Vuelta a España 2017 - 20. Etappe

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19. Etappe Sa 9. September: 20. Etappe 21. Etappe

Zielankunft am Alto de l'Angliru: ca. 17:40 Uhr

Ersehnter Abschiedssieg für den Pistolero

Mit der letzten Patrone holte der Pistolero doch noch einen Sieg auf seiner Abschiedsshow: Am legendären Alto de l'Angliru gewann Alberto Contador (Trek) - einen Tag vor dem Karriereende - die 20. Etappe der Spanien-Rundfahrt 2017. 17 Sekunden hinter Contador kam Wout Poels mit Chris Froome (beide Sky) ins Ziel. Froome tütete damit seinen ersten Vuelta-Gesamtsieg ein.

Bei Regen und 3 schwierigen Bergen im Finale hatte Froome alles weitgehend im Griff. Statt Froome anzugreifen musste Vincenzo Nibali (Bahrain) nach einem Sturz in einer Abfahrt eher zusehen, den 2. Platz der Gesamtwertung nach hinten abzusichern.

Sakarin kegelt Kelderman vom Podium

Um den 3. Platz entbrannte ein enger Kampf zwischen Wilco Kelderman (Sunweb), Ilnur Sakarin (Katusha) und Contador. Sakarin enterte das Podium, weil er innerhalb der letzten 3 Kilometer des Schlussanstieges Kelderman abhängte und den Zeitverlust auf Contador ausreichend begrenzen konnte.

Contador attackierte eingangs der 12 Kilometer langen Bergankunft. Hinauf überholte er alle verbliebenen Ausreißer aus der frühen Spitzengruppe des Tages. Kelderman brachte für den Podestplatz 12 Sekunden Guthaben vor Sakarin und 77 vor Contador mit, Sakarin demnach 65 vor Contador. Virtuell fuhr Contador während des Anstiegs aufs Podest vorbei an Kelderman und Sakarin. Auf den letzten Kilometern war Sakarin jedoch schneller unterwegs als Contador und auch Kelderman.

Ergebnis
1. Alberto Contador (ESP) - Trek-Segafredo 3:31:33
2. Wout Poels (NED) - Sky +0:17
3. Christopher Froome (GBR) - Sky gl.Zeit
4. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha-Alpecin +0:35
5. Franco Pellizotti (ITA) - Bahrain-Merida +0:51
6. Vincenzo Nibali (ITA) - Bahrain-Merida gl.Zeit
7. Steven Kruijswijk (NED) - LottoNL-Jumbo gl.Zeit
8. Wilco Kelderman (NED) - Sunweb +1:11
9. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +1:25
10. Michael Woods (CAN) - Cannondale-Drapac +1:36
11. Richard Carapaz (ECU) - Movistar +1:46
12. Mikel Nieve (ESP) - Sky +2:15
13. Gianni Moscon (ITA) - Sky +3:16
14. Tejay van Garderen (USA) - BMC +3:43
15. Louis Meintjes (RSA) - UAE-Emirates +3:56
16. Miguel Angel Lopez (COL) - Astana gl.Zeit
...
21. Esteban Chaves (COL) - Orica-Scott +4:48
27. Nicolas Roche (IRL) - BMC +7:05
28. Sergio Pardilla (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA +7:17
60. Fabio Aru (ITA) - Astana +15:07
- 159 Fahrer klassiert.
DNF David de la Cruz (ESP) - Quick Step Floors

Froome im Regen souverän Richtung Gesamtsieg

Froome baute die Gesamführung vor Nibali um 34 Sekunden auf 2:15 Minuten aus. Der 32-jährige Brite wartete lange auf diesen Triumph, nachdem er zuvor die Vuelta schon 3-mal auf dem 2. Platz beendet hatte. Sakarin steht vor seinem ersten Grand-Tour-Podest, letztlich nur 36 Sekunden hinter Nibali und 20 vor Contador, der wiederum nur 4 Sekunden vor Kelderman auskam. Kelderman fiel also vom 3. auf den 5. Platz zurück.

