Tour de France 2004

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11. Etappe 16. Juli: 12. Etappe 13. Etappe
Zielankunft in La Mongie: ca. 17:17 Uhr

Klöden stärker als Ullrich! Basso als Armstrong-Herausforderer?
Der neue große Gegner von Armstrong könnte bei der 91. Tour de France Ivan Basso heißen. Der Italiener vom dänischen CSC-Team gewann am Freitag die erste schwere Hochgebirgsetappe der Tour 2004 in La Mongie. Beim Favoritensterben in den Pyrenäen gab sich der fünfmalige Tour-Sieger Lance Armstrong (US Postal Service) keine Blöße. Auf seinem Weg zum Rekordtriumph kam er am Hinterrad von Basso ins Ziel. Hervorragender Dritter wurde mit 20 Sekunden Rückstand der deutsche Meister Andreas Klöden. Sein T-Mobile-Kapitän Jan Ullrich handelte sich hingegen ernüchternde zweieinhalb Minuten Rückstand auf die Spitze ein. Der Traum vom neuerlichen Toursieg ist für "Ulle" so gut wie geplatzt.
Doch Ullrich befindet sich in guter Gesellschaft. Beim hoch gewetteten Tyler Hamilton (Phonak), der um seinen geliebten, vorgestern verstorbenen Hund trauerte, hielt die Uhr sogar noch eine Minute später an. Auch Roberto Heras (Liberty Seguros) fuhr nach Ullrich über den Zielstrich. Ullrich führte seine verblüffend schwache Leistung auf das schlechte Wetter zurück. Der vor dem Col d'Aspin einsetzende Regen habe seine Beine schwer werden lassen. Das allein kann es wohl kaum gewesen sein! Oder etwa doch?
Der Tagessiegersieger Ivan Basso ist 26 Jahre alt und fuhr bis zum letzten Jahr für das italienische Spitzenteam Fassa Bortolo. Basso wurde bei bisher drei Tour-Teilnahmen Elfter (2002) und Siebter (2003), 2001 schied er bei seinem Debüt aus. Vor zwei Jahren war er bester Jungprofi. In diesem Jahr nahm der CSC-Teamleiter und Tour-Sieger von 1996, Bjarne Riis, den Italiener unter seine Fittiche, scheinbar mit Erfolg...

Ergebnis
1. Ivan Basso (ITA) - Team CSC 5h03:58
2. Lance Armstrong (USA) - US Postal gl.Zeit
3. Andreas Klöden (GER) - T-Mobile +0:20
4. Francisco Mancebo (ESP) - Illes Balears +0:24
5. Carlos Sastre (ESP) - Team CSC +0:33
6. Oscar Pereiro (ESP) - Phonak +0:50
7. Denis Mentschow (RUS) - Illes Balears +0:59
8. Michele Scarponi (ITA) - Domina Vacanze +1:02
9. Iban Mayo (ESP) - Euskaltel +1:03
10. Santos Gonzalez (ESP) - Phonak gl.Zeit
11. Georg Totschnig (AUT) - Gerolsteiner gl.Zeit
12. Gilberto Simoni (ITA) - Saeco +1:32
13. Aitor Gonzalez (ESP) - Fassa Bortolo +1:39
14. Christophe Moreau (FRA) - Crédit Agricole +1:59
15. Vladimir Karpets (RUS) - Illes Balears gl.Zeit
16. Levi Leipheimer (USA) - Rabobank gl.Zeit
17. Pietro Caucchioli (ITA) - Alessio-Bianchi gl.Zeit
18. Bobby Julich (USA) - Team CSC +2:28
19. Giuseppe Guerini (ITA) - T-Mobile Team gl.Zeit
20. Jan Ullrich (GER) - T-Mobile +2:30
...
25. Oscar Sevilla (ESP) - Phonak +2:30
29. Roberto Heras (ESP) - Liberty +2:57
31. Michael Rasmussen (DEN) - Rabobank +3:02
32. Jakob Piil (DEN) - Team CSC +3:09
34. Tyler Hamilton (USA) - Phonak +3:27
37. Richard Virenque (FRA) - Quick Step +3:27
41. Thomas Voeckler (FRA) - La Boulangère +3:59
45. Sandy Casar (FRA) - Fdjeux.com +5:36
64. Jörg Ludewig (GER) - Saeco +12:04
69. Ronny Scholz (GER) - Gerolsteiner +13:07
70. Sebastian Lang (GER) - Gerolsteiner +15:08
DNF Mikel Pradera (ESP) - Illes Balears
- 166 Fahrer klassiert.

