolobnew waren hinter Gilbert als nächste oben. Statt einer gemeinsamen Verfolgung versuchte Hagen lieber auf eigene Faust wenigstens die Silbermedaille zu sichern, so wie Valverde die Bronzemedaille - für Valverde war dies die 4. Medaille bei WM-Straßenrennen (davon keine Gold).

Degenkolb sprintet auf den 4. Platz
John Degenkolb unterstrich seine Weltklasse. Eine deutsche Medaille ging möglicherweise auch deswegen verloren, weil wegen des undurchsichtigen bis unfairen Reglements nur 7 statt 9 deutscher Fahrer nominiert werden konnten. So fehlte am Ende ein Helfer, um wenigstens Valverde noch abzufangen. Gilbert war aber ohnehin eine Nummer zu groß an diesem Tag. Und man sollte auch zu schätzen wissen, dass der Straßen-Weltmeister nicht zum 3. Mal in Folge in einer Massenankunft ermittelt wurde.

Dabei war eine eben solche Entscheidung im Sprint eines größeren Feldes eine wahrscheinliche Option. Bei bedecktem, aber trockenem Wetter schien der Rundkurs mit Bemelerberg und Cauberg zunächst nicht selektiv genug zu sein, um ein Solo wie das durch Gilbert zu begünstigen. Nur ein paar Angriffe von Alberto Contador verhinderten, dass die Zuschauer womöglich einschliefen. Die Favoriten warteten lange ab, so dass sich die entscheidenden Szenen erst an der letzten Cauberg-Passage ereigneten. Diese Rechnung zahlte sich nur für Gilbert aus, dem auf dem windanfälligen Schlussstück zusätzlich zu seiner herausragenden Leistung auch Rückenwind in die Karten spielte.

Contador Animator in lange langweiligem Rennen
Auf dem 267 Kilometer langen Kurs kam kurz vor der sechstletzten Runde des 16,5-Kilometer-Rundkurses etwas Leben in die Bude durch Contadors Attacke am Cauberg. Eine Runde später probierte es der Spanier noch einmal. Unter anderem Voeckler (Frankreich), Gesink (Niederlande) und Tiernan-Locke (Großbritannien) halfen Contador, die Lücke zu frühen Ausreißern zu schließen. So formierte sich eine 29 Fahrer starke Spitzengruppe, die sich im weiteren Verlauf um einige aufgeriebene Fahrer reduzierte. Die Spanier waren vorne zwischenzeitlich dreifach vertreten, die Franzosen ebenso, die Italiener sogar vierfach und die Belgier mit 2 Aufpassern.

Im Verfolgerfeld zuckten bei der fünftletzten Cauberg-Passage einige Favoriten, darunter Gilbert, der Spanier Joaquin Rodriguez und der Slowake Peter Sagan, jedoch ohne direkten Effekt. Für die Tempoarbeit im Feld sahen sich nun die Australier, Deutschen und Kolumbianer zuständig, nachdem sich in der frühen Rennphase vor allem die Briten, aber auch die Belgier als Lokomotiven engagierten. In der Spitzengruppe ließen vor allem Contador und Voeckler ihre je 2 Helfer arbeiten. Der Vorsprung pendelte um eine knappe Minute.

Gruppo compatto 2 Runden vor Schluss
Kurz vor der drittletzten Runde ereignete sich am Cauberg ein Sturz, der das Hauptfeld teilte. Einige Betroffene kamen nicht mehr, andere erst relativ spät wieder zurück ins Feld. Eine Runde später beschleunigte der Deutsche Fabian Wegmann am Cauberg, und schließlich rollten das das Verfolgerfeld und die Spitzengruppe 2 Runden vor Schluss wieder zusammen.

Danach gelang es vor dem Finale nur noch Talansky (USA) und Stannard (Großbritannien), für ein paar Minuten wenige Meter zwischen sich und das Feld zu bringen. Am vorletzten Cauberg erstickten Gilbert und Valverde eine halbherzige Attacke Nibalis im Keim. Auch ein Vorstoß von Moreno (Spanien), van Avermaet (Belgien), Denifl (Österreich) und Voeckler (Frankreich) sowie erneut Nibali war schnell neutralisiert. Der Fokus richtete sich auf die letzte Cauberg-Passage, in der es Nibali von vorne probierte. Ihm klebten allerdings gleich 4 Belgier an den Hacken. Dann zündete Gilbert seinen Turbo und ward bis zum Ziel von seinen Gegnern nicht mehr gesehen.

