Vuelta a España 2016 - 14. Etappe

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13. Etappe Sa 3. September: 14. Etappe 15. Etappe

Zielankunft am Col d'Aubisque: ca. 17:40 Uhr

Gesink siegt, Orica zeigt Taktik-Gala, Froome pariert Quintanas Attacken, Contador verliert ein wenig, Valverde viel:

Großartige Königsetappe in Pyrenäen!

Auf einer äußerst unterhaltsamen Königsetappe der Vuelta a España 2014 errang Robert Gesink (LottoNL) den Tagessieg am Col d'Aubisque. Der 30-jährige Niederländer setzte erfolgreich auf einen langen Bergaufsprint gegen Elissonde (FDJ) und Silin (Katusha). Taktisch hervorragend war die Attacke von Simon Yates (Orica) am vorletzten der 4 Anstiege in den französischen Pyrenäen. Denn danach dockte er an mehrere vorausgefahrene Teamkollegen an und zog seinen Gala-Ritt vor allen anderen Klassementfahrern durch.

Der Gesamtführende Nairo Quintana (Movistar) attackierte im Schlussanstieg mehrmals Chris Froome (Sky), ohne ihn endgültig abzuschütteln. Weil Quintana und Froome sich ansonsten belauerten, konnte auch Yates' Co-Kapitän Esteban Chaves (Orica) die 14. Etappe vor den beiden eigentlich besten Fahrern beenden. Alberto Contador (Tinkoff) verlor hingegen weitere 20 Sekunden. Schon früh im Schlussanstieg fiel Alejandro Valverde (Movistar) zurück, der damit den 3. Platz der Gesamtwertung an Chaves verlor und weit zurückfiel.

Ergebnis
1. Robert Gesink (NED) - LottoNL-Jumbo 5:43:24
2. Kenny Elissonde (FRA) - FDJ +0:07
3. Jegor Silin (RUS) - Katusha +0:09
4. George Bennett (NZL) - LottoNL-Jumbo +0:31
5. Simon Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +0:39
6. Haimar Zubeldia (ESP) - Trek-Segafredo +0:49
7. Jan Bakelants (BEL) - AG2R La Mondiale +1:11
8. Andrew Talansky (ITA) - Cannondale-Drapac +1:14
9. Esteban Chaves (COL) - Orica-Bikeexchange gl.Zeit
10. Leopold König (CZE) - Sky +1:16
11. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +1:26
12. Nairo Quintana (COL) - Movistar +1:47
13. Christopher Froome (GBR) - Sky gl.Zeit
14. Larry Warbasse (USA) - IAM +1:50
15. Samuel Sanchez (ESP) - BMC gl.Zeit
16. Rudy Molard (FRA) - Cofidis +1:53
17. Romain Hardy (FRA) - Cofidis +1:54
18. Daniel Moreno (ESP) - Movistar +2:01
19. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff +2:07
20. Ben Hermans (BEL) - BMC +2:17
21. Davide Formolo (ITA) - Cannondale-Drapac +2:24
22. Sergio Pardilla (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA +2:34
23. Pierre-Roger Latour (FRA) - AG2R La Mondiale +2:50
24. Jean-Christ. Péraud (FRA) - AG2R La Mondiale +3:11
25. Peter Kennaugh (GBR) - Sky +3:28
...
27. Michele Scarponi (ITA) - Astana +3:50
29. David de la Cruz (ESP) - Etixx-Quick Step +4:51
31. Riccardo Zoidl (AUT) - Trek-Segafredo +5:08
43. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +10:56
- 165 Fahrer klassiert.
DNF Philippe Gilbert (BEL) - BMC
DNF Davide Malacarne (ITA) - Astana
DNF Johan Le Bon (FRA) - FDJ
DNF Kenneth Vanbilsen (BEL) - Cofidis
DNF Angel Madrazo (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA

Status quo zwischen Quintana und Froome

Quintanas Gesamführung vor Froome blieb bei 54 Sekunden. Chaves holte 23 Sekunden auf und verbesserte sich auf 2:01 Minuten Rückstand. Nur 16 Sekunden hinter ihm sortierte sich auf dem 4. Platz sein Teamkollege Simon Yates ein. Auf Quintana und Froome gerechnet konnte Yates durch seine bemerkenswerte Aktion 68 Sekunden herausfahren.

Wie Chaves nutzten auch Leopold König (Sky) und Andrew Talansky (Cannondale) die Momente, wenn nach Quintanas Attacken und Froomes Paraden die Luft für kurze Zeit heraus war. Contador und Samuel Sanchez (BMC) versuchten dies ebenfalls, konnten aber kein Kapital schlagen. Deswegen ging in der Gesamtwertung nicht nur Yates an Contador vorbei, sondern auch König.

Valverde verliert 10 Minuten

Sanchez und Talansky verbesserten sich auf den 7. und 8. Platz, weil Scarponi (Astana) Federn ließ, allerdings nicht so sehr wie Valverde: Er plumpste vom 3. auf den 19. Platz. Damit schwand für ihn die unglaubliche Chance, innerhalb einer Saison bei allen 3 großen Rundfahrten in die Top-Ten zu fahren. Von den frühen Ausreißern stieg Moreno (Movistar) nur auf den 10. Platz, weil er hinterher Quintana helfen musste.

Gesamtwertung
1. Nairo Quintana (COL) - Movistar 58:41:40
2. Christopher Froome (GBR) - Sky +0:54
3. Esteban Chaves (COL) - Orica-Bikeexchange +2:01
4. Simon Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +2:17
5. Leopold König (CZE) - Sky +2:38
6. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff +3:28
7. Samuel Sanchez (ESP) - BMC +3:59
8. Andrew Talansky (ITA) - Cannondale-Drapac +4:30
9. Michele Scarponi (ITA) - Astana +5:37
10. Daniel Moreno (ESP) - Movistar +5:52
11. Davide Formolo (ITA) - Cannondale-Drapac +5:44
12. George Bennett (NZL) - LottoNL-Jumbo +6:37
13. Sergio Pardilla (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA +6:42
14. David de la Cruz (ESP) - Etixx-Quick Step +6:49
15. Peter Kennaugh (GBR) - Sky +8:11
16. Jean-Christ. Péraud (FRA) - AG2R La Mondiale +8:23
17. Ben Hermans (BEL) - BMC +8:52
18. Pierre-Roger Latour (FRA) - AG2R La Mondiale +8:53
19. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +10:14
20. Rudy Molard (FRA) - Cofidis +10:31
...
21. Jegor Silin (RUS) - Katusha +11:21
24. Kenny Elissonde (FRA) - FDJ +19:26

41 Fahrer in Spitzenfeld des Tages

Zu Beginn der 14. Etappe setzte sich ein 41 Fahrer (!) umfassendes Feld vom Hauptfeld ab, namentlich Fernandez, Moreno, Rojas (alle Movistar), Bennati (Tinkoff), Lopez (Sky), van Garderen (BMC), Bennett, Campenaerts, Gesink (alle LottoNL), Gerrans, Keukeleire, Cort (Orica), Cataldo (Astana), Elissonde, Eiking, Geniez (alle FDJ), Zubeldia, Bernard (beide Trek), Bakelants, Jauregui (beide AG2R), Losada, Silin (beide Katusha), de Clercq, Armée (Lotto), Meersman (Etixx), Moser, Rolland , Villella (alle Cannondale), Fraile, van Rensburg (beide Dimension Data), Frank, Warbasse (beide IAM), Cattaneo (Lampre), Hardy, Molard (Cofidis), Pfingsten (Bora), Bilbao, Carthy, Pardilla (alle Caja Rural), Romain Sicard und Quemeneur (beide Direct Energie).

Das Team des Gesamtführenden Quintana war erst einmal aus der Verantwortung, weil es im Spitzenfeld 3 Fahrer stellte und zudem mit Daniel Moreno den bestplatzierten in der Gesamtwertung. Moreno war mit 5:38 Minuten Rückstand aufs Rote Trikot in die 14. Etappe gegangen. Daher blieb dem Team des Gesamtzweiten Chris Froome nichts anderes übrig, als die Nachführarbeit im Hauptfeld zu übernehmen. Als einziges Team nicht in der Spitzengruppe vertreten war Giant-Alpecin, das mit Abstand schwächste WorldTour-Team der Saison 2016.

Fraile will Bergtrikot am meisten, Elissonde bekommt es

Omar Fraile hatte sich das Bergtrikot ins Kopf gesetzt. Er gewann die ersten beiden Bergpreise am Col Inharpu und Col du Soudet und damit jeweils 10 Punkte. Von Alexandre Geniez und Kenny Elissonde belegte am Col Inharpu noch Geniez den 2. Platz vor seinem Teamkollegen. Dann aber fiel Geniez zurück, und Elissonde sicherte sich am Soudet die 6 Punkte für den 2. Platz hinter Fraile. Der Col de Marie-Blanque gehörte Elissonde, weil Fraile wie ein Großteil der ursprünglich 41 Ausreißer zurückgefallen war. Noch fettere Beute machte Elissonde mit dem 2. Platz im Schlussanstieg, womit er Fraile in der Bergwertung übertrumpfte. Sergej Lagutin (Katusha) musste das Bergtrikot nach nur einem Tag ohne Gegenwehr wieder abgeben.

