Tour de France 2016 - 19. Etappe

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18. Etappe Fr 22. Juli: 19. Etappe 20. Etappe

Zielankunft in Le Bettex: ca 17:23 Uhr

Bardet entert Podium, Froome strauchelt doch noch

Romain Bardet (AG2R) gewann die 19. Etappe der Tour de France 2016 mit Bergaufziel von Le Bettex oberhalb von Saint-Gervais. Nach einem Sturz des Gesamtführenden Chris Froome (Sky) in der letzten regennassen Abfahrt befand sich Bardet plötzlich mehr als eine halbe Minute vor der Gruppe ums Gelbe Trikot und noch weiter vor Bauke Mollema (Trek), der kurz vor Froomes Sturz ebenfalls schon zu Boden gegangen war.

Im 9,8 Kilometer langen Schlussanstieg hielt Bardet seinen Vorsprung und erlöste seine Landsleute mit dem ersten französischen Etappensieg bei dieser Tour. Außerdem rückte er auf den 2. Platz der Gesamtwertung vor. 23 Sekunden hinter Bardet sprintete Joaquim Rodriguez (Katusha) auf den 2. Platz vor Valverde (Movistar), Meintjes (Lampre) und Quintana (Movistar), gefolgt von Aru (Astana) und Dan Martin (Etixx).

Schwarzer Tag für Mollema

Froome überquerte den Zielstrich gemeinsam mit seinem Teamkollegen Poels 36 Sekunden nach Bardet. Weitere 20 Sekunden mehr benötigte Richie Porte (BMC), dem auf dem letzten Kilometer die Beine aufgingen. Schon vorher musste Adam Yates (Orica) abreißen lassen. Er kämpfte sich 3 Sekunden nach Porte ins Ziel. Mollema, der bereits mit Rückstand in den Schlussanstieg gegangen war, fing sich dort insgesamt 4:26 Minuten ein. Mollema und Yates mussten die Podestplätze in der Gesamtwertung für Bardet und Nairo Quintana räumen.

Ergebnis
1. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale 4:14:08
2. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +0:23
3. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar gl.Zeit
4. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida gl.Zeit
5. Nairo Quintana (COL) - Movistar +0:26
6. Fabio Aru (ITA) - Astana +0:28
7. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step gl.Zeit
8. Wout Poels (NED) - Sky +0:36
9. Christopher Froome (GBR) - Sky gl.Zeit
10. Richie Porte (AUS) - BMC +0:53
11. Ion Izagirre (ESP) - Movistar gl.Zeit
12. Mikel Landa (ESP) - Sky gl.Zeit
13. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +0:56
14. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin +1:17
15. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida +1:52
16. Sergio Henao (COL) - Sky +1:57
17. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +1:58
18. Damiano Caruso (ITA) - BMC +3:00
19. Stef Clement (NED) - IAM +3:10
20. Jarlinson Pantano (COL) - IAM +3:52
...
22. Alexis Vuillermoz (FRA) - AG2R La Mondiale +3:52
23. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +4:26
24. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +4:42
28. Geraint Thomas (GBR) - Sky +6:33
32. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +7:54
34. Mikel Nieve (ESP) - Sky +8:43
37. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +9:33
- 173 Fahrer klassiert.
DNF Tom Dumoulin (NED) - Giant-Alpecin
DNF Daniel Navarro (ESP) - Cofidis

Froome baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung trotz des Sturzes aus. Aus den 3:52 vor Mollema wurden 4:11 vor Bardet. Froome glitt innerhalb der letzten 12 Kilometer auf dem glitschigen Mittelstreifen aus und fuhr die 19. Etappe auf dem Rad seines Teamkollegen Geraint Thomas fertig.

Mollema klar und Yates knapp runter von Podestplätzen

Schon vorher machte Bauke Mollema Bekanntschaft mit dem Asphalt. Isoliert von Helfern unterschätzte er bei der Aufholjagd eine Serpentine, kam noch gerade vor dem Abgrund zum Stehen, verlor aber weitere Zeit, die sich dann im Schlussanstieg erst so richtig aufsummierte. In der Gesamtwertung wurde Mollema vom 2. auf den 10. Platz durchgereicht.

Adam Yates musste Nairo Quintana knapp um 9 Sekunden den 3. Platz überlassen. (Nachtrag: Yates erhielt nach der Etappe eine Zeitstrafe von 10 Sekunden, weil er sich von seinem Teamkollegen Plaza ziehen ließ. So fehlten ihm aufs Podest 19 Sekunden.) Bardet wiederum ging um 16 Sekunden an Quintana vorbei. Anders als Bardet kamen Porte und Aru nicht wirklich dazu, eine Offensive aufs Podest zu starten, so dass Porte 50 Sekunden und Aru 93 Sekunden hinter dem 3. Platz von Quintana zurückblieben.

