Vuelta a España 2016 - 15. Etappe

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14. Etappe So 4. September: 15. Etappe 16. Etappe

Zielankunft in Aramón Formigal: ca. 17:40 Uhr

Weitere denkwüridge Etappe in den Pyrenäen:

Quintana zermürbt im Fernkampf Froome

Alberto Contador (Tinkoff) sei Dank geriet die nächste Pyrenäenetappe mindestens so aufregend wie die am Tag zuvor. Früh zettelte Contador auf der 15. Etappe eine Großoffensive an. Von den weiteren Top-Klassementfahrern war nur der Gesamtführende Nairo Quintana (Movistar) im Bilde. Gemeinsam mit Teamkollegen und ein paar weiteren Fahrern führten sie die restliche Etappe über 2 Minuten an vor Froome (Sky), Chaves und Yates (Orica), die bald von Helfern isoliert waren. Den Tagessieg in Aramón Formigal staubte Gianluca Brambilla (Etixx) ab. Er hielt als einziger am 14,5 Kilometer langen Schlussanstieg das Hinterrad von Quintana.

1,7 Kilometer vor dem Ziel musste Contador die beiden Tagesbesten ziehen lassen. Er belegte am Ende mit 34 Sekunden Rückstand den 6. Platz hinter Felline (Trek), Elissonde (FDJ) und de la Cruz (Etixx). Von den Fahrern aus der Gruppe um Froome begrenzten Esteban Chaves und Michele Scarponi (Astana) den Schaden im Schlussanstieg auf unter 2 Minuten gegenüber Quintana. Dessen bisheriger Hauptkonkurrent um den Gesamtsieg, Chris Froome, erlitt mit 2:37 Minuten Zeitverlust gegen Quintana eine Niederlage, die moralisch ins Mark traf. Simon Yates bezahlte für seinen anstrengenden Coup des Vortages und verlor noch ein paar Sekunden mehr als Froome.

93 Fahrer fallen eigentlich aus dem Zeitlimit

Alle Helfer Froomes, darunter der in der Gesamtwertung vor der 15. Etappe auf dem 5. Platz liegende König, fielen wie mehr als die Hälfte des Teilnehmerfeldes aus dem Zeitlimit. Die Karenzzeit war eng gesteckt aufgrund der Kürze der Etappe mit nur 118,5 Kilometern sowie der verwegenen Startphase mit hohem Tempo und früh weit abgehängten Gruppen. Die Jury ließ bei 93 Fahrern Gnade vor Recht ergehen. Diese Fahrer hatten im Ziel beinahe den doppelten Rückstand, der erlaubt war, während sich die anderen vorne die Beine ausrissen.

Insbesondere die 91 Fahrer im riesigen Gruppetto spekulierten mit ihren provokanten 53:54 Minuten Rückstand, dass man sie nicht alle aus dem Rennen nehmen würde. Und so kam es auch. Die Jury argumentierte, es würde ein negatives Bild auf den Radsport werfen, wenn das Rennen mit nur 71 Fahrer fortgesetzt würde. Ganz ehrlich: Dann kann man das Zeitlimit auch gleich abschaffen oder sollte es auf kurzen Bergetappen großzügiger gestalten.

Ergebnis
1. Gianluca Brambilla (ITA) - Etixx-Quick Step 2:45:30
2. Nairo Quintana (COL) - Movistar +0:03
3. Fabio Felline (ITA) - Trek-Segafredo +0:25
4. Kenny Elissonde (FRA) - FDJ +0:28
5. David de la Cruz (ESP) - Etixx-Quick Step +0:31
6. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff +0:34
7. Davide Formolo (ITA) - Cannondale-Drapac +0:53
8. Matwej Mamykin (RUS) - Katusha +1:16
9. Esteban Chaves (COL) - Orica-Bikeexchange +1:53
10. Michele Scarponi (ITA) - Astana +1:59
11. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida +2:10
12. Andrew Talansky (ITA) - Cannondale-Drapac +2:10
13. Samuel Sanchez (ESP) - BMC +2:10
14. Daniel Moreno (ESP) - Movistar +2:10
15. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +2:31
16. Jegor Silin (RUS) - Katusha +2:31
17. Omar Fraile (ESP) - Dimension Data +2:37
18. Christopher Froome (GBR) - Sky +2:40
19. Jean-Christ. Péraud (FRA) - AG2R La Mondiale +2:40
20. Jan Bakelants (BEL) - AG2R La Mondiale +2:45
21. Simon Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +2:47
...
22. Ben Hermans (BEL) - BMC +2:49
27. George Bennett (NZL) - LottoNL-Jumbo +3:05
30. Sergio Pardilla (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA +3:24
74. Cesare Benedetti (ITA) - Bora-Argon 18 +53:54
163. Leopold König (CZE) - Sky +53:54
164. Peter Kennaugh (GBR) - Sky +53:54
- 164 Fahrer klassiert.
DNF J. Janse v. Rensburg (RSA) - Dimension Data