Im Gesamtklassement behauptete der junge Thomas Voeckler (Brioches La Boulangère) seine Führung. Mit dem Gelben Trikot auf den Schultern verlor der im Elsass geborene und auf der Karibikinsel Martinique aufgewachsene Franzose rund vier Minuten auf Basso und Armstrong. Voecklers Vorsprung auf den jetzt Zweitplatzierten Lance Armstrong schmolz auf 5:24 Minuten. Die ärgsten Verfolger des Texaners sind jetzt Andreas Klöden und Ivan Basso. Beide liegen gleichauf mit 69 Sekunden Rückstand auf Armstrong. Basso, U23-Weltmeister von 1998, war der einzige, der Armstrong auf dem Schlussanstieg an der Tourmalet-Steigung nach La Mongie nie vom Hinterrad wich - auch als der US-Amerikaner das Tempo wiederholt verschärfte. Auf den letzten Metern der Etappe schien es fast so, als würde Armstrong seinem italienischen Widersacher den Tagessieg und acht Sekunden mehr Zeitgutschrift überlassen.
Auf Schlagdistanz zu Armstrong bleibt von den Klassementfahrern außer Klöden und Basso nun einzig der Spanier Francisco Mancebo (Illes Balears), der auf der Schlusssteigung zwar attackierte, am Ende aber sogar auf Klöden einige Sekunden verlor. Mancebo trennen in der Gesamtwertung von Armstrong 77 Sekunden. Schon fast drei Minuten Rückstand auf den "Cowboy" hat der Zehntplatzierte Carlos Sastre (CSC). Der Teamkollege von Ivan Basso lag zwar am 12,8 Kilometer langen und durchschnittlich 6,8% steilen Schlussberg lange Zeit in Front, wurde aber noch vor dem roten Teufelslappen vom Führungsduo einkassiert. Bei allen anderen Klassementfahrern grenzt es beinah jetzt schon an Utopie, von einer möglichen Gefährdung Armstrongs und damit dem Toursieg zu sprechen. Es fällt leider schwer, daran zu glauben, dass Jan Ullrich bis Paris noch mehr als dreieinhalb Minuten auf den 32-jährigen Armstrong herausfahren kann.

Gesamtklassement
1. Thomas Voeckler (FRA) - La Boulangère 51h51:07
2. Lance Armstrong (USA) - US Postal +5:24
3. Sandy Casar (FRA) - FDJeux.com +5:50
4. Richard Virenque (FRA) - Quick Step +6:20
5. Andreas Klöden (GER) - T-Mobile +6:33
6. Ivan Basso (ITA) - Team CSC +6:33
7. Francisco Mancebo (ESP) - Illes Balears +6:43
8. Jakob Piil (DEN) - Team CSC +6:53
9. Santos Gonzalez (ESP) - Phonak +7:23
10. Carlos Sastre (ESP) - Team CSC +8:11
11. José Azevedo (POR) - US Postal +8:35
12. Levi Leipheimer (USA) - Rabobank +8:50
13. José E. Gutierrez (ESP) - Phonak +8:51
14. Oscar Sevilla (ESP) - Phonak +8:57
15. Jose Luis Rubiera (ESP) - US Postal +8:58
16. Jan Ullrich (GER) - T-Mobile Team +9:01
17. Bobby Julich (USA) - Team CSC +9:11
18. Michele Scarponi (ITA) - Domina Vacanze +9:25
19. Igor G. de Galdeano (ESP) - Liberty +9:42
20. Tyler Hamilton (USA) - Phonak +9:46
21. Pietro Caucchioli (ITA) - Alessio-Bianchi +9:50
22. Georg Totschnig (AUT) - Gerolsteiner +9:53
23. Michael Rasmussen (DEN) - Rabobank +10:20
24. Aitor Gonzalez (ESP) - Fassa Bortolo +10:21
25. Oscar Pereiro (ESP) - Phonak +10:26
26. Roberto Heras (ESP) - Liberty Seguros +10:42
27. Gilberto Simoni (ITA) - Saeco +10:49
28. Laurent Brochard (FRA) - ag2r +10:50
29. Jérôme Pineau (FRA) - La Boulangère +11:46
30. Denis Mentschow (RUS) - Illes Balears +11:49
...
32. Iban Mayo (ESP) - Euskaltel +12:06

