Tour de France 2011 - 18. Etappe

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17. Etappe Do 21. Juli: 18. Etappe 19. Etappe

Zielankunft am Col du Galibier: ca. 17:04

Andy Schlecks Triumphzug zum Galibier
Nach einer über 60 Kilometer langen Flucht gewann Andy Schleck (Leopard) die große Alpenetappe der Tour 2011. Auf der 200,5 Kilometer langen Strecke standen 3 Bergpässe der Ehrenkategorie im Profil, und Andy Schleck attackierte am zweiten, dem Col d'Izoard. Mit 2:07 Minuten Rückstand machte Frank Schleck (Leopard) den Doppelsieg perfekt. Frank überholte Cadel Evans (BMC) kurz vor der Ziellinie, die am Gipfel des Col du Galibier aufgemalt war. In einem Fernduell mit dem entwischten Andy fuhr Evans den gesamten Galibier-Anstieg an der Spitze der Verfolgergruppe, die er mit seinem Tempo erheblich ausdünnte. Nur Basso (Liquigas), Voeckler, Rolland (beide Europcar) und Cunego (Lampre) konnten bis zum Schlusskilometer mithalten. Alberto Contador (Saxo Bank) und Samuel Sanchez (Euskaltel) fielen deutlich zurück. Thomas Voeckler rettete das Gelbe Trikot hauchdünn gegenüber Andy Schleck.

Ergebnis
1. Andy Schleck (LUX) - Leopard-Trek 6h07:56
2. Frank Schleck (LUX) - Leopard-Trek +2:07
3. Cadel Evans (AUS) - BMC Racing +2:15
4. Ivan Basso (ITA) - Liquigas-Cannondale +2:18
5. Thomas Voeckler (FRA) - Europcar +2:21
6. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +2:27
7. Damiano Cunego (ITA) - Lampre-ISD +2:33
8. Rein Taaramae (EST) - Cofidis +3:22
9. Tom Danielson (GBR) - Garmin-Cervélo +3:25
10. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Cervélo +3:31
11. Maxim Iglinski (KAZ) - Astana +3:35
12. Christian Vandevelde (USA) - Garmin-Cervélo +3:38
13. Haimar Zubeldia (ESP) - RadioShack +3:44
14. Jelle Vanendert (BEL) - Omega Pharma-Lotto +3:50
15. Alberto Contador (ESP) - Saxo Bank-Sungard gl.Zeit
16. Jean-Christ. Peraud (FRA) - AG2R La Mondiale +3:55
17. Hubert Dupont (FRA) - AG2R La Mondiale +4:07
18. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi +4:42
19. Nicolas Roche (IRL) - AG2R La Mondiale +4:58
20. Jérôme Coppel (FRA) - Saur-Sojasun +5:07
...
21. Robert Gesink (NED) - Rabobank +5:35
22. Kevin de Weert (BEL) - Quick Step +5:35
24. Arnold Jeannesson (FRA) - FDJ +7:01
27. Rigoberto Uran (COL) - Sky +7:31
35. Maxime Monfort (BEL) - Leopard-Trek +14:06
41. Dries Devenyns (BEL) - Quick Step +18:18
42. Peter Velits (SVK) - HTC-Highroad +18:25
59. José Joaquin Rojas (ESP) - Movistar +31:17
85. Sandy Casar (FRA) - FDJ +35:40
- 168 Fahrer klassiert.
DNF Leonardo Bertagnolli (ITA) - Lampre-ISD

Voeckler konstant brillant am Berg
Wohl niemand hätte damit gerechnet, dass Thomas Voeckler zu den 5 besten Bergfahrern der Tour de France 2011 gehört. So hält er auch nach der 18. Etappe die Gesamtführung. Bei noch einer ausstehenden Bergetappe und einem Einzelzeitfahren schmilzt allerdings sein Vorsprung auf die Schlecks und Evans. Ihm bleiben 15 Sekunden auf Andy, 1:08 Minuten auf Frank Schleck und 4 Sekunden mehr auf Cadel Evans. Dieses Quartett ist nun übrig im Kampf um die Podestplätze. Nur noch geringe Chancen haben die Italiener Cunego (Lampre) und Basso (Liquigas), die im Gleichschritt 3:46 hinter Voeckler liegen. Contador findet sich auf dem 7. Platz wieder mit 4:44 Minuten Rückstand, gefolgt von Sanchez mit 5:20. Sanchez ließ hoch zum Galibier noch früher reißen als Contador.

Gesamtklassement
1. Thomas Voeckler (FRA) - Europcar 79h34:06
2. Andy Schleck (LUX) - Leopard-Trek +0:15
3. Frank Schleck (LUX) - Leopard-Trek +1:08
4. Cadel Evans (AUS) - BMC Racing +1:12
5. Damiano Cunego (ITA) - Lampre-ISD +3:46
6. Ivan Basso (ITA) - Liquigas-Cannondale +3:46
7. Alberto Contador (ESP) - Saxo Bank-Sungard +4:44
8. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi +5:20
9. Tom Danielson (GBR) - Garmin-Cervélo +7:08
10. Jean-Christ. Peraud (FRA) - AG2R La Mondiale +9:27
11. Rein Taaramae (EST) - Cofidis +9:36
12. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +10:09
13. Kevin de Weert (BEL) - Quick Step +11:21
14. Haimar Zubeldia (ESP) - RadioShack +12:01
15. Rigoberto Uran (COL) - Sky +12:46
16. Jelle Vanendert (BEL) - Omega Pharma-Lotto +13:08
17. Jérôme Coppel (FRA) - Saur-Sojasun +15:30
18. Arnold Jeannesson (FRA) - FDJ +15:32
19. Nicolas Roche (IRL) - AG2R La Mondiale +16:43
20. Rob Ruijgh (NED) - Vacansoleil-DCM +20:05

Monfort machte den Unterschied
Vor dem ersten Pass des Tages, dem Col Agnel, bildete sich eine größere Spitzengruppe, in der das Team Leopard 2 Fahrer platzierte: Maxime Monfort und Joost Posthuma. Den Agnel und später den Izoard überquerte Maxim Iglinski (Astana) als Erster. Im Hauptfeld fuhren die weiteren Leopard-Helfer mit Tempo in den Izoard herein, dann kam der große Moment des Andy Schleck. Entweder nahmen die Konkurrenten Andys Angriff nicht ernst und schmissen den Toursieg damit möglicherweise leichtfertig weg - oder sie waren zur Parade nicht in der Lage. Bis zum Izoard-Gipfel wuchs der Vorsprung auf 2 Minuten, und Andy Schleck fuhr zu seinen Helfern auf. Posthuma war seinem Kapitän bergauf nur kurz eine Hilfe, Monfort hingegen schraubte den Vorsprung gemeinsam mit Andy auf der Abfahrt und dem folgenden Flachstück auf fast viereinhