Tour de France 2015 - 19. Etappe

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18. Etappe Fr 24. Juli: 19. Etappe 20. Etappe

Zielankunft in La Toussuire: ca. 17:45 Uhr

Nibali siegt, Quintana hängt Froome ab

Vincenzo Nibali (Astana) gewann die 19. Etappe bei der Tour de France 2015. Der 30-jährige Italiener hatte am drittletzten Anstieg des Tages, dem Col del Croix de Fer, aus der Hauptgruppe attackiert, als der Gesamtführende Chris Froome (Sky) gerade wegen technischer Probleme anhielt. Im Schlussanstieg nach La Toussuire konnte Nairo Quintana (Movistar) erstmals bei dieser Tour einen Abstand zwischen sich und Froome bringen, und zwar eine halbe Minute.

Auf der ereignisreichen Alpenetappe war Froomes Teamkollege Geraint Thomas (Sky), bisher auf dem 4. Platz der Gesamtwertung, frühzeitig eliminiert. Alle anderen zwischendurch abgehängten Top-Ten-Klassementfahrer begannen den 18 Kilometer langen Schlussanstieg dennoch in der Gruppe um Froome. Nibalis Vorsprung betrug dort knappe 2 Minuten. Quintana fuhr am Ende im Schlussanstieg bis auf 44 Sekunden an Nibali heran.

Ergebnis
1. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana 4:22:53
2. Nairo Quintana (COL) - Movistar +0:44
3. Christopher Froome (GBR) - Sky +1:14
4. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +2:26
5. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale
6. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar alle
7. Bauke Mollema (NED) - Trek
8. Robert Gesink (NED) - LottoNL-Jumbo gleiche
9. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff-Saxo
10. Samuel Sanchez (ESP) - BMC Zeit
11. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +2:35
12. Andrew Talansky (USA) - Cannondale-Garmin +4:17
13. Ruben Plaza (ESP) - Lampre-Merida +4:53
14. Mathias Frank (SUI) - IAM +5:02
15. Rafal Majka (POL) - Tinkoff-Saxo +6:23
...
21. Serge Pauwels (BEL) - MTN-Qhubeka +9:52
30. Warren Barguil (FRA) - Giant-Shimano +15:02
34. Jarlinson Pantano (COL) - IAM +15:12
53. Geraint Thomas (GBR) - Sky +22:00
- 160 Fahrer klassiert.
DNF Michael Valgren (DEN) - Tinkoff-Saxo

Froome insgesamt noch 2:38 vor Quintana

Auf Froome holte Nairo Quintana eine halbe Minute plus 2 Sekunden mehr Zeitgutschrift heraus. So verkürzte sich der Rückstand zum Gelben Trikot auf 2:38 Minuten. Quintana attackierte Froome hoch nach La Toussuire erst rund 6 Kilometer vor dem Ziel und damit wohl etwas spät, um bei einer ausstehenden Alpenetappe Froome den Gesamtsieg noch streitig zu machen.

Nibali schob sich in der Gesamtwertung vor auf den 4. Platz hinter Alejandro Valverde (Movistar), der in einer Gruppe 2:26 Minuten hinter Nibali La Toussuire erreichte. Darin vertreten waren auch Alberto Contador (Tinkoff) und Robert Gesink (LottoNL), die damit auf den Plätzen 5 und 6 verblieben.

Thomas vom 4. Platz raus aus den Top-Ten

Geraint Thomas hingegen fiel vom 4. Platz weit zurück auf den 15. Platz. Mathias Frank (IAM) verbesserte sich dadurch um einen auf den 7. Platz, obwohl er auf die Valverde-Gruppe über 2 Minuten verlor. Hinter Mollema (Trek) und Bardet (AG2R) war Rolland (Europcar) ein Neuzugang in den Top-Ten. Denn Barguil (Giant), der erste Kandidat zum Nachrücken, erreichte mit einer Viertelstunde Rückstand das Ziel.

