Tour de France 2016 - 9. Etappe

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8. Etappe So 10. Juli: 9. Etappe 10. Etappe

Zielankunft in Andorra-Arcalis: ca. 17:41 Uhr

Dumoulin Sieger im Starkregen von Andorra

Tom Dumoulin (Giant) gewann die 9. Etappe der Tour de France 2016 nach einem knapp 13 Kilometer langen Solo. Im Schlussanstieg nach Andorra-Arcalis setzte zum Abschluss von 3 heiß-sonningen Tagen in den Pyrenäen infernalischer Regen ein. Der 25-jährige Niederländer stammte aus der großen Spitzengruppe des Tages. Christopher Froome (Sky) im Gelben Trikot fühlte den anderen Klassementfahrern auf den Zahn, wobei 4 Gegner bis zum Schluss bei ihm blieben.

4 Fahrer blieben bei Froome

Neben Froome erwiesen sich im Schlussanstieg Nairo Quintana (Movistar), Richie Porte (BMC), Adam Yates (Orica) und Daniel Martin (Etixx) als die Stärksten am Berg. 21 Sekunden dahinter kamen Henao (Sky), Bardet (AG2R), Mollema (Trek), Meintjes (Lampre) und Rodriguez (Katusha) ins Ziel. Noch mehr Zeit verloren van Garderen (BMC), Valverde (Movistar) und Aru (Astana). Alberto Contador (Tinkoff) gab die Tour de France auf.

Vor den Klassementbesten platzierten sich in Arcalis außer Tom Dumoulin 8 Fahrer aus der ehemaligen Spitzengruppe. Auf den 2. Platz sprintete Rui Costa (Lampre) gegen Rafal Majka (Tinkoff) 38 Sekunden hinter dem Tagessieger. Dumoulin hatte auch bei den beiden vergangenen großen Rundfahrten, dem Giro 2016 und der Vuelta 2015, Etappen für sich entschieden.

Ergebnis
1. Tom Dumoulin (NED) - Giant-Alpecin 5:16:24
2. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida +0:38
3. Rafal Majka (POL) - Tinkoff gl.Zeit
4. Daniel Navarro (ESP) - Cofidis +1:39
5. Winner Anacona (COL) - Movistar +1:57
6. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +2:30
7. George Bennett (NZL) - LottoNL-Jumbo +2:48
8. Diego Rosa (ITA) - Astana +2:52
9. Mathias Frank (SUI) - IAM +3:44
10. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +6:35
11. Christopher Froome (GBR) - Sky gl.Zeit
12. Nairo Quintana (COL) - Movistar gl.Zeit
13. Richie Porte (AUS) - BMC +6:37
14. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step gl.Zeit
15. José Herrada (ESP) - Movistar gl.Zeit
16. Sergio Henao (COL) - Sky +6:56
17. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale
18. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo alle
19. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida gleiche
20. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha Zeit
21. Tejay van Garderen (USA) - BMC +7:13
22. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +7:17
23. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar gl.Zeit
...
26. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +7:35
27. Fabio Aru (ITA) - Astana +7:35
28. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin +7:35
30. Frank Schleck (LUX) - Trek-Segafredo +8:41
31. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +8:41
32. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +8:41
37. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +9:47
38. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Katusha +10:08
39. Wilco Kelderman (NED) - LottoNL-Jumbo +10:08
- 193 Fahrer klassiert.
DNF Alberto Contador (ESP) - Tinkoff
DNF Matthieu Ladagnous (FRA) - FDJ
DNF Cédric Pineau (FRA) - FDJ
DNF Mark Renshaw (AUS) - Dimension Data

Yates, Martin und Quintana in Lauerposition

Froome verteidigte seine Gesamtführung mit unverändert 16 Sekunden vor seinem britischen Landsmann Adam Yates. Dahinter blieben Daniel Martin und Nairo Quintana nach dem ersten absolvierten Hochgebirge mit 19 und 23 Sekunden in Lauerposition. Joaquim Rodriguez, Romain Bardet, Bauke Mollema, Sergio Henao und Louis Meintjes gingen ebenfalls mit unter einer Minute Rückstand aufs Gelbe Trikot in den ersten Ruhetag.