Noch etwas mehr umgekrempelt wurde der hintere Teil der Top-Ten. Die Teamkollegen Miguel Angel Lopez und Fabio Aru (beide Astana) gerieten schon vor dem Schlussanstieg ins Hintertreffen und erlebten einen schwarzen Tag. Dafür verbesserte sich Poels vom 9. auf den 6. Platz. Poels strotzte nur so vor Kraft und musste sich Angliru zügeln, seinem Kapitän Froome nicht davonzufahren.

Auch Woods ging, wenn auch etwas unauffälliger, vorbei an Lopez, der den 8. Platz vor Kruijswijk (Lotto) rettete. Van Garderen (BMC) rückte vor auf den 10. Platz, weil Aru über eine Viertelstunde verlor. Für David de la Cruz (Quick Step) ging es vom 11. Platz der Gesamtwertung anstatt in die Top-Ten ins Krankenhaus: Er stürzte auf der glitschigen Abfahrt.

Gesamtwertung
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 79:23:37
2. Vincenzo Nibali (ITA) - Bahrain-Merida +2:15
3. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha-Alpecin +2:51
4. Alberto Contador (ESP) - Trek-Segafredo +3:11
5. Wilco Kelderman (NED) - Sunweb +3:15
6. Wout Poels (NED) - Sky +6:45
7. Michael Woods (CAN) - Cannondale-Drapac +8:16
8. Miguel Angel Lopez (COL) - Astana +8:59
9. Steven Kruijswijk (NED) - LottoNL-Jumbo +11:04
10. Tejay van Garderen (USA) - BMC +15:36
11. Esteban Chaves (COL) - Orica-Scott +16:32
12. Louis Meintjes (RSA) - UAE-Emirates +17:15
13. Fabio Aru (ITA) - Astana +21:27
14. Nicolas Roche (IRL) - BMC +21:46
15. Sergio Pardilla (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA +22:45
16. Mikel Nieve (ESP) - Sky +27:16
17. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +31:07
18. Daniel Moreno (ESP) - Movistar +42:02
19. Sander Armée (BEL) - Lotto-Soudal +58:47
20. Darwin Atapuma (COL) - UAE-Emirates +1:02:44

In der frühen Spitzengruppe wurden auf der 20. Etappe 18 Fahrer gemeldet: Alaphilippe, Mas (beide Quick Step), Roche (BMC), die Yates-Brüder (beide Orica), Oliveira, Soler (beide Movistar), Andersen (Sunweb), Konrad (Bora), Bardet (AG2R), Costa, Polanc (beide UAE), Marczynski (Lotto), Ludvigsson (FDJ), Anton (Dimension Data), Mas, Roson (beide Caja Rural) und Denifl (Aqua Blue). Das Team von Contador hielt den Abstand zu dieser Gruppe klein, um an diesem Tag alles auf den Etappensieg zu setzen.

In den ersten von 3 Bergen hinein - Alto de Cobertoria - übernahm Nibalis Team. Die Abfahrt war hier noch relativ breit, aber nass, so dass die Lücken im Favoritenfeld aufgingen. Sakarin, de la Cruz, Lopez und Aru gehörten zu den Abgehängten, wobei Sakarin und de la Cruz recht schnell wieder zur Gruppe um Froome aufschließen konnte. Die Spitzengruppe war indes auf Soler, Enric Mas, Bardet, Polanc, Denifl, Yates & Yates, Konrad, Marczynski, Roson und Søren Kragh Andersen geschrumpft.

Nibali und de la Cruz stürzen in glitschiger Abfahrt

Auch am Alto del Cordal, dem vorletzten Berg, passierte das Entscheidende nicht bergauf, sondern bergab. Auf der schmalen Straße wechselten nasse und abtrocknende Stellen, teilweise mit feinem Laub garniert. Aus der Spitzengruppe hatte sich Marc Soler über den Alto del Cordal als Solist an die Spitze gesetzt, musste sich aber nach einem Sturz als Verfolger des neuen Spitzenreiters Marczynski einreihen. Unter den Klassementfahrern gingen Nibali und de la Cruz zu Boden. Für de la Cruz war das Rennen beendet, für Nibali - angesichts von Schürfwunden und Stauchungen - fortan die Rettung des 2. Platzes angesagt anstatt der Angriff auf den Gesamtsieg.

