Tour de France 2015 - Favoriten

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Wann gab es das zuletzt? Am Start der Tour de France stehen 2015 gleich 4 Top-Favoriten, deren Aussichten auf den Gesamtsieg fast identisch gewettet werden: Nibali, Quintana, Froome und Contador. Andere Fahrer müssen sich also für einen Podestplatz in Paris schon strecken. Und die Sprinter brauchen bei der Tour de France 2015 Stehvermögen und Allround-Fähigkeiten.


4 Top-Favoriten

Alberto Contador (Tinkoff)

Der 32-jährige Spanier peilt die Vollendung des Doubles aus Siegen beim Giro d'Italia und der Tour de France an. Er wäre der erste Fahrer seit Pantani 1998, dem dies mit Erfolg gelänge. Nach Pantani wurde das Double kaum versucht. Contador selbst scheiterte schon einmal bei der Tour 2011 (5. Platz) nach seinem Giro-Gesamtsieg. Beide Platzierungen wurden ihm später wegen Dopings rückwirkend aberkannt. Bei der Tour 2014 schied er nach einem Sturz aus, noch bevor es ins Hochgebirge ging. Danach gewann er 2014 stattdessen die Vuelta. Die Saison 2015 stand bisher im Zeichen des Giro d'Italia mit sehr guten Resultaten drumherum. Im Gegensatz zum Giro stellen sich Contador bei der Tour schwerere Gegner in den Weg. Wird die Kraft reichen?

Christopher Froome (Sky)

Der Gesamtsieger von 2013 stürzte im Vorjahr auf der Kopfsteinflaster-Etappe aus dem Rennen, noch bevor der erste Pflasterabschnitt erreicht war. Bei Regen und sämtlichen unvorhersehbaren Situationen ist der gertenschlanke Brite schnell überfordert, und sei es, wenn sein Tacho ausfällt, auf den er alle 2 Sekunden schaut. Bei 3 Wochen Sonnenschein und ereignisarmen Etappen führt der Gesamtsieg jedoch nur über ihn, vorausgesetzt er überlebt diesmal das Pflaster. Die Ergebnisse im bisherigen Saisonverlauf sprechen für den 30-jährigen Briten, auch wenn der Abstand zu den anderen Fahrern geringer geworden zu sein scheint als in den beiden außergewöhnlich starken Jahren zuvor.

Nairo Quintana (Movistar)

Vor 2 Jahren belegte der nun 25-jährige Kolumbianer bei der Tour de France den 2. Platz hinter Froome. Im Vorjahr verzichtete er auf die Tour zugunsten von Giro (den er mit dem Gesamtsieg abschloss) und Vuelta (wo ihm ein Sturz im Einzelzeitfahren das Double verhagelte). Quintanas Resultate in der aktuellen Saison waren sehr gut, wenn auch nicht überragend. Da Einzelzeitfahren im Programm der Tour 2015 fast völlig fehlen, ist dies die Chance des Lebens für Quintana auf den ersten Toursieg für sein Heimatland - die er nach gewagter Einschätzung von Radsport-Seite.de auch nutzt, sofern im Wind der ersten Woche nichts passiert...

Vincenzo Nibali (Astana)

Der Gesamtsieger des Vorjahres kann jedes Wetter, auch Pflaster. Der 30-jährige Italiener hielt sich mit Ergebnissen im bisherigen Saisonverlauf zurück, wurde dann aber eine Woche vor der Tour de France wieder Italienischer Meister. Läuft also 2015 bei der Tour alles wie 2014? Nein, denn im Vorjahr fehlten Nibali im Hochgebirge die Konkurrenten auf Augenhöhe. Froome und Contador waren schon ausgeschieden und Quintana gar nicht dabei.

Im Teamzeitfahren dürften sich die Teams der 4 Top-Favoriten nicht viel nehmen. Ansonsten sind die Helfer von Froome und Nibali wohl etwas stärker, im Falle von Quintana obwohl oder weil er Valverde als Co-Kapitän hat. In den anderen 3 Teams sind mit u.a. König (Sky), Kreuziger (Tinkoff) und Scarponi (Astana) gleich mehrere potenzielle Top-Ten-Fahrer, die aber größtenteils als kronloyal einzustufen sind.


