Tour de France 2014 - 5. Etappe

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4. Etappe  Mi 9. Juli: 5. Etappe 6. Etappe

Zielankunft am Wald von Arenberg: ca. 17:18 Uhr

Nibali der neue Pflaster-Gott, nur von Boom geschlagen!
Lars Boom (Belkin) holte den Sieg auf der wunderbaren 5. Etappe der Tour de France 2014. Durch den Regen und über das grobe Kopfsteinpflaster von Nordfrankreich lieferte Vincenzo Nibali (Astana) im Gelben Trikot einen atemberaubenden Auftritt auf ungewohntem Terrain, nahm fast allen Klassementgegnern mindestens über 2 Minuten ab. Erst auf dem letzten Pflaster-Abschnitt musste er Boom ziehen lassen. Gemeinsam mit dem Teamkollegen Fuglsang belegte Nibali die nächsten Plätze 19 Sekunden hinter Boom, dem überragenden Tagessieger.

In der Schlussphase hängte Nibali sogar die Klassiker-Spezialisten Sagan (Cannondale) und Cancellara (Trek) ab, die mit Keukeleire (Orica) 42 Sekunden hinter Fuglsang und Nibali ankamen. Alberto Contador (Tinkoff) verlor 47 Kilometer vor dem Ziel im Pflaster-Sektor Pont-Thibault den Anschluss an die Gruppe um Nibali. Am Ende summierte sich der Rückstand auf 2:35 Minuten gegenüber Nibali. Noch bevor das Peloton auf dem Kopfsteinpflaster in viele Teile zersplitterte, gab Toursieger Chris Froome (Sky) das Rennen nach mehreren Stürzen entnervt auf. Außer Froome erreichten alle Fahrer das Ziel in Arenberg.

Ergebnis
1. Lars Boom (NED) - Belkin 3h18:35
2. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana +0:19
3. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana gl.Zeit
4. Peter Sagan (SVK) - Cannondale +1:01
5. Fabian Cancellara (SUI) - Trek gl.Zeit
6. Jens Keukeleire (BEL) - Orica-Greenedge gl.Zeit
7. Michal Kwiatkowski (POL) - Omega-Quick Step +1:07
8. Lieuw Westra (NED) - Astana +1:09
9. Matteo Trentin (ITA) - Omega-Quick Step +1:21
10. Cyril Lemoine (FRA) - Cofidis +1:45
11. Alexander Porsew (RUS) - Katusha +2:02
12. Mathew Hayman (AUS) - Orica-Greenedge
13. Sep Vanmarcke (BEL) - Belkin
14. Jan Bakelants (BEL) - Omega-Quick Step alle
15. Mark Renshaw (AUS) - Omega-Quick Step
16. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Lotto-Belisol gleiche
17. Tony Martin (GER) - Omega-Quick Step
18. Tony Gallopin (FRA) - Lotto-Belisol Zeit
19. Jürgen Roelandts (BEL) - Lotto-Belisol +2:08
20. Richie Porte (AUS) - Sky +2:11
21. Geraint Thomas (GBR) - Sky +2:19
22. Andrew Talansky (USA) - Garmin-Sharp +2:22
23. Tom Dumoulin (NED) - Giant-Shiamno +2:28
24. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ.fr +2:28
25. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida +2:28
...
26. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +2:28
27. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +2:28
28. Juri Trofimow (RUS) - Katusha +2:28
31. Tejay van Garderen (USA) - BMC +2:28
34. Bauke Mollema (NED) - Belkin +2:44
37. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff-Saxo +2:54
43. Niki Terpstra (NED) - Omega-Quick Step +3:43
44. Mikel Nieve (ESP) - Sky +3:46
45. Leopold König (CZE) - Netapp-Endura +3:46
46. Jean-Christ. Péraud (FRA) - AG2R La Mondiale +3:46
54. Haimar Zubeldia (ESP) - Trek +4:16
55. Mathias Frank (SUI) - IAM +4:16
56. Tiago Machado (POR) - Netapp-Endura +4:16
57. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +4:16
61. Christopher Horner (USA) - Lampre-Merida +4:16
78. Frank Schleck (LUX) - Trek +8:10
- 193 Fahrer klassiert.
DNF Christopher Froome (GBR) - Sky

Die Dominanz von Astana schlug sich nach der 5. Etappe auch im Gesamtklassement mit einer Doppelführung nieder. Weniger als eine Minute Rückstand auf Nibali und Fuglsang sammelten bisher nur Sagan und Michal Kwiatkowski (Omega) an. Kwiatkowski gehörte lange Zeit zu dem guten Dutzend der Begleiter Nibalis. Er belegte am Ende den 8. Platz in der Tageswertung. In die Tour 2014 war er nach eigenen Aussagen ohne Ambitionen fürs Endklassement gegangen.