Zur Attacke blies hingegen einmal mehr Alberto Contador. Der 34-jährige Spanier war nach etlichen knapp verpassten Gesamtsiegen bei einwöchigen Rundfahrt noch ohne Saisonsieg in seiner Abschiedssaison. Also musste am Angliru, wo er bereits 9 Jahr zuvor gewann, der Sieg her: Es war die letzte Chance. Pantano lancierte seinen Kapitän in den Schlussanstieg hinein.

Contador rollt die Ausreißer auf

Auf dem Weg zum Sieg erhielt Contador immer wieder Gesellschaft von Ausreißern aus der ehemaligen Spitzengruppe, so von Mas, Soler, Yates, Bardet und Marczynski. 5,5 Kilometer vor dem Ziel schüttelte Contador seinen letzten Begleiter, Marc Soler, ab. Der Vorsprung vor der Froome-Gruppe betrug da 45 Sekunden, war also schon leicht geschrumpft. Denn relativ kurz nach dem Angriff war es schon über eine Minute.

Kelderman erkannte die Gefahr und spannte seine verbliebenen Helfer vor, auch den aus der Spitzengruppe zurückfallenden Andersen. Etwa 4,5 Kilomter vor dem Ziel attackierte Sakarin mit Kelderman am Rad. Poels führte Froome und Nibali wieder heran. Davor war noch Kruijswijk unterwegs, der erst gegen Ende der Vuelta 2017 etwas zu spät aufblühte. 2 Kilometer später wurde Kruijswijk eingeholt, und Sakarin beschleunigte noch einmal. Nibali musste abreißen lassen und schleppte sich am Hinterrad seines erstaunlich erstarkten Helfers Pellizotti ins Ziel.

Poels will schneller als sein Kapitän

Dann aber hatte Poels Lunte gerochen und verabschiedete sich mit Froome von Sakarin und Kelderman. Poels blickte sich immer wieder nach Froome um. Der Adjutant wollte augenscheinlich schneller fahren als sein Kapitän. So kam das Duo dem Pistolero noch bedrohlich nahe. Sakarin erreichte als Vierter das Ziel, während Kelderman noch hinter Pellizotti, Nibali und Kruijswijk durchgereicht wurde.


Vorschau auf diese Etappe: Als wäre die ganze Kletterei der letzten 3 Wochen nicht schon genug gewesen, geht es am vorletzten Tag der Spanien-Rundfahrt 2017 in Asturien - natürlich - den Alto de l'Angliru hinauf. Die 20. Etappe ist zwar nur 117,5 Kilometer lang, aber damit es diesmal noch etwas schwerer wird, ist unmittelbar vor dem Angliru nicht nur 21,1 Kilometer vor dem Ziel der Alto del Cordal zu bezwingen, sondern 38 Kilometer vor dem Ziel auch noch der Alto de la Cobertoria. Der 12 Kilometer lange Schlussanstieg steigt um bis zu 23,5 % und hat auf den letzten 7 Kilometern durchgängig zweistellige Steigungsprozente. Der letzte halbe Kilometer ist dann eine abfallende Schussfahrt ins Ziel. Dort sind Riesenabstände garantiert.

Beim letzten Gastspiel am Angliru vor 4 Jahren - ebenfalls am Vorschlusstag - waren die beiden Ersten in der Gesamtwertung, Chris Horner und Vincenzo Nibali, nur um 3 Sekunden getrennt! Horner kletterte auf dem asphaltierten Ziegenpfad zum Gesamtsieg. Vor ihm rettete sich der frühe Ausreißer Kenny Elissonde zum begehrten Etappensieg.

19. Etappe Sa 9. September: 20. Etappe 21. Etappe

Spanien-Rundfahrt 2017

Vuelta a España 2017
20. Etappe (117,5km)
von Corvera de Asturias
zum Alto de l'Angliru

-km38 16:35 Alto de la Cobertoria
-km28 16:52 Pola de Lena
-km22 17:04 Alto del Cordal
-km0 17:40 Alto de l'Angliru

Etappensieg:
Alberto Contador (ESP)

Rotes Trikot:
Chris Froome (GBR)

Grünes Trikot:
Chris Froome (GBR)
- wird getragen von Nibali

Bergtrikot:
Davide Villella (ITA)

Kombinationswertung:
Chris Froome (GBR)
- wird getragen von Contador

Teamwertung:
Astana

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