Tour de France 2015 - 4. Etappe

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3. Etappe Di 7. Juli: 4. Etappe 5. Etappe

Zielankunft in Cambrai: ca. 17:24 Uhr

Martin mit Sieg endlich ins Gelbe Trikot!

Tony Martin (Etixx) gewann die 4. Etappe der Tour de France 2015 als Finisseur und übernahm nach 3 Tagen der Enttäuschungen endlich das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. 3,5 Kilometer vor dem Ziel attackierte der 30-jährige Deutsche aus dem Hauptfeld, das durch die vorangegangenen Kopfsteinpflaster-Passagen deutlich auf 36 Mann dezimiert war.

Im Sprint hinter Martin blieb dessen Landsmann John Degenkolb (Giant) somit nur der 2. Platz in der Tageswertung. Degenkolb überfuhr mit etwa einer halben Radlänge vor Peter Sagan (Tinkoff) und Greg van Avermaet (BMC) die Ziellinie in Cambrai.

Bei Pinot kam auf dem Pflaster auch noch Pech hinzu

Die meisten Klassementfahrer bewältigten die gefürchtete Pflaster-Etappe unbeschadet, ja sogar souverän. Großer Verlierer des Tages war allerdings Thibaut Pinot (FDJ), der diesmal nicht wegen Schwäche, sondern wegen Defektpechs auf dem Kopfsteinpflaster weitere Minuten liegen ließ.

Ergebnis
1. Tony Martin (GER) - Etixx-Quick Step 5:28:58
2. John Degenkolb (GER) - Giant-Alpecin +0:03
3. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff-Saxo
4. Greg van Avermaet (BEL) - BMC
5. Edvald Boasson Hagen (NOR) - MTN-Qhubeka
6. Nacer Bouhanni (FRA) - Cofidis
7. Jacopo Guanieri (ITA) - Katusha
8. Tony Gallopin (FRA) - Lotto-Soudal
9. Zdenek Stybar (CZE) - Etixx-Quick Step
10. Bryan Coquard (FRA) - Europcar
11. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar alle
12. Mark Cavendish (GBR) - Etixx-Quick Step
13. Rigoberto Uran (COL) - Etixx-Quick Step
14. Robert Gesink (NED) - LottoNL-Jumbo
15. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana gleiche
...
17. Christopher Froome (GBR) - Sky
19. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff-Saxo
23. Nairo Quintana (COL) - Movistar Zeit
38. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida +0:51
65. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +3:23
68. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +3:23
- 191 Fahrer klassiert.
DNS Daryl Impey (RSA) - Orica-Greenedge
DNS Fabian Cancellara (SUI) - Trek
DNS Andreas Schillinger (GER) - Bora-Argon 18

Triumph trotz Defekt und falschem Rad

Tony Martin erreichte das Ziel mit 3 Sekunden Vorsprung auf dem Rad seines Teamkollegen Trentin, auf das er nach einem Defekt 19 Kilometer vor dem Ziel umstieg. Außerdem bekam Martin 10 Sekunden Zeitgutschrift für seinen hervorragenden Sieg hinzu. So wandelte er den Ein-Sekunden-Rückstand gegenüber Chris Froome (Sky) in einen 12-Sekunden-Vorsprung um.

Nibali (Astana), Quintana (Movistar) und Contador (Tinkoff) kamen im Feld mit Degenkolb und Froome in Cambrai an, ebenso wie Uran (Etixx), Gesink (LottoNL), Mollema (Trek), Bardet (AG2R), Rodriguez (Katusha), Barguil (Giant), van Garderen (BMC), Péraud (AG2R), Talansky (Cannondale) und Frank (BMC). Dennoch baute sich Froome in den turbulenten ersten Tagen schon ein nettes Polster für den Rest der Tour de France 2015 auf.

Thibaut Pinot verlor bittere 3:20 Minuten auf die genannten Klassementfahrer: Da war ein Jahr Vorbereitung wegen eines Defekts plötzlich im Eimer! Mit nun schon über 6 Minuten Gesamtrückstand aufs Podest kann sich der Franzose eine Wiederholung des Vorjahresresultats abschminken. Auch Rui Costa (Lampre) büßte weitere Zeit ein, wenn auch «nur» 51 Sekunden.

