Tour de France 2007

Übersicht - Etappenplan - Berge - Teams - Endklassement - Tour-Siegerliste

15. Etappe 25. Juli: 16. Etappe 17. Etappe

Zielankunft am Col d'Aubisque: ca. 17:11 Uhr

Rasmussen Erster am Aubisque, wer sonst?
Michael Rasmussen (Rabobank) hängte auf der letzten schweren Bergetappe in den Pyrenäen noch einmal alle ab. Bei der Bergankunft am Col d'Aubisque konnte auf dem letzten Kilometer nicht einmal Alberto Contador (Discovery Channel) mithalten. Bis zum roten Teufelslappen ging zusammen mit Contador auch dessen Teamkollege Levi Leipheimer Rasmussens Tempo mit. Dann zog der Däne in Gelb spielerisch davon, und den beiden Discovery-Fahrern blieb das Nachsehen. Leipheimer verlor auf den letzten Metern 26 Sekunden auf Rasmussen, bei Contador waren es 35. Cadel Evans (Predictor-Lotto) wurde Vierter mit 43 Sekunden Rückstand. Rasmussen baute mit seinem zweiten Etappensieg die Gesamtführung aus. Ihn und den Gesamtzweiten Contador trennten nun 3:10 Minuten.

Aber der Sieg am Aubisque war der letzte Akt des Doping-Dänen!
Wenige Stunden nach der Etappe zog das Team Rabobank Rasmussen endlich von der Tour de France zurück. Auslöser war wohl ein Interview mit Davide Cassani. Der Ex-Profi und Co-Kommentator vom italienischen Fernsehen gab an, Rasmussen in den Dolomiten getroffen zu haben, als dieser nach eigenen Angaben in Mexiko weilte. Mit dieser Lüge versuchte sich Rasmussen bisher aus seinen Verstößen gegen die Meldepflicht des Aufenthaltsortes herauszureden («kein Telefon und Handynetz in Mexiko»). Doping-Fahnder trafen den Dänen bei unangekündigten Doping-Kontrollen mehrmals nicht an. Nur Formalien verhinderten bisher einen Ausschluss des unerwartet dominierenden Rabobank-Profis.

Bereits einen Tag vor der Königsetappe drehte sich am zweiten Ruhetag der Tour de France 2007 das Doping-Karussell munter weiter: Es wurde bekannt, dass Alexander Winokurow bei seinem Zeitfahrsieg in Albi positiv auf Fremdlutdoping war. Auch bei seinem Etappensieg in Loudevielle war Winokurow mit Fremdblut gedopt, wie sich wenig später herausstellte. Diese Dopingmethode ist seit 2004 leicht nachweisbar. Die Vermutung liegt nahe, dass ein Blutbeutel vertauscht wurde. Das gesamte Astana Team, das nur wegen Winokurow existiert, reiste auf Druck des Tour-Veranstalters umgehend ab. Auch für den bestplatzierten Deutschen Andreas Klöden war die Tour de France damit vorzeitig beendet. Der Fall Winokurow ist ein weiterer Skandal, aber keine Überraschung: Winokurow ist Kunde des EPO-Gurus Michele Ferrari und wird auch in Zusammenhang mit der Fuentes-Affäre gebracht. Nach der 16. Etappe wurde zudem gemeldet, dass Cristian Moreni (Cofidis) im Laufe der Tour positiv auf künstliches Testosteron war. Moreni gestand und verzichtete auf die Öffnung der B-Probe, das Cofidis-Team verließ die Tour.

