Tour de France 2016 - 12. Etappe

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11. Etappe Do 14. Juli: 12. Etappe 13. Etappe

Zielankunft am Mont Ventoux: ca. 17:10 Uhr

De Gendt siegt, Jury tilgt Froomes Motorradkollision

Thomas de Gendt (Lotto) gewann die 12. Etappe der Tour de France, bei der das Ziel wegen Windes vom Mont Ventoux nach unten zum Chalet Reynard verlegt wurde. Die Aufreger des Tages ereigneten sich aber in der Gruppe der Top-Klassementfahrer. Ein Trio mit Richie Porte (BMC), Chris Froome (Sky) und Bauke Mollema (Trek) stürzte im Schlussanstieg in ein Kameramotorrad.

Froomes Helfer hatten zuvor im Gegenwind Angriffe von Nairo Quintana (Movistar) locker abgeblockt. Als Froome selbst beschleunigte, blieb nur Porte beim Mann im Gelben Trikot. Von den Verfolgern gelang überraschend Mollema der Sprung zu Froome und Porte. Dann rauschte Porte ins abrupt bremsende Kameramotorrad. Über ihn und das Motorrad purzelten auch Froome und Mollema.

Porte, Froome und Mollema krachten ins Motorrad

Während Mollema schnell wieder aufs Rad stieg, mussten Porte die Kette richten und Froome auf eine Ersatzmaschine warten. In Panik joggte Froome einige Meter, stieg dann aufs unpassende Rad des neutralen Materialwagens und erhielt schließlich das Rad seines eigenen Teamwagens.

Das liegende Motorrad und Zuschauer versperrten die Straße auch für die Verfolger, die sich den Weg bahnen mussten. 19 Sekunden hinter Mollema erreichten Adam Yates (Orica), Aru (Astana), Meintjes (Lampre), Bardet (AG2R) und Rodriguez (Katusha) das Ziel. Quintana benötigte am Hinterrad seines Edelhelfers Valverde noch 7 Sekunden mehr. Porte verlor 56 Sekunden auf Mollema. Bei Froome waren es gar 100 Sekunden. Nach fast einstündiger Beratung erhielten Froome und Porte von der Jury die Zeit von Mollema.

Der Etappensieger Thomas de Gendt stammte aus der 13-köpfigen Spitzengruppe des Tages. Der 29-jährige Belgier Belgier lieferte sich im Schlussanstieg einen Dreikampf mit seinem Landsmann Serge Pauwels (Dimension Data) sowie Daniel Navarro (Cofidis), der auf dem Schlusskilometer zu den beiden pokernden Belgiern wieder aufschloss. Als dann aber de Gendt von vorne beschleunigte, musste sich erst Navarro und dann Pauwels geschlagen geben.

Ergebnis
1. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal 4:31:51
2. Serge Pauwels (BEL) - Dimension Data +0:02
3. Daniel Navarro (ESP) - Cofidis +0:14
4. Stef Clement (NED) - IAM +0:40
5. Sylvain Chavanel (FRA) - Direct Energie gl.Zeit
6. Bert-Jan Lindeman (NED) - LottoNL-Jumbo +2:52
7. Daniel Teklehaimanot (ERI) - Dimension Data +3:13
8. Sep Vanmarcke (BEL) - LottoNL-Jumbo +3:26
9. Chris Anker Sorensen (DEN) - Fortuneo +4:23
10. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +5:05
11. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +5:24
12. Fabio Aru (ITA) - Astana
13. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida
14. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale alle
15. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha
16. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar gleiche
17. Nairo Quintana (COL) - Movistar
18. Tejay van Garderen (USA) - BMC Zeit
19. Richie Porte (AUS) - BMC +5:05
20. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +6:30
21. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ alle
22. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin gleiche
23. Daniel Moreno (ESP) - Movistar Zeit
24. Sergio Henao (COL) - Sky +6:45
25. Christopher Froome (GBR) - Sky +5:05
26. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +6:51
27. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +7:24
28. Geraint Thomas (GBR) - Sky gl.Zeit
29. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha gl.Zeit
30. Wout Poels (NED) - Sky +7:27
...
33. André Greipel (GER) - Lotto-Soudal +9:30
35. Damiano Caruso (ITA) - BMC +9:35
37. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +9:35
- 190 Fahrer klassiert.
DNF Angelo Tulik (FRA) - Direct Energie
DNS Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Katusha

