Tour de France 2013 - 18. Etappe

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17. Etappe Do 18. Juli: 18. Etappe 19. Etappe

Zielankunft in Alpe d'Huez: ca. 17:34 Uhr

Riblon Sieger in Alpe d'Huez
Christophe Riblon (AG2R) gewann bei der Tour de France 2013 die prestigeträchtige 18. Etappe von Alpe d'Huez. Der 32-jährige Franzose kam aus der frühen Fluchtgruppe und holte den ersten einheimischen Tagessieg bei der 100. Tour de France. Riblon hatte am Ende 59 Sekunden Vorsprung vor seinen ehemaligen Fluchtgefährten Tejay van Garderen (BMC) und kosvervierte knapp über 2 Minuten gegen Nairo Quintana (Movistar) und Joaquin Rodriguez (Katusha), die besten Klassementfahrer am mythischen Schlussanstieg auf die Alpe d'Huez.

Froome in leichter Not
Bis 5 Kilometer vor dem Ziel fuhren der Gesamtführende Froome (Sky) und dessen Helfer Porte noch zusammen mit Quintana und Rodriguez. Dann geriet Froome erstmals während der Tour 2013 nennenswert in Schwierigkeiten und verlor noch etwa eine Minute. Glück im Unglück für den Mann in Gelb: Seine nächsten Verfolger im Gesamtklassement, Contador, Kreuziger (beide Saxo) und Mollema (Belkin) waren bereits vorher ins Hintertreffen geraten - und Froome hatte noch Porte an seiner Seite, der ihn ins Ziel schleppen konnte.

Von 9 frühen Ausreißern erreichten Riblon, van Garderen und Moreno Moser (Cannondale) den Fuß des 13,8 Kilometer langen Schlussanstiegs zuerst. Riblon attackierte und schüttelte Moser direkt eingangs des Schlussanstiegs ab. Dann erhöhte van Garderen das Tempo, und Riblon konnte nicht mehr lange das Hinterrad des US-Amerikaners halten, fuhr in der Folgezeit stets um rund 40 Sekunden hinterher. Zwischendurch fuhr sogar Jens Voigt (RadioShack) fast wieder zu Riblon auf. Etwa 4 Kilometer vor dem Ziel wurde van Garderen jedoch langsamer und Riblon saugte sich heran. Riblon erreichte van Garderen an der 2-Kilometer Marke und distanzierte ihn sofort. Bereits 2010 gewann Riblon eine Bergankunft bei der Tour de France in ähnlicher Manier.

Ergebnis
1. Christophe Riblon (FRA) - AG2R La Mondiale 4h51:32
2. Tejay van Garderen (USA) - BMC +0:59
3. Moreno Moser (ITA) - Cannondale +1:27
4. Nairo Quintana (COL) - Movistar +2:12
5. Joaquin Rodriguez (ESP) - Katusha +2:15
6. Richie Porte (AUS) - Sky +3:18
7. Christopher Froome (GBR) - Sky gl.Zeit
8. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +3:22
9. Mikel Nieve (ESP) - Euskaltel-Euskadi +4:15
10. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana gl.Zeit
11. Alberto Contador (ESP) - Saxo-Tinkoff gl.Zeit
12. Roman Kreuziger (CZE) - Saxo-Tinkoff +4:31
13. Michael Rogers (AUS) - Saxo-Tinkoff +4:45
14. Andrew Talansky (USA) - Garmin-Sharp +4:49
15. José Serpa (COL) - Lampre-Merida +5:18
16. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +5:40
17. Igor Anton (ESP) - Euskaltel-Euskadi gl.Zeit
18. John Gadret (FRA) - AG2R La Mondiale +5:42
19. Alessandro de Marchi (ITA) - Cannondale +5:47
20. Bart de Clercq (BEL) - Lotto-Belisol +5:56
...
21. Daniel Moreno (ESP) - Katusha +6:08
23. Daniel Navarro (ESP) - Cofidis +6:13
26. Bauke Mollema (NED) - Belkin +6:13
28. Maxime Monfort (BEL) - RadioShack-Leopard +6:30
31. Michal Kwiatkowski (POL) - Omega-Quick Step +7:06
37. Laurens ten Dam (NED) - Belkin +9:54
40. Andy Schleck (LUX) - RadioShack-Leopard +11:23
48. Steve Morabito (SUI) - BMC +13:35
51. Jens Voigt (GER) - RadioShack-Leopard +15:34
76. Daniel Martin (IRL) - Garmin-Sharp +25:10
80. Cadel Evans (AUS) - BMC +25:10
- 175 Fahrer klassiert.
DNF Alexej Lutsenko (KAZ) - Astana
DNF William Bonnet (FRA) - FDJ.fr