Bergwertung
1. Kenny Elissonde (FRA) - FDJ 49 p.
2. Omar Fraile (ESP) - Dimension Data 40
3. Robert Gesink (NED) - LottoNL-Jumbo 30
4. Alexandre Geniez (FRA) - FDJ 25
5. Jegor Silin (RUS) - Katusha 23
6. Sergej Lagutin (RUS) - Katusha 22
7. Nairo Quintana (COL) - Movistar 21
8. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal 19
9. Christopher Froome (GBR) - Sky 16

Die frühen Ausreißer wurden zu keinem Zeitpunkt mehr als 7 Minuten weggelassen, weil Moreno zwischenzeitlich im virtuellen Roten Trikot unterwegs war. Gesink ließ vor allem Campenaerts für sich arbeiten mit der Aussicht auf den Etappensieg. Dann drückten auch Gerrans, Keukeleire und Cort aufs Tempo, um die auf dem Reißbrett entworfene Generalattacke von Yates vorzubereiten. Als auch noch Jack Haig (Orica) im Anstieg zum Col de Marie-Blanque aus dem Hauptfeld attackierte, hätte jeder Bescheid wissen müssen, was Orica an diesem denkwürdigen Tag geplant hatte.

Von Theorie zu Praxis: Für Orica stimmten alle Zutaten

Denn wenig später attackierte Yates selbst, fuhr zu Haig vor und ließ sich von diesem für einige Minuten ziehen. Den Rest des Anstieges bestritt er als Solist, bevor er am Gipfel auf seine wartenden Teamkollegen traf und von diesen bis zum Fuße des Schlussanstiegs geführt wurde: Ein Taktik-Coup aus dem Lehrbuch!

Für das Gelingen des Plans bildete freilich die individuelle Stärke von Simon Yates die Grundvoraussetzung. Außerdem war es günstig, dass sich seiner Attacke am Marie-Blanque kein Konkurrent unmittelbar anschloss. Erst im weiteren Verlauf des Anstiegs wurde Quintanas Team nervös und löste Froomes Helfer zeitweise in der Nachführarbeit ab. Im Flachstück vor dem Schlussanstieg engagierten sich kurzzeitig auch Helfer von Contador und Sanchez fürs Tempo.

Dennoch änderte sich vom Marie-Blanque-Gipfel bis zum Fuße des Schlussanstiegs nichts an dem Abstand von 1:15 Minuten von Yates zu der Gruppe der weiteren Klassementfahrer. An der Spitze fanden sich in der Abfahrt vom Col de Marie-Blanque 6 Fahrer: Bernard, Silin, Elissonde, de Clercq, Bennett und Bakelants. Ihr Vorsprung vor Yates sank vom Marie-Blanque bis zum Eintritt der Schlusstiegung von etwas über auf knapp unter 4 Minuten.

Diesmal lässt Gesink niemanden mehr vorbei

Mit Beginn des 14,5 Kilometer langen Schlussanstieg lösten sich Bakelants und Silin aus dem Spitzensextett, das aber bald wieder zusammen war. Dann konnten mit Elissonde nur noch Bakelants, Silin und Bennett mithalten. Aus einer größeren Verfolgergruppe startete Gesink 9 Kilometer vor dem Ziel eine Aufholjagd zur Spitze, die er 2 Kilometer danach erreichte. Wenig später begann Gesink seine Siegesfahrt, gegen die sich zunächst noch Bakelants auflehnte und dann Elissonde.

Kurz vor der Kilometermarke kehrte Silin an die Spitze zurück zu Gesink und Elissonde. Doch diesmal ließ sich Gesink den Etappensieg nicht nehmen, der erste bei einer großen Rundfahrt. Noch 5 Tage zuvor hatte er sich auf der 10. Etappe als stärkster der frühen Ausreißer nur dem von hinten heran rauschenden Quintana geschlagen geben müssen.

