Gent-Wevelgem 2015

(BEL/1.UWT) - Siegerliste Gent-Wevelgem

Aufregendes Unwetter-Rennen mit Paolini als Sieger
Luca Paolini gewann ein denkwürdiges Gent-Wevelgem 2015. In einem hoch dramatischen Rennen durch Sturm und Regen blieben am Ende 6 Mann übrig, die auf dem Zahnfleisch um den Sieg kämpften. Der 38-jährige Italiener setzte gut 6 Kilometer vor dem Ziel zu seinem Sieg bringenden Solo an. Den 2. Platz ersprintete Niki Terpstra (Etixx) gegen Geraint Thomas (Sky). Dahinter trudelten mit Sekundenabständen Vandenbergh (Etixx), Debusschere (Lotto) und Vanmarcke (LottoNL) ein. Auf den 7. Platz kam Jürgen Roelandts (Lotto), der nach einem fast 60 Kilometer langen Solo 18 Kilometer vor dem Ziel eingeholt wurde.

Die Strecke von Gent-Wevelgem 2015 führte vom Genter Vorort Deinze in einem Halbbogen gegen den Uhrzeiger zunächst nach Westen, dann nach Osten. Bis zum Kilometer 34,6 vor dem Ziel waren insgesamt 9 Hügel zu bewältigen, zunächst 3 nach Grenzübertritt in Frankreich, und dann noch 6 wieder in Belgien in Heuvelland. Baneberg, Kemmelberg und Monteberg wurden in einem Rundkurs 3-mal befahren - vor dem langen Weg nach Gent, der Roelandts zum Verhängnis wurde.

Im starken Wind zerfiel das Teilnehmerfeld weit über 100 Kilometer vor dem Ziel in mehrere Teile, dies auch wiederholt nach Regruppierungen. Ein paar Fahrer wurden von Böen in den Straßengraben geweht. Die entscheidende Phase eröffnete Maarten Tjallingii (LottoNL) kurz vor der 100-Kilometer-Marke aus einer gut 20-köpfigen Gruppe mit den meisten Favoriten, die bald Zuwachs von der nächsten Gruppe mit ähnlicher Größenordnung erhielt. Hinter dem Baneberg nahmen Theuns (Topsport Vlaanderen), Oss (BMC), Roelandts, Keukeleire (Orica) und Vandenbergh die Verfolgung von Tjallingii auf, der bereits mit über einer Minute führte. Dieser Verfolgungsversuch wurde noch neutralisiert.

Mega-Solo von Roelandts ab Kilometer 77 vor Schluss
Nach der ersten Kemmel-Passage machte sich dann Roelandts 77 Kilometer vor dem Ziel auf die Verfolgung von Tjallingii und überholte diesen schnell, während das Verfolgerfeld wieder auseinanderfiel. Als noch 70 Kilometer zu fahren waren, brach Stijn Vandenbergh aus. Es folgten Daniel Oss und E3-Sieger Geraint Thomas, dann auch Sep Vanmarcke sowie Jens Debusschere als Aufpasser für Roelandts. Die 5 Verfolger hatten 40 Sekunden Rückstand auf Roelandts und 20 Sekunden Vorsprung auf die Hauptgruppe um Peter Sagan (Tinkoff), als aus dieser Paolini attackierte und nach 4 Kilometern das Verfolgerquintett erreicht. Da waren noch 60 Kilometer zu fahren. Der Rückstand der Hauptgruppe sprang auf über 2 Minuten.

Da stürzte Thomas auf gerader Strecke ins Gras auf dem Seitenstreifen. Er kam zwar schnell wieder an seine 4 Begleiter heran, der Abstand zu Roelandts vergrößterte sich aber auf fast 2 Minuten. Aus der Hauptgruppe sah Terpstra nun seine letzte Chance kommen und schloss im Alleingang die Minutenlücke zur Verfolgergruppe 52 Kilometer vor dem Ziel. Fortan hatten die 8 ersten Fahrer im Rennen keine Gegenwehr mehr von hinten zu befürchten.

Terpstras testet Verfolger, nachdem er diese einholte
Bei der 2. Kemmelberg-Passage prüfte Terpstra seine Mitstreiter auf dem Pflaster-Anstieg, immer noch knapp 2 Minuten hinter Roelandts. Thomas, Vanmarcke und Vandenbergh blieben dicht bei Terpstra, Debusschere musste kämpfen, Paolini hing für eine Weile hinterher, Oss war endgültig abgehängt. Die nun 6 Verfolger knabberten am Vorsprung von Roelandts, der sein Heldenstück 18 Kilometer vor dem Ziel aufgab, augenscheinlich mit Krämpfen. Unmittelbar vor dem Zusammenschluss hatte Terpstra Reifenschaden, kam aber schnell wieder heran. Und jetzt begann es erst, richtig spannend zu werden...