Trend für Quintana und Rodriguez
In der Gesamtwertung schob sich Quitana vor auf den 3. Platz hinter Froome und Contador. Froome vergrößerte sogar die Gesamtführung trotz seiner kleinen Schwäche auf 5:11 Minuten. Dafür pirschte sich Quintana auf 21 Sekunden an Contador heran. Kreuziger fiel um einen auf den 4. Platz zurück, nur noch 14 Sekunden vor Rodriguez, der wie Quintana das Feld Stück für Stück von hinten aufrollt. Rodriguez fehlen seinerseits nur 26 Sekunden auf Quintana.

(Nachtrag: Froome und Porte bekamen nach der 18. Etappe jeweils 20 Sekunden Zeitstrafe aufgebrummt, weil sie sich unerlaubt auf den letzten Kilometern aus dem Materialwagen verpflegten, siehe unten. Die Zeitstrafen sind an dieser Stelle im Gesamtklassement, übernächster Absatz, bereits berücksichtigt.)

Mollema büßte an der Alpe d'Huez 4 Minuten auf Quintana ein und fiel entsprechend deutlich auf den 6. Platz zurück. Auch sein Teamkollege ten Dam wurde weiter durchgereicht, hielt sich noch gerade in den Top-Ten hinter Fuglsang (Astana), Rogers (Saxo) und Kwiatkowski (Astana). Im Kampf um die verbleibenden Podestplätze hinter Froome könnten die Saxo-Fahrer Contador und Kreuziger gegen Quintana und Kreuziger noch ein ähnliches Schicksal erleiden wie das Belkin-Duo. Dan Martin (Garmin) rutschte vom 10. auf den 19. Platz ab.

Gesamtklassement
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 71h02:19
2. Alberto Contador (ESP) - Saxo-Tinkoff +5:11
3. Nairo Quintana (COL) - Movistar +5:32
4. Roman Kreuziger (CZE) - Saxo-Tinkoff +5:44
5. Joaquin Rodriguez (ESP) - Katusha +5:58
6. Bauke Mollema (NED) - Belkin +8:58
7. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana +9:33
8. Michael Rogers (AUS) - Saxo-Tinkoff +14:26
9. Michal Kwiatkowski (POL) - Omega-Quick Step +14:38
10. Laurens ten Dam (NED) - Belkin +14:39
11. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +14:56
12. Andrew Talansky (USA) - Garmin-Sharp +16:23
13. Daniel Navarro (ESP) - Cofidis +19:18
14. Maxime Monfort (BEL) - RadioShack-Leopard +19:56
15. Mikel Nieve (ESP) - Euskaltel-Euskadi +24:13
16. Daniel Moreno (ESP) - Katusha +30:05
17. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale +30:45
18. Andy Schleck (LUX) - RadioShack-Leopard +31:18
19. Daniel Martin (IRL) - Garmin-Sharp +34:22
20. Richie Porte (AUS) - Sky +37:42