Richie Porte verbesserte sich auf 14. Platz, hinkt aber wegen eines Defekts aus der ersten Woche immer noch über 2 Minuten zurück. Sein Co-Kapitän Teja van Garderen liegt noch ebenso vor ihm wie Roman Kreuziger (Tinkoff) und Fabio Aru (Astana). Nach Contadors Ausscheiden rückte Kreuziger in die Kapitänsrolle seines Teams. Vueltasieger Aru schnitt von den Podiumskandidaten für die Tour de France 2016 in Andorra am schlechtesten ab. Ihn schleppte Vincenzo Nibali (Astana) eine Minute hinter Yates, Froome und Contador ins Ziel.

Gesamtwertung
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 44:36:03
2. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +0:16
3. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +0:19
4. Nairo Quintana (COL) - Movistar +0:23
5. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +0:37
6. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +0:44
7. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +0:44
8. Sergio Henao (COL) - Sky +0:44
9. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida +0:55
10. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +1:01
11. Tejay van Garderen (USA) - BMC +1:01
12. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +1:16
13. Fabio Aru (ITA) - Astana +1:23
14. Richie Porte (AUS) - BMC +2:10
15. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin +2:51
16. Geraint Thomas (GBR) - Sky +3:20
17. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +4:01
18. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +5:22
19. Wilco Kelderman (NED) - LottoNL-Jumbo +5:28
20. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Katusha +5:33
21. Mikel Nieve (ESP) - Sky +7:30
22. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +8:48
23. Frank Schleck (LUX) - Trek-Segafredo +11:20
24. Mathias Frank (SUI) - IAM +12:00
...
27. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +15:39

Schwanengesang von Contador

In der Anfangsphase der 9. Etappe zettelte Alberto Contador auf der spanischen Seite der Pyrenäen eine Offensive an, die sich für ihn selbst schnell als Schlag ins Wasser entpuppte und stattdessen als Sprungbrett für Alejandro Valverde diente. Das Rennen ging direkt steigend zum Port de la Bonaigua los, und rund 40 Fahrer setzten sich um eine Minute ab. Contador stieg mit Valverde und Froomes Aufpasser Sergio Henao hinterher. Die große Spitzengruppe hatte sich inzwischen geteilt.

Als die 3 hochkarätigen Verfolger die hintere Gruppe erreichten, stürmte Valverde vor zur Spitze, während Contador und Henao die Segel einrollten. Am nächsten Anstieg verließ Contador ein für ihn verkorkstes Rennen, das mit einem Sturz begann und einem letzten Aufbäumen gegen eine fiebrige Erkrankung in seiner spanischen Heimat endete.

Valverde zu Beginn in Spitzengruppe

Die Zusammensetzung der Spitzengruppe hinter dem Port de la Bonaigua, den Pinot vor de Gendt und Majka zuerst überquerte, lautete: Valverde, Anacona, Herrada (alle Movistar), Rosa, Sanchez (beide Astana), Sagan, Majka (beide Tinkoff), Vuillermoz (AG2R), Bennett (LottoNL), Frank, Clement, Coppel (alle IAM), Berhane (Dimension Data), Dumoulin (Giant), Pinot (FDJ), Costa, Grmay (beide Lampre), de Gendt, Gallopin (beide Lotto), Navarro und Edet (beide Cofidis).

In der Abfahrt wartete Froomes Team auf abgehängte Helfer, so dass sich der Vorsprung der Spitze um Valverde auf über 2 Minuten erhöhte. Aber wer sollte in der Spitzengruppe außer den beiden Valverde-Helfern gegen die Sky-Übermacht im Verfolgerfeld fahren? Nach einer Phase der Uneinigkeit sank der Vorsprung wieder auf unter eine Minute. So ließ sich Valverde zum Gefallen der anderen Ausreißer ins Hauptfeld zurückfallen.

