Tour de France 2016 - 8. Etappe

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7. Etappe Sa 9. Juli: 8. Etappe 9. Etappe

Zielankunft in Luchon: ca. 17:23 Uhr

Froome mit Abfahrtskünsten gegen schlafende Gegner

Chris Froome (Sky) gewann die 8. Etappe der Tour de France 2016, also die mittlere der 3 Pyrenäenetappen, als Solist. Dies verdankte Froome allerdings nicht wie sonst seiner Leistung bergauf, sondern einem simplen Trick an der Kuppe des letzten Bergpreises und ungekannten Abfahrtskünsten. 13 Sekunden hinter Froome sprintete Daniel Martin (Etixx) in einer 13-köpfigen Verfolgergruppe auf den 2. Platz vor Joaquim Rodriguez (Katusha).

Nairo Quintana und sein Edelhelfer Alejandro Valverde (beide Movistar) schliefen bei der Überfahrt am Col de Peyresourde, als Froome zunächst leicht beschleunigte und sich scheinbar nur die Bergpunkte abholen wollte. Aber der 31-jährige Brite zog durch und erwischte die Konkurrenz auf dem falschen Fuß, weil Valverde nach dem Energieriegel des am Gipfel postierten Soigneurs griff.

Danach agierte Froome, als hätte er jeden Zentimeter der Abfahrt vorher besichtigt. Er setzte sich mehrfach aerodynamisch aufs Oberrohr und trampelte dabei voll in die Pedalen. In der Verfolgergruppe richteten sich die Augen weiterhin auf Valverde und Quintana. So holte Froome auf der gut 15 Kilometer langen Abfahrt nach Luchon 13 Sekunden heraus - plus 10 Sekunden Zeitgutschrift für den Tagessieg. Beides allein hätte für die Übernahme des Gelbe Trikots gereicht.

Ergebnis
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 4:57:33
2. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +0:13
3. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha
4. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale
5. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff
6. Fabio Aru (ITA) - Astana alle
7. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange
8. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar
9. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo
10. Richie Porte (AUS) - BMC gleiche
11. Nairo Quintana (COL) - Movistar
12. Tejay van Garderen (USA) - BMC
13. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida
14. Sergio Henao (COL) - Sky Zeit
15. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +1:41
16. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin
17. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff
18. Jarlinson Pantano (COL) - IAM
19. Geraint Thomas (GBR) - Sky alle
20. Mikel Nieve (ESP) - Sky
21. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale gleiche
22. Frank Schleck (LUX) - Trek-Segafredo
23. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Katusha Zeit
24. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +1:45
25. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana gl.Zeit
26. Wilco Kelderman (NED) - LottoNL-Jumbo gl.Zeit
27. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +2:55
...
40. Steve Morabito (SUI) - FDJ +13:25
48. Tony Martin (GER) - Etixx-Quick Step +13:25
49. Mathias Frank (SUI) - IAM +13:25
51. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +16:19
69. Julian Alaphilippe (FRA) - Etixx-Quick Step +25:54
80. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +25:54
86. Greg van Avermaet (BEL) - BMC +25:54
- 197 Fahrer klassiert.
DNF Michael Mørkøv (DEN) - Katusha

Gelbes Trikot 16 Sekunden vor Landsmann Yates

Ins Gelbe Trikot des Gesamtführenden schlüpfte Froome 16 Sekunden vor seinem Landsmann Adam Yates (Orica), der damit auf dem 2. Platz blieb. Denn der Klassikerjäger Greg van Avermaet (BMC) hatte auf dem Ritt über 4 Pyrenäenpässe keine Chance, seinen mehrminütigen Vorsprung aus der ersten Woche zu verteidigen. Hinter Yates positionierten sich durch ihre Etappenplatzierungen in Luchon sowie 4 und 6 Bonussekunden Joaquim Rodriguez und Daniel Martin.

Hinter seinem Teamkollegen Valverde führt Nairo Quintana im Gesamtklassement eine Gruppe ab dem 6. Platz mit 23 Sekunden an. Schadlos hielten sich demnach weiterhin Aru (Astana), van Garderen (BMC), Bardet (AG2R), Mollema (AG2R) und Henao (Sky), dessen Plattfuß kurz vor dem Ziel wegen der 3-Kilometer-Regel keine Auswirkungen hatte.