Von den ernsthaften Top-5-Klassementfahrern war van den Broeck (Lotto) der Erste, der hinter Nibali die Ziellinie überquerte, allerdings auch schon 1:43 Minuten hinter dem gebürtigen Sizilianer - und damit nicht wesentlich vor Porte (Sky), Talansky (Garmin), Costa (Lampre), Valverde (Movistar) und van Garderen (BMC). Noch ein paar Sekunden mehr büßten Mollema (Belkin) und Contador ein.

Gesamtwertung
1. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana 20h26:46
2. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana +0:02
3. Peter Sagan (SVK) - Cannondale +0:44
4. Michal Kwiatkowski (POL) - Omega-Quick Step +0:50
5. Fabian Cancellara (SUI) - Trek +1:17
6. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Lotto-Belisol +1:45
7. Tony Gallopin (FRA) - Lotto-Belisol +1:45
8. Richie Porte (AUS) - Sky +1:54
9. Andrew Talansky (USA) - Garmin-Sharp +2:05
10. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +2:11
11. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +2:11
12. Tejay van Garderen (USA) - BMC +2:11
13. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida +2:11
14. Geraint Thomas (GBR) - Sky +2:16
15. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ.fr +2:25
16. Tom Dumoulin (NED) - Giant-Shiamno +2:25
17. Juri Trofimow (RUS) - Katusha +2:25
18. Bauke Mollema (NED) - Belkin +2:27
19. Alberto Contador (ESP) - Tinkoff-Saxo +2:37
20. Jan Bakelants (BEL) - Omega-Quick Step +2:39
...
24. Jean-Christ. Péraud (FRA) - AG2R La Mondiale +3:29
25. Mikel Nieve (ESP) - Sky +3:29
26. Tiago Machado (POR) - Netapp-Endura +3:59
27. Haimar Zubeldia (ESP) - Trek +3:59
28. Mathias Frank (SUI) - IAM +4:13
29. Christopher Horner (USA) - Lampre-Merida +4:13
32. Leopold König (CZE) - Netapp-Endura +4:45

2 überschwemmte Pflaster-Sektoren gestrichen
Wegen des schlechten Wetters verkündete der Veranstalter kurz vor Etappenstart die Streichung der Pflaster-Sekoten 7 und 5 (Mons-en-Pévèle und Orchies à Beuvry-la-Forêt). Damit reduzierte sich die Anzahl der Sektoren von 9 auf 7 und die Distanz der Pflaster-Plackerei von über 15 auf 13 Kilometer. Die Angst der Klassementfavoriten vorm groben Kopfsteinpflaster Nordfrankreichs erhöhte sich noch aufgrund des angesagten Dauerregens. Beim Vorbild, dem Klassiker Paris-Roubaix, hat es hingegen im vergangenen Jahrzehnt nie geregnet, so dass sogar die Pavé-Spezialisten Neuland befuhren.

Die ersten Namen in der frühen Spitzengruppe waren Westra (Astana), Martin (Omega), Dumoulin (AG2R), Acevedo (Garmin), Gallopin (Lotto), Burghardt (BMC), Taaramäe (Cofidis) sowie Clarke und Hayman (beide Orica). Acevedo verabschiedete sich relativ schnell wegen Sturzes aus der Gruppe. Burghardt ließ sich zurückfallen. Westra sollte später noch sehr wichtig werden, als die Gruppe um seinen Kapitän Nibali zur Spitze auffuhr.

Regen in der Hölle des Nordens besiegelt Froomes Aus
Im Hauptfeld machte schon wieder Chris Froome (Sky) Bekanntschaft mit dem Asphalt. Zweimal ging er noch vor Beginn der Pflaster-Sektoren zu Boden und setzte sich dann zielgerichtet ins Teamfahrzeug. Regen und die Angst vor dem schwer kontrollierbaren Pflaster in der Hölle des Nordens passten einfach nicht das Konzept eines exzessiv schlanken Fahrers, der mit dem Kopf ständig auf den Tacho gerichtet streng nach Wattzahlen pedaliert. Das ist das Rezept für eine sommerliche Tour de France mit breiten Straßen und langen Anstiegen, so wie beim Gesamtsieg im Vorjahr.

Auf der 4. Etappe der Tour 2014 begann der Zerfall des Hauptfeldes schon vor dem ersten Pflaster-Abschnitt. Sagans Team drückte ordentlich auf die Tube. So hätte sich Froome schon vor dem Pflaster mit einer Aufholgjagd konfrontiert gesehen, wenn er weitergefahren wäre. Die Spitzengruppe hatte zu diesem Zeitpunkt gut 2 Minuten Vorsprung. Schon früh gerieten Valverde und van Garderen ins Hintertreffen, fanden aber vorläufig noch einmal den Weg zurück in das, was man da noch Hauptfeld nennen konnte. An der Spitze war Taaramäe dem Pflaster nicht gewachsen.