Insgesamt war die 197,5 Kilometer lange 12. Etappe von Castelsarrasin nach La Mongie wenig spektakulär. Eine vierköpfige Ausreißergruppe (Finot, Kirchen, Ljungqvist, Vansevenant) wurde schon vor dem ersten Bergpass, dem Col d'Aspin, wieder vom Peloton eingeholt. Am Aspin selbst blieben Angriffe Mangelwahre. Der Däne Michael Rasmussen (Rabobank) versuchte es und kam zwar als erster oben an, hatte aber nie mehr als 15 Sekunden Vorsprung. Knapp hinter ihm griff sich Richard Virenque (Quick Step) als Dritter an der Passhöhe weitere Punkte für sein Bergtrikot ab.
Auf der Abfahrt brachte eine kleine Gruppe um Jan Ullrich sogar einige Meter zwischen sich und die Mannen um Lance Armstrong. Doch dessen US-Postal-Crew rauschte mit Vollgas wieder heran und hielt das Tempo auch auf dem Schlussanstieg hoch. Sastres Attacke hielt dann trotzdem länger stand. Francisco Mancebo isolierte Armstrong durch seinen Angriff vom letzten Helfer. Da schlug der Tour-Dominator sofort erbamungslos zurück. Jan Ullrich war zu diesem Zeitpunkt schon weit zurückgefallen.

Bergwertung
1 Richard Virenque (FRA) - Quick Step 95 p.
2 Axel Merckx (BEL) - Lotto-domo 57
3 Christophe Moreau (FRA) - Crédit Agricole 43
4 Francisco Mancebo (ESP) - Illes Balears 39
5 Paolo Bettini (ITA) - Quick Step 36
6 Lance Armstrong (USA) - US Postal 36
7 Ivan Basso (ITA) - Team CSC 30
8 Denis Mentschov (RUS) - Illes Balears 23
9 Andreas Klöden (GER) - T-Mobile Team 22
10 Michael Rasmussen (DEN) - Rabobank 21