Gesamtwertung
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 82:10:37
2. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +4:11
3. Nairo Quintana (COL) - Movistar +4:27
4. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +4:46
5. Richie Porte (AUS) - BMC +5:17
6. Fabio Aru (ITA) - Astana +6:00
7. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +6:20
8. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida +7:02
9. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +7:10
10. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +7:42
11. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +7:52
12. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +9:45
13. Sergio Henao (COL) - Sky +18:51
14. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +21:37
15. Geraint Thomas (GBR) - Sky +28:11
16. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +30:09
17. Stef Clement (NED) - IAM +35:11
18. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin +36:35
19. Mikel Nieve (ESP) - Sky +38:30
20. Alexis Vuillermoz (FRA) - AG2R La Mondiale +42:02
21. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +42:48
22. Jarlinson Pantano (COL) - IAM +43:04

Arus Team lässt frühe Spitzengruppe nicht weit weg

Wer in die große Spitzengruppe des Tages wollte, hatte die Chance dazu direkt nach dem scharfen Start. Als Luzenko (Astana), Kiserlovski, Majka (beide Tinkoff), Vuillermoz (AG2R), Bennett (LottoNL), Pantano (IAM), Rolland (Cannondale), Burghardt, Moinard (beide BMC), Berhane (Dimension Data), ten Dam (Giant), Buchmann (Bora), Costa (Lampre), de Gendt, Gallopin (beide Lotto), Tony Martin (Etixx), Navarro (Cofidis), Matthews (Orica), Sepulveda und Breen (beide Fortuneo) weggesprungen waren, kehrte zunächst Ruhe im Hauptfeld ein.

Aber Arus Team fand sich mit der Situation dann doch nicht ab und kam auf die Idee im Hauptfeld auf die Tube zu drücken, als die Spitzengruppe im ersten unkategorisierten Anstieg bereits 4 Minuten vorn lag. Es zeichnete sich ab, dass es an diesem Tag nichts mit einem Etappensieg für einen Fahrer aus der Spitzengruppe werden würde, weil der Vorsprung ab dann für lange Zeit auf kalkulierbare 2 bis 3 Minuten sank.

In der Bergwertung wurde Majka durch weiteren Zugewinn an Punkte uneinholbar. Auch de Gendt holte ein paar weitere Punkte zur Absicherung des 2. Platzes in dieser Sonderwertung. Den Zwischensprint gewann Matthews, womit er sich in der Wertung ums Grüne Trikot auf den 3. Platz vorschob, was aber nur noch für Preisgelder eine Rolle spielt. Das Trikot längst sicher hat Peter Sagan (Tinkoff).

Grünes Trikot
1. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff 425 p.
2. Marcel Kittel (GER) - Etixx-Quick Step 228
3. Michael Matthews (AUS) - Orica-Bikeexchange 143
4. Bryan Coquard (FRA) - Direct Energie 156
5. Alexander Kristoff (NOR) - Katusha 152
6. Greg van Avermaet (BEL) - BMC 136
7. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal 133
8. Christopher Froome (GBR) - Sky 131
9. André Greipel (GER) - Lotto-Soudal 128
Bergwertung
1. Rafal Majka (POL) - Tinkoff 209 p.
2. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal 105
3. Jarlinson Pantano (COL) - IAM 81
4. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha 78
5. Serge Pauwels (BEL) - Dimension Data 62
6. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida 60

Nach dem schwierigen Anstieg von Bisanne attackierte Pierre Rolland nach kurzem Bergabstück im Gegenhang zum unkategorisierten Col de Saisies. Nur Rui Costa zog mit. Regen hatte eingesetzt, der in der nachfolgenden Abfahrt stärker wurde. Rolland rutschte mit dem Vorderrad weg und eröffnete einen Sturzreigen auf dieser und der nächsten Abfahrt. Rui Costa hielt sich als Solist an der Spitze bis in den Schlussanstieg hinein, als ihn 7,5 Kilometer vor dem Ziel Bardet einholte.

Dumoulin mit Handgelenksverletzung raus

Im Hauptfeld ereignete sich der vielleicht folgenreichste Sturz für die nähere Zukunft des Radsports noch kurz vor dem schwierigen Anstieg von Bisanne. Der 2-fache Etappensieger, in der Gesamtwertung allerdings unbedeutende Tom Dumoulin (Giant) ging zu Boden und verletzte sich am Handgelenk. Dies stellte seinen Start bei den Olympischen Spielen in Frage, bei denen er 2 Wochen nach der Tour de France im Einzelzeitfahren als Top-Favorit gehandelt wurde. Unter Tränen stieg er in den Krankenwagen und musste die Tour de France nur 2 Tage vor dem Ende verlassen.

Von den vielen Sturzopfern in den 2 Abfahrten vom Col de Saisies und hinunter nach Megève musste nur Daniel Navarro die Tour 2016 aufgeben. Er hatte sich kurz zuvor aus den Resten der ehemaligen Spitzengruppe auf die Verfolgung von Rui Costa gemacht, war dann aber noch vor seinem Sturz wie alle weiteren Ausreißer mit Ausnahme von Costa eingeholt worden. Außer Froome und Mollema stürzte aus dem erweiterten Kreis der Klassementfahrer Sébastien Reichenbach (FDJ) gemeinsam mit seinem Teamkollegen und Schweizer Landsmann Steve Morabito. Wegen des anschließenden Zeitverlustes fiel Reichenbach in der Gesamtwertung vom 13. auf den 14. Platz zurück.

