Tour de France 2012 - Streckenverlauf

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Interessanter Kurs für die Tour de France 2012: Zwar nur 3 Bergankünfte, davon aber eine in den Vogesen, und dafür auch mehrere Etappen mit schwierigen Bergen im Finale mit anschließender Abfahrt und Talankunft. Und gute Nachrichten für Zeitfahrer, schlechte für die Bergflöhe: Es gibt 2 längere Einzelzeitfahren, dazu noch den Prolog in Lüttich. Auf ein Teamzeitfahren wird 2012 (glücklicherweise) verzichtet. Den ausgewogenen Streckenverlauf runden ausreichend vorhandene Etappen für Sprinter und Hügelspezialisten ab. Die Tour de France dauert 2012 vom 30. Juni bis zum 22. Juli.

Der komplette Etappenplan zur Tour de France 2012 wurde wie gewohnt im Herbst des Vorjahres offiziell präsentiert. Datum der Präsentation war der 18. Oktober 2011, ein Dienstag. Zu diesem Zeitpunkt konnten jedoch keine Überraschungen mehr verkündet werden: denn eine Woche vorher war der Etappenplan mit sämtlichen Start- und Zielorten schon kurzzeitig im Netz sichtbar, versehentlich zu früh freigeschaltet auf der offiziellen Webpräsenz der Tour de France. Der gleiche Fauxpas unterlief fast unmittelbar danach den Organisatoren des Giro d'Italia.

Grand Départ in der Wallonie

Die Tour de France wird 2012 im wallonischen Teil Belgiens gestartet, genauer: in Lüttich. Erst vor 8 Jahren war Lüttich Gastgeber des Grand Départs. Wie bei der Tour de France 2004 gibt es zunächst einen Prolog plus am nächsten Tag den Start der 1. Etappe in Lüttich. Der Zielort der 1. Etappe ist Seraing, ausgestattet mit einem hügligen Finale, das an die Klassiker in der Wallonie erinnert. Eher etwas für Sprinter ist dann die 2. Etappe, die immer noch komplett in Belgien verläuft, und zwar in westlicher Richtung von Visé nach Tournai.

Der Prolog der Tour de France 2012 geht am 30. Juni von der Rampe. Den letzten Tour-Start schon im Juni gab es 1996. Die Wahl des frühen Termins dürfte mit den Olympischen Spielen in London zusammen hängen. Diese beginnen am 27. Juli, die Tour endet 2012 am 22. Juli. Die ersten Straßen-Wettbewerbe finden in London 2012 - wie bei den letzten olympischen Spielen auch - direkt am ersten Wochenende statt. (Bei Olympia in Atlanta 1996 lag die letzte Tour-Etappe trotz des frühen Tour-Termins am gleichen Tag wie das olympische Straßenrennen.)

Zum ersten Mal auf französischem Boden fährt der Tour-Tross am 4. Tag. Vor den Toren des Zielorts Boulogne-sur-Mer stellen sich den Sprintern einige Höhenmeter in den Weg. Entlang der Küste geht es windig weiter mit einer wirklichen Flachetappe nach Rouen. Der Kurs verlässt seine Westrichtung und dreht nach Osten mit Etappen nach Saint-Quentin und Metz - normalerweise weitere Beute für die Sprinter, bevor es in die Berge geht...

Vogesen & mehr Jura als Alpen

Die erste Bergankunft der Tour 2012 gibt es auf der 7. Etappe in den Vogesen, und zwar auf die Planche des Belles Filles. Dabei handelt es sich nicht nur um eine kurze Schlusssteigung, sondern immerhin um einen 5,9 Kilometer langen Berg mit durchschnittlich 8,5 Prozent Steigung. Gleich am nächsten Tag geht es weiter mit einer Berg- und Talfahrt durch den Jura von Belfort über die Schweizer Grenze bis nach Pruntrut. Es folgt das erste längere Einzelzeitfahren über 38 41,5 Kilometer in der Franche-Comté.