Froome am Grünen Tisch nun 47 Sekunden vor Yates

In der Gesamtwertung baute Froome seinen Vorsprung vor Adam Yates von 28 auf 47 Sekunden aus. Der angeknockte Nairo Quintana verbesserte sich auf den 3. Platz, weil Daniel Martin (Etixx) am Schlussanstieg relativ früh abreißen ließ. Allerdings vergrößerte sich Quintanas Rückstand auf 54 Sekunden hinter Froome. 2 Sekunden hinter Quintana schob sich Mollema auf den 4. Platz.

Die Siegerehrung mit den verschiedenen Trikots zog sich über knapp eine Stunde hin, zuletzt mit dem Gelben Trikot für Froome und dem Weißen Trikot für Yates. Erst dann hatte festgestanden, dass die Jury Froome willkürlich die Zeit von Mollema zuschusterte und Froome das Gelbe Trikot behalten konnte.

Gesamtwertung
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 57:11:33
2. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +0:47
3. Nairo Quintana (COL) - Movistar +0:54
4. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +0:56
5. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +1:15
6. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +1:32
7. Tejay van Garderen (USA) - BMC +1:32
8. Fabio Aru (ITA) - Astana +1:54
9. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +1:56
10. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +2:11
11. Richie Porte (AUS) - BMC +2:22
12. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida +2:29
13. Sergio Henao (COL) - Sky +2:36
14. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +3:14
15. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin +4:28
16. Geraint Thomas (GBR) - Sky +5:51
17. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +7:35
18. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +8:02
19. Damiano Caruso (ITA) - BMC +11:20
20. Mikel Nieve (ESP) - Sky +14:15
21. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +14:33

Lex Froome schafft heiklen Präzedenzfall

In der direkt nach Rennende veröffentlichten provisorischen Gesamtwertung hatte Yates das Gelbe Trikot 9 Sekunden vor Mollema übernommen. Da lag Mollema außerdem noch knapp vor Quintana. Denn Quintana, Valverde und van Garderen (BMC) erhielten nach dem Jury-Entscheid - warum auch immer - die Zeit der Yates-Gruppe. Froome wäre in der Gesamtwertung nach einem regelkonformen Jury-Entscheid auf den 6. Platz zurückgefallen mit 53 Sekunden Rückstand auf Yates.

Eine Egalisierung der Rückstände für Froome und Porte gaben die Regelbücher eigentlich nicht her, weil die 3-Kilometer-Regel für Stürze und Defekte bei Bergankünften nicht vorgesehen ist. Dass Froome und Porte von der Jury Mollemas Zeit zugesprochen wurde, kam dem Resultat wohl am nächsten, wie es ohne den Vorfall ausgesehen hätte. Dennoch bleibt der Beigeschmack, dass Regeln verbogen werden, damit wahlweise Froome in jedem Fall die Tour de France gewinnt oder die Unfähigkeit des Veranstalters nivelliert wird, ein ordnungsgemäßes Radrennen zu veranstalten.

Amateurhafte Organisatoren

Es war schon der zweite rennentscheidende Vorfall bei der Tour de France 2016, bei dem der Veranstalter nach Lage der Dinge das Fehlverhalten von Zuschauern nicht einkalkulierte. Auf der 7. Etappe sackte der Kilometerbogen zusammen, weil ein Zuschauer ein Kabel des Kompressors berührte. Seinerzeit wurde die Zeit von Yates korrigiert. Nun verteilten sich die Zuschauermassen am französischen Nationalfeiertag wegen der Zielverlegung auf zwei Drittel der ursprünglich vorgesehenen Strecke - bei gleichzeitig weniger Absperrgittern, als dies sonst üblich ist. Hinzu kamen mal wieder unzählbare Begleitmotorräder, und der Skandal nahm seinen Lauf...