Herausforderer

Sind angesichts dieser 4 übermächtigen Fahrer die 3 Podestplätze in Paris für alle anderen Fahrer unerreichbar? Nicht unbedingt. Die Ausgabe des Vorjahres lehrte, dass aufgrund von Favoritenstürzen plötzlich andere Fahrer ins Rampemlicht fahren.

Die Podestplätze im Vorjahr belegten die beiden Franzosen Jean-Christophe Péraud (AG2R) und Thibaut Pinot (FDJ). Während Pinot 2015 erneut das Podium anvisiert, spricht die Form bei AG2R eher für Romain Bardet, der den 6. Platz im Vorjahr belegte. Einen Platz davor landete Tejay van Garderen (BMC), der im Monat vor der Tour de France 2015 Froome beim Critérium du Dauphiné die Stirn bot. Dort gelang van Garderens amerikanischem Landsmann Andrew Talansky (Garmin) im Vorjahr der Gesamtsieg gegen Froome und Contador, bevor er bei der Tour wegen Sturzfolgen ausschied. Talanskys Ergebnisse 2015 waren bisher eher mau.

Nach 3 Gesamtsiegen bei der Tour de Suisse verzichtete Rui Costa (Lampre) diesmal auf eine Titelverteidigung und ging in die Dauphiné - mit einem 3. Platz hinter Froome und van Garderen. Das richtige Rezept für eine erfolgreiche Tour de France? Und was kann auf seine alten Tage ein Joaquim Rodriguez (Katusha) ausrichten bei den wenigen ungeliebten Zeitfahrkilometern? Ebenso unberechenbar sind Bauke Mollema (Trek), dessen Kurve zuletzt eher nach unten zeigte, und Rigoberto Uran (Etixx), der beim Giro nach Krankheit erst gegen Ende ganz da war. Eine Neuentdeckung im Konzert der Großen könnte Simon Yates (Orica) sein.


Sprintfavoriten

Eine richtig flache Sprinteretappe ohne Wenn und Aber gibt es bei der Tour de France 2015 eigentlich nur zum Abschluss in Paris. Insofern hätte Marcel Kittel (Giant), der Sprintdominator der beiden Vorjahre, ohnehin seine Ausbeute nicht wiederholen können. Nun wurde er wegen Formrückstandes erst gar nicht nominiert. Dies bedeutet eine freie Bahn für seinen Teamkollegen John Degenkolb, ebenfalls aus Deutschland, und herausragender Fahrer des Frühjahres mit Siegen bei Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix. Er ist zwar nicht ganz so endschnell wie Kittel, dafür kommt ihm die anspruchsvolle Streckenführung der Tour 2015 entgegen.

Ähnliche Fahrertypen wie Degenkolb sind Alexander Kristoff (Katusha) und Peter Sagan (Tinkoff), die sich dann auch einen Dreikampf ums Grüne Trikot des besten Sprinters liefern könnten. Im Unterschied zum Degenkolb können der Norweger und der Slowake schon mehrere Etappensiege bei der Tour de France vorweisen. Sagan gewann zuletzt 3-mal in Folge das Grüne Trikot, soll aber diesmal wegen fehlender Klassikersiege im Frühjahr zur Strafe Helferdienste für Contador verrichten, in dessen Team er seit 2015 fährt. Das spricht für Kristoff - und Degenkolb.

Seit 2011 gewann André Greipel (Lotto) in jedem Jahr mindestens eine Tour-Etappe. Wenn die Positionierung auf den Flachetappen stimmt, kommt wohl kaum einer am Deutschen vorbei, möglicherweise aber der einstige Seriensieger Mark Cavendish (Etixx)? Die Franzosen träumen bei ihrer Heimat-Rundfahrt von Sprintsiegen durch Nacer Bouhanni (Cofidis), Arnaud Démare (FDJ) oder Bryan Coquard (Europcar).

Wenn es topografisch etwas schwieriger wird, ist Michael Matthews (Orica) ein ernsthafter Siegkandidat bei Sprintentscheidungen, bei Rückerlangung der Form vergangener Tage auch Edvald Boasson Hagen (MTN). Und wenn all die genannten Fahrer bei Hügelankünften schon abgehängt sein sollten, könnte die Stunde von Michal Kwiatkowski (Etixx), Simon Gerrans oder Michael Albasini (beide Orica) schlagen - oder sogar schon von einem der Klassementfavoriten.

So oder so, es wird spannend - die Crème de la Crème ist am Start!

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