Ergebnis
1. Philippe Gilbert (BEL) 6h10:41
2. Edvald Boasson Hagen (NOR) +0:04
3. Alejandro Valverde (ESP) +0:05
4. John Degenkolb (GER)
5. Lars Boom (NED)
6. Allan Davis (AUS)
7. Thomas Voeckler (FRA)
8. Ramunas Navardauskas (LTU)
9. Sergio Henao (COL)
10. Oscar Freire (ESP)
11. Rui Costa (POR)
12. Tom Boonen (BEL)
13. Oscar Gatto (ITA) alle
14. Peter Sagan (SLO)
15. Fredrik Kessiakoff (SWE)
16. Koen de Kort (NED)
17. Michael Albasini (SUI)
18. Assan Bassajew (KAZ)
19. Jonathan Tiernan-Locke (GBR)
20. Lars Petter Nordhaug (NOR)
21. Simon Gerrans (AUS) gleiche
22. Stefan Denifl (AUT)
23. Rigoberto Uran (COL)
24. Daniel Moreno (ESP)
25. Greg van Avermaet (BEL)
26. Bjorn Leukemans (BEL)
27. Fabian Wegmann (GER)
28. Alexander Kolobnew (RUS)
29. Vincenzo Nibali (ITA) Zeit
30. Andre Cardoso (POR) +0:17
31. Andrej Griwko (UKR)
32. Robert Gesink (NED)
33. Daniel Martin (IRL) alle
34. Nicolas Roche (IRL) gleiche
35. Jürgen Roelandts (BEL) Zeit
36. Ian Stannard (GBR) +0:53
37. Paul Martens (GER) alle
38. Alberto Contador (ESP) gleiche
39. Joaquin Rodriguez (ESP) Zeit
40. Juri Trofimow (RUS) +1:01
...
41. Samuel Sanchez (ESP) +1:37
50. Michael Schär (SUI) +2:21
63. Mathias Frank (SUI) +2:21
67. Steve Morabito (SUI) +2:21
72. Simon Geschke (GER) +2:21
79. Johannes Fröhlinger (GER) +2:53
80. Christian Knees (GER) +2:53
- 207 Teilnehmer, davon 122 klassiert.

Vor dem Rennen

Die Straßen-WM findet 2012 praktisch zum 5. Mal in der Geschichte in Valkenburg statt, auch wenn als Austragungsort die gesamte Region Limburg genannt wird. Die Zielankunft liegt oberhalb von Valkenburg am Cauberg, allerdings nicht wie beim Amstel Gold Race direkt am Ende der Steigung, sondern etwas dahinter wie bei den bisherigen Weltmeisterschaften in Valkenburg und bei der Tour-de-France-Etappe 2006.

Die Strecke des WM-Straßenrennens 2012 besteht aus einer 100 Kilometer langen Einfachstrecke und einem 16,5 Kilometer langen Rundkurs mit Bemelerberg und Cauberg. Nach dem Start in Maastricht geht es ähnlich wie beim Amstel Gold Race zunächst kreuz und quer durch Limburg. Die Anstiege, die auf dieser Route mitgenommen werden, zählen im Amstel Gold Race nicht zu den Schlüsselstellen. Wenn die Fahrer auf den Rundkurs eingebogen sind, müssen nach der ersten Zieldurchfahrt noch 10 Runden absolviert werden, so dass die Gesamtdistanz 267 Kilometer betragen wird.

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://www.limburg2012.nl/
    - Landkarte & Profil der Anfahrt zum Rundkurs
    - Landkarte & Profil des Rundkurses
Profile der beiden wichtigen Anstiege auf heuvelsfietsen.nl:
    - Bemelerberg
    - Cauberg
(provisorische) Startliste cyclingfever.com
Fotos des Vorjahres auf cyclingnews.com

Ergebnis des Vorjahres (Weltmeister Mark Cavendish)
Ergebnis vor 2 Jahren (Weltmeister Thor Hushovd)
Ergebnis vor 14 Jahren (Weltmeister Oscar Camenzind)
Ergebnis Amstel Gold Race 2012 (Sieger Enrico Gasparotto)
Ergebnis Amstel Gold Race 2011 (Sieger Philippe Gilbert)

WM in Limburg 2012

Weltmeister Gilbert schaut, wer nachher neben ihm auf dem Podest stehen wird
Es sind Edvald Boasson Hagen (links) und Valverde (rechts)
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