Terpstra attackierte 16,5 Kilometer vor dem Ziel mit Paolini am Rad. Thomas schaffte den Anschluss nicht. Roelandts opferte sich kurz für Debusschere auf und verabschiedete sich dann nach hinten, als Thomas noch 2 weitere Male in die Verfolgung investierte. Beim ersten Mal parierte Debusschere, beim zweiten Mal nur Vandenbergh. Die 3 nun entstandenen 2-Mann-Gruppen schenkten sich kaum einen Meter. Thomas fuhr dem Führungsduo so hart hinterher, dass Vandenbergh die Windschatten-Position nicht halten konnte.

Als Thomas zu Terpstra und Paolini aufschloss, herrschte an der Spitze jedoch etwas Uneinigkeit, so dass Vandenberg herankam - und 8 Kilometer vor dem Ziel auch Vanmarcke und Debusschere. Vandenbergh wurde langsamer und ließ sich zum Teamwagen zurückfallen - wohl mit Problemen an der Kette - kam aber problemlos noch einmal zurück.

Noch 6 Kilometer - die Entscheidung!
6,4 Kilometer vor dem Ziel attackierte Paolini die nun in Schlangenlinien fahrende Spitzengruppe. Der Vorstoß war zu offensichtlich und Thomas sofort auf dem Posten. Dann aber enstand eine Lücke zwischen Paolini und Thomas, die der alte Fuchs konsequent ausnutzt zu seinem größten Einzelerfolg. Luca Paolini war fast während seiner ganzen Karriere unschätzbarer Edelhelfer für verschiedene Kapitäne bei den Klassikern. Persönliche i-Punkte gelangen ihm erst spät mit 4 Tagen im Rosa Trikot beim Giro d'Italia 2013, dem Sieg beim Omloop Het Nieuwsblad 2013 und nun Gent-Wevelgem!

Terpstra und Thomas lösten sich 3 Kilometer nach Paolinis Attacke für die verbliebenen Podestplätze. Vanmarcke konnte die Räder von Vandenbergh und Debusschere nicht mehr halten. Vandenbergh distanzierte Debusschere kurz vor Schluss. Hinter Roelandts rettete sich auch Oss noch vor dem Hauptfeld ins Ziel. Fast 7 Minuten hinter dem Sieger sprintete dessen Teamkollege Alexander Kristoff (Katusha) auf den 9. Platz vor Peter Sagan und Edward Theuns. Es erreichten nur 40 der 200 Teilnehmer das Ziel, einer davon außerhalb des Zeitlimits.

So 29. März 2015, Deinze - Wevelgem
Ergebnis der 77. Auflage Gent-Wevelgem (239,1km)
1. Luca Paolini (ITA) - Katusha 6:20:55
2. Niki Terpstra (BEL) - Etixx-Quick Step +0:11
3. Geraint Thomas (GBR) - Sky gl.Zeit
4. Stijn Vandenbergh (BEL) - Etixx-Quick Step +0:18
5. Jens Debusschere (BEL) - Lotto-Soudal +0:26
6. Sep Vanmarcke (BEL) - LottoNL-Jumbo +0:40
7. Jürgen Roelandts (BEL) - Lotto-Soudal +1:51
8. Daniel Oss (ITA) - BMC +4:15
9. Alexander Kristoff (NOR) - Katusha +6:54
10. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff-Saxo
11. Edward Theuns (BEL) - Topsport Vlaanderen
12. Alexej Zatewitsch (RUS) - Katusha
13. Juan José Lobato (ESP) - Movistar
14. Zico Waeytens (BEL) - Giant-Alpecin
15. Arnaud Démare (FRA) - FDJ
16. Jempy Drucker (LUX) - BMC
17. Scott Thwaites (GBR) - Bora-Argon 18
18. Mathew Hayman (AUS) - Orica-Greendege
19. Florian Sénéchal (FRA) - Cofidis
20. Sylvain Chavanel (FRA) - IAM
21. Björn Leukemans (BEL) - Wanty-Groupe Gobert
22. Laurens de Vreese (BEL) - Astan
23. Eugert Zhupa (ALB) - Southeast
24. Grégory Rast (SUI) - Trek
25. Gerald Ciolek (GER) - MTN-Qhubeka
...

Der Veranstalter von Gent-Wevelgem verteilte für die 2015er-Ausgabe 8 Wildcards, und zwar an Topsport Vlaanderen und Wanty (beide Belgien), Cofidis und Europcar (beide Frankreich) sowie Bora (Deutschland), MTN (Südafrika), Roompot (Niederlande) und Southeast (Italien).

Anstiege («Hellingen») km-   Zeit
1. Casselberg 120 14:16
2. Casselberg 114 14:24
3. Catsberg 97 14:49
4. Baneberg 87 15:02
5. Kemmelberg 79 15:14
6. Monteberg 75 15:19
7. Baneberg 47 16:00
8. Kemmelberg 39 16:12
9. Monteberg 35 16:17
Zielankunft Wevelgem 0 17:07
(alle Zeiten nach mittlerem
Schnitt und in Sommerzeit!)

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://www.gent-wevelgem.be/
    - Landkarte und Profil (PDF)
    - Zeitplan (PDF)
(provisorische) Startliste auf procyclingstats.com
Fotos des Vorjahres auf cyclingnews.com

Ergebnis des Vorjahres (Sieger Tom Boonen)
Ergebnis vor 2 Jahren (Sieger Peter Sagan)

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