Simon Yates überholte einen Ausreißer nach dem anderen und hielt gleichzeitig seinen Vorsprung vor seinen Gegnern in der Gesamtwertung mehr oder weniger konstant. Zum Etappensieg fehlten ihm am Ende 39 Sekunden. In der Tageswertung belegte Yates den 5. Platz hinter George Bennett, der ebenfalls in der Gesamtwertung einen Sprung machte, und zwar auf den 12. Platz.

«Intervalltraining» zwischen Quintana und Froome

Schon früh im Schlussanstieg geriet Valverde in Probleme. König testete die ausgedünnte Gruppe ums Rote Trikot, wurde aber schnell von Scarponi zurückgeholt. Die nun folgende Ruhe vor dem Sturm anmierte sogar Fahrer aus den hinteren Top-20 zu Attacken. Quintana bereitete dem Treiben nur vorläufig ein Ende, indem er die erste von insgesamt 5 Attacken zündete. Das konnte aber noch nicht die Endstufe sein. Denn er wurde von Talansky gekontert. Talansky kam weg, weil das Tempo in der Quintana-Gruppe beinah einschlief. Auch Sanchez begriff diese Chance, attackierte und wurde kurzzeitig unterstützt vom zurückfallenden Hermans.

Mit seiner 2. Attacke brachte Quintana die meisten Meter zwischen sich und Froome, vor den sich König spannte. Dann war König scheinbar erledigt, als sein Kapitän wie auf einem Motorrad die Lücke zu Quintana schloss. Froomes Lückenschluss zu Quintana konnten unmittelbar nur Contador und Chaves folgen. Quintana hatte inzwischen Sanchez überholt und seinen Helfer Moreno erreicht, der sich in der Folgezeit noch ein paar Male vor seinen Kapitän setzen sollte.

Nun ließ Chaves abreißen. Weil das Tempo von Quintana, Froome und Contador jedoch wieder leicht zurückging, attackierte erneut Sanchez, und sowohl Chaves als auch König kamen wieder zurück. Chaves startete sofort durch und wurde bis ins Ziel nicht wieder eingeholt. König tat es ihm gleich. Weil sich Quintana und Froome beäugten, wagte Contador eine Attacke, die aber sofort pariert wurde. Stattdessen konterte Quintana und hängte Contador damit ab, nicht jedoch Froome. Mit der nächsten Attacke ging Quintana an Sanchez vorbei, konnte aber Froome erneut nicht abschütteln. Quintana probierte es noch 2 weitere Male, überfuhr aber letztlich zeitgleich vor Froome die Ziellinie.


Vorschau auf diese Etappe: Die Königsetappe der Vuelta a España 2016 verläuft fast komplett über französischen Boden. Nach dem Start auf der spanischen Seite des Baskenlandes wird die Grenze sofort nach dem scharfen Start passiert. Im Profil stehen 4 schwierige Pyrenäenpässe, und auf einem davon geht die 14. Etappe zu Ende, und zwar dem Col d'Aubisque. Zuvor sind Col d'Inharpu, Col de la Pierre Saint-Martin bzw. Soudet und Col de Marie-Blanque zu bewältigen - allesamt recht steil und, abgesehen vom Aubisque, bei der Tour de France eher selten angesteuert. Unter den Klassementfahrern darf leider trotzdem bezweifelt werden, ob vor der Bergankunft am Aubisque schon attackiert wird? Denn ein Grund dagegen sind die Flachstücke zwischen den Bergen, wobei das Flachstück zwischen Marie-Blanque und Aubisque immerhin noch das kürzeste ist.
Profil auf www.lavuelta.com
Profil des Marie-Blanque-Anstiegs auf altimetrias.net
Profil der Marie-Blanque-Abfahrt auf altimetrias.net
Profil des Aubisque-Anstiegs auf altimetrias.net

13. Etappe Sa 3. September: 14. Etappe 15. Etappe

Vuelta 2016

Vuelta a España 2016
14. Etappe (196,0km)
von Urdax-Dantxarinea
zum Col d'Aubisque (FRA)

-km134 13:51 Col Inharpu
-km85 15:15 Col du Soudet
-km39 16:34 Col de Marie-Blanque
-km19 17:08 Laruns
-km0 17:40 Col d'Aubisque

Etappensieg:
Roberto Gesink (NED)

Rotes Trikot:
Nairo Quintana (COL)

Grünes Trikot:
Alejandro Valverde (ESP)

Bergtrikot:
Kenny Elissonde (FRA)

Kombinationstrikot:
Nairo Quintana (COL)
- wird getragen von Froome

Teamwertung:
BMC

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