Sagan punktet beim Zwischensprint

Die Spitzengruppe baute im weiteren Verlauf ein Polster von über 10 Minuten auf. Am 2. Bergpreis lieferten sich Thomas de Gendt und Thibaut Pinot einen Sprint auf Biegen und Brechen, mit dem besseren Ende für den Gendt. Rafal Majka belegte den 3. Platz. Bereits in Andorra gewann Peter Sagan den Zwischensprint. Der Weltmeister verkürzte somit den Rückstand auf Mark Cavendish (Dimension Data) in der Punktewertung ums Grüne Trikot um 20 auf 7 Punkte. Marcel Kittel (Etixx) fiel dadurch in dieser Sonderwertung auf den 3. Platz zurück.

Grünes Trikot
1. Mark Cavendish (GBR) - Dimension Data 204 p.
2. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff 197
3. Marcel Kittel (GER) - Etixx-Quick Step 182
4. Bryan Coquard (FRA) - Direct Energie 112
5. Greg van Avermaet (BEL) - BMC 90
6. André Greipel (GER) - Lotto-Soudal 89
7. Michael Matthews (AUS) - Orica-Bikeexchange 77

Nach dem Zwischensprint attackierte Jérôme Coppel mit Tsgabu Grmay am Rad. Das Duo wurde wenig später - 42 Kilometer vor dem Ziel - eingeholt und von Thomas de Gendt gekontert. De Gendt gewann den kleineren Bergpreis und ging mit 18 Sekunden Vorsprung in den vorletzten Anstieg, den steilen Col de Beixalis. Dort stellte es ihn auf, und es kristallisierten sich die 10 Fahrer aus der Spitzengruppe heraus, die den Etappensieg unter sich ausmachen sollten, und zwar: Anacona, Herrada, Rosa, Majka, Bennett, Frank, Dumoulin, Pinot, Costa und Navarro. Trotz 3 Attacken kam George Bennett nicht entscheidend weg.

Pinot mit der Brechstange

Den Bergpreis am Col de Beixalis gewann Pinot vor Diego Rosa und Bennett. Der Träger des Bergtrikots, Rafal Majka, begnügte sich hier mit dem 6. Platz und einem Punkt. Gegen Ende der Abfahrt attackierte Rui Costa und löste eine Serie von Attacken aus, noch bevor der Schlussanstieg nach Arcalis erreicht war. Vor allem Pinot sprang nun jeder Attacke hinterher. Nach zwei enttäuschenden Tagen in den Pyrenäen, in denen er seine Ambitionen fürs Gesamtklassement in den Wind schreiben musste, wollte er nun den Etappensieg und das Bergtrikot mit der Brechstange haben.

In Arcalis gab es wie für alle Bergankünfte im Hochgebirge die doppelte Punktzahl. Dumoulin gelang der entscheidende Antritt 12,8 Kilometer vor dem Ziel. Seine Zeitfahrqualitäten gepaart mit der gleichmäßigen Steigung sowie eine zu lange Beobachtungsrunde unter den Verfolgern besiegelten den Triumph des Niederländers. Costa stiefelte zuerst mit Bennett hinterher. Dann begann der gewaltige Regen. Wieder eingeholt probierte es Costa als nächstes mit Pinot, der aber schnell zurückfiel und von Majka ein- und überholt wurde. Majka fuhr zu Costa vor. Das Duo konnte den zwischenzeitlich über einminütigen Rückstand auf Dumoulin jedoch nur noch auf 38 Sekunden herunterschrauben. Pinot fiel hinter Daniel Navarro und Winner Anacona zurück auf den 6. Platz. Die Eroberung des Bergtrikots gegen Majka glückte damit um gerade einmal 3 Punkte.