Contador rückt Froome und Chaves auf die Pelle

Quintana dehnte seinen Vorsprung in der Gesamtwertung von 54 Sekunden auf 3:37 Minuten gegenüber Froome aus - eine Vorentscheidung um den Gesamtsieg, sollte man meinen. Quintana hatte einige Tage zuvor die pessimistische Annahme ausgelobt, er müsse vor dem Einzelzeitfahren 3 Minuten Vorsprung gegenüber Froome haben.

Nur noch 20 Sekunden hinter Froome rettete Chaves zugleich seinen 3. Platz. Denn ihm wiederum rückte Contador um 5 Sekunden auf die Pelle. Simon Yates fiel um einen auf den 5. Platz zurück. Den hatte zuvor Leopold König belegt, der nun auf der 15. Etappe recht schnell im Gruppetto festsaß und aus allen Wolken fiel. Davide Formolo (Canonndale) und David de la Cruz enterten durch ihre Präsenz in der Gruppe um Quintana und Contador die Top-Ten.

Gesamtwertung
1. Nairo Quintana (COL) - Movistar 61:36:07
2. Christopher Froome (GBR) - Sky +3:37
3. Esteban Chaves (COL) - Orica-Bikeexchange +3:57
4. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff +4:02
5. Simon Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +5:07
6. Samuel Sanchez (ESP) - BMC +6:12
7. Andrew Talansky (ITA) - Cannondale-Drapac +6:43
8. Davide Formolo (ITA) - Cannondale-Drapac +7:17
9. David de la Cruz (ESP) - Etixx-Quick Step +7:23
10. Michele Scarponi (ITA) - Astana +7:39
11. Daniel Moreno (ESP) - Movistar +8:05
12. George Bennett (NZL) - LottoNL-Jumbo +9:45
13. Sergio Pardilla (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA +10:09
14. Jean-Christ. Péraud (FRA) - AG2R La Mondiale +11:06
15. Ben Hermans (BEL) - BMC +11:44
16. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +12:48
17. Jegor Silin (RUS) - Katusha +13:55
18. Maxime Monfort (BEL) - Lotto-Soudal +17:25
19. Kenny Elissonde (FRA) - FDJ +19:57
20. Jan Bakelants (BEL) - AG2R La Mondiale +22:48
...
21. Marcel Wyss (SUI) - IAM +31:53
24. Gianluca Brambilla (ITA) - Etixx-Quick Step +37:38
31. Leopold König (CZE) - Sky +56:35

Contador mit Großoffensive, Froome verschläft es

Mit einem Paukenschlag begann die nur 118,5 Kilometer lange 15. Etappe in den spanischen Pyrenäen. Contador und Quintana gelang kurz nach dem Start der Sprung in eine riesige Spitzengruppe, in der so gut wie jeder andere Klassementfahrer fehlte. Beide hatten je 2 Teamkollegen in der Spitzengruppe dabei. Froome, König, Chaves und Yates verschliefen die Aktion.

113 Kilometer vor dem Ziel schloss Froome als Solist die entstande Lücke. Er hatte kaum Anschluss gefunden, da attackierte Contador nach bisher ernüchternder Vuelta im Stile eines angeknockten Boxers - und ihm gelang der Lucky Punch! Mit ihm lösten sich seine Teamkollegen Rowny und Trofimow sowie Quintanas Helfer Castroviejo und Fernandez, ergänzt durch Mamykin (Katusha), Fraile (Dimension Data), Elissonde, Felline, Brambilla, de la Cruz, Formolo und dessen Teamkollegen Moser - eine optimale Mischung!

Durch weitere Attacken aus der nächsten Verfolgergruppe brachten es Quintanas Teamkollegen Valverde und Erviti fertig, durch kurze Attacken Froome von sämtlichen Helfern außer Lopez zu isolieren. Es dauerte, bis Lopez durch einige Helfer von Chaves und Scarponi unterstützt wurde, während die Gruppe vorne gut harmonierte. So betrug der Abstand nach einer Weile über 2 Minuten. In der nächsten Gruppe bemühten sich die zurückgefallenen Teamkollegen von Froome um Anschluss, gaben das Unterfangen aber angesichts bald über 5 Minuten Rückstand auf.

