Vuelta a España 2013 - 20. Etappe

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19. Etappe Sa 14. September: 20. Etappe 21. Etappe

Zielankunft am Angliru: ca. 17:40 Uhr

Elissonde kam durch, Horner wehrte Nibali ab
Chris Horner (RadioShack) kochte Vincezo Nibali (Astana) in der Nebelsuppe am Alto de l'Angliru ab und baute seinen 3-Sekunden-Vorsprung einen Tag vor Ende der Vuelta 2013 um 34 Sekunden aus - obwohl Nibali zuvor mehrere Attacken auf Horner startete. Für den prestigeträchtigen Etappensieg kam indes ein früher Ausreißer als Solist durch: Kenny Elissonde (FDJ.fr). Als bester Deutscher erreichte Dominik Nerz (BMC) das Ziel auf dem 6. Platz. Er stammte ebenfalls aus der großen Fluchtgruppe um Elissonde.

Um den Gesamtsieg indes reizte Nibali auf der 20. Etappe alle naheliegenden Möglichkeiten aus, den Mini-Rückstand gegen Horner noch einmal zu seinen Gunsten zu drehen. In der letzten schmalen Abfahrt vor dem Schlussanstieg ließ er es hinter Sanchez (Euskaltel) laufen - doch Horner war durch das hohe Tempo bergab nicht zu beeindrucken. Im 12,2 Kilometer langen und gefürchteten Schlußanstieg am Angliru versuchte Nibali mehrmals Horner zu knacken, erstmals 6,3 Kilometer vor dem Ziel, als es so richtig steil wurde. Für etwa einen Kilometer fuhr Nibali dem Gesamtführenden um wenige Sekunden voraus.

Nibali und Horner machten es lange spannend
Horner schloss mit Joaquin Rodriguez (Katusha) am Rad wieder zu Nibali auf. Aus der versprengten frühen Spitzengruppe ließen sich Nibalis Helfer Tiralongo und Fuglsang zurückfallen. Das Tempo schlief kurz etwas ein, und von hinten gelang Valverde (Movistar) die Rückkehr. Ab etwa 3 Kilometer vor dem Ziel, als beide Helfer von Nibali verschlissen waren, brachte Nibali mit 3 weiteren Attacken Horner nur scheinbar in Verlegenheit, während Valverde und Rodriguez diesem Duell nun nicht mehr folgen konnten.

Inzwischen war der Angliru in dichten Nebel gehüllt. Im Gewirr aus Zuschauermassen, Motorrädern und Begleitfahrzeugen distanzierte Valverde seinen Kokurrenten um den 3. Platz des Gesamtklassements, Rodriguez, und - wichtiger noch - Horner wehrte die letzte Attacke Nibalis ab und zog schließlich davon. Der 41-jährige US-Amerikaner fuhr auf den 2. Platz der Tageswertung 26 Sekunden hinter Elissonde. Valverde erreichte noch Nibali, was wegen des leicht zurückfallenden Rodriguez' allerdings keine große Rolle mehr spielte.

Ergebnis
1. Kenny Elissonde (FRA) - FDJ.fr 3h55:36
2. Chris Horner (USA) - RadioShack-Leopard +0:26
3. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +0:54
4. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana alle
5. André Cardoso (POR) - Caja Rural-Seguros RGA gleiche
6. Dominik Nerz (GER) - BMC Zeit
7. José Joao Mendes (POR) - Netapp-Endura +1:15
8. Joaquin Rodriguez (ESP) - Katusha gl.Zeit
9. Serge Pauwels (BEL) - Omega-Quick Step +1:52
10. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ.fr +1:59
11. David Arroyo (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA gl.Zeit
12. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +2:20
13. Daniel Moreno (ESP) - Katusha +2:26
14. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi +2:26
15. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana +2:38
16. Tanel Kangert (EST) - Astana +3:07
17. Beñat Intxausti (ESP) - Movistar +3:14
18. Rafal Majka (POL) - Saxo-Tinkoff +3:42
19. Nicolas Roche (IRL) - Saxo-Tinkoff gl.Zeit
20. Leopold König (CZE) - Netapp-Endura +3:53
...
21. José Herrada (ESP) - Movistar +4:15
23. Paolo Tiralongo (ITA) - Astana +5:01
24. Robert Kiserlovski (CRO) - RadioShack-Leopard +5:15
25. Chris Anker Sørensen (DEN) - Saxo-Tinkoff +5:49
39. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-Merida +10:11
- 144 Fahrer klassiert.
DNF Thierry Hupond (FRA) - Argos-Shimano
DNS Salvatore Puccio (ITA) - Sky

