Tour de France 2016 - 7. Etappe

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Zielankunft am Lac de Payolle: ca. 17:19 Uhr

Cummings Solosieger bei Pyrenäen-Auftakt

Stephen Cummings (Dimension Data) gewann in den Pyrenäen die 7. Etappe der Tour de France 2016 als Solist. Der 35-jährige Brite stammte aus der 29-köpfigen Spitzengruppe des Tages. In dieser Gruppe positionierte sich auch Greg van Avermaet (BMC) im Gelben Trikot und belegte am Ende am Lac de Payolle den 5. Platz hinter Impey (Orica), Navarro (Cofidis) und Nibali (Astana), der erstaunlicherweise nicht der Stärkste aus der Spitzengruppe war.

Unter den Klassementfahrern wurde der einzige schwierige Anstieg der 7. Etappe, der Col d'Aspin, nicht besonders hart gefahren. Dennoch fiel Thibaut Pinot (FDJ) zurück und verlor mehrere Minuten. Cummings hatte 27 Kilometer vor dem Ziel und damit 8 Kilometer vor dem Aspin-Anstieg sein Siegessolo begonnen.

Unfassbar peinlich: Luft raus aus Kilometerbogen

Eingangs des Schlusskilometers beeinflusste eine peinliche und gefährliche Organisationspanne den Ausgang ab dem 6. Platz, als der mit Luft gefüllte Kilometerbogen in sich zusammensackte. Knapp vor den anderen Klassementfavoriten kam Adam Yates (Orica) dadurch zu Fall (siehe Video auf Youtube). Das Verfolgerfeld bremste rechtzeitig und fuhr dann nach Unterquerung des von Zuschauern und Helfern hoch gehaltenen Stoffes geschlossen und ohne zu sprinten 4:29 Minuten hinter Cummings ins Ziel.

Wegen des Vorfalls wertete die Jury jedoch die Zeiten 3 Kilometer vor dem Ziel, wo Yates 7 Sekunden Vorsprung vor den anderen Klassementfahrern hatte und diese wiederum 3:37 Minuten Rückstand auf Cummings.

Ergebnis
1. Stephen Cummings (GBR) - Dimension Data 3:48:09
2. Daryl Impey (RSA) - Orica-Bikexchange +1:04
3. Daniel Navarro (ESP) - Cofidis gl.Zeit
4. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +1:58
5. Greg van Avermaet (BEL) - BMC +2:57
6. Luis Angel Mate (FRA) - Cofidis +3:37
7. Geraint Thomas (GBR) - Sky
8. Wout Poels (NED) - Sky
9. Gorka Izagirre (ESP) - Movistar
10. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar
11. Christopher Froome (GBR) - Sky alle
12. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff
13. Richie Porte (AUS) - BMC
14. Julian Alaphilippe (FRA) - Etixx-Quick Step gleiche
15. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step
...
18. Nairo Quintana (COL) - Movistar Zeit
37. Mathias Frank (SUI) - IAM +4:02
62. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +6:41
73. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +3:30
- 198 Fahrer klassiert.

Van Avermaet verteidigte mit Angriff Gelbes Trikot

Vor der 7. Etappe hatte man spekuliert, ob und mit wieviel Vorsprung Greg van Avermaet das Gelbe Trikot gegen die stärkeren Bergfahrer verteidigen würde. Und dann wählte der Belgier bei der ersten Pyrenäen-Etappe der Tour de France 2016 den Angriff als beste Verteidigung und konnte seinen Vorsprung sogar noch ausbauen!

5:50 Minuten beträgt der neue Abstand in der Gesamtwertung zu Adam Yates auf dem 2. Platz. Yates schob sich um eine Sekunde vor Julian Alaphilippe (Etixx), der damit das weiße Trikot des besten Jungprofis an Yates abgeben musste. Bei der Siegerehrung wurde noch Alaphilippe mit dem weißen Trikot ausgezeichnet, weil die Korrektur des Ergebnisses erst mehrere Stunden nach Etappenende erledigt war.

Die meisten anderen Klassementfahrer liegen maximal 7 Sekunden hinter Yates. Cummings war in die 7. Etappe bereits mit einer Dreiviertelstunde Rückstand aufs Gelbe Trikot gegangen.