Gesamtwertung nach Einlauf (von Jury verworfen)
1. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange 57:12:20
2. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +0:09
3. Nairo Quintana (COL) - Movistar +0:14
4. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +0:28
5. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +0:52
6. Christopher Froome (GBR) - Sky +0:53
7. Tejay van Garderen (USA) - BMC +0:57
8. Fabio Aru (ITA) - Astana +1:07
9. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +1:09
10. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +1:24
...
14. Richie Porte (AUS) - BMC +2:31

Zu Beginn der 12. Etappe machten sich 14 Fahrer auf zur Flucht des Tages: Lindeman, Vanmarcke (beide LottoNL), Clement (IAM), Pauwels , Teklehaimanot (beide Dimension Data), Voß (Bora), Greipel, de Gendt (beide Lotto), Coquard, Chavanel (beide Direct Energie), Keisse (beide Etixx), Navarro, Lemoine (beide Cofidis) und Sørensen (Fortuneo). Wegen eines Defekts fiel Voß in eine Verfolgergruppe mit Rosa (Astana), Gautier (AG2R), Slagter (Cannondale), Preidler (Giant) und Breen (Fortuneo) zurück, die nicht mehr die Spitzengruppe erreichte.

Windkante in der flachen Anfahrt Richtung Ventoux

Die nun 13-köpfige Spitzengruppe hatte einen Vorsprung von rund 19 Minuten, als das Hauptfeld innerhalb der letzten 90 Kilometer auf der Windkante zerfiel. In einem abgehängten Feld saßen Barguil (Giant), Meintjes (Lampre), Pinot, Reichenbach (beide FDJ) und Buchmann (Bora). Sie kämpften lange mit einem einminütigen Rückstand auf das deutlich ausgesiebte Hauptfeld. Dessen Rückstand zur Spitzengruppe schrumpfte durch das harte Tempo rapide.

33 Kilometer vor dem Ziel stürzte Simon Gerrans (Orica) in Führungsarbeit für Yates. Dessen Konkurrenten ums weiße Trikot, Meintjes und Barguil, steckten ja im abgehängten Feld. Hinter Gerrans kamen auch Froomes Helfer zu Fall. Der somit isolierte Froome ließ sich in einem Anfall von Selbstherrlichkeit zurückfallen und vertraute darauf, dass das Feld der Gegner auf die Rückkehr des Gelben Trikots mit seinen Helfern brav wartete. Und bei dieser Gelegenheit kehrte auch ein abgehängtes Feld um Barguil zurück. Froome dehnte schamlos das ungeschriebene Gesetz zu seinen Gunsten aus, dass man den Fahrer im Gelben Trikot bei der Pinkelpause nicht angreift.

Nirgendwo geschrieben steht auch die Regel, die Froome nach dessen Sturz im Schlussanstieg das Gelbe Trikot rettete. Aber hier traf Froome keine Schuld. Im Gegenteil: Es wären mit Froome und Porte zwei Fahrer bestraft worden, die neben Mollema am verkürzten Ventoux-Anstieg die stärkste Leistung auf den Asphalt brachten.

Quintanas Attacken perlen an Froome-Helfern ab

Kurz vor und nach Beginn des Schlussanstieg brannten aus dem Hauptfeld heraus Rolland (Cannondale) und Pantano (IAM) ein Strohfeuer ab. Nicht viel mehr vermochte auch Valverde als Vorhut für Quintana auszurichten. Als Quintana dann selbst im Wiegetritt 2-mal attackierte, absorbierten Sergio Henao und Wout Poels diese Vorstöße im Sitzen. Ebenso verhielt es sich wenig später, als es Joaquim Rodriguez (Katusha) und Valverde probierten.

Schließlich trat Froome selbst mit irrer Trittfrequenz auf den Plan. Sein ehemaliger Helfer Porte blieb bei ihm. Quintana versuchte es auch, musste sich aber wieder in die Verfolgergruppe einordnen, in der nun Valverde das Tempo vorgab und aus der Mollema attackierte und das Loch zu Froome und Porte stopfte. Dann passierte die Geschichte mit dem Fernsehmotorrad, das etwa einen Kilometer vor dem Ziel hart bremste. Die einen schoben dies auf verrückte Zuschauermassen, die anderen auf mehrere Fotografenmotorräder unmittelbar vor dem Fernsehmotorrad.

