Tour de France 2012 - 11. Etappe

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10. Etappe Do 12. Juli: 11. Etappe 12. Etappe

Zielankunft in La Toussuire: ca. 17:33 Uhr

Alpensieg für Rolland, Froome zurückgepfiffen
Wie im letzten Jahr gewann Pierre Rolland (Europcar) bei der Tour de France eine Bergankunft in den Alpen. Der 25-jährige Franzose war auf der 11. Etappe der Stärkste aus der frühen Fluchtgruppe. Unter den Klassementbesten versuchten Evans (BMC), van den Broeck (Lotto) und Nibali (Liquigas), das überlegene Sky-Team des Gesamtführenden Wiggins aus der Reserve zu locken. Doch der stärkste Gegner von Bradley Wiggins fuhr ausgerechnet im eigenen Team. Als Chris Froome am Schlussanstieg kurz attackierte und sich eine gehörige Lücke zwischen ihm und Wiggins auftat, wurde Froome offensichtlich von der Teamleitung über Funk zurückgepfiffen.

Den 2. Platz in der Tageswertung belegte Thibaut Pinot (FDJ) vor Froome, beide mit 55 Sekunden Rückstand auf Rolland. Außerdem konnten nur noch Jurgen van den Broeck, Vincenzo Nibali und Bradley Wiggins mithalten. Cadel Evans bezahlte eine frühe Attacke bereits 65 Kilometer vor dem Ziel und musste am Schlussanstieg nach La Toussuire abreißen lassen. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen van Garderen kam er 1:26 Minuten hinter Wiggins ins Ziel, ebenso wie Frank Schleck (RadioShack), der zuvor als Letzter aus der Wiggins-Gruppe zurückgefallen war. Dazwischen platzierten sich Chris Anker Sørensen (Saxo) und Wasili Kirijenka (Movistar), die letzten ehemaligen Begleiter von Pierre Rolland, und Brajkovic (Astana).

Ergebnis
1. Pierre Rolland (FRA) - Europcar 4h43:54
2. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ-BigMat +0:55
3. Christopher Froome (GBR) - Sky gl.Zeit
4. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Lotto-Belisol +0:57
5. Vincenzo Nibali (ITA) - Liquigas-Cannondale gl.Zeit
6. Bradley Wiggins (GBR) - Sky gl.Zeit
7. Chris Anker Sørensen (DEN) - Saxo Bank-Tinkoff +1:08
8. Janez Brajkovic (SLO) - Astana +1:58
9. Wasili Kirijenka (BLR) - Movistar +2:13
10. Frank Schleck (LUX) - RadioShack-Nissan +2:23
11. Cadel Evans (AUS) - BMC gl.Zeit
12. Tejay van Garderen (USA) - BMC gl.Zeit
13. Christopher Horner (USA) - RadioShack-Nissan +3:53
14. Andreas Klöden (GER) - RadioShack-Nissan
15. Jérôme Coppel (FRA) - Saur-Sojasun
16. Haimar Zubeldia (ESP) - RadioShack-Nissan alle
17. Juan José Cobo (ESP) - Movistar gleiche
18. Robert Kiserlovski (CRO) - Astana Zeit
19. Nicolas Roche (IRL) - AG2R La Mondiale +6:17
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32. Rui Costa (POR) - Movistar +14:13
25. Maxime Monfort (BEL) - RadioShack-Nissan +14:15
41. Denis Mentschow (RUS) - Katusha +14:15
70. Rein Taaramae (EST) - Cofidis +25:48
- 167 Fahrer klassiert.
HD Juri Kriwtsow (UKR) - Lampre-ISD
HD Alessandro Petacchi (ITA) - Lampre-ISD
DNF Bauke Mollema (NED) - Rabobank
DNF Mark Renshaw (AUS) - Rabobank
DNF Lieuwe Westra (NED) - Vacansoleil-DCM
DNF Gustav Erik Larsson (SWE) - Vacansoleil-DCM
DNF Rob Ruijgh (NED) - Vacansoleil-DCM
DNS Fabian Cancellara (SUI) - RadioShack-Nissan

Froome und Nibali überholten in der Gesamtwertung Cadel Evans. Die britische Sky-Doppelführung lautete nach der 11. Etappe der Tour de France 2012: Wiggins mit 2:05 Minuten vor Froome. Auf den 5. Platz arbeitete sich van den Broeck vor. Denis Mentschow (Katusha), der zuvor diesen Platz belegte, fiel bereits vor dem Schlussanstieg weit zurück. Ebenfalls aus den Top-Ten verabschiedete sich Monfort (RadioShack). Rolland sprang durch seinen Etappensieg vom 20. auf den 9. Platz der Gesamtwertung.