Etwa zeitgleich mit Reichenbachs Sturz wurde auch Porte zurückgeworfen, als noch 32 Kilometer zu fahren waren. Erst nach einer über 10 Kilometer langen Aufholjagd kehrte Porte in die Gruppe ums Gelbe Trikot zurück, allerdings anders als Mollema begleitet von Teamkollegen, die danach sogar gemeinsam mit Arus Helfern das Tempo zeitweise bestimmten.

Bardet geht aus Sturzserie der Gegner als Sieger hervor

Nach einem Plateau gingen in die letzten Abfahrt hinein allerdings Mikaël Chérel und sein Kapitän Romain Bardet in die Offensive. Chérel fuhr dem Rest, auch Bardet, sogar teilweise davon. Dann brach das Chaos erst richtig los mit dem Sturz von Froome, hinter dem Weltklasse-Abfahrer Vincenzo Nibali (Astana) nicht mehr ausweichen konnte und ebenfalls stürzte. Dazu nahm das Drama um Mollema seinen Lauf.

Den Schlussanstieg begann Costa eine knappe Minute vor Bardet, der bis hierhin von Chérel eskortiert wurde, und eine weitere gute halbe Minute vor Froome, der anders als Mollema zu den weiteren Klassementfahrern zurückgekehrt war. Bardet verlor bis zum Ziel nur wenige Sekunden auf die Verfolger. Rui Costa konnte sich nach der Einholung immerhin noch für 3 Kilometer an Bardets Hinterrad halten, fiel dann aber noch auf den 15. Platz zurück.

Quintana bekommt die Kurve fürs Podium

In der Verfolgergruppe dauerte es lange bis zur ersten Attacke. Arus Helfer hatten den ganzen Tag gearbeitet und ein Ausscheidungsfahren veranstaltet, aber als erster attackierte mal wieder Daniel Martin, als die Helfer aller Nicht-Froome-Teams verbraucht waren. Dann erhöhte Porte merklich die Schlagzahl. Quintana zeigte sich körperlich und moralisch erholt von den Tiefschlägen der vergangenen Tage und war bei dieser und folgenden Verschärfungen sofort dabei.

Valverde und Yates mussten abreißen lassen. Rodriguez füllte die Lücke zu Porte und Quintana, und er führte die Gruppe inklusive Froome, Poels, Aru und Meintjes an Martin heran. Yates und Valverde hatten sich gerade zurückgekämpt, da attackierte Porte an der 2-Kilometer-Marke. Porte musste aber bald bezahlen, wurde von Aru gekontert. Der wieder auferstandene Valverde brachte Quintana, Meintjes und Martin vor zu Aru. Leicht abgehängt waren Froome, Porte und Rodriguez. Ein paar Sekunden mehr kassierten nun Porte und Yates.

Dann setzte Rodriguez zu seinem bekannten Schlussspurt am Berg an. Bardet konnte der Sieg nicht mehr streitig gemacht werden, weil er ungefährt so schnell wie Froome den Schlussanstieg meisterte. So blieb für Rodriguez der 2. Platz in Le Bettex vor Louis Meintjes. Ums weiße Trikot des besten Jungprofis kratzte Meintjes am Vorsprung von Adam Yates, der in dieser Wertung 2:16 Minuten gegenüber Meintjes konservierte.


Vorschau auf diese Etappe: Die vorletzte Berg- und Alpenetappe bei der Tour de France 2016 führt von Albertville nach Saint-Gervais, genauer gesagt hinauf nach Le Bettex zum Skigebiet oberhalb von Saint-Gervais. Der Schlussanstieg ist 9,8 Kilometer lang und steigt im Schnitt um 8 %, wobei die ersten und letzten 3 Kilometer steiler sind und das Mittelstück flacher. Schon vorher stehen während dieser 19. Etappe weitere Anstiege im Profil, so der anspruchsvolle Antsieg nach Bisanne, allerdings schon 50 Kilometer vor dem Ziel. Insgesamt ist es eine weitere Etappe, die man fürs Gesamtklassement ankreuzen muss.

18. Etappe Fr 22. Juli: 19. Etappe 20. Etappe

Tour de France 2016

Tour de France 2016
19. Etappe (146km)
von Albertville
nach Saint-Gervais

-km121 13:51 Doussard
-km104 14:28 Col de la Forclaz de Montmin
-km73 15:15 Col de la Forclaz de Queige
-km501 16:05 Montée de Bisanne
-km0 17:23 Le Bettex

Etappensieg:
Romain Bardet (FRA)

Gelbes Trikot:
Chris Froome (GBR)

Grünes Trikot:
Peter Sagan (SVK)

Bergtrikot:
Rafal Majka (POL)

Jungprofiwertung:
Adam Yates (GBR)

Teamwertung:
Movistar

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