Ergebnis
1. Michael Rasmussen (DEN) - Rabobank 6h23:21
2. Levi Leipheimer (USA) - Discovery Channel +0:26
3. Alberto Contador (ESP) - Discovery Channel +0:35
4. Cadel Evans (AUS) - Predictor-Lotto +0:43
5. Mauricio Soler (COL) - Barloworld +1:25
6. Haimar Zubeldia (ESP) - Euskaltel-Euskadi +1:52
7. Juan José Cobo (ESP) - Saunier Duval +1:54
8. Carlos Sastre (ESP) - Team CSC +2:12
9. Oscar Pereiro (ESP) - Caisse d'Epargne +2:27
10. Alejandro Valverde (ESP) - Caisse d'Epargne gl.Zeit
11. Jaroslaw Popowitsch (UKR) - Discovery Channel +3:11
12. David Arroyo (ESP) - Caisse d'Epargne +3:37
13. Frank Schleck (LUX) - Team CSC +4:42
14. Michael Boogerd (NED) - Rabobank +5:32
15. Kim Kirchen (LUX) - T-Mobile Team +6:02
16. Iban Mayo (ESP) - Saunier Duval +6:06
17. Juan Manuel Garate (ESP) - Quick Step +6:17
18. Manuel Beltran (ESP) - Liquigas +6:36
19. David de la Fuente (ESP) - Saunier Duval +7:05
20. Christopher Horner (USA) - Predictor-Lotto gl.Zeit
- 150 Fahrer klassiert.
DNF Matthieu Sprick (FRA) - Bouygues Telecom
DNS Alexander Winokurow (KAZ) - Astana Team
DNS Andreas Klöden (GER) - Astana Team
DNS Andrej Kaschetschkin (KAZ) - Astana Team
DNS Paolo Savoldelli (ITA) - Astana Team
DNS Antonio Colom (ESP) - Astana Team
DNS Sergej Iwanow (RUS) - Astana Team
DNS Maxim Iglinski (KAZ) - Astana Team
DNS Daniel Navarro (ESP) - Astana Team
DNS Grégory Rast (SUI) - Astana Team

Warum Winokurow bei der Tour überhaupt an den Start gehen durfte, ist angesichts der Doping-Erkenntnisse ähnlich fragwürdig wie bei Rasmussen und Contador. Das Spitzenduo musste sich beim Start in Orthez Buh-Rufe gefallen lassen. Die Fahrer der sechs französischen und der zwei deutschen Teams blieben an der Startlinie aus Protest zunächst stehen. Diese Rennställe sind die Begründer des «Mouvement Pour un Cyclisme Crédible» (MPCC). Die Bewegung möchte für eine völlige Transparenz im Anti-Doping-Kampf eintreten. Mit Verzögerung nahmen auch diese Fahrer - nun unter Applaus - die Etappe auf.

Die nackten Zahlen drückten indes eine komfortable Gesamtführung für Rasmussen vor dem langen Einzelzeitfahren am Vorschlusstag aus. Nach Rasmussens Herausnahme ist der neue Klassementleader jedoch Alberto Contador. Dem jungen Spanier heftet dummerweise ebenfalls ein Doping-Image an. Teamboss Manolo Saiz, einer der Hauptfiguren im Blutdoping-Skandal um den «Arzt» Fuentes, führte Contador in die Radsport-Welt ein. Im Vorjahr verschwand Contador wie von Geisterhand von der Fuentes-Liste. Hinter dem formal noch Zweitplatzierten Contador kämpfen nun Evans und Leipheimer um die drei Podestplätze. Evans fehlen knapp zwei Minuten und Leipheimer knapp drei Minuten auf Contador. Nach der Abreise Andreas Klödens ist Jens Voigt (Team CSC) auf dem 35. Platz der bestplatzierte Deutsche mit deutlich über einer Stunde Rückstand.

Gesamtklassement (in Klammern Rückstand auf Contador)
1. Michael Rasmussen (DEN) - Rabobank 76h15:15
2. Alberto Contador (ESP) - Discovery Channel +3:10
3. Cadel Evans (AUS) - Predictor-Lotto +5:03 (+1:53)
4. Levi Leipheimer (USA) - Discovery Channel +5:59 (+2:49)
5. Carlos Sastre (ESP) - Team CSC +9:12 (+6:02)
6. Haimar Zubeldia (ESP) - Euskaltel-Euskadi +9:39
7. Alejandro Valverde (ESP) - Caisse d'Epargne +13:28
8. Kim Kirchen (LUX) - T-Mobile Team +14:46
9. Jaroslaw Popowitsch (UKR) - Discovery Channel +16:00
10. Mauricio Soler (COL) - Barloworld +16:41
11. Mikel Astarloza (ESP) - Euskaltel-Euskadi +16:52
12. Oscar Pereiro (ESP) - Caisse d'Epargne +17:17
13. David Arroyo (ESP) - Caisse d'Epargne +21:08
14. Iban Mayo (ESP) - Saunier Duval +25:24
15. Christopher Horner (USA) - Predictor-Lotto +26:22
16. Wladimir Karpets (RUS) - Caisse d'Epargne +27:37
17. Michael Boogerd (NED) - Rabobank +25:08
18. Frank Schleck (LUX) - Team CSC +31:48
19. Manuel Beltran (ESP) - Liquigas +32:58
20. Tadej Valjavec (SLO) - Lampre-Fondital +36:31
...
35. Jens Voigt (GER) - Team CSC +1h17:40
Gesamtklassement der MPCC-Rennställe
8. Kim Kirchen (LUX) - T-Mobile Team +14:46
28. Dimitri Fofonow (KAZ) - Crédit Agricole +57:15
30. Stéphane Goubert (FRA) - ag2r Prévoyance +1h04:57
32. Patrice Halgand (FRA) - Crédit Agricole +1h10:57
33. Bernhard Kohl (GER) - Gerolsteiner +1h13:30
35. Alexander Botscharow (RUS) - Crédit Agricole +1h19:42
39. Linus Gerdemann (GER) - T-Mobile Team +1h32:01
40. Christophe Moreau (FRA) - ag2r Prévoyance +1h32:30
46. Markus Fothen (GER) - Gerolsteiner +1h39:10
47. Ludovic Turpin (FRA) - ag2r Pévoyance +1h39:34

