Tour de France 2012 - 17. Etappe

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16. Etappe Do 19. Juli: 17. Etappe 18. Etappe

Zielankunft in Peyragudes: ca. 16:59 Uhr

Valverdes Sieg, Froomes Muskelspiel
Alejandro Valverde (Movistar) gewann die 17. Etappe der Tour de France 2012 als Solist. Dahinter demonstrierten Chris Froome und Bradley Wiggins (Sky) in den Pyrenäen ihre Vormachtstellung. Die Briten bauten den Vorsprung in der Gesamtwertung mit einer Schlussoffensive weiter aus - anstatt Angriffe durch die Konkurrenz beantworten zu müssen. Dabei nahm Froome am letzten Anstieg sogar mehrmals demonstrativ das Tempo für seinen Kapitän Wiggins heraus, damit dieser noch mithalten konnte. Dadurch kam Thibaut Pinot (FDJ) noch einmal fast an das entwischte Sky-Duo heran.

Hätte Froome gedurft, wäre er vermutlich anstelle von Valverde zum Etappensieg gefahren. So rettete Valverde 19 Sekunden Vorsprung auf die Ziellinie von Peyragudes. Der 32-jährige Spanier stammte aus der frühen Spitzengruppe des Tages. Chris Froome wäre ohne Defekt auf der 1. Etappe und die Stallorder pro Wiggins wahrscheinlich zum Toursieg und nun auch zu einem weiteren Etappensieg gefahren. Doch bei Sky wird dem Gesamtsieg durch Wiggins alles untergeordnet. Froome akzeptiert dies - zähneknirschend!

Ergebnis
1. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar 4h12:11
2. Christopher Froome (GBR) - Sky +0:19
3. Bradley Wiggins (GBR) - Sky gl.Zeit
4. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ-BigMat +0:22
5. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +0:26
6. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Lotto-Belisol gl.Zeit
7. Vincenzo Nibali (ITA) - Liquigas-Cannondale +0:37
8. Tejay van Garderen (USA) - BMC +0:54
9. Christopher Horner (USA) - RadioShack-Nissan +1:02
10. Daniel Martin (IRL) - Garmin-Sharp +1:11
11. Andreas Klöden (GER) - RadioShack-Nissan +1:14
12. Nicolas Roche (IRL) - AG2R La Mondiale +1:30
13. Jelle Vanendert (BEL) - Lotto-Belisol +1:39
14. Richie Porte (AUS) - Sky +1:46
15. Denis Mentschow (RUS) - Katusha +1:55
16. Christophe Kern (FRA) - Europcar +2:10
17. Janez Brajkovic (SLO) - Astana alle
18. Cadel Evans (AUS) - BMC gleiche
19. Michael Rogers (AUS) - Sky Zeit
20. Ivan Basso (ITA) - Liquigas-Cannondale +2:30
...
21. Maxime Monfort (BEL) - RadioShack-Nissan +3:17
22. Haimar Zubeldia (ESP) - RadioShack-Nissan gl.Zeit
24. Chris Anker Sørensen (DEN) - Saxo Bank-Tinkoff +4:10
41. Dominik Nerz (GER) - Liquigas-Cannondale +11:12
71. Jérôme Coppel (FRA) - Saur-Sojasun +16:06
- 153 Fahrer klassiert.

Vincenzo Nibali (Liquigas) und Jurgen van den Broeck, hinter Wiggins und Froome auf 3 und 4 in der Gesamtwertung, deuteten im Finale zwar Angriffe an, waren dem Konter des Sky-Duos aber einfach nicht mehr gewachsen. Van den Broeck verlor zusammen mit Rolland (Europcar) 7 Sekunden auf Froome und Wiggins, bei Nibali waren es 18 Sekunden. Für eine Wende hätte Nibali stattdessen andersherum am besten mehrere Minuten benötigt. Sein Rückstand auf Wiggins vergrößerte sich in der Gesamtwertung nun auf 2:41 Minuten, gegenüber Froomes 2. Platz auf 36 Sekunden.

Tejay van Garderen (BMC) kletterte in der Gesamtwertung weiter nach oben. Denn auf der letzten Pyrenäen-Etappe der Tour de France 2012 fiel nicht nur sein ursprünglicher Kapitän Cadel Evans erneut spürbar zurück. Als erster der Top-Ten-Fahrer offenbarte diesmal Haimar Zubeldia (RadioShack) Defizite und musste deswegen den 5. Platz zugunsten von van Garderen räumen und außerdem sogar Evans vorbeiziehen lassen. Pierre Rolland nahm Janez Brajkovic (Astana) vorläufig den 8. Platz ab. Thibaut Pinot rundet weiterhin die Top-Ten ab, auf die dahinter nur noch Roche (AG2R) und höchstens Klöden (RadioShack) Ambitionen haben.