Froome bereits früh als Sheriff
Die Spitzengruppe des Tages setzte sich im Bergabstück nach dem ersten Bergpreis dieser Alpenetappe ab. Die Namen: Riblon, Jeannesson (FDJ), Voigt, van Garderen, Danielson (Garmin), Amador (Movistar), Moser, Boom (Belkin) und Chavanel (Omega). Zuvor parierte im Anstieg Chris Froome persönlich mehrere Saxo-Attacken, um zu verhindern, dass sich ein Saxo-Fahrer in der frühen Spitzengruppe platziert. Als die Gruppe um Voigt bereits 6 Minuten voraus war, machten sich doch noch Paulinho und Roche (beide Saxo) auf die Verfolgung. Diese Aktion verkümmert jedoch schon am Fuße der ersten Alpe-d'Huez-Besteigung.

Der Alpe-d'Huez-Anstieg wurde an diesem Tag 2-mal befahren. Aus der Spitzengruppe kristallisierten sich bereits beim ersten Aufstieg van Garderen, Riblon und Moser heraus. Sie hielten den Vorsprung von 7:40 Minuten gegen die Hauptgruppe um Froome sogar bis zum Col de Sarenne, der Passhöhe hinter Alpe d'Huez, wo es auf die schmale Abfahrt ging. Im Aufstieg bildete sich aus der Hauptgruppe heraus eine Verfolgergruppe mit Andy Schleck (RadioShack), Nieve (Euskaltel), Poels (Vacansoleil) und Rolland (Europcar), die 6 Minuten hinter der Spitze den Col de Sarenne überquerten.

Saxo mit wehenden Fahnen
In der Sarenne-Abfahrt ließen es Contador und Kreuziger gemeinsam laufen, fuhren die restliche Abfahrt der von Sky-Helfern angeführten Hauptgruppe um etwa eine Serpentine voraus. Auf dem nur noch leicht fallenden Stück zum Fuße des Schlussanstiegs schaltete sich Movistar in die Nachführarbeit ein, und der kühne Saxo-Vorstoß war bald beendet. Von hinten rollten noch einmal ten Dam und Kwiatkowski (Omega) in die Hauptgruppe hinein - sie hatten bereits beim ersten Alpe-d'Huez-Anstieg abreißen lassen.

In der Spitzengruppe hatte van Garderen bergab einen Defekt. Riblon unterschätzte eine Kurve und wich in die Böschung aus. Der spätere Etappensieger erreichte Moser wieder relativ schnell, van Garderen dieses Duo jedoch erst nach größerem Aufwand. Derweil wurde dahinter die Gruppe um Schleck wieder gestellt.

Die Klassementbesten im Schlussanstieg
Im Schlussanstieg erfolgte eine frühe Attacke von Valverde mit Anton (Euskaltel) und Serpa (Lampre), und ten Dam fiel zügig ab. Als Porte forcierte, ging es auch Mollema an den Kragen. Dann attackierte Froome, schluckte die 3 knapp vorausfahrenden Angreifer. Nacheinander gerieten Kwiatkowski, Fuglsang und Kreuziger in Probleme. Froome zog das Tempo nochmals an. Nach kurzer Verzögerung folgte zunächst nur Quintana. Dahinter blieb nur noch einer Gruppe mit Rodriguez und dessen Helfer Moreno sowie Contador, Valverde und Porte übrig. Das Katusha-Duo erkannte die Schwäche Contadors, und Moreno brachte Rodriguez mit letzter Kraft zu Froome und Quitana. Während Quintana eine Attacke setzte, die Froome mit Rodriguez am Rad noch parieren konnte, riss Valverde mit Porte am Hinterrad eine Lücke zu Contador auf. Davor entstanden nach einer Rodriguez-Attacke jeweils Löcher zu Quintana und Froome.