Die 16. Etappe hielt noch einmal je zwei Berge der Ehrenkategorie und der 1. Kategorie parat. Als es zu Beginn noch flach war, setzte sich ein Quartett mit Augé (Cofidis), Garica-Acosta (Caisse d'Epargne), Rinero (Saunier Duval) und Verdugo aus dem Hauptfeld ab. Am ersten Ehrenkategorie-Berg holten Mauricio Soler (Barloworld), Carlos Sastre (Team CSC) und Iban Mayo (Saunier Duval) die Spitzengruppe ein. Insbesondere Sastre, Fünfter im Gesamtklassement, setzte mit seinem mutigen, frühen Vorstoß seine Klassementgegner unter Druck. Der zwischenzeitliche Vorsprung der Gruppe betrug beinahe sechs Minuten.

Doch hinten hatte das Team des Gelben Trikots alles im Griff. Rabobank reduzierte den Rückstand auf die Ausreißer rechtzeitig vor Beginn des Schlussanstiegs auf unter zwei Minuten, so dass Sastre als letzter Ausreißer schon mehrere Kilometer vor dem Ziel von der Rasmussen-Gruppe überholt wurde. Gleichzeitig dünnte Rabobank durch die Nachführarbeit das Feld schon am vorletzten Berg, dem Col de Marie-Blanque, gehörig aus. Nur die Führung in der Bergwertung musste Michael Rasmussen aus der Hand geben. Mauricio Soler, der schon bisher stellvertretend das weiße Trikot mit den roten Punkte trug, sammelte auf seiner Flucht genügend Punkte, um am Dänen in dieser Sonderwertung vorbeizuziehen.

Bergwertung
1. Michael Rasmussen (DEN) - Rabobank 206 p.
2. Mauricio Soler (COL) - Barloworld 196
3. Alberto Contador (ESP) - Discovery Channel 128
4. Jaroslaw Popowitsch (UKR) - Discovery Channel 104
5. Cadel Evans (AUS) - Predictor-Lotto 92


Die letzte Bergetappe der Tour de France 2007 hat es noch einmal in sich. Auf einer Länge von 218,5 Kilometern sind vier schwere Bergpässe zu bewältigen, darunter der Col de Marie-Blanque, der gut 40 Kilometer vor dem Ziel erreicht ist, und der Col d'Aubisque, auf dem zum zweiten Mal nach 1985 eine Etappe endet. Hier können sich die Bergfahrer letztmals ein Polster aufbauen im Hinblick auf das Einzelzeitfahren am vorletzten Tag.
Marschtabelle auf www.letour.fr
Profil der gesamten Etappe auf www.letour.fr
Profil des Anstiegs zum Col de Peyresourde auf salite.ch

Beim Überblick über die Bergetappen gibt es die Steigungsprozente und Längen der Anstiege.

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Tour de France 2007

Tour de France 2007
16. Etappe (218,5km)
von Orthez
nach La Gourette / Col d'Aubisque

km36 11:44 Mauleon-Licharre
km79 13:11 Port de Larrau
km93 13:28 Alto Laza (ESP)
km 131 14:46 Col de la Pierre-St-Martin
km180,5 16:04 Col de Marie-Blanque
km200 16:24 Laruns
km218 17:11 Col d'Aubisque

Etappensieger:
Michael Rasmussen (DEN)
Gelbes Trikot:
Michael Rasmussen (DEN)
Grünes Trikot:
Tom Boonen (BEL)
Bergtrikot:
Mauricio Soler (COL)
Bester Jungprofi:
Alberto Contador (ESP)
Teamwertung:
Discovery Channel

Ein letzter Blick zurück: Doping-Däne Rasmussen
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