Tour de France 2006 - Sonderhefte

Übersicht - Etappenplan - Berge - Teams - Endklassement - Tour-Siegerliste

Sonderhefte im Zeitschriftenhandel

Es folgt eine Betrachtung der drei wichtigsten Sonderhefte zur Tour de France 2006. Dabei handelt es sich um die Hefte des kicker-Sportagazins und der Rennrad-Zeitschrift tour sowie das Offizielle Programm, in Deutschland herausgegeben von ARD und ZDF. Eines vorweg: Die Qualtität aller drei Hefte konnte insgesamt überzeugen.

kicker Special Tour de France 2006

Etappen: Zu jeder Etappe gibt es die Marschtabelle, das Profil, eine Einschätzung von Tobias Steinhauser und die TV-Zeit von ARD/ZDF sowie Eurosport. Aufgelockert wird dies durch einen kurzen «Blick in die Geschichte» und durch Internet-Tipps zu guten Radsport-Websites (wobei der Internet-Tipp oberhalb der 3. Etappe besonders erfreulich ist...). Den schweren Bergetappen ist eine Doppelseite gewidmet, auf der zusätzlich ein Detail-Profil des entscheidenden Anstieges abgebildet ist. Steinhausers Etappeneinschätzungen sind etwas näher dran am aktuellen Tagesgeschehen als im letzten Jahr bei Didi Thurau. Überflüssig sind nach wie vor die 3D-Schattierungen bei den Etappen-Profilen.
Teams: Jedes Team erhält eine Doppelseite. Auf der linken Seite sind Fotos von fünf Fahrern, das Trikot und das Rennrad des Teams abgebildet. Hinzu kommen ein paar Sätze zur Teamhistorie. Auf der rechten Seite kennt die Ausführlichkeit fast keine Grenzen: Der Team-Kader in tabellarischer Übersicht (mit Geburtsdatum, Größe, Gewicht, Nationalität, Anzahl der Tour-Starts, bester Tour-Platzierung, ProTour-Punkten), Ziele des Teams bei der Tour, Fahrer auf die man achten sollte, und weitere Daten, wie Homepage, Anschrift, sportliche Leiter oder Ausrüster. Einziges Manko: Die weniger wichtigen Fahrer sind hinter den anderen Fahrern nicht tabellarisch, sondern im Fließtext aufgeführt. Bei den Topfahrern wurden Stärken und Schwächen eingeschätzt, mal mehr und mal weniger gelungen...
Hintergrund: Den Text-Teil hat der kicker diesmal etwas eingeschränkt. Trotzdem bleibt noch Platz für ein Ullrich- und ein Basso-Interview, Texten zu Talenten, dem Team Milram, US-Profis, Doping. Die eigentliche Stärke des Heftes kommt allerdings wieder zum Vorschein, wenn man die übersichtliche Doppelseite zum Tour-Reglement betrachtet. Schwachstelle: ein klassicher «Favoriten-Check» fehlt! Ebenso schade: Die ausführlichen Vorstellungen der deutschen Teams und Fahrer aus dem Vorjahr wurden weggelassen.

Preis (in Deutschland): 4 EUR
Seitenanzahl: 116
Fazit: Ähnlich wie bei den Fußball-Sonderheften des kicker-Sportmagazins bekommt man das Rundum-Sorglos-Paket. So gut wie alles, was man von einem solchen Heft erwarten könnte, wird erfüllt. Unterm Strich bleibt das kicker-Heft nach Meinung von Radsport-Seite.de als Begleitheft während der Tour die Nummer eins (obwohl es leider etwas schlanker ist als im Vorjahr).

Offizielles Programm Tour de France 2005

Etappen: Jede Etappe erhält eine Seite, schwere Bergetappen zwei. Marschtabellen und Profile in gewohnter Tour-de-France-Optik. Einige Seiten vor dem Etappenteil wurden alle Schlüsselanstiege im Detail vorgestellt. Rolf Aldag bringt das zu erwartende Geschehen jeder Etappe prägnant auf den Punkt. Riesiger Pluspunkt: Unter den Marschtabellen stehen einige Angaben zur Zielgerade, wie Länge und Breite. Minuspunkt: Übertragungszeiten gibt es nur von ARD und ZDF; das war aber auch nicht anders zu erwarten, schließlich sind ARD und ZDF Mitherausgeber dieses Sonderhefts. Bei den Berg- und Zeitfahretappen ist zudem in eine Landkarte der Streckenverlauf eingezeichnet. Wer die Strecke in einem Straßenatlas selbst suchen möchte, hat während der Tour dadurch natürlich ein «Hobby» weniger...
Teams: Pro Team ein Seite. Alle Fahrer der Teams sind in einer Tabelle aufgelistet mit Nationalität, Anzahl der Profisiege und Tourteilnahmen und endlich auch wieder dem Geburtsjahr. Hinzu kommen eine Abbildung des Trikots und des Rennrads und die wichtigsten Eckdaten zum Team. Die Einschätzungen von Bernard Hinault zu den Teams sind fundierter als im Vorjahr. Im Teamteil ist das Offizielle Programm in diesem Jahr wieder absolut konkurrenzfähig, nachdem dieser 2005 einfach nur grauenhaft war.
Hintergrund: Auf hier ergiebiger als im Vorjahr. Es werden u.a. die Themen Basso, Ullrich, Boonen, Milram, Doping, US-Fahrer, Tour-Sieger von morgen und französische Fahrer behandelt. Hinzu kommen Auszüge aus dem Reglement, ein ausführlicher Favoriten-Check, ein kurzer Blick in die Geschichte, die üblichen Reklame-Texte für ARD/ZDF und zwei Seiten lang Rekorde rund um die Tour de France.