In einem etwas flacheren Abschnitt rollten Rodriguez, Quintana, Froome und Porte zusammen. Kreuziger erreichte wieder seinen Kapitän Contador, ebenso gelang dies Nieve und Fuglsang. Zwischen diesen Gruppen behauptete sich Valverde. Als noch über 5 Kilometer zu fahren waren, winkte Froome nervös den Materialwagen herbei. Ein Defekt? Nein: Er hatte Hunger, ließ sich dann von Porte mit Nachschub versorgen. Quintana zog mit Rodriguez am Rad davon. Auf den letzten Metern konnte der junge Kolumbianer noch 3 Sekunden zwischen sich und Rodriguez bringen. Valverde kam noch fast an das Sky-Duo heran. Was Froome auf Quintana und Rodriguez verlor, machte er dafür auf Contador und Kreuziger gut, von Mollema ganz zu schweigen: Eine brauchbare Bilanz für einen schlechten Tag...

In der Bergwertung verkürzte Quintana an diesem punktereichen Tag seinen Rückstand gegen Froome auf 7 Zähler. Der eine ist im Gelben Trikot unterwegs, der andere im weißen Trikot des besten Jungprofis. Das Bergtrikot trägt deswegen als Stellvertreter auf der 19. Etappe Christophe Riblon über dann insgesamt 5 Alpenpässe.

Bergwertung
1. Christopher Froome (GBR) - Sky 104 p.
2. Nairo Quintana (COL) - Movistar 97
3. Christophe Riblon (FRA) - AG2R La Mondiale 77
4. Mikel Nieve (ESP) - Euskaltel-Euskadi 63
5. Tejay van Garderen (USA) - BMC 62
6. Joaquin Rodriguez (ESP) - Katusha 59
7. Moreno Moser (ITA) - Cannondale 58
8. Pierre Rolland (FRA) - Europcar 51
9. Richie Porte (AUS) - Sky 48
10. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar 34

Die angekündigten Unwetter blieben im Finale der 18. Etappe aus. Damit waren auch Gerüchte hinfällig, nach denen die Sarenne-Abfahrt bei Regen gestrichen worden und schon nach dem ersten Alpe-d'Huez-Anstieg Schluss gewesen wäre.


Einschätzung vor der Etappe: Die Königsetappe der Tour de France 2013 führt 3 Tage vor Schluss direkt 2-mal auf die Alpe d'Huez. Unmittelbar vor diesem Doppel steht noch der Col d'Ornon im Weg. Die Etappe ist zwar nur 172,5 Kilometer lang, aber so gut wie kaum eine andere bei der Tour 2013 geeignet, Zeitabstände herauszufahren. An diesem Tag wird es also Angriffe geben - mit Sicherheit! Denn der berühmt-berüchtigte Anstieg zur Alpe d'Huez ist über 13 Kilometer lang und im Schnitt über 8 Prozent steil mit Steigungsspitzen von fast 11 Prozent direkt am Fuß des Berges. Bei der ersten Überfahrt wird noch der etwas höhere Col de Sarenne mitgenommen, um die bei Profirennen selten gefahrene Abfahrt zu erreichen (selten deshalb, weil ja normalerweise schon nach dem ersten Aufstieg zur Alpe d'Huez Schluss ist).
Zeitplan & Profile auf www.letour.fr
Profil Anstiegs nach Alpe d'Huez auf www.salite.ch

17. Etappe Do 18. Juli: 18. Etappe 19. Etappe

Tour de France 2013

Tour de France 2013
18. Etappe (172,5km)
von Gap
nach Alpe d'Huez

-km160 12:52 Col de Manse
-km128 13:49 Rampe du Motty
-km78 15:17 Col d'Ornon
-km65 15:40 Bourg-d'Oisans
-km50 16:06 Alpe d'Huez
-km41 16:22 Col de Sarenne
-km0 17:34 Alpe d'Huez

Etappensieg:
Christophe Riblon (FRA)

Gelbes Trikot:
Chris Froome (GBR)

Grünes Trikot:
Peter Sagan (SVK)

Bergtrikot:
Chris Froome (GBR)
- Vertreter: Riblon

Bester Jungprofi:
Nairo Quintana (COL)

Teamwertung:
Saxo-Tinkoff

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