Gesamtwertung
1. Tony Martin (GER) - Etixx-Quick Step 12:40:26
2. Christopher Froome (GBR) - Sky +0:12
3. Tejay van Garderen (USA) - BMC +0:25
4. Tony Gallopin (FRA) - Lotto-Soudal +0:38
5. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff-Saxo +0:39
6. Greg van Avermaet (BEL) - BMC +0:40
7. Rigoberto Uran (COL) - Etixx-Quick Step +0:46
8. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff-Saxo +0:48
9. Geraint Thomas (GBR) - Sky +1:15
10. Zdenek Stybar (CZE) - Etixx-Quick Step +1:16
11. Warren Barguil (FRA) - Giant-Shimano +1:19
12. Bauke Mollema (NED) - Trek +1:44
13. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +1:50
14. Robert Gesink (NED) - LottoNL-Jumbo +1:51
15. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff-Saxo +2:03
16. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +2:03
17. Nairo Quintana (COL) - Movistar +2:08
18. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +2:12
19. Jean-Christ. Péraud (FRA) - AG2R La Mondiale +2:19
20. Andrew Talansky (USA) - Cannondale-Garmin +2:51
...
21. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +3:06
24. Mathias Frank (SUI) - IAM +4:07
25. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida +4:10
27. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +6:30

Die 4. Etappe war kaum eröffnet, da fanden sich Westra (Astana), de Gendt (Lotto), Quemeneur (Europcar) und Brun (Bretagne) zur Spitzengruppe des Tages zusammen. De Gendt holte an der Zitadelle von Namur, dem einzigen Bergpreis des Tages, einen Punkt, konnte aber nichts an der möglicherweise langfristigen Führung von Joaquim Rodriguez in der Bergwertung ändern.

Fehlender Regen entschärfte gefürchtete 4. Etappe

46 Kilometer vor dem Ziel begann das Pflaster-Finale dieser mit 223,5 Kilometern längsten Etappe der Tour de France 2015. Der vorhergesagte starke Regen und somit eine Schlammschlacht wie im Vorjahr blieb aus. Nur vereinzelt gingen ein paar Tropfen nieder. Die Spitzengruppe, die zu diesem Zeitpunkt noch aus Quemeneur, de Gendt und Westra bestand, wurde eingangs des fünftletzten Pavé-Sektors geschluckt.

Die meisten Bergfahrer hielten sich erstaunlich gut auf auf dem Kopfsteinpflaster. Insbesondere Vincenzo Nibali versuchte seine Klasse zu zeigen, konnte aber anders als im Vorjahr kein Kapital daraus schlagen. Froome meisterte die Pflasterabschnitte immer in vorderen Positionen, musste nur zwischendurch auf Asphalt eine Schrecksekunde überstehen, als er am Rinnstein einen Rempler eines anderen Fahrers ausbalancierte. Im Vorjahr war Froome noch in der Hektik vor den Pflasterabschnitten nach einem Sturz ausgeschieden.

Für Pinot nahm das Unheil mit einem Defekt mitten in einem Pflaster-Sektor 21 Kilometer vor dem Ziel seinen Lauf. Er hatte sich bis dahin noch am Ende des deutlich geschrumpften Hauptfeldes aufgehalten. Dann ereilte auch Tony Martin ein Defekt. Der war aber besser auszubügeln, da er außerhalb der Pflasterpassagen geschah und er noch mehrere Helfer an seiner Seite hatte.

Nibali und Froome kurz mit kleinem Vorteil

Martin war schon wieder dran, als sein Teamkollege Stybar 11 Kilometer vor dem Ziel auf dem letzten Pflasterstück anzog und zunächst nur van Avermaet und Degenkolb mitkamen. Auf dem Pflaster erreichten das Trio schließlich noch Froome mit seinem Helfer Geraint Thomas sowie Alejandro Valverde (Movistar) und Tejay van Garderen. Thomas und auch Froome selbst versuchten, das Verfolgerfeld auf Distanz zu halten. Dieses wurde aber 2 Kilometer später wieder herangeführt von Sagan im Dienste von Alberto Contador.