Preis (in Deutschland): 4,60 EUR
Seitenanzahl: 132
Fazit: Stark verbessert gegenüber dem Vorjahr - daher wieder in einer Liga mit dem kicker-Heft. Welches nun wirklich «besser» als Tour-Begleiter geeignet ist, ist letztlich kaum zu beurteilen, weil bei beiden keine gravierenden Mängel festzustellen waren.

tour SPEZIAL - TOUR de France '06

Etappen: Für jede Etappe wurde eine Seite verwendet. Es gibt keine Marschtabellen, dafür sind die Uhrzeiten des schnellsten Durchschnitttempos in die Profile eingetragen - Vorteil und Nachteil zugleich! Walter Godefroot beschreibt ausführlich aus Sicht eines ehemaligen Teamchefs, was bei jeder Etappe auf den Tour-Tross zukommen könnte. Bei den TV-Übertragungen sind auch die Zeiten für die Zusammenfassungen auf Eurosport angegeben. Zudem sind pro Etappe zwei Uhrzeiten angegeben, wo es sich lohnt, live vor dem Fernseher zu sitzen.
Teams: Jedes Team wird auf einer Doppelseite vorgestellt. Auf der linken Seite gibt es viel Text zu Teamboss, einem ausgewählten Fahrer und dem Team insgesamt, dazu Abbildungen von Trikot und Rad, und weitere Eckdaten. Die rechte Seite gehört den Fahrern - oder bei einigen Teams auch halbseitiger Werbung. Wert gelegt wird auf möglichst viele «Passfotos» der Fahrer, die bisherigen Erfolge der Fahrer und einer begüßenswert eindeutigen Zuordnung der Fahrer zu einem Genre (Kapitän und/oder Klassementfahrer, Sprinter, Kletterer, Etappenjäger, Helfer). Bei den meisten wichtigen Fahrern sind zudem Geburtsdatum, erstes Profijahr, Anzahl der Tour-Starts und Internetadresse angegeben. Für Freunde von übersichtlichen Tabellen mag das alles etwas wirr aufgemacht sein...
Hintergrund: Es werden wieder gesondert die Disziplinen Zeitfahren, Klettern, Ausreißen und Sprint betrachtet. Ein Favoriten-Check, ein großes Ullrich-Interview, Texte zum Thema Doping und unzählige weitere Informationen, wie z.B. ein Bericht vom winterlichen Team-Building des CSC-Rennstalls oder der Aufklärung «Welcher Profi fährt welches Auto?» haben einen hohen Informations- und Unterhaltungswert zugleich. Was wohl fehlt, ist das Punkteschema für die verschiedenen Trikots.

Preis (in Deutschland): 4,20 EUR
Seitenanzahl: 164
Fazit: Nach wie vor das unterhaltsamste Heft. Wer auf eine tabellarische Anordung von Marschtabellen und Team-Kadern verzichten kann, der ist mit diesem Heft bestens bedient. Vielleicht kann man es so einordnen: Im Vorfeld der Tour das beste Heft, während der Tour allerdings nur die Nummer drei. In den Augen von Radsport-Seite.de ist dieses Heft ideal für Gelegenheitsgucker und/oder Leseratten, nichts jedoch für Statistik-Freaks.

Alle anderen Sonderhefte, die im Handel erhältlich sind, waren höchstens geeignet, die Zeit bis zum Erscheinungsdatum der besten drei Hefte zu überbrücken. Begründung: Fehlende Details zu den Etappen (keine Profile und/oder Durchfahrtzeiten) und eine noch geringere Aktualität. Unmittelbar vor der Tour de France ist deswegen nur ein Kauf der drei oben besprochenen Hefte zu empfehlen. Alternativ können sich allerdings Leser der Zeitschrift procycling auch mit der Tour-de-France-Beilage in der aktuellen Juli-Ausgabe begnügen. Dort steht alles drin, was man während der Tour de France braucht.

Zum Schluss soll noch die Frage beantwortet werden, warum man überhaupt ein Heft zur Tour de France kaufen sollte (oder auch nicht). Denn im Internet sind die Informationen aktueller und in vielen Haushalten zudem kostenlos. Letztendlich ist es eine Philosophie-Frage - mit der gleichen Begründung wäre es nämlich auch völlig sinnlos, Tageszeitungen zu kaufen, weil ja Radio, Fernsehen und Internet sowieso aktueller sind. Trotzdem werden offenkundig noch Tageszeitungen vertrieben.
Zwei Gründe sprechen für einen Kauf. Erstens: Das Lesen auf Papier ist definitiv angenehmer als auf Bildschirmen jeder Art. Zweitens: Aus dem Internet kann man zwar Marschtabellen und Profile ausdrucken, aber Druckerpapier und -patronen sind für den Normalbürger mit eben solchen Kosten verbunden wie ein Sonderheft. Das soll Dir allerdings nicht den Ausdruck von Pocket-Planer und Startliste auf Radsport-Seite.de madig machen... ;-)

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