De Gendt, Pauwels und Navarro fair um den Etappensieg

Aus der Spitzengruppe attackierte Greipel 14 Kilometer vor dem Ziel und begann den Schlussanstieg als Solist 7:30 Minuten vor dem Hauptfeld. Der Sprinter wurde zwar schnell wieder eingeholt, bereitete aber damit seinem Teamkollegen de Gendt den Weg zum Etappensieg und war auch der erste deutsche Fahrer im Ziel auf dem 33. Platz - noch 5 Sekunden vor Emanuel Buchmann.

Am Schlussanstieg kristallisierten sich schnell die 3 stärksten Bergfahrer aus der Spitzengruppe heraus: de Gendt, Pauwels und Navarro. Als noch gut 7 Kilometer zu fahren waren, fuhren nur noch Pauwels und Navarro an der Spitze. Aber de Gendt gelang der Anschluss und 3,5 Kilometer vor dem Ziel selbst eine Attacke. Pauwels war erst knapp einen Kilometer später wieder dran an de Gendt. Die Belgier bekämpften sich fortan gegenseitig. Von hinten ließ Navarro nicht locker und holte das Duo wieder ein. Die letzten Reserven gaben auf den finalen 200 Metern den Ausschlag zugunsten von de Gendt, der damit auch das Bergtrikot von Pinot zurückeroberte.

Bergwertung
1. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal 89 p.
2. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ 80
3. Rafal Majka (POL) - Tinkoff 77
4. Daniel Navarro (ESP) - Cofidis 68
5. Tom Dumoulin (NED) - Giant-Alpecin 58
6. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida 50
7. Serge Pauwels (BEL) - Dimension Data 40


Vorschau auf diese Etappe: Bei der Tour de France 2016 ist es mal wieder soweit - nach nur 3 Jahren kehrt der Mont Ventoux ins Programm zurück, und erneut am französischen Nationalfeiertag. Die 12. Etappe verläuft von Montpellier zunächst vorwiegend flach - allerdings gespickt mit einem Doppelanstieg rund 50 Kilometer vor dem Ziel - nach Saint-Estève, wo dann das dicke Ende auf die Fahrer wartet. Denn die letzten 15,7 Kilometer zum Ventoux-Gipfel steigen im Schnitt um 8,8 %. Wenn die Baumgrenze und damit die Steinwüste erreicht ist, könnte der Wind eine zunehmende Rolle spielen, ob die Abstände zwischen den Klassementbesten hier überschaubar oder riesig werden.

Kein kompletter Ventoux wegen Windes

So jedenfalls sah der ursprüngliche Plan aus. Am Vorabend der 12. Etappe jedoch wurde das Ziel vom Gipfel hinunter zum Chalet Reynard verlegt, weil im oberen Bereich Windböen von 100 km/h wüteten. Damit ist der Schlussanstieg 5,7 Kilometer kürzer, also «nur» noch 10 Kilometer lang. Die Tour de France 2016 büßt eine ihrer mutmaßlichen Hauptattraktionen ein.

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Tour de France 2016

Tour de France 2016
12. Etappe (184km)
von Montpellier
zum Mont Ventoux

-km82 14:48 Mollègès-Gare
-km53 15:32 Côte de Gordes
-km49 15:38 Col des Trois Termes
-km0 17:10 Mont Ventoux

(Die Kilometerangaben beziehen sich auf die ursprüngliche Planung. Wegen des vorverlegten Ziels am Chalet Reynard war der Weg zum Ziel knapp 6 Kilometer kürzer.)

Etappensieg:
Thomas de Gendt (BEL)

Gelbes Trikot:
Chris Froome (GBR)

Grünes Trikot:
Peter Sagan (SVK)

Bergtrikot:
Thomas de Gendt (BEL)

Jungprofiwertung:
Adam Yates (GBR)

Teamwertung:
BMC

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