Nun war es an den wenigen verbliebenen Helfern von John Degenkolb (Giant), dem Sieger von Paris-Roubaix, das kleine Hauptfeld für eine Sprintentscheidung zusammenzuhalten. Tony Martin hingegen musste einen Zeitabstand zwischen sich und Froome bringen, um das Gelbe Trikot zu erreichen, das er die 3 Tage zuvor jeweils knapp gegen 3 verschiedenen Fahrer verpasste. Mit dieser Motivation holte der 3-malige Zeitfahr-Weltmeister zum Doppelschlag aus, also dem Etappensieg inklusive.

Greipel fiel zurück, aber behielt Grün

Nicht in die Entscheidung eingreifen konnte der dritte Deutsche im Bunde, André Greipel (Lotto). Der Sieger der 2. Etappe fiel auf dem Pflaster überraschend zurück. Das Grüne Trikot des punktbesten Sprinters konnte er wegen seinen Vorsprungs trotzdem verteidigen. Beim Zwischensprint erhielt er einen kleinen Rempler von Degenkolb, sicherte sich aber trotzdem einige Punkte hinter Cavendish (Etixx), Coquard (Europcar) und den 4 Ausreißern - und vor Sagan und Degenkolb.

Grünes Trikot
1. André Greipel (GER) - Lotto-Soudal 84 p.
2. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff-Saxo 78
3. John Degenkolb (GER) - Giant-Alpecin 60
4. Tony Martin (GER) - Etixx-Quick Step 55
5. Mark Cavendish (GBR) - Etixx-Quick Step 53
6. Christopher Froome (GBR) - Sky 40
7. Nacer Bouhanni (FRA) - Cofidis 37
8. Bryan Coquard (FRA) - Europcar 36

Nichts mit der Entscheidung zu tun hatte einmal mehr Alexander Kristoff (Katusha), der eingangs des Finals diesmal von einem Defekt aussichtslos zurückgeworfen wurde. Er kam noch deutlich hinter der Pinot-Gruppe ins Ziel. Auch noch mehr Zeit als Pinot verloren mit fast 6 Minuten Daniel Martin (Cannondale) und Simon Yates (Orica), die somit im Gesamtklassement aus dem Geschäft sind.


Vorschau auf diese Etappe: Die 4. Etappe der Tour de France 2015 beinhaltet 7 der gefürchteten Kopfsteinpflaster-Sektoren, davon 6 in Frankreich und noch einen in Belgien. Dort beginnt der Tag in Seraing nahe Lüttich. Für die ersten Kilometer in Frankreich wird das Feld nicht gerade sanft empfangen. Insgesamt 13,3 Kilometer sind grob gepflastert, bis der Zielort Cambrai erreicht ist. Dass die Pflasterabschnitte wahrscheinlich nicht ganz so hart sind wie bei der Schlammschlacht im Vorjahr, dürfte der Ehrfurcht der Bergfahrer vor dieser Etappe keinen Abbruch tun. Ein Hauch von Paris-Roubaix stand der Tour de France zumindest im letzten Jahr sehr gut. Und die Klassikerdistanz ist 2015 mit 223,5 Kilometern auch annähernd gegeben.
Landkarte, Zeitplan und Profil auf www.letour.fr

Kopfsteinpflaster-Sektoren
-km120 14:33 Pont-à-Celles - Gouy-lez-Pieton 1800m
-km46 16:18 Artres - Famars 1200m
-km41 16:26 Quérénaing - Verchain-Maugré 1600m
-km36 16:33 Verchain-Maugré - Saulzoir 1200m
-km26 16:47 Saint-Python 1500m
-km24 16:51 Viesly - Quiévy 3700m
-km13 17:06 Avesnes-les-Aubert - Carniéres 2300m

3. Etappe Di 7. Juli: 4. Etappe 5. Etappe

Tour de France 2015

Tour de France 2015
4. Etappe (223,5km)
von Seraing (BEL)
nach Cambrai

-km171 13:20 Citadelle de Namur
-km87 15:21 Havay

Etappensieg:
Tony Martin (GER)

Gelbes Trikot:
Tony Martin (GER)

Grünes Trikot:
André Greipel (GER)

Bergtrikot:
Joaquim Rodriguez (ESP)

Jungprofi-Wertung:
Peter Sagan (SVK)

Teamwertung:
BMC

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