Was war mit Ulle? Ist Andreas Klöden jetzt der T-Mobile-Kapitän?
Jan Ullrich und sein Gegner, der Regen - man hat es schon so oft gehört oder gelesen, dass es mittlerweile fast abgedroschen klingt. Fakt ist: Immer, wenn der Himmel seine Schranken öffnet, schießt dem 30-jährigen Wahl-Schweizer anscheinend Blei in die Beine. Doch wie will man ein dreiwöchiges Radrennen - dazu das wichtigste der Welt - gewinnen, wenn man bei schlechtem Wetter sofort abbaut?
Es hat bisher über alle Maßen viel geregnet bei dieser 91. Tour de France. Ein Umstand, der einem Lance Armstrong sogar eher entgegen kommt, weil er bei brütender Hitze schon mal leichte Schwächephasen durchleidet. Die sind aber nicht zu vergleichen mit den Aussetzern, die einem Jan Ullrich regelmäßig bei Regen passieren. "Ich habe auf der Abfahrt vom Col d'Aspin gefroren", gab "Ulle" nach dem Rennen zu Protokol. 165 andere Fahrer hatten die gleichen Temperaturen.
Spekulationen, ob der gravierende Zeitrückstand zur Spitze doch vielleicht an der einmal mehr schlampigen Tour-Vorbereitung im Frühjahr lag, machen jetzt keinen Sinn. Vielmehr stellt sich für das deutsche T-Mobile-Team die Frage, ob man weiterhin am Kapitän Ullrich festhält. Sein Adjudant Andreas Klöden präsentiert sich schon das gesamte Jahr 2004 in blendender Verfassung. Als Ullrich auf dem Weg nach La Mongie nicht mehr mithalten konnte, war zum Glück noch der italinische T-Mobile-Kletterer Guiseppe Guerini da, um den Olympiasieger zu ziehen. Sonst hätte sich wohlmöglich sogar Klöden selbst zurückfallen lassen.
Andreas Klöden, 29 Jahre alt, steht auch nach der 12. Etappe wie eine Eins hinter seinem Kapitän, verpricht weiterhin Helferdienste. Doch Jan Ullrich signalisierte, dass er dem potentiellen neuen Teamleader, wenn sich die Situation ergibt, unterstützen würde, wo es geht. Was anderes wird Ullrich auch kaum übrig bleiben. Schließlich ist Andreas Klöden der einzige außer Armstrong, der heute am Berg phänomenal aussah und auch im Zeitfahren einigermaßen gut über die Runden kommt. Es ist nicht vermessen, bei Klöden von einem Podestplatz hinter dem mehr als wahrscheinlichen Toursieger Armstrong zu sprechen. Bei Jan Ullrich keimen hingegen schon leise Zweifel.
Bei Olympia 2000 in Sydney gewann Andreas Klöden die Bronzemedaille, damals hinter dem goldenen Jan Ullrich. 2000 war sowieso Klödens Jahr. Mit Siegen bei Paris-Nizza und Baskenland-Rundfahrt setzte der damals 24-jährige Deutsche erste Ausrufezeichen. Danach folgte allerdings die große Flaute. Erst in diesem Jahr knüpfte "Klödi" an die Leistungen seines Erfolgsjahres an und wurde eine Woche vor der Tour de France Deutscher Meister in Freiburg.

Einschätzung vor der Etappe: Das erste Mal ins Hochgebirge geht es bei der Tour 2004 erst auf der 12. Etappe: Endlich kommen die Bergziegen zum Zuge! Mit dem Col d'Aspin und der Schlusssteigung nach La Mongie sind die Höchstschwierigkeiten des Tages ganz am Ende eingebaut. Ein Feuerwerk der Attacken ist in den Pyrenäen zu erwarten, weil die Klassementfahrer jetzt endlich nicht mehr nur um Sekunden-, sondern um Minutenabstände fahren werden. Vor zwei Jahren war Lance Armstrong in La Mongie, einer Skistation am Anstieg zum Col du Tourmalet, siegreich.
Beim Überblick über die Bergetappen gibt es die Steigungsprozente und Längen der Anstiege.

11. Etappe 16. Juli: 12. Etappe 13. Etappe
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Tour de France 2004
12. Etappe (197,5km)
von Castelsarrasin
nach La Mongie

km22 12:36 Beaumont-de-Lomagne
km154 15:47 Sarrancolin
km172 16:30 Col d'Aspin
km197 17:17 La Mongie

Etappensieger:
Ivan Basso (ITA)
Gelbes Trikot:
Thomas Voeckler (FRA)
Grünes Trikot:
Robbie McEwen (AUS)
Bergtrikot:
Richard Virenque (FRA)
Bester Jungprofi:
Thomas Voeckler (FRA)
Teamwertung:
Team CSC

Basso vor Armstrong
Schelchte Beine: Jan Ullrich
Ivan Basso, 26 Jahre
Foto © velo-photos.com
Voeckler behält Gelb
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