Horner wird ältester Grand-Tour-Sieger
Mit seinen bald 42 Jahren wird Chris Horner als ältester Sieger einer großen 3-wöchigen Rundfahrt in die Geschichtsbücher eingehen, wenn auf der letzten Etappe in Madrid auf flachem Terrain nichts mehr Unerwartetes passieren sollte. Die 37 Sekunden Vorsprung vor Nibali sollten da eigentlich genügen, um Spekulationen über andere Szenarien zu vermeiden. Alejandro Valverde behauptete den verbleibenden Podestplatz gegen Rodriguez. Da sah es nur kurzzeitig so aus, als könnte Rodriguez noch an Valverdes recht komfortablen Vorsprung kratzen.

In den Top-Ten der Gesamtwertung gab es auf der 20. Etappe letztlich nur eine Veränderung: Leopold König (Netapp) fiel vom 7. auf den 9. Platz zurück. Er und Nicolas Roche (Saxo) ließen schon vor Nibalis erster Attacke abreißen. Roche behielt trotzdem seinen 5. Platz im Gesamtklassement. Hinter den Top-4 standen am Angliru Pozzovivo (AG2R), Pinot (FDJ) und Samuel Sanchez ungefähr auf einer Stufe. Pinot und Sanchez zogen dadurch insgesamt noch an König vorbei, Pozzovivo jedoch nicht mehr an Roche. Dominik Nerz verbesserte sich nochmals um einen Platz auf die 14.

Gesamtklassement
1. Chris Horner (USA) - RadioShack-Leopard 81h52:01
2. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +0:37
3. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +1:36
4. Joaquin Rodriguez (ESP) - Katusha +3:22
5. Nicolas Roche (IRL) - Saxo-Tinkoff +7:11
6. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +8:00
7. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ.fr +8:41
8. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi +9:51
9. Leopold König (CZE) - Netapp-Endura +10:11
10. Daniel Moreno (ESP) - Katusha +13:11
11. Tanel Kangert (EST) - Astana +14:05
12. José Herrada (ESP) - Movistar +16:48
13. David Arroyo (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA +17:34
14. Dominik Nerz (GER) - BMC +19:26
15. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-Merida +22:04
16. André Cardoso (POR) - Caja Rural-Seguros RGA +25:03
17. Robert Kiserlovski (CRO) - RadioShack-Leopard +25:06
18. Chris Anker Sørensen (DEN) - Saxo-Tinkoff +27:02
19. Rafal Majka (POL) - Saxo-Tinkoff +32:52
20. Igor Anton (ESP) - Euskaltel-Euskadi +33:05

3 Nibali-Helfern in der Vorhut
In der 32-köpfigen Spitzengruppe des Tages war Nibalis Astana 3-mal vertreten, Horners RadioShack hingegen überhaupt nicht. Die Ausreißer hießen: Betancur, Nocentini (beide AG2R), Fröhlinger (Argos), Fuglsang, Griwko, Tiralongo (alle Astana), Nerz (BMC), Santaromita (BMC), Mollema, Garate (beide Belkin), Arroyo, Cardoso, Piedra (alle Caja Rural), Paterski (Cannondale), Coppel, Edet (beide Cofidis), Oroz (Euskaltel), Elissonde (FDJ.fr), Kosontschuk, Vicioso (beide Katusha), Ulissi (Lampre), de Greef (Lotto), Erviti, Intxausti (beide Movistar), Barta, Mendes (beide Netapp), Pauwels (Omega), Cataldo, Kirijenka (beide Sky), Flecha und Valls (beide Vacansoleil).

Ausreißerkönig holt Bergtrikot
Die große Gruppe war einigen Fahrern offenbar zu riesig. So setzten sich Griwko, Arroyo und Piedra ab, dazu Edet und Kirijenka. Piedra fiel wieder zurück. Nicolas Edet brachte an den ersten 2 der 4 Bergpreise des Tages sein Bergtrikot unter Dach und Fach. Den ersten Bergpreis gewann er noch aus der Riesengruppe, den weiteren aus der vorgestoßenen Gruppe. Im Nachhinein betrachtet hätte der diesjährige Ausreißerkönig diese beide Berge gar nicht mehr nötig gehabt für. Sein Polster vor Horner war groß genug.