Bergwertung
1. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ 80 p.
2. Rafal Majka (POL) - Tinkoff 77
3. Tom Dumoulin (NED) - Giant-Alpecin 50
4. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida 40
5. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal 36
6. Daniel Navarro (ESP) - Cofidis 36
...
10. Christopher Froome (GBR) - Sky 22

Ausgerechnet Froomes Helfer attackierte zuerst

Das Hauptfeld wurde den ganzen Tag über von Froomes Helfern angeführt und durch ein kontrolliert schnelles Tempo ausgedünnt, aber beileibe nicht gesprengt. Dies erledigte im Schlussanstieg Froomes derzeit bester Domestike Sergio Henao mit einer Attacke, als die anderen Helfer verschlissen waren. Daniel Martin parierte die Attacke von Henao, der eine weitere Attacke folgen ließ, der nun Porte nachstieg. Nun attackierte Froome selbst, und zunächst blieb nur Quintana am Rad. Es folgten Porte, dann Martin, dann Yates, Bardet, Mollema und Rodriguez. Aru gehörte hier schon zu den Geschlagenen, ebenso wie van Garderen.

Quintana hielt still

Danach neutralisierte Froome 2 Attacken von Bauke Molleme und eine von Richie Porte. Die letztliche Selektion gelang Daniel Martin mit seiner Attacke, der nur noch Froome, Quintana, Porte und Yates folgen konnten. Eine letzte Attacke von Froome parierte Quintana sogleich und Porte mit Verzögerung. Martin und Yates fuhren nur mit geringem Rückstand hinterher, wobei Yates das Trio kurz vor dem Ziel erreichte und den Sprint um den 10. Platz der Tageswertung vor Froome und Quintana für sich entschied. Porte fiel dabei um 2 Sekunden zurück und überquerte die Linie daher zeitgleich mit Martin. Von den 5 besten Klassementfahrern des Tages war Nairo Quintana - ungewöhnlich für ihn - der einzige Fahrer, der nichts probierte und «nur» die durch Attacken enstandenen Lücken souverän stopfte.


Vorschau auf diese Etappe: Zur abschließenden Pyrenäenetappe, der 9. Etappe der Tour de France 2016, wird am Ende die Bergankunft von Andorra-Arcalis erklommen. Zunächst aber startet der Tag in Vielha im Val d'Aran und verläuft auch über gut ein Drittel durch Spanien, inlusive 2 großen Bergwertungen. Dann folgt das Finale in Andorra, wo dem Schlussanstieg 2 weitere Bergpreise vorgelagert sind: Côte de la Comella und Col de Beixalis. Gerade diese beiden Anstiege könnten verhindern, dass zwischen den Klassementfahrern dann hoch nach Arcalis so gut wie nichts passiert (so wie es 2009 war). Die Zeiten, zu denen ein Jan Ullrich den gleichmäßigen, aber nicht zu steilen Arcalis-Anstieg allein im Wind wie ein Flugzeug hochjagte, sind ohnehin vorbei.

Nach der 9. Etappe bleiben die Fahrer in Andorra für den ersten Ruhetag der Tour der France 2016.

8. Etappe So 10. Juli: 9. Etappe 10. Etappe

Tour de France 2016

Tour de France 2016
9. Etappe (184,5km)
von Vielha Val d'Aran (ESP)
nach Andorra-Arcalis (AND)

-km166 12:52 Port de la Bonaiguia
-km97 14:49 Port del Cantò
-km47 15:58 Andorra la Vella
-km42 16:12 Côte de la Comella
-km28 16:42 Col de Beixalis
-km0 17:41 Andorra-Arcalis

Etappensieg:
Tom Dumoulin (NED)

Gelbes Trikot:
Chris Froome (GBR)

Grünes Trikot:
Mark Cavendish (GBR)

Bergtrikot:
Thibaut Pinot (FRA)

Jungprofiwertung:
Adam Yates (GBR)

Teamwertung:
Movistar

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