Tour de France 2015 - 20. Etappe

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19. Etappe Sa 25. Juli: 20. Etappe 21. Etappe

Zielankunft in Alpe-d'Huez: ca. 16:32 Uhr

Triumph für Pinot, Großangriff von Quintana

Zweiter Etappensieg für Thibaut Pinot (FDJ) bei einer Tour de France, und was für einer: Auf der 20. Etappe triumphierte der 25-jährige Franzose im Hexenkessel von Alpe-d'Huez. In dem berüchtigten Schlussanstieg hatte sich Pinot ein Duell gegen Ryder Hesjedal (Cannondale) geliefert, mit Attacken und mehreren Konterattacken.

Nairo Quintana (Movistar) fuhr auf dieser letzten Alpenetappe einen Großangriff, der mit einem ersten Versuch am Col de la Croix de Fer begann. Im Schlussanstieg fuhr der Kolumbianer 1:20 Minunten plus 6 Sekunden Bonus auf Chris Froome (Sky) heraus, konnte ihm das Gelbe Trikot angesichts der 2:38 Minuten Vorsprung, die Froome mitbrachte, allerdings nicht mehr ausziehen.

Pinot setzte sich in der Abfahrt vom Col de la Croix de Fer mit einigen Begleitern aus der Gruppe der besten Klassementfahrer ab. Diese waren im Croix-de-Fer-Anstieg auseinandergefallen, im oberen Teil der Abfahrt aber wieder zusammengerollt. Die Gruppe um Pinot und Hesjedal begann den 13,8 Kilometer langen Schlussanstieg 1:50 Minuten vor der Gruppe ums Gelbe Trikot und knapp 2 Minuten hinter Alexandre Geniez (FDJ), der am Col de la Croix de Fer als Solist aus der frühen Flucht des Tages an der Spitze übrig geblieben war.

Ergebnis
1. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ 3:17:21
2. Nairo Quintana (COL) - Movistar +0:18
3. Ryder Hesjedal (CAN) - Cannondale-Garmin +0:41
4. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +1:38
5. Christopher Froome (GBR) - Sky gl.Zeit
6. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +1:41
7. Richie Porte (AUS) - Sky +2:11
8. Winner Anacona (COL) - Movistar +2:32
9. Wout Poels (NED) - Sky +2:50
10. Ruben Plaza (ESP) - Lampre-Merida gl.Zeit
11. Simon Yates (AUS) - Orica-Greenedge +3:06
12. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +3:12
13. Bob Jungels (LUX) - Trek +3:26
14. Bauke Mollema (NED) - Trek +3:30
15. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana
16. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff-Saxo alle
17. Rafal Majka (POL) - Tinkoff-Saxo
18. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale gleiche
19. Steven Kruijswijk (NED) - LottoNL-Jumbo
20. Robert Gesink (NED) - LottoNL-Jumbo Zeit
...
23. Mathias Frank (SUI) - IAM +4:38
25. Alexandre Geniez (FRA) - FDJ +4:56
26. Samuel Sanchez (ESP) - BMC +5:01
27. Andrew Talansky (USA) - Cannondale-Garmin +5:19
33. Serge Pauwels (BEL) - MTN-Qhubeka +5:53
34. Warren Barguil (FRA) - Giant-Shimano +5:53
35. Geraint Thomas (GBR) - Sky +5:53
- 160 Fahrer klassiert.

Quintana bis auf 1:12 an Froome heran

Chris Froome hatte zu kämpfen, um den 2. Gesamtsieg nach 2013 unter Dach und Fach zu bringen. Einen Tag vor der Schlussetappe in Paris wäre seinem Kontrahenten Nairo Quintana fast doch noch die Wende gelungen, an die eigentlich keiner mehr geglaubt hatte. Am Ende fehlten ihm nur 1:12 Minuten auf Froome. Zum Vergleich: Auf der 2. Etappe im Wind und Regen von Holland hatte Quintana 1:28 gegen Froome verloren...

In der Reihung der Top-Ten für die Tour de France 2015 gab es auf der 20. Etappe nach Alpe-d'Huez nur eine Änderung: Mollema (Trek) verdrängte Mathias Frank (IAM) knapp vom 7. Platz. Frank hatte im Finale Pech ebenso wie Vincenzo Nibali (Astana).

Nibali hatte wenige Meter vor dem Schlussanstieg einen Platten und konnte deshalb nicht mehr den 3. Platz von Alejandro Valverde (Movistar) angreifen. Valverde rahmt also auf dem Podest in Paris gemeinsam mit seinem Teamkollegen Quintana den Gesamtsieger Froome ein. Frank hatte einen Reifenschaden zu Beginn des Schlussanstiegs.

