Tour de France 2016 - 20. Etappe

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19. Etappe Sa 23. Juli: 20. Etappe 21. Etappe

Zielnankunft in Morzine: ca. 17:01 Uhr

Izagirre siegreich bei Regenschalcht am Joux Plane

Ion Izagirre (Movistar) holte am vorletzten Tag der Tour de France 2016 den Etappensieg in Morzine. Der 27-jährige Spanier kam aus der großen Spitzengruppe des Tages und lieferte sich im letzten Anstieg am Col de Joux Plane einen heißen Tanz mit Pantano (IAM), Nibali (Astana) und Alaphilippe (Etixx).

Die Entscheidung fiel in der vor Regen triefenden Abfahrt, als sich Pantano versteuerte und Izagirre eine Lücke zu Nibali hatte, die er nicht mehr hergab. Alaphilippe musste bereits kurz vor dem Bergpreis abreißen lassen. Die 4 Protagonisten erreichten jeweils als Solisten das Ziel. Kelderman (LottoNL) stürzte bei dem Versuch, in der Abfahrt zur Spitze vorzufahren und belegte hinter Costa (Lampre) und Kreuziger (Tinkoff) so den 7. Platz.

Rodriguez springt in Top-Ten, Aru bricht ein

Von den Klassementfahrern probierten nur noch 2 Fahrer etwas, die vor der 20. Etappe noch knapp hinter den Top-Ten lagen. Roman Kreuziger verbesserte sich in der Spitzengruppe zeitweise virtuell auf den 2. Platz und am Ende auf den 10. Platz. Joaquim Rodriguez (Katusha) attackierte hinauf zum Col de Joux Plane aus der Gruppe ums Gelbe Trikot, belegte 3:24 Minuten hinter Izagirre den 8. Platz in der Tageswertung und machten einen Sprung in der Gesamtwertung auf den 7. Platz.

Ansonsten wollten die Top-Ten-Fahrer trotz teilweise sehr enger Abstände lieber nichts mehr riskieren. Fabio Aru (Astana) brach am Joux Plane völlig ein, verlor über 13 Minuten und damit auch seinen 6. Gesamtplatz. Dan Martin (Etixx) sprintete erst auf der Zielgeraden 48 Sekunden hinter Rodriguez los und bekam wie Meintjes (Lampre) für die zu späte Aktivität die Quittung, indem er in der Gesamtwertung hauchdünn hinter Rodriguez zurückfiel, allerdings wegen Arus schwarzem Tag keinen Platz verlor.

Ergebnis
1. Ion Izagirre (ESP) - Movistar 4:06:45
2. Jarlinson Pantano (COL) - IAM +0:19
3. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +0:42
4. Julian Alaphilippe (FRA) - Etixx-Quick Step +0:49
5. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida +1:43
6. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +1:44
7. Wilco Kelderman (NED) - LottoNL-Jumbo +2:30
8. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +3:24
9. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +4:12
10. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale gl.Zeit
11. Nairo Quintana (COL) - Movistar gl.Zeit
12. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +4:14
13. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange gl.Zeit
14. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida gl.Zeit
15. Rafal Majka (POL) - Tinkoff +4:17
16. Damiano Caruso (ITA) - BMC +4:18
17. Wout Poels (NED) - Sky
18. Geraint Thomas (GBR) - Sky alle
19. Sergio Henao (COL) - Sky
20. Christopher Froome (GBR) - Sky gleiche
21. Mikel Nieve (ESP) - Sky
22. Richie Porte (AUS) - BMC Zeit
23. Alexis Vuillermoz (FRA) - AG2R La Mondiale +4:44
24. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +4:51
25. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal +5:42
...
31. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +7:40
32. Stef Clement (NED) - IAM +8:04
34. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +9:10
36. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +9:49
56. Fabio Aru (ITA) - Astana +17:38
70. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin +19:57
- 175 Fahrer klassiert.

Froome, Bardet, Quintana halten Podest ohne Risiko

Chris Froome (Sky) im Gelben Trikot des Gesamtführenden wurde von 4 Helfern über den Joux Plane bis ins Ziel eskortiert. Er beteiligte sich in Morzine nicht mehr am Sprint um den 9. Platz, weswegen sich sein Vorsprung vor Romain Bardet (AG2R) unwesentlich auf 4:05 Minuten reduzierte.