Nach Einzelzeitfahren und Ruhetag folgt die Fortsetzung im Jura auf der 10. Etappe. Das Finale dieser Etappe hat es in sich mit den bei der Tour bisher gemiedenen Pässen Grand Colombier und Richemond. Das Ziel liegt im Tal in Bellegarde-sur-Valserine. Die dann eigentlich einzige Alpenetappe führt über die klassichen Pässe Madeleine und Croix de Fer und endet mit einer Bergankunft in La Toussuire. Am nächsten Tag werden bereits nur noch 2 Alpenpässe zu Beginn der Etappe mitgenommen.

Tage der Entscheidung

Zwischen Alpen und Pyrenäen ist neben 2 flacheren Etappen eine weitere Etappe mit nennenswerten Steigungen eingebaut. Auf dem Weg nach Foix sind im letzten Renndrittel Port de Lers und Mur de Péguère ins Profil eingebaut. Nach dem 2. Ruhetag stehen auf der 16. und 17. Etappe schließlich 2 schwierige Tage in den Pyrenäen auf dem Programm - zunächst mit den Pässen Aubisque, Tourmalet, Aspin, Peyresourde und Ziel im Tal in Luchon, und tags darauf mit Col de Menté, Col des Ares, Port de Balès und Bergankunft in Peyragudes.

Danach sind es noch 3 Tage bis zum Ende der Rundfahrt. Die Entscheidung fällt am Vorschlusstag bei einem 52 53,5 Kilometer langen Einzelzeitfahren. Die Strecke hierfür liegt bereits keine 100 Kilometer von Paris entfernt. Der lange Transfer aus Südfrankreich ist für den Vorabend geplant. Doch an Transfers dürften sich Fahrer und Personal inzwischen gewöhnt haben - nur 4 Etappen beginnen in dem Ort, wo zuvor auch die Ziellinie lag...

Fazit zur Streckenführung

Die Zeiten, in denen die Tour-Strecke jedes Jahr nach dem gleichen Schema verlief, sind erst einmal vergessen. Insgesamt macht die Tour de France 2012 da weiter, wo sie im Vorjahr aufhörte: Die Streckenführung ist abwechslungreich, nicht jedes Jahr der gleiche Ablauf, damit also wieder ganz anders als 2011. Es gibt 2012 nur 3 echte (und auch gelungene) Hochgebirgsetappen. Das ist aber sehr gut zu verkraften: Denn stattdessen rücken außerdem die Mittelgebirge in den Fokus, und zwar die Vogesen mit einer Bergankunft an der Planche des Belles Filles, und der Jura, sowohl auf französischer als auch auf Schweizer Seite. Auf diesen Etappen kann definitv mehr passieren als auf den halbgaren Zentralmassivetappen der letzten Jahre.

Das Verhältnis zwischen langen Anstiegen und Einzelzeitfahrkilometern verschiebt sich 2012 eindeutig zugunsten der Einzelzeitfahren, nachdem die Tour zuletzt eher etwas berglastig war. Kann man Bergspezialisten wie die Schlecks deswegen jetzt schon abschreiben? Es sei angemerkt, dass 2008, als es das letzte Mal so viele Einzelzeitfahrkilometer gab wie 2012, mit Carlos Sastre ein ausgewiesener Bergfahrer den Gesamtsieg holte. Danach siegten mit zweimal Contador und letztes Jahr Cadel Evans 2 komplette Fahrer mit starker Qualität im Zeitfahren - trotz weniger Kilometer im Einzelzeitfahren.

Hoffentlich bewirken die langen Einzelzeitfahren eine offensive Fahrweise in den Bergen. Denn die Bergfahrer müssen 2012 die Chancen ergreifen, die sich ihnen bieten. Andy Schleck hat 2011 zum Galbier zu spät gezeigt, wie es gehen kann, nachdem er zuvor in den Pyrenäen zeigte wie es mit der Streckenführung 2012 definitiv nicht geht.

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