Gesamtwertung
1. Greg van Avermaet (BEL) - BMC 34:09:44
2. Adam Yates (GBR) - Orica-Bikeexchange +5:50
3. Julian Alaphilippe (FRA) - Etixx-Quick Step +5:51
4. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +5:53
5. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +5:54
6. Christopher Froome (GBR) - Sky +5:57
7. Nairo Quintana (COL) - Movistar +5:57
8. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin +5:57
9. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac +5:57
10. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +5:57
11. Fabio Aru (ITA) - Astana +5:57
12. Tejay van Garderen (USA) - BMC +5:57
13. Wilco Kelderman (NED) - LottoNL-Jumbo +5:57
14. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +5:57
15. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +5:57
16. Sergio Henao (COL) - Sky +5:57
17. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Katusha +6:06
18. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +6:08
19. Louis Meintjes (RSA) - Lampre-Merida +6:08
20. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +6:08
21. Geraint Thomas (GBR) - Sky +6:37
22. Mathias Frank (SUI) - IAM +7:13
23. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff +7:18
24. Richie Porte (AUS) - BMC +7:42
25. Mikel Nieve (ESP) - Sky +8:41
...
27. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +9:12
31. Emanuel Buchmann (GER) - Bora-Argon 18 +9:42
35. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +10:52
42. Jarlinson Pantano (COL) - IAM +14:25

Heißer Tanz um frühe Fluchtgruppe

Zu Beginn der 7. Etappe fanden sich 12 Mann für eine Spitzengruppe. Aber Aber Costa (Lampre), Gorka Izagirre (Movistar), Sanchez (Astana), Pantano (IAM), Navardauskas (Cannondale), Roy (FDJ), Benedetti (Bora), Edet, Soupe (beide Cofidis) und Sørensen (Fortuneo) hatten es schwierig, einen größeren Vorsprung aufzubauen, weil Marcel Kittels (Etixx) Team im Hauptfeld nicht einverstanden war - das Grüne Trikot gegen Cavendish und Sagan im Hinterkopf.

Spitzengruppe und Hauptfeld lieferten sich einen heißen Tanz mit 53 km/h in der ersten halben Rennstunde und der schließlichen Einholung der 12 Ausreißer. Nach zahlreichen weiteren Attacken und 50 gefahrenen Kilometern knackten 29 neue Ausreißer dann die Minutengrenze und erhielten Ausgang vom Hauptfeld, das nun von Froomes (Sky) Team kontrolliert wurde. In der Punktewertung gab es deswegen auf den ersten 4 Plätzen keine Bewegung durch den Zwischensprint.

Grünes Trikot
1. Mark Cavendish (GBR) - Dimension Data 204 p.
2. Marcel Kittel (GER) - Etixx-Quick Step 182
3. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff 175
4. Bryan Coquard (FRA) - Direct Energie 112
5. Greg van Avermaet (BEL) - BMC 90
6. André Greipel (GER) - Lotto-Soudal 89
7. Alexander Kristoff (NOR) - Katusha 74

Die Namen der 29 Ausreißer lauteten: Kirijenka (Sky), Gorka Izaguirre, Nibali, Luzenko (beide Astana), Bakelants, Vuillermoz (beide AG2R), Martens (LottoNL), Cancellara, Stuyven (beide Trek), Naesen (IAM), Breschel, Howes, Langeveld (alle Cannondale), van Avermaet (BMC), Cummings (Dimension Data), Geschke (Giant), Vicioso (Katusha), Voss (Bora), Durasek, Grmay (beide Lampre), Roelandts (Lotto), Chavanel, Duchesne (beide Direct Energie), Tony Martin (Etixx), Navarro, Bozic, Mate (alle Cofidis), Impey (Orica) und Perichon (Fortuneo).

44 Kilometer vor dem Ziel begann der 6-minütige Vorsprung der Spitzengruppe gehörig zu schmilzen, und so begann vorne die Springerei. Daniel Navarro, Antoine Duchesne und Matti Breschel bildeten kurzzeitig ein Spitzentrio, zu dem 36 Kilometer vor dem Ziel Stephen Cummings aufschloss. Als eine Verfolgergruppe mit Nibali, Luzenko, Howes, van Avermaet, Geschke und Impey fast das neu formierte Spitzenquartett erreicht hatte, ließ Cummings seine 3 Begleiter im Wind stehen und entging der Einholung.

Cummings hielt hoch zum Aspin Nibali auf Distanz

Den Anstieg zum Col d'Aspin nahm Cummings mit einer halben Minute Vorsprung vor der nun 10-köpfigen Verfolgergruppe und 5 Minuten vorm Hauptfeld unter die Räder. In der Verfolgergruppe beschleunigte sofort Nibali, an dessen Hinterrad nur noch Alex Howes, Daniel Navarro, Daryl Impey und Greg van Avermaet blieben. Doch anstatt den Abstand gegenüber Cummings zu verkürzen, baute der Brite seinen Vorsprung sogar noch auf über eine Minute aus. Cummings feierte seinen 4. Saisonsieg und den 2. Etappensieg bei einer Tour de France, wo er im Vorjahr die Etappe nach Mende gewonnen hatte.