Gesamtwertung
1. Bradley Wiggins (GBR) - Sky 78h28:02
2. Christopher Froome (GBR) - Sky +2:05
3. Vincenzo Nibali (ITA) - Liquigas-Cannondale +2:41
4. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Lotto-Belisol +5:53
5. Tejay van Garderen (USA) - BMC +8:30
6. Cadel Evans (AUS) - BMC +9:57
7. Haimar Zubeldia (ESP) - RadioShack-Nissan +10:11
8. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +10:17
9. Janez Brajkovic (SLO) - Astana +11:00
10. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ-BigMat +11:46
11. Nicolas Roche (IRL) - AG2R La Mondiale +12:58
12. Andreas Klöden (GER) - RadioShack-Nissan +14:09
13. Christopher Horner (USA) - RadioShack-Nissan +14:22
14. Chris Anker Sørensen (DEN) - Saxo Bank-Tinkoff +18:34
15. Denis Mentschow (RUS) - Katusha +22:42
16. Maxime Monfort (BEL) - RadioShack-Nissan +24:24
17. Egoi Martinez (ESP) - Euskaltel-Euskadi +25:32
18. Rui Costa (POR) - Movistar +29:43
19. Eduard Worganow (RUS) - Katusha +33:07
20. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +33:38
21. Jérôme Coppel (FRA) - Saur-Sojasun +35:59

Nach Etappenstart bildete sich zum ersten Berg hin, dem Col de Menté, eine illustre Spitzengruppe mit Thomas Voeckler (Europcar), Fredrik Kessiakoff (Astana), Jean-Christophe Péraud (AG2R), Egoi Martinez (Euskaltel), Sandy Casar (FDJ) sowie Valverde und dessen Teamkollegen Rui Costa. Das Septett konnte sich zunächst kaum vom Hauptfeld absetzten, überfuhr nur mit wenigen Sekunden Vorsprung den Col de Menté.

Voeckler wehrt Kessiakoffs Angriffe aufs Bergtrikot ab
Im Kampf ums Bergtrikot klebte der Führende Thomas Voeckler von Beginn an seinem Widersacher Fredrik Kessiakoff an den Fersen. Kessiakoff versuchte alle Register zu ziehen, war jedoch gegen Voecklers Antritte jeweils kurz unterhalb der Bergkuppen machtlos - so dass Voeckler, sofern er in Paris ankommt, als Sieger der rot-gepunkteten Bergtrikots feststeht. (In der Praxis trifft dies auch auf die 3 anderen Trikotträger Wiggins, Sagan und van Garderen zu.)

Bergwertung
1. Thomas Voeckler (FRA) - Europcar 134 p.
2. Fredrik Kessiakoff (SWE) - Astana 123
3. Chris Anker Sørensen (DEN) - Saxo Bank-Tinkoff 77
4. Pierre Rolland (FRA) - Europcar 63
5. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar 51
6. Christopher Froome (GBR) - Sky 48

In der nebligen Menté-Abfahrt schloss ausgerechnet Vincenzo Nibali zur Spitzengruppe auf - zu diesem frühen Zeitpunkt eine haarige Situation für das Team Sky, vor allem aber für die restlichen Ausreißer. Denn mit Nibali in der Gruppe wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Sky - zwar unter Anstrengung - der Flucht ein Ende gemacht hätte. Denn Nibali war eigentlich (abgesehen von Froome) der einzige Fahrer, der Wiggins im Traum noch das Gelbe Trikot hätte streitig machen können. Also ließ sich Nibali wieder zurückfallen, um Valverde & Co. nicht die Tour zu vermasseln.

Aus dem Hauptfeld heraus stießen dann mehrere Fahrer zur Spitzegruppe: Azanza, Izagirre (beide Euskaltel), Stortoni (Lampre), Kadri (AG2R), Hoogerland (Vacansoleil), ten Dam (Rabobank), Plaza (Movistar), Chris Anker Sørensen (Saxo), Winokurow (Astana), Leipheimer (Omega) und Weening (Orica). Der Vorsprung erhöhte sich auf 3 Minuten und pendelte sich dort ein. Im Hauptfeld übernahm Liquigas die Tempoarbeit von Sky.

Nerz als zweitwichtigster Berghelfer für Liquigas
Nach 2 weiteren kleinen Bergwertungen stand das Doppel mit Port de Balès und Col de Peyresourde auf dem Programm, inklusive der kurzen Schlusssteigung nach Peyragudes. In der Spitzengruppe fuhr Rui Costa am Balès kurzzeitig voraus und bereitete damit die siegbringende Attacke Valverdes vor, die wenig später folgte. Das Hauptfeld führte der deutsche Liquigas-Profi Dominik Nerz, 22 Jahre jung, fast den gesamten Anstieg über an. Oben hatte das Hauptfeld - bereits ohne Zubeldia - 2:25 Minuten Rückstand auf Valverde. Dazwischen befanden sich nur noch Martinez, Costa, Kadri, Leipheimer, Voeckler, Kessiakoff und Izagirre.