Die ersten beiden Bergpreise und damit 3 und 5 Punkte gewann Omar Fraile. Wie schon am Vortag begnügte sich Kenny Elissonde zunächst mit den Plätzen hinter Fraile. Dafür punktete er im Schlussanstieg, wo Fraile leer ausging. Insgesamt verkürzte Fraile den Rückstand zum Bergtrikot von Elissonde auf der 15. Etappe um 2 auf 8 Punkte.

Bergwertung
1. Kenny Elissonde (FRA) - FDJ 56 p.
2. Omar Fraile (ESP) - Dimension Data 48
3. Robert Gesink (NED) - LottoNL-Jumbo 30
4. Nairo Quintana (COL) - Movistar 27
5. Alexandre Geniez (FRA) - FDJ 25
6. Jegor Silin (RUS) - Katusha 23
7. Sergej Lagutin (RUS) - Katusha 22

Der Abstand zwischen den beiden Gruppen pendelte zwischen 2 und 3 Minuten. Die Helfer rieben sich auf und fielen bis zum Fuße des Schlussanstiegs oder auch schon vorher völlig entkräftet zurück. So verlor Froome seinen letzten Helfer Lopez, und Yates musste trotz seines 4. Platzes in der Gesamtwertung in die Tempoarbeit für seinen noch einen Platz besser liegenden Chaves in die Tempoarbeit einsteigen. Ansonsten mussten sie auf die besser aufgestellten Helfer Scarponis bauen.

Alberto Contador lag zeitweise virtuell auf dem 2. Platz der Gesamtwertung vor Froome und Chaves. Im Schlussanstieg ergriff Quintana etwa 9 Kilometer vor dem Ziel das Zepter und fuhr den Rest der Etappe von vorne. Nach und nach fielen hinter ihm die verbliebenen Fahrer der Spitzengruppe zurück, zuletzt Contador. Nur Brambilla hing wie eine Klette an Quintana, bis er 150 Meter vor dem Ziel davon sprang und unter theatralischem Jubel die Ziellinie überquerte. Der Etappensieg hätte Quintana oder Contador besser zu Gesicht gestanden.

Etwas verzweifelt wirkte Froome. Isoliert von Teamkollegen konnten ihm auch sein Radcomputer und die Funkverbindung zum Sportlichen Leiter nicht mehr helfen. Die Leistung bestand jetzt darin, nicht einzubrechen. Vorne im Wind konnte und wollte Froome den Schlussanstieg nicht bewältigen. Und dann versetzte auch noch Valverde einen Nadelstich mit einer Attacke, wodurch 8 Fahrer aus der Froome-Gruppe vor Froome das Ziel erreichten, darunter Chaves.


Vorschau auf diese Etappe: Die 2. der beiden Pyrenäen-Etappen bei der Spanien-Rundfahrt 2016 ist kurz und knackig. Diesmal komplett auf der spanischen Seite verläuft die Strecke des 15. Vuelta-Teilstücks von Sabiñánigo bis Sallent de Gallégo, wo der 118,5-Kilometer-Parcours zur Skistation Aramón Formigal kulminiert. Insgesamt beinhaltet die 15. Etappe 3 Anstiege, wobei der Anstieg von Aramón Formigal der längste ist. Jedoch steigen die letzten 15,8 Kilometer stufenförmig, weswegen die durchschnittliche Steigung nur 4 % beträgt. Da gibt es im Laufe der Vuelta 2016 etliche schwierigere Bergankünfte.
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Nach über 2 Wochen im Norden der iberischen Halbinsel folgt auf die 15. Etappe ein längerer Transfer (ohne Ruhetag) in die Region Aragon, wo die Vuelta 2016 in Richtung Region Valencia fortgesetzt wird.

14. Etappe So 4. September: 15. Etappe 16. Etappe

Vuelta 2016

Vuelta a España 2016
15. Etappe (118,5km)
von Sabiñánigo
nach Aramón Formigal

-km78 15:38 Alto de Petralba
-km4216:33 Alto de Cotefablo
-km29 16:55 Biescas
-km0 17:40 Aramón Formigal

Etappensieg:
Gianluca Brambilla (ITA)

Rotes Trikot:
Nairo Quintana (COL)

Grünes Trikot:
Alejandro Valverde (ESP)

Bergtrikot:
Kenny Elissonde (FRA)

Kombinationstrikot:
Nairo Quintana (COL)
- wird getragen von Froome

Teamwertung:
BMC

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