Gesamtwertung
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 78:37:34
2. Nairo Quintana (COL) - Movistar +2:38
3. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +5:25
4. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +6:44
5. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff-Saxo +7:56
6. Robert Gesink (NED) - LottoNL-Jumbo +8:55
7. Mathias Frank (SUI) - IAM +12:39
8. Bauke Mollema (NED) - Trek +13:22
9. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +14:08
10. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +17:27
11. Andrew Talansky (USA) - Cannondale-Garmin +18:25
12. Samuel Sanchez (ESP) - BMC +19:27
13. Serge Pauwels (BEL) - MTN-Qhubeka +26:48
14. Warren Barguil (FRA) - Giant-Shimano +27:00
15. Geraint Thomas (GBR) - Sky +27:24
16. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +40:40
17. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff-Saxo +57:49
18. Mickael Chérel (FRA) - AG2R La Mondiale +59:26
19. Jarlinson Pantano (COL) - IAM +59:42

Heißer Beginn mit Attacken der Top-Fahrer

Gleich zu Beginn der 19. Etappe ging es heiß her. Hoch zum Col du Chaussy gab es haufenweise Attacken, auch von den Klassementfahrern. Nibali, Contador und Valverde probierten es mehrmals, kamen zwischenzeitlich mit anderen Fahrern rund eine halbe Minute weg, während dahinter Froomes Helfer schwanden. Sogar Thomas fiel zurück, dazu Barguil und Frank. Noch vor dem Gipfel schloss die Gruppe um Froome zu den gefährlichsten Leuten auf, und auf der Abfahrt rollten alle Klassementfahrer wieder zusammen.

Im Flachstück danach - dem einzigen dieses nur 138 Kilometer kurzen Tages - setzte sich eine 22-köpfige Gruppe ab, darin: Kangert (Astana), Bardet (AG2R), Kreuziger, Rogers (beide Tinkoff), Herrada, Malori (beide Movistar), Gallopin, Wellens (beide Lotto), Rodriguez, Losada (beide Katusha), Uran (Etixx), Rolland, Gautier, Sicard (alle Europcar), Kruijswijk (LottoNL), Plaza (Lampre), van Baarle (Cannondale), Edet (Cofidis), Clement, Pantano (beide (IAM), Cummings und Teklehaimanot (beide MTN).

Wegen Bardet fürchtete Gesinks Team um den 6. Platz in der Gesamtwertung. Es entlastete die leicht angeschlagenen Helfer von Froome in der Tempoarbeit. Die fielen aber hoch zum Col de la Croix de Fer sowieso fast alle zurück. Im Anstieg setzte sich Pierre Rolland schnell als Solist an die Spitze, da noch knapp 3 Minuten vor dem Hauptfeld.

Unsportlich? Nibali zahlte es Froome zurück

Nibalis Helfer bereiteten mit ihrem Tempo einen Angriff vor, woraufhin viele Fahrer abplatzten, darunter wieder Thomas und Barguil. Die erste Attacke von Nibali neutralisierte Froome, obwohl der Vorjahressieger wegen seines Rückstandes schon lange keine Gefahr mehr für den Gesamtsieg darstellte. Deswegen war es auch nur bedingt unsportlich, als Nibali seine entscheidende Attacke setzte, während Froome Probleme mit dem Schaltwerk hatte.

Zwischen den beiden Attacken von Nibali ging Valverde in die Offensive, kam aber kaum weg und wurde nach kurzer Zeit wieder eingeholt. Froome brauchte nach seinem Technik-Problem ein wenig für den Anschluss an die Verfolgergruppe um Quintana und Contador. Danach füllte sich diese Gruppe etwas auf. Auch Froomes letzter Helfer, Wout Poels, war wieder an der Seite seines Kapitäns.

Bardet im Bergtrikot knapp vor Froome

Oben am Col de la Croix de Fer hatte Rolland eine Minute Vorsprung vor Nibali und 2 vor der Gruppe um Froome. Aus dieser sprinteten Romain Bardet und Froome auf die nächsten Plätze fürs Bergtrikot. Dessen Träger Joaquim Rodriguez hatte zwar die Punkte am Col du Chaussy geholt, fiel aber zum Col de la Croix de Fer weit zurück. Bardet holte noch ein paar weitere Punkte am folgenden Col du Mollard und im Ziel. Diese waren auch bitter nötig, um die Führung in der Bergwertung gegen Froome zu erreichen, der im Ziel doppelt punktete.