Unter den Verfolgern waren inzwischen Howes und schließlich auch van Avermaet zurückgefallen, als Navarro 8 Kilometer vor dem Ziel attackierte. Während sich Impey zu Navarro zurückkämpfte, konnte Nibali selbst Impey nicht mehr halten. Die Reihung der Top-5 oben am Col d'Aspin war fast identisch wie im Ziel, abgesehen von Navarro und Impey. Also bekam van Avermaet für den 5. Platz 2 Punkte und zog mit dem Führenden in der Bergwertung, Thomas de Gendt (Lotto), gleich. De Gendt durfte das Trikot behalten wegen der Zahl der gewonnen Bergpreise.

Bergwertung
1. Thomas de Gendt (BEL) - Lotto-Soudal 13 p.
2. Greg van Avermaet (BEL) - BMC 13
3. Stephen Cummings (GBR) - Dimension Data 10
4. Daniel Navarro (ESP) - Cofidis 8
5. Daryl Impey (RSA) - Dimension Data 6
6. Jasper Stuyven (BEL) - Trek-Segafredo 5
7. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana 5
8. Andrej Griwko (UKR) - Astana 5

Fiasko für Pinot, obwohl niemand Vollschub fuhr

Aus der Gruppe der Klassementfahrer beschränkten sich die wenigen Attacken auf Außenseiter. Warren Barguils (Giant) Antritt relativ weit unten verpuffte schnell. Danach gingen mit Pantano (IAM) und Pozzovivo (AG2R) 2 Fahrer in die Offensive, die in der ersten Rennwoche schon Zeit verloren hatten. Obwohl kein Team mit einem Höllentempo eine Vorentscheidung suchte, musste mit Thibaut Pinot ein Podiumskandidat abreißen lassen. Pinots überraschende Schwäche war ein Fiasko für sein Team, das in diesem Jahr alles auf die Klassementambitionen seines Kapitäns ausgerichtet und Sprinter Démare zu Hause gelassen hatte.

Interessant hätte dann eine Attacke von Julian Alaphilippe, dem Zweitplatzierten der Gesamtwertung, werden können. Er schloss schnell zu Pozzovivo auf, aber ebenso schnell holten Froomes Helfer den Führenden in der Jungprofiwertung zurück. Denn bei Alaphilippe bestehen noch keinerlei Erfahrungswerte, wie er sich bei einer 3-wöchigen Landesrundfahrt im Hochgebirge schlägt. Bei dieser Gelegenheit geriet Barguil in Probleme, kehrte aber wieder in die Top-Gruppe zurück.

Große Werbefläche wichtiger als Sicherheit der Fahrer

Ausgangs der Aspin-Abfahrt, wo die Straße für den Schlusskilometer zum Lac de Payolle abzweigte, hatte Adam Yates einen kleinen Vorsprung herausgefahren. Doch dieser löste sich in Luft auf, als der Kilometerbogen über ihm zusammenfiel. Die ersten Fahrer der Verfolgergruppe warnten mit Handzeichen rechtzeitig vor dem Hindernis, so dass außer Yates niemand stürzte. Yates zog sich «nur» eine Wunde am Kinn zu, die mit 4 Stichen genäht wurde, sowie mehrere Schnittwunden am ganzen Körper.

Durch die aufblasbaren Kilometerbögen gewinnt der Veranstalter zwar eine größere Fläche für Sponsorenaufdrücke als bei herkömmlichen Bannern, riskiert dadurch aber auch - wie auf der 7. Etappe der Tour de France 2017 geschehen - sich bis auf die Knochen zu blamieren, die Gesundheit der Fahrer künstlich zu gefährden und das Renngeschehen ungewollt zu beeinflussen.


Vorschau auf diese Etappe: Bei der Tour de France 2016 geht es schon früh, am 7. Tag, ins Hochgebirge. Die erste von 3 Pyrenäenetappen beinhaltet zunächst nur einen großen Pass. Allerdings wird dieser zum Ende des Tages bestritten und heißt Col d'Aspin. Von Arreau zum Col d'Aspin steigt die Straße auf 12 Kilometern Strecke um 6,5 % im Schnitt. Die Ziellinie liegt dann am Lac de Payolle. Nach 5 Kilometern steiler Aspin-Abfahrt verlassen die Fahrer die Passstraße für den gut ein Kilometer langen, leicht ansteigenden Abzweig zum Ziel am Stausee. Diese Streckenführung lässt es offen, ob die Favoriten auf den Gesamtsieg schon hier in die Vollen gehen?

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Tour de France 2016

Tour de France 2016
7. Etappe (162,5km)
von L'Isle Jourdain
nach Lac de Payolle

-km46 16:10 Côte de Capvern
-km26 16:40 Sarrancolin
-km7 17:08 Col d'Aspin

Etappensieg:
Stephen Cummings (GBR)

Gelbes Trikot:
Greg van Avermaet (BEL)

Grünes Trikot:
Mark Cavendish (GBR)

Bergtrikot:
Thomas de Gendt (BEL)

Jungprofiwertung:
Adam Yates (GBR)

Teamwertung:
BMC

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