Nur wenige Sekunden hinter Bardet gab sich Nairo Quintana (Movistar) offensichtlich mit dem 3. Platz zufrieden und Adam Yates (Orica) wiederum mit dem 4. Platz, womit Yates gleichzeitig das weiße Trikot des besten Jungprofis gegen Louis Meintjes absicherte. Vor Rodriguez hielt Porte (BMC) den 5. Platz und Valverde (Movistar) rückte auf den 6. Platz, während Aru vom 6. Platz weit zurückfiel. Mollema (Trek) verlor seine Top-Ten-Platzierung, weil er nach einem letzten Aufbäumen doch erneut einige Zeit verlor.

Gesamtwertung
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 86:21:40
2. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +4:05
3. Nairo Quintana (COL) - Movistar +4:21
4. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +4:42
5. Richie Porte (AUS) - BMC +5:17
6. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +6:16
7. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +6:58
8. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida +6:58
9. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +7:04
10. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +7:11
11. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +13:13
12. Sergio Henao (COL) - Sky +18:51
13. Fabio Aru (ITA) - Astana +19:20
14. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +24:59
15. Geraint Thomas (GBR) - Sky +28:31
16. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +30:42
17. Mikel Nieve (ESP) - Sky +38:30
18. Stef Clement (NED) - IAM +38:57
19. Jarlinson Pantano (COL) - IAM +38:59
20. Alexis Vuillermoz (FRA) - AG2R La Mondiale +42:28
21. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +47:40
22. Damiano Caruso (ITA) - BMC +48:23
23. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin +52:14

Zu Beginn der 20. Etappe dauerte es ein paar Kilometer und Ausreißversuche, bis sich eine riesige, 37-köpfige Spitzengruppe absetzte. Hoch zum ersten der 4 Pässe des Tages, dem Col des Aravis, brachte Thomas de Gendt (Lotto) eine halbe Minute zwischen sich und den Rest der Gruppe. In der Abfahrt schlossen Henao (Sky), Erviti, Ion Izagirre, Oliveira (beide Movistar), Nibali, Fuglsang (beide Astana), Sagan, Kreuziger (beide Tinkoff), Gastauer, Gautier, Gougeard (AG2R), Kelderman, Bennett (beide LottoNL), Schleck, Stuyven (beide Trek), Pantano (IAM), Rolland, Slagter, van Baarle (alle Cannondale), Konrad (Bora), Sakarin (Katusha), Costa (Lampre), Gallopin (Lotto), Chavanel, Jeandesboz (Direct Energie), Alaphilippe (Etixx), Edet (Cofidis), Juul-Jensen und Matthews (beide Orica) zu de Gendt auf.

Kreuziger virtuell auf dem 2. Platz der Gesamtwertung

Am Gipfel des Col de la Colombière gelang dem Verfolger Barguil (Giant) der Anschluss. Zuerst oben war erneut de Gendt, diesmal ohne Zeitvorsprung. In der Abfahrt beschleunigte Peter Sagan für seinen Teamkollegen Roman Kreuziger, der virtuell damit vom 11. auf den 2. Platz der Gesamtwertung aufstieg. Denn das Hauptfeld lag inzwischen über 6 Minuten zurück. Dem Tempo von Sagan und Kreuziger konnten an der Spitze bergab nur Izagirre, Nibali, Gougeard, Pantano, Costa und Alaphilippe folgen - dies alles bei immer wieder einsetzendem Regen.

Im Anstieg zum Col de la Ramaz klinkte sich Sagan, nachdem er sich für Kreuziger aufgeopfert hatte, aus. Gougeard hatte einen Platten, kehrte aber wieder zur Spitze zurück. Dort forcierte Nibali das Tempo. Leicht absetzen konnte sich jedoch Gougeard, unterdessen einige Verfolger zur Gruppe um Nibali und Kreuziger aufschlossen, und zwar Kelderman, Sakarin, Rolland, de Gendt, Chavanel, Jeandesboz und Alaphilippe. Gougeard hatte sich übernommen und wurde an der Spitze von de Gendt abgelöst, der damit auch den Bergpreis am Col de la Ramaz gewann. Eine halbe Minute zurück waren 2 Verfolger: Rolland und Costa.