Contador weiterhin auf der Verliererstraße

Weitere Verluste musste Alberto Contador (Tinkoff) verdauen. Er kam in der zweiten Verfolgergruppe mit u.a. Emanuel Buchmann (Bora), Warren Barguil (Giant), Frank Schleck (Trek), Pierre Rolland (Cannondale) und Wilco Kelderman (LottoNL) 1:41 Minuten hinter Froome ins Ziel. Noch mehr Zeit verlor Thibaut Pinot (FDJ), der allerdings während der Etappe schon in eine Ausreißergruppe für die Bergpunkte ging.

In der ersten Verfolgergruppe von Froome saßen zwar Kreuziger (Tinkoff), Meintjes (Lampre) und Porte (BMC). Diese 3 Fahrer wiesen nach der 8. Etappe im Gesamtklassement dennoch einen größeren Rückstand als 23 Sekunden auf, weil Kreuziger und Meintjes in der ersten Woche ein paar Sekunden liegen ließen und Porte wegen eines Defekts 1:45 Minuten.

Gesamtwertung
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 39:13:04
2. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +0:16
3. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +0:16
4. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +0:17
5. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +0:19
6. Nairo Quintana (COL) - Movistar +0:23
7. Fabio Aru (ITA) - Astana +0:23
8. Tejay van Garderen (USA) - BMC +0:23
9. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +0:23
10. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +0:23
11. Sergio Henao (COL) - Sky +0:23
12. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +0:34
13. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida +0:34
14. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin +1:51
15. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +1:55
16. Wilco Kelderman (NED) - LottoNL-Jumbo +1:55
17. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Katusha +2:00
18. Richie Porte (AUS) - BMC +2:08
19. Geraint Thomas (GBR) - Sky +2:31
20. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff +3:12
21. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +3:16
22. Mikel Nieve (ESP) - Sky +4:35
23. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +5:36
24. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +6:46
...
27. Frank Schleck (LUX) - Trek-Segafredo +9:14
31. Mathias Frank (SUI) - IAM +14:51
33. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +19:44
34. Greg van Avermaet (BEL) - BMC +20:07
39. Julian Alaphilippe (FRA) - Etixx-Quick Step +25:58

Erwartungsgemäß dauerte es lange, bis auf der 8. Etappe der Tour de France 2016 eine Spitzengruppe mehr als eine Minute wegkam. Die 13 Mann an der Spitze - Poels (Sky), Herrada (Movistar), Sanchez (Astana), Chérel (AG2R), Stuyven (Trek), Clement (IAM), van Baarle (Cannondale), Dumoulin (Giant), Voß (Bora), Sakarin (Katusha), Sicard (Direct Energie), Navarro (Cofidis) und Matthews (Orica) - fuhren aber nur kurz zusammen, weil sich die Gruppe schon bald im Anstieg zum Col du Tourmalet befand, auseinanderfiel und von wild entschlossenen anderen Fahrern überrollt wurde.

Majka und Pinot bewerben sich ums Bergtrikot

Denn im Hauptfeld löste Julian Alaphilippe (Etixx) mit seiner Attacke ein Chaos aus. Mehrere Attacken anderer Fahrer folgten und das Peloton explodierte. Greg van Avermaet (BMC) im Gelben Trikot fiel früh zurück. Im Laufe des Tourmalet-Anstiegs etablierten sich Rafal Majka (Tinkoff) und Thibaut Pinot an der Spitze. Zu ihnen schloss mit Verzögerung Tony Martin (Etixx) auf.

Den Col du Tourmalet überquerte Pinot zuerst, diesmal noch mit Gegenwehr von Majka. Deswegen fiel Tony Martin kurz vor der Kuppe zurück. Er kam aber in der Abfahrt wieder zurück an die Spitze. Zwischen der Spitze und dem von Froomes Team angeführten, immer weiter schrumpfenden Hauptfeld rangierte zu diesem Zeitpunkt noch Romain Sicard (Direct Energie).

Am nächsten Bergpreis - Hourquette d'Ancizan - sackte Pinot die Punkte relativ kampflos ein, es waren allerdings auch deutlich weniger. Der Vorsprung gegenüber der Gruppe der Klassementfahrer betrug etwa anderthalb Minuten, der vor van Avermaet bereits hier mehr als 7 Minuten. Schon am Tourmalet hatte Alaphilippe die Quittung erhalten und erlebte, dass für ihn die Bäume noch nicht in den Himmel wachsen.