Gesamtwertung
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 81:56:33
2. Nairo Quintana (COL) - Movistar +1:12
3. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +5:25
4. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +8:36
5. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff-Saxo +9:48
6. Robert Gesink (NED) - LottoNL-Jumbo +10:47
7. Bauke Mollema (NED) - Trek +15:14
8. Mathias Frank (SUI) - IAM +15:39
9. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +16:00
10. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +17:30
11. Andrew Talansky (USA) - Cannondale-Garmin +22:06
12. Samuel Sanchez (ESP) - BMC +22:50
13. Serge Pauwels (BEL) - MTN-Qhubeka +31:03
14. Warren Barguil (FRA) - Giant-Shimano +31:15
15. Geraint Thomas (GBR) - Sky +31:39
16. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +38:52
17. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff-Saxo +1:02:51
18. Mickael Chérel (FRA) - AG2R La Mondiale +1:05:00
19. Jarlinson Pantano (COL) - IAM +1:09:08
20. Jan Bakelants (BEL) - AG2R La Mondiale +1:16:36

In der Anfangsphase der 20. Etappe bildete sich eine Spitzengruppe mit Geniez, Bak (Lotto), Navardauskas (Cannondale) und Edet (Cofidis). Das Quartett wurde vom Hauptfeld maximal knapp über 8 Minuten weggelassen. Im Anstieg zum Col de la Croix de Fer hängte Geniez seine 3 Mitausreißer ab.

Froome auch im Bergtrikot - anstatt Bardet

Aus dem Hauptfeld gab es hoch zum Croix de Fer zahlreiche Attacken, jedoch zunächst noch nicht von den ganz großen Namen. Das Team von Romain Bardet (AG2R) neutralisierte diese Versuche, damit Bardet an der Passhöhe noch einige Punkte für sein Bergtrikot sammeln konnte.

Dieses Vorhaben platzte jedoch, weil Bardet beim Großangriff von Valverde und Quintana abreißen lassen musste und auch in Alpe-d'Huez keine Punkte mehr holte. So fiel das gepunktete Bergtrikot wieder zurück auf die Schultern von Chris Froome. Der 30-jährige Brite wird auch diese Wertung gewinnen, obwohl er das Trikot keinen Tag im Rennen präsentierte wegen des ranghöheren Gelben Trikots.

Bergwertung
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 119 p.
2. Nairo Quintana (COL) - Movistar 108
3. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale 90
4. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ 82
5. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha 78
6. Pierre Rolland (FRA) - Europcar 74
7. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar 72
8. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana 64
9. Richie Porte (AUS) - Sky 58
10. Serge Pauwels (BEL) - MTN-Qhubeka 55

Valverde und Quintana versuchten es früh

Rund 60 Kilometer vor dem Ziel attackierte Valverde. Nur Serpa (Lampre) fuhr ihm zunächst hinterher. Dann ging auch Quintana in die Offensive, hängte sich für einige Meter in den Windschatten seines Landsmanns Serpa und fuhr vor zum Teamkollegen Valverde. Quintana und Valverde nahmen also das Risiko in Kauf, um die klitzekleine Chance auf den Gesamtsieg zu suchen.

Starke Helfer im Dienste von Froome

Zum Glück für Froome erwischten seine Helfer einen guten Tag. Für Froome schlug in der Verfolgung des Movistar-Duos Porte (Sky) ein derart hohes Tempo an, dass außer Froome nur noch Nibali folgen konnte. Außerdem spielte Froome in die Karten, dass Valverde nicht so schnell fahren konnte wie Quintana, der aber auf seinen Teamkollegen warten musste, weil sie in der nachfolgenden Abfahrt und im Flachstück nur als Duo eine Minimalchance gegen die Verfolger gehabt hätten.

Oben hatte Geniez 2:20 Minuten Vorsprung vor Quintana und Valverde. Dazwischen lagen die 3 ehemaligen Mitausreißer von Geniez. Froome und Nibali überquerten die Passhöhe nur 5 Sekunden hinter dem Movistar-Duo. Porte und Contador folgten 20 Sekunden später. Porte war hinter Froome und Nibali zurückgefallen, nachdem Nibali attackiert und Froome pariert hatte.

In der Abfahrt fuhren Froome und Nibali schnell zum Movistar-Duo vor. Aus diesem Quartett sah sich keiner verantwortlich für die Tempoarbeit, so dass von hinten etliche abgehängte Fahrer wieder aufschließen konnten. Die Phase, in der sich die Sky-Helfer sammelten, nutzten Hesjedal, Pinot, Anacona (Movistar), Plaza und Serpa (beide Lampre) zur Attacke. Navardauskas ließ sich für Hesjedal zurückfallen, und Bak und Edet waren bald auch gestellt.