Die Attacken sparten sich die Klassementfahrer mal wieder für den letzten Berg auf. Als Schrittmacher betätigte sich am Col de Peyresourde Basso, erste Attacken durch Rolland und van den Broeck, letztere durch Vanendert vorbereitet, verpufften. Es blieb zunächst beim Ausscheidungsfahren, dem auch Evans zum Opfer fiel. 8 Kilometer vor dem Ziel attackierte dann der jüngste Tour-Teilnehmer, Thibaut Pinot - und das saß! Nur noch van den Broeck und Rolland folgten sofort sowie Wiggins und Horner mit kurzer Verzögerungszeit. Nibali und auch Froome brauchten etwas länger, um die entstandene Lücke wieder zu schließen. Da war bereits klar: Nibali konnte an diesem Tag die Arbeit seines Teams nicht mit einer Attacke krönen, im Gegenteil.

Nach dem Col und kurzer Abfahrt nahmen an der Schlusssteigung nach Peyragudes erst Wiggins und dann Froome das Heft in die Hand. Nibali, Horner, Pinot, Rolland, van den Broeck - nach und nach mussten sie reißen lassen, und das Schauspiel nahm seinen Lauf: Froome drehte sich immer wieder um und forderte Wiggins auf, noch schneller zu fahren. Dabei entstanden kurzzeitig immer wieder kleine Lücken zwischen den beiden Briten.

Wiggins, Froome und die Parallelen zur Vergangenheit
Erinnerungen an das Team Telekom anno 1996 wurden wach, nur dass Jan Ullrich seine Zurückhaltung trotz Überlegenheit gegenüber Bjarne Riis möglichst zu kaschieren versuchte. Chris Froome fällt die Entscheidung zwischen maximaler Loyalität und Kannibalismus deutlich schwerer: Froome ist schon 27 Jahre alt, eine derart rosige Zukunft wie Ullrich wird ihm nicht mehr vorhergesagt - und er vergeudete bereits den Gesamtsieg bei der Vuelta 2011 wegen seiner Helferdienste für Wiggins. In einen ähnlichen Zwiespalt geriet Greg Lemond 1985, als er gegen seinen Kapitän Bernard Hinault nur widerwillig still hielt.


Einschätzung vor der Etappe: Die 17. Etappe bietet den Bergspezialisten die letzte (und vielleicht auch beste) Gelegenheit bei der Tour de France 2012, Zeit für das Gesamtklassement herauszuholen. Im Profil stehen zunächst Col de Menté und Col des Ares. Das Finale besteht schließlich aus den Pyrenäen-Bergen Port de Balès und - direkt im Anschluss - Col de Peyresourde. Die Passtraße zum Peyresourde wurde bereits am Vortag in umgekehrter Richtung befahren. Das Etappenziel liegt allerdings auf der 17. Etappe nicht am Col de Peyresourde selbst; stattdessen zweigt nach kurzer Abfahrt hinter dem Col eine neue Straße nach Peyragudes ab, wo die Tour de France bisher noch nicht durchkam. Die Bergwertung wird einen Kilometer vor dem Etappenziel abgenommen. Wer den Toursieg erringen möchte, muss entweder schon ziemlich sicher im Gelben Trikot sitzen oder aufs letzte Zeitfahren vertrauen oder ... heute attackieren! Und das am besten nicht erst im Schlussanstieg. Die Etappe ist mit 143,5 Kilometern recht kurz, weswegen die abgehängten Fahrer auch die Karenzzeit im Auge behalten müssen.
Profil des Etappenfinales auf www.letour.fr
Profil Anstieg Col de Peyresourde auf www.salite.ch (ab St. Aventin)
Profil Anstieg Port de Balès auf www.salite.ch
Landkarte, Marschtabelle & Profil auf www.letour.fr

16. Etappe Do 19. Juli: 17. Etappe 18. Etappe

Tour de France 2012

Tour de France 2012
17. Etappe
(143,5km)
von Bagnères-de-Luchon
nach Peyragudes


-km116 13:43 Col de Menté
-km88 14:32 Col des Ares
-km68 15:06 Côte de Burs
-km63 15:15 Loures-Barousse
-km32 16:06 Port de Bales
-km1 16:57 Peyragudes

Etappensieger:
Alejandro Valverde (ESP)

Gelbes Trikot:
Bradley Wiggins (GBR)

Grünes Trikot:
Peter Sagan (SVK)

Bergtrikot:
Thomas Voeckler (FRA)

Jungprofi-Wertung:
Tejay van Garderen (USA)

Teamwertung:
RadioShack-Nissan

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