43 Kilometer vor dem Ziel wurden die 3 Ausreißer nacheinander im Anstieg zum Col de Val Louron-Azet eingeholt und außer Majka durchgereicht. Poels und sein Kapitän Froome demonstrierten am Bergpreis ihre Macht und übersprinteten Majka. Für Majka reichte es dennoch zur Eroberung des Bergtrikots, weil er - anders als Pinot - schon vor der 8. Etappe 2 Punkte im Gepäck hatte. Der bisher Führende Thomas de Gendt (Lotto) spielte an den Pyrenäenpässen keine Rolle.

Bergwertung
1. Rafal Majka (POL) - Tinkoff 31 p.
2. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ 30
3. Christopher Froome (GBR) - Sky 22
4. Tony Martin (GER) - Etixx-Quick Step 18
5. Sergio Henao (COL) - Sky 16
6. Romain Sicard (FRA) - Direct Energie 14
7. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal 13

Nach einem Ausscheidungsfahren war die erste Gruppe auf inzwischen unter 30 Fahrer geschrumpft. In der Abfahrt stürzte Kelderman, was ihm am Ende vielleicht die entscheidenden Kräfte kostete. Am letzten Berg, dem Col de Peyresourde, gerieten Buchmann, Sébastien Reichenbach (IAM) und Barguil in Probleme noch vor den ersten Attacken.

Attacken bergauf am Peyresourde verpuffen

Gut 18 Kilometer vor dem Ziel eröffnete Sergio Henao, offenbar Froomes stärkster Helfer, die Springerei, der Contador nicht gewachsen war. Sofort zogen Valverde, Froome, Quintana und Dan Martin mit. Die Gruppe hatte sich wieder aufgefüllt, als es Froome einen Kilometer später probierte, aber sofort Quintana am Rad sitzen hatte - und dazu erst einmal nur noch Martin, van Garderen, Porte, Henao und Bauke Mollema. Eine Attacke von Dan Martin verpuffte. Stattdessen kehrten Kreuziger, Meintjes, Yates, Valverde, Aru, Rodriguez und Bardet zurück. Danach erfolgten Attacken von Bardet und Froome. Quintana parierte die eine und konterte die andere, wurde aber von Henao zurückgeholt.

Als man schon mit einem Sprint oder taktischen Spielchen der 14-köpfigen Gruppe um den Etappensieg rechnen konnte, narrte Froome seine Gegner, indem er sie an der Kuppe wie Anfänger aussehen ließ und dann mit gewagter Abfahrtshaltung alle Beobachter überraschte. Die beiden Co-Kapitäne van Garderen und Porte stiegen erst spät mit in die Nachführarbeit ein, die zuvor Valverde für Quintana verrichtete. 1,5 Kilometer vor dem Ziel attackierte Aru, kam aber nicht weg. Im Zielsprint rutschte Bardet ausgangs der letzten Kurve in Front liegend weg. Er hielt sich zwar auf dem Rad, verpasst aber hinter Dan Martin und Joaquim Rodriguez die Bonussekunden für den 2. und 3. Platz.


Vorschau auf diese Etappe: Die mittlere der 3 Pyrenäenetappen bei der Tour de France 2016 ist eine der klassischen Sorte mit 4 bekannten Pässen und Ziel im Tal: Col du Tourmalet, Hourquette d'Ancizan, Col du Val Louron-Azet und schließlich Col de Peyresourde, an den sich nur noch die Abfahrt zum Zielort Luchon anschließt. Der frühen Ausreißergruppe winken viele Punkte fürs Bergtrikot - und auch der Etappensieg? Die Chancen stehen wohl 50:50. Denn den stärksten Bergfahrern aus dem Peloton würden sich durchaus die Möglichkeiten für Attacken bieten, vielleicht sogar schon am vorletzten Anstieg, da es die letzten knapp 40 Kilometer keinen flachen Meter mehr gibt. Gut abfahren sollte man natürlich auch wieder können.

7. Etappe Sa 9. Juli: 8. Etappe 9. Etappe

Tour de France 2016

Tour de France 2016
8. Etappe (184km)
von Pau
nach Bagnères-du-Luchon

-km117 13:55 Ezquièze-Sère
-km98 14:47 Col du Tourmalet
-km64 15:39 Hourquette d'Ancizan
-km36 16:31 Col de Val Louron-Azet
-km16 17:05 Col de Peyresourde

Etappensieg:
Chris Froome (GBR)

Gelbes Trikot:
Chris Froome (GBR)

Grünes Trikot:
Mark Cavendish (GBR)

Bergtrikot:
Rafal Majka (POL)

Jungprofiwertung:
Adam Yates (GBR)

Teamwertung:
BMC

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