Bergwertung
1. Nicolas Edet (FRA) - Cofidis 46 p.
2. Chris Horner (USA) - RadioShack-Leopard 32
3. Daniele Ratto (ITA) - Cannondale 30
4. André Cardoso (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA 26
5. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana 23
6. Amets Txurruka (ESP) - Caja Rural-Seguros RGA 22
7. Kenny Elissonde (FRA) - FDJ.fr 21
8. Nicolas Roche (IRL) - Saxo-Tinkoff 19

In der Anfahrt auf den vorletzten Anstieg zur Alto del Cordal wurde die Gruppe um Edet wieder von einer größeren Verfolgergruppe aus ehemaligen Begleitern geschluckt. Im Cordal-Anstieg gingen Tiralongo und Elissonde nach vorne heraus. Im Hauptfeld öffnete sich hinter Horner beinah zufällig eine Lücke zu den weiteren Klassementfahrern - jedoch ohne Folge.

Das Spitzenduo überquerte die Kuppe mit 5 Minuten Vorsprung vor dem Hauptfeld. Auch im Schlussanstieg fuhren die beiden noch recht lange zusammen, bis Tiralongo für seinen Kapitän Nibali wartete. Der erst 22-jährige Elissonde wuchtete sich mit unruhigem Fahrstil am bis zu 23,5 steilen Angliru zu seinem bisher größten Erfolg. Nerz und die beiden Portugiesen Cardoso (Caja Rural) und Mendes (Netapp) retteten Tagesplätze zwischen den 4 besten Fahrern der Vuelta 2013.

Eine interessante Entwicklung nahm kurz vor Toreschluss die Teamwertung. Dort kam Movistar von 5:44 noch auf 1:02 Minuten an Euskaltel heran. Alejandro Valverde nahm nebenbei die deutliche Absicherung seines Grünen Trikots für die Punktewertung mit.


Einschätzung vor der Etappe: Großes Finale bei der Vuelta 2013: Die schwierigste der vielen Bergaufankünfte sparte sich der Veranstalter für den vorletzten Tag auf (und danach folgt ja nur noch die Ehrenetappe in Madrid). Es geht mal wieder hoch auf den Alto de l'Angliru, auf einem schmalen Sträßchen in Asturien mit Rampen bis 23,5 Prozent. Der ursprüngliche Ziegenpfad wurde extra für die Vuelta 1999 asphaltiert, um endlich einen mythischen Berg im Programm zu haben, von denen es bei Tour und Giro so viele gibt. Die erste Vuelta-Zielankunft gab es am Angliru 2000, und dann 2002, 2008 und 2011. Der Schlussanstieg zum Angliru aus La Vega Riosa ist 12,2 Kilometer lang und im Schnitt 10,2 Prozent steil. Bei Halbzeit des Anstieges wird es erstmals so richtig heftig (22 Prozent). Ab hier bleiben die Steigungsprozente bis zum Bergpreis durchgehend mindestens 2-stellig! Erst die letzten 600 Meter ins Ziel sind leicht abschüssig. 2013 steht auf der 20. Etappe unmittelbar vor dem Angliru (und wie gewohnt) noch ein Berg der 1. Kategorie im Profil - Alto del Cordal, auch immerhin im Schnitt 9,6 Prozent steil, allerdings «nur» auf 5,3 Kilometern. Die Etappe ist 142,2 Kilometer kurz, der Verlauf ähnlich wie zuletzt mit Start in Avilés. Die Abstände im Ziel werden wieder gesalzen sein.
Profil und weitere Informationen auf www.lavuelta.com
Profil Alto del Cordal auf salite.ch
Profil Alto de l'Angliru auf salite.ch
Fotos der 2011er-Etappe auf cyclingnews.com

19. Etappe Sa 14. September: 20. Etappe 21. Etappe

Vuelta a España 2013

Vuelta a España 2013
20. Etappe (142,2km)
von Avilés
zum Alto de l'Angliru

-km97 14:55 Alto de la Cabruñana
-km77 15:30 Trubia
-km64 15:52 Alto de Tenebredo
-km38 16:36 Mieres
-km22 17:04 Alto del Cordal
-km1 17:39 Alto de l'Angliru

Etappensieger:
Kenny Elissonde (FRA)

Rotes Trikot:
Chris Horner (USA)

Grünes Trikot:
Alejandro Valverde (ESP)

Bergwertung:
Nicolas Edet (FRA)

Kombinationswertung:
Chris Horner (USA)
- wird vertreten durch Nibali

Teamwertung:
Euskaltel-Euskadi

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