Heißer Kampf zwischen Pinot und Hesjedal

Im Schlussanstieg kristalliserten sich aus dieser Gruppe Pinot und Hesjedal schnell als die stärksten Fahrer heraus. Die beiden attackierten sich mehrmals gegenseitig und erreichten 9 Kilometer vor dem Ziel Geniez, der nun für einen Kilometer das Tempo bestimmte. Nach einem weiterhin packenden Kampf konnte sich Pinot von Hesjedal endgültig 6,5 Kilometer vor dem Ziel lösen.

Quintana brauchte 3 Attacken im Schlussanstieg

In der Gruppe um Froome attackierte Quintana 2-mal im untersten Bereich des Schlussanstiegs. Porte und Poels vereitelten diese Angriffe im Dienste von Froome, der die Hinterräder seiner beiden erstarkten Helfer zeitweise kaum halten konnte. Mit von der Partie waren zu diesem Zeitpunkt Contador, Majka (beide Tinkoff) und Valverde, der nun seinerseits angriff, als sich gerade Nibali von hinten annäherte.

Nun distanzierte Quintana mit seiner 3. Attacke das Sky-Trio endgültig. Er fuhr vor zu Valverde, der kurz das Tempo für Quintana machte. Bei Quintanas letzter Attacke hatte Froome noch seine 2 Helfer, während Contador und alle anderen zurückfielen. Dann konnten Poels und Valverde ihren Kapitänen nicht mehr helfen. Valverde sortierte sich nun an Froomes Hinterrad ein.

Pinot rettete Etappensieg um 18 Sekunden

Derweil rollte Quintana zu einem Ausreißer nach dem anderen auf, darunter zu seinem Teamkollegen Anacona, der sich für einige Meter vor Quintana spannte. 2,5 Kilometer vor dem Ziel ging Quintana an Hesjedal vorbei. Zum Etappensieg jedoch fehlten Quintana 18 Sekunden auf Pinot, so dass Pinot eine verkorkste Tour de France mit dem prestigeträchtigen Sieg von Alpe-d'Huez retten konnte.

Aus der Gruppe um Froome, der inzwischen neben Valverde auch Rolland angehörte, scherte Porte erst sehr spät aus. Den Rest erledigte Froome selbst. Er kam mit einem blauen Auge davon, weil sein Vorsprung vor Quintana vor dieser 20. Etappe einfach zu komfortabel war.


Vorschau auf diese Etappe: Die Entscheidung bei der Tour de France 2015 fällt am vorletzten Tag in Alpe d'Huez. Über die Route mit dem Col de la Croix de Fer erreichen die Fahrer den Schlussanstieg mit den 21 Kehren. Die 20. Etappe führt neuerlich nur über eine Juniorendistanz von 110,5 Kilometern, ist also noch kürzer als die des Vortages. Wer noch einen größeren Umschwung herbeiführen möchte, muss es schon direkt am Col de la Croix de Fer probieren. Dagegen spricht jedoch der lange Weg bergab zum Fuße des Schlussanstiegs. Dieser ist dann 13,8 Kilometer lang, im Schnitt 8,1% steil und maximal 11,5%. Der Mann im Gelben Trikot sollte die Gesamtführung in Alpe d'Huez nur noch durch einen sehr schwarzen Tag verlieren - oder bei einem nur knappen Vorsprung...
Landkarte, Zeitplan und Profil auf www.letour.fr
Profil des Schlussanstiegs nach Alpe-d'Huez auf www.salite.ch

Ursprünglich sollte diese Etappe über den Col du Galibier anstatt über den Col de la Croix de Fer führen. Rund 2 Wochen vor dem Start der Tour de France 2015 änderte der Veranstalter die Strecke wegen Einsturzgefahrs eines Tunnels auf dem Weg vom Galbier zum Fuße des Schlußanstiegs. Der Col de la Croix de Fer wurde bereits auf der 19. Etappe in umgekehrter Richtung befahren - und die sich anschließende Abfahrt vom benachbarten Col du Glandon schon auf der 18. Etappe (auch umgekehrt, also bergauf). So wurde das Dreieck am Col du Glandon zum Dreh- und Angelpunkt an 3 aufeinander folgenden Tagen in den Alpen.

19. Etappe Sa 25. Juli: 20. Etappe 21. Etappe

Tour de France 2015

Tour de France 2015
20. Etappe (110,5km)
von Modane
nach Alpe d'Huez

-km55 15:07 Col de la Croix de Fer
-km16 15:50 Bourg-d'Oisans
-km0 16:32 Alpe d'Huez

Etappensieg:
Thibaut Pinot (FRA)

Gelbes Trikot:
Christopher Froome (GBR)

Grünes Trikot:
Peter Sagan (SVK)

Bergtrikot:
Christopher Froome (GBR)
- wird getragen von: Bardet

Jungprofi-Wertung:
Nairo Quintana (COL)

Teamwertung:
Movistar

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