Pantano, Alaphilippe hasardieren auf vorletzter Abfahrt

Im Hauptfeld hatten inzwischen die Teams von Aru und mit Abstrichen von Bardet und Yates das Kommando übernomen, wodurch das Feld zu einer rund 30 Fahrer zählenden Gruppe schrumpfte, aus der Mollema zurückfiel. Der Abstand zur Spitze lag nun bei knapp 5 Minuten. In der regennassen Abfahrt krempelten Pantano und Alaphilippe die Situation an der Spitze mit kompromissloser Fahrweise um. Plötzlich lagen die beiden eine knappe Minute vor den nächsten Verfolgern und 7 Minuten vor der Gruppe ums Gelbe Trikot, die sich von hinten wieder auffüllte.

Vor Beginn des Anstiegs zum Col de Joux Plane vergrößerte sich der Vorsprung vor den nächsten Verfolgern auf über anderthalb Minuten, weil sich dort die Augen auf Kreuziger richteten. Das Hauptfeld schraubte den Rückstand zu Pantano und Alaphilippe hingegen um eine Minute nach unten, was im Kampf um den Etappensieg allerdings keine Rolle mehr spielte.

Separate Aufholjagd von Nibali und Izagirre

Es entbrannte ein packendes Duell zwischen Alaphilippe und Pantano. Immer wieder musste Pantano abreißen lassen, kämpfte sich aber ebenso häufig an Alaphilippes Hinterrad zurück und wollte ihn sogar einmal mit einem Überraschungsangriff überrumpeln. Derweil attackierte Vincenzo Nibali die Verfolgergruppe, die da noch bestand aus Henao, Kreuziger, Kelderman, Rolland, Costa und de Gendt, und begann seine Aufholjagd zum Spitzenduo, das er 3,5 Kilometer unterhalb des Bergpreises erreichte.

Nibali wollte Pantano und Alaphilippe sofort mit einer Attacke loswerden, schaffte dies aber zunächst nicht. 500 Meter später mussten die beiden Nibali ziehen lassen. Doch einen weiteren halben Kilometer danach schloss von hinten Izagirre zu Pantano und Alaphilippe auf. Pantano biss sich ans Hinterrad von Izagirre fest und erreichte einen knappe Kilometer vor dem Bergpreis Nibali, und zwar sogar noch etwas früher als Izagirre.

Pantanos Beinahe-Sturz bring Entscheidung

So ging dieses Trio in die Abfahrt. Izagirre setzte sich an die erste Position, während sich Nibali hinter Pantano einreihte. Alle 3 Fahrer haben den Ruf als starke Abfahrer. Dann aber ging ein minimales Loch zu Izagirre auf, Pantano unterschätzte eine Serpentine und verhinderte auf dem schmalen Grasstreifen den Sturz in den Abhang. Izagirre zog zum Tagessieg durch, obschon sich Pantano den Schneid nicht abkaufen ließ und sogar Nibali abhängte, weil dieser leicht aufsteckte. Zu Beginn der Abfahrt hatte Kelderman das Trio in Sichtweite bekommen. Mit einem Sturz erledigten sich seine Hoffnungen auf den Etappensieg.

Im Hauptfeld begann der letzte Anstieg überraschend mit dem Einbruch von Aru, obwohl dessen Team mal wieder den ganzen Tag in Vorarbeit ging. Ebenso erstaunlich war dann die Attacke von Mollema wegen des verkorksten Vortages und der Tatsache, dass er bereits im Verlauf der 20. Etappe ebenfalls zurückgefallen war. Mollemas Vorstoß wurde dann jedoch ausradiert von Joaquim Rodriguez, für den sich alsbald Ilnur Sakarin aus der einstigen Spitzengruppe zurückfallen ließ und mit Vollschub nach oben zog. Auch Sergio Henao ließ sich zu seinem Kapitän Chris Froome zurückfallen, was angesichts der genügend vorhandenen Helfer eigentlich nicht nötig war.