Bergwertung
1. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale 90 p.
2. Christopher Froome (GBR) - Sky 87
3. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha 78
4. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana 64
5. Nairo Quintana (COL) - Movistar 56
6. Serge Pauwels (BEL) - MTN-Qhubeka 55
7. Pierre Rolland (FRA) - Europcar 54
8. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana 47
9. Rafal Majka (POL) - Tinkoff-Saxo 40
10. Richie Porte (AUS) - Sky 40

Rolland mit Nibali zuerst in den Schlussanstieg

Der Abstand zwischen Spitzenreiter Rolland und der Gruppe ums Gelbe Trikot pendelte in der Folgezeit relativ konstant um die 2 Minuten. Dafür schloss Nibali am vorletzten Anstieg, dem Col du Mollard, fast die Lücke zu Rolland. Die wenigen Sekunden, die ihm an der Passhöhe fehlten, holte er in der Abfahrt heraus. Auf dieser löste sich Bardet nach dem Bergsprint aus der Froome-Gruppe. Den bergab herausgefahrenen Vorsprung musste Bardet wegen eines Problems mit dem Schaltwerk bei einem Radwechsel wieder aufgeben. Da hatten auch einige Tritte mit seinen Sporen nichts geholfen.

Nibali ließ eingangs des Schlussanstiegs Rolland stehen und steuerte einem Happy-End einer bis dahin verkorksten Tour de France entgegen. In der Hauptgruppe dauerte es deutlich länger bis zu den entscheidenden Szenen. Froomes Gegner legten in diesem Anstieg erst die Karten auf den Tisch, als dessen letzter Helfer Poels entkräftet ausscherte.

Nach Quintanas Attacke sah es zunächst so aus, als könne Froome mit Valverde und Contador im Schlepptau wieder aufschließen. Doch Quintana baute seinen Vorsprung kontinuierlich auf am Ende 30 Sekunden aus, und die beiden Spanier konnten ihrerseits Froome nicht mehr folgen. Valverde und Contador fielen wieder in eine Gruppe mit Gesink, Mollema, Bardet, Sanchez (BMC) und Pinot (FDJ) zurück. Pinot nahm im Sprint um den 4. Platz Bardet 4 Bergpunkte. Der inzwischen überholte Rolland kam nicht weit hinter dieser Gruppe ins Ziel. Auf Barguil und Thomas musste man jedoch noch sehr viel länger warten.


Vorschau auf diese Etappe: Auf der 19. Tour-Etappe 2015 wird von Saint-Jean-de-Maurienne aus eine Runde um den Zielort La Toussuire gedreht, einer 18 Kilometer langen Bergankunft bei 6,1% im Schnitt. Schon zuvor heizen Col du Chaussy, Col de la Croix de Fer und Col du Mollard den Fahrern ein. Das gibt mit Sicherheit nette Abstände - auch unter den Klassementbesten. Die Schwierigkeiten des Tages sind auf nur 138 Kilometer verteilt, also große Berge bei einer Mini-Distanz ähnlich wie am nächsten Tag: Die Sprinter und Flachlandhelfer werden übers Zeitlimit fluchen...
Landkarte, Zeitplan und Profil auf www.letour.fr
Profil des Schlussanstiegs nach La Toussuire auf www.salite.ch

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Tour de France 2015

Tour de France 2015
19. Etappe (138km)
von Saint-Jean-de-Maurienne
nach La Toussuire - Les Sybelles

-km123 14:07 Col du Chaussy
-km96 14:40 Épierre
-km55 16:07 Col de la Croix de Fer
-km35 16:38 Col du Mollard
-km0 17:45 La Toussuire

Etappensieg:
Vincenzo Nibali (ITA)

Gelbes Trikot:
Christopher Froome (GBR)

Grünes Trikot:
Peter Sagan (SVK)

Bergtrikot:
Romain Bardet (FRA)

Jungprofi-Wertung:
Nairo Quintana (COL)

Teamwertung:
Movistar

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