Contador im Hintertreffen, Westra Gold wert für Nibali
Der endgültige Bruch geschah 47 Kilometer vor dem Ziel im 2. der 7 Sektoren. Eine Gruppe um Nibali nahm einer Gruppe um Contador relativ schnell eine Minute ab. Und in diesem Stile ging es weiter. Hansen (Lotto) überschlug sich in einer gepflasterten Kurve und machte einen Salto in den Straßengraben. Boom und sein Teamkollege Vanmarcke setzten sich aus der ersten Verfolgergruppe um Nibali ab. Nibali selbst stürzte in einer Asphalt-Kurve fast über einen Teamkollegen. Nun ließ sich Westra für Nibali zurückfallen und leistete mit seiner Tempoarbeit einen erheblichen Beitrag für Nibali.

Die beiden Belkin-Fahrer und die 4 Spitzenreiter Tony Martin, Tony Gallopin, Simon Clarke und Mathew Hayman waren bald von der Nibali-Gruppe eingeholt, Samuel Dumoulin wegen Sturzes schon etwas eher, dies knapp 30 Kilometer vor dem Ziel. Für Contador, Valverde und van Garderen spannten die jeweiligen Teams zusammen. Trotzdem bewegte sich der Rückstand auf die 2-Minuten-Marke zu. Eine Gruppe mit Talansky fuhr die meiste Zeit leicht abgesetzt vor der Contador-Gruppe, ohne am Ende nennenswert Kapital zu schlagen. Eine später folgende Aktion von Thomas mit seinem neuen Sky-Kapitän Porte brachte ein paar Sekunden mehr.

Nur Boom den 3 Astana-Dominatoren gewachsen
22 Kilometer vor dem Ziel beschleunigte erneut Boom. Sein Teamkollege Vanmarcke war wegen Defekts kurz zuvor zurückgefallen. An Booms Hinterrad blieben Sagan, Kwiatkowski und Fuglsang. Westra führte kurz danach Nibali und wenige weitere Fahrer, darunter Cancellara, wieder an das Quartett heran. Die entscheidende Szene für den Etappensieg spielte sich 12 Kilometer vor dem Ziel ab, als das Astana-Trio im längsten Sektor tatsächlich alle verbliebenen Begleiter abhängte.

Nur Boom erwischte diesen Zug noch. Westra fiel dann zurück zu Sagan, Cancellara, Keukeleire und Cyril Lemoine (Cofidis), der sich überraschend stark in seinem Bergtrikot präsentiert. Damit waren tatsächlich alle 3 großen Wertungstrikots ganz vorne vertreten! Die aufregendste Tour-Etappe seit ewigen Jahren fördete Abgründe zutage, wie man dies auf Bergetappen nicht sieht. Das sind die Etappen, die eine Tour de France dringend braucht als Kontrapunkt zu den langweiligen, immer gleichen Bergankünften für die Leichtgewichte.


Einschätzung vor der Etappe: Die 5. Etappe der Tour de France 2014 beinhaltet 9 (!) Kopfsteinpflaster-Sektoren aus dem Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix. Dort können die Träume einiger Klassementfahrer platzen, zumal Zahl, Länge und Schwierigkeitsgrad der Pflaster-Abschnitte 2014 höher ist als bei der entsprechenden Etappe 2010. Wie damals wird auch diesmal die Etappe zunächst auf belgischem Boden begonnen. Sie endet erneut am Wald von Arenberg (ohne durch selbigen zu führen). Für den Etappensieg sind Spezialisten für die Nord-Klassiker oder Sprinter begünstigt. Besser noch ist eine Symbiose aus beiden Fertigkeiten.
Mit dem Start in Ypern beginnt gleichzeitig eine mehrtägige Erinnerung an das Grauen des 1. Weltkriegs. Knapp 100 Jahre nach dessen Ausbruch verlaufen die Etappen der Tour 2014 bis in die Vogesen grob entlang der Westfront.
Landkarte, Zeitplan und Profil auf www.letour.fr

Kopfsteinpflaster-Sektoren mit Distanz zum Ziel und Länge
-km69 Gruson au Carrefour-de-l'Arbre (1100m)
-km53 Ennevelin à Pont-Thibault (1400m)
-km46 Mons-en-Pévèle (1000m)
-km42 Bersée (1400m)
-km31 Orchies à Beuvry-la-Forêt (1400m)
-km25 Sars-et-Rosières à Tilly-lez-Marchiennes (2400m)
-km21 Brillon à Warlaing (1400m)
-km16 Wandignies-Hamage à Hornaing (3700m)
-km7 Hélesmes à Wallers (1600m)
(so war es zumindest ursprünglich geplant, siehe Text)

4. Etappe  Mi 9. Juli: 5. Etappe 6. Etappe

Tour de France 2014

Tour de France 2014
5. Etappe (155,5km)
von Ypern (BEL)
nach Arenberg

-km59 16:09 Templeuve

Etappensieger:
Lars Boom (NED)

Gelbes Trikot:
Vincenzo Nibali (ITA)

Grünes Trikot:
Peter Sagan (SVK)

Bergtrikot:
Cyril Lemoine (FRA)

Jungprofi-Wertung:
Peter Sagan (SVK)
- wird getragen von: Kwiatkowski

Teamwertung:
Astana

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