Gesamtwertung
1. Bradley Wiggins (GBR) - Sky 48h43:53
2. Christopher Froome (GBR) - Sky +2:05
3. Vincenzo Nibali (ITA) - Liquigas-Cannondale +2:23
4. Cadel Evans (AUS) - BMC +3:19
5. Jurgen v. d. Broeck (BEL) - Lotto-Belisol +4:48
6. Haimar Zubeldia (ESP) - RadioShack-Nissan +6:15
7. Tejay van Garderen (USA) - BMC +6:57
8. Janez Brajkovic (SLO) - Astana +7:30
9. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +8:31
10. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ-BigMat +8:51
11. Andreas Klöden (GER) - RadioShack-Nissan +9:29
12. Frank Schleck (LUX) - RadioShack-Nissan +9:45
13. Nicolas Roche (IRL) - AG2R La Mondiale +10:49
14. Jérôme Coppel (FRA) - Saur-Sojasun +11:27
15. Christopher Horner (USA) - RadioShack-Nissan +12:41
16. Denis Mentschow (RUS) - Katusha +16:20
17. Maxime Monfort (BEL) - RadioShack-Nissan +17:41

Auf der intensiven 148-Kilometer-Etappe in den Alpen setzte sich früh eine riesige Spitzengruppe ab. In die Steigung zum ersten Pass hinein, dem Madeleine, versuchten noch weitere Fahrer, den Anschluss zur Spitze herzustellen. Die gefährlichsten Männer im Gesamtklassement waren dort Scarponi (Lampre) und Rolland, wobei Scarponi schon am zweiten Pass, dem Croix de Fer, wieder zurückfiel.

Den Col de la Madeleine überquerte Peter Velits (Omega) zuerst. In einem erbitterten Bergsprint blieb Fredrik Kessiakoff (Astana) hier noch der 2. Platz. Am Col de la Croix de Fer überquerte Kessiakoff dafür als Erster die Kuppe knapp vor Rolland. Am darauf folgenden Col du Mollard kristallisierten sich aus der Spitzengruppe Rolland, Kiserlovski (Astana), Sørensen und Kirijenka als Aspiranten um den Tagessieg heraus. Rolland stürzte auf der Abfahrt vom Col du Mollard, kam aber zurück und hängte seine letzten Gefährten am Schlussanstieg nach La Toussuire deutlich ab. Das Bergtrikot holte sich allerdings Kessiakoff zurück, der in der entsprechenden Wertung mit 11 Punkten vor Rolland führt.

Bergwertung
1. Fredrik Kessiakoff (SWE) - Astana 66 p.
2. Pierre Rolland (FRA) - Europcar 55
3. Chris Anker Sørensen (DEN) - Saxo Bank-Tinkoff 39
4. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-ISD 33
5. Christopher Froome (GBR) - Sky 32
6. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ-BigMat 32
7. Peter Velits (SVK) - Omega-Quick Step 29
8. Thomas Voeckler (FRA) - Europcar 28

Evans mit dem Mute der Verzweiflung
Das Peloton wurde von den Sky-Flachlandhelfern Knees und Hagen über den Col de la Madeleine pilotiert. Ähnliches drohte auch am Col de la Croix de Fer - ehe Cadel Evans dort alles auf eine Karte setzte und 65 Kilometer vor dem Ziel attackierte. Etwas früher war sein Helfer van Garderen vorgefahren, zu dem Evans bald aufschloss. Dieses Tandem war auf dem Papier vielversprechend, doch Evans hatte Mühe, van Garderens Hinterrad zu halten. Und von hinten fuhren auch schon die Sky-Australier Rogers und Porte die Lücke zu, die durch diesen gut gemeinten Verlegenheitsangriff entstanden war.