Risikoabwägungen auf regennasser Abfahrt

Am Bergpreis hatte Rodriguez 2:20 Minuten Rückstand auf das Spitzentrio und 33 Sekunden Vorsprung vor den anderen Klassementfahrern. In der Abfahrt vergrößerte Rodriguez - nun ohne Sakarin - diesen Vorsprung um 15 Sekunden gegen Martin, Bardet und Quintana. Die weiteren Fahrer aus der Gruppe ums Gelbe Trikot verloren im Zielsprint noch wenige Sekunden mehr. Ein Unterschied beim Risikoverhalten ließ sich aber vor allem im Vergleich zu den Ausreißern erkennen, die um den Etappensieg fuhren. Denn Rodriguez verlor in der Abfahrt über eine Minute auf Izagirre. Und selbst ein strauchelnder Pantano und ein Nibali auf Sparflamme waren schneller. Die Abfahrt wäre zweifellos auch ohne den starken Regen ein Gefahrenherd gewesen.

Durch die erneute Flucht behauptete de Gendt und erarbeitete sich Pantano den 2. und 3. Platz in der Bergwertung hinter dem uneinholbaren Majka (Tinkoff). Dessen Teamkollege Peter Sagan hatte das Grüne Trikot für die Punktewertung längst sicher, ging aber auf der 20. Etappe erneut in die Fluchtgruppe, diesmal um seinen Teamkollegen Kreuziger bei der Verbesserung in der Gesamtwertung zu unterstützen. Noch während der Etappe bekam Sagan den Preis des kämpferischsten Fahrers der Tour de France 2016 zugesprochen. Dies mag gerechtfertigt sein, allerdings genießt Sagan schon genug Aufmerksamkeit, weswegen der Preis ebenso beispielsweise Pantano oder de Gendt gut zu Gesicht gestanden hätte. Den Zwischensprint der 20. Etappe überließ Sagan an Matthews, der dadurch seinen 3. Platz in der Punktewertung untermauerte.

Bergwertung
1. Rafal Majka (POL) - Tinkoff 209 p.
2. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal 130
3. Jarlinson Pantano (COL) - IAM 121
4. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha 84
5. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida 76
6. Serge Pauwels (BEL) - Dimension Data 62
7. Stef Clement (NED) - IAM 53
8. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana 36
Grünes Trikot
1. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff 440 p.
2. Marcel Kittel (GER) - Etixx-Quick Step 228
3. Michael Matthews (AUS) - Orica-Bikeexchange 183
4. Bryan Coquard (FRA) - Direct Energie 156
5. Alexander Kristoff (NOR) - Katusha 152
6. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal 150
7. Greg van Avermaet (BEL) - BMC 136
8. Christopher Froome (GBR) - Sky 131
9. André Greipel (GER) - Lotto-Soudal 128


Vorschau auf diese Etappe: Die endgültige Entscheidung fällt am Vorschlusstag der Tour de France 2016 in Morzine. Von Megève aus sind in den nordfranzösischen Alpen zunächst Col des Aravis, Col de la Colombiere und Col de la Ramaz zu überqueren, ehe sich vor Morzine der steile Col de Joux Plane auftürmt. Die 11,6 Kilometer dieses gefürchteten Anstiegs steigen im Schnitt um 8,5%. Oben schließt sich ein kurzes Plateau an, erst mit sanftem Bergabstück, dann mit Gegenhang. Der Nervenkitzel kulminiert möglicherweise auf der 10 Kilometer langen Abfahrt. Was auf so einer Etappe mit einer ordentlichen Ladung Testosteron möglich ist, zeigte vor 10 Jahren bei ähnlicher Streckenführung Floyd Landis mit seinem Wahnsinns-Solo, dessen Ergebnis aber nach Analyse der Dopingprobe Makulatur war...

19. Etappe Sa 23. Juli: 20. Etappe 21. Etappe

Tour de France 2016

Tour de France 2016
20. Etappe (146,5km)
von Megève
nach Morzine

-km126 13:38 Col des Aravis
-km113 13:51 Le Grand Bornand
-km101 14:20 Col de la Colombière
-km53 15:40 Col de la Ramaz
-km12 16:49 Col de Joux Plane

Etappensieg:
Ion Izagirre (ESP)

Gelbes Trikot:
Chris Froome (GBR)

Grünes Trikot:
Peter Sagan (SVK)

Bergtrikot:
Rafal Majka (POL)

Jungprofiwertung:
Adam Yates (GBR)

Teamwertung:
Movistar

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