Der Nebeneffekt: Mit dem Sky-Dreamteam (Wiggins, Froome, Porte, Rogers) konnten nur noch Nibali, van den Broeck, Pinot und Brajkovic mithalten. Schleck hätte es vielleicht auch gekonnt - er ließ sich jedoch stattdessen für seine im Gesamtklassement minimal besser platzierten Teamkollegen zurückfallen. Als Evans aber eingeholt war, stagnierte das Tempo, und etliche Fahrer fanden wieder Anschluss an diese Gruppe, die mit 3:30 Rückstand auf das Quartett um Rolland in den Schlussanstieg ging.

Nibali probierte es am Schlussanstieg
13 Kilometer vor dem Ziel eröffnete Janez Brajkovic dann eine Serie von Angriffen verschiedener Fahrer. Die nächsten waren Pinot und van den Broeck, die so beiden zu Brajkovic aufschlossen. Etwa einen Kilometer später setzte Nibali seine erste Attacke. Die australischen Helfer waren nun verbraucht, so dass sich Froome vorspannte und das Loch zu Nibali schloss. Froomes Tempo konnten nur noch Wiggins, Evans, Schleck und van Garderen folgen.

Nibali ließ nicht locker und attackierte 10 Kilometer vor dem Ziel erneut und holte Pinot, van den Broeck und Brajkovic ein. Derweil fielen erst Evans und van Garderen, dann auch Schleck von Wiggins' Hinterrad ab. Wiggins ließ sich von Froome zur Nibali-Gruppe ziehen. Als diese erreicht war, witterte Froome seine Chance und attackierte sofort beim Zusammenschluss. Nur Pinot konnte Froomes Antritt folgen. Nibali, Wiggins und van den Broeck gerieten kurz in Schwierigkeiten.

Ebenso plötzlich wie Froomes Angriff kam aber die Order aus dem Teamauto. Froome nahm die Beine hoch, bis Nibali, van den Broeck und natürlich Wiggins wieder herangefahren waren. Nur Brajkovic schaffte den Anschluss nicht mehr ganz. Froome spannte sich wieder brav vor und holte so Pinot zurück, mit dem er sich dann auf den letzten Metern im Sprint um den 2. Platz duellierte. Dabei entstand eine Lücke von 2 Sekunden zu van den Broeck, Nibali und Wiggins.


Einschätzung vor der Etappe: Die große Alpen-Etappe der Tour de France 2012 ist zwar nur 148 Kilometer lang, allerdings ausgestattet mit 3 Bergpässen (Col de la Madeleine, Col de la Croix de Fer und Col du Mollard) plus der Bergankunft in La Toussuire. Spätestens heute müssen die Bergfahrer ihre Karten auf den Tisch legen. Denn in den Pyrenäen allein werden Verluste aus den langen Zeitfahren nicht auszubügeln sein. Der Startort Albertville soll übrigens daran erinnern, dass dort vor 20 Jahren die Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden.
Profil des Anstiegs nach La Toussuire auf www.salite.ch
Profil des Anstiegs zum Col du Mollard auf www.salite.ch
Profil des Anstiegs zum Col de la Croix de Fer auf www.letour.fr
Landkarte, Marschtabelle & Profil auf www.letour.fr

10. Etappe Do 12. Juli: 11. Etappe 12. Etappe

Tour de France 2012

Tour de France 2012
11. Etappe (148km)
von Albertville
nach La Toussuire - Les Sybelles


-km108 14:29 Col de la Madeleine
-km78 Saint-Étienne-de-Cuines
-km55 15:59 Col de la Croix de Fer
-km35 16:33 Col du Mollard
-km0 17:33 La Toussuire

Etappensieger:
Pierre Rolland (FRA)

Gelbes Trikot:
Bradley Wiggins (GBR)

Grünes Trikot:
Peter Sagan (SVK)

Bergtrikot:
Fredrik Kessiakoff (SWE)

Jungprofi-Wertung:
Tejay van Garderen (USA)

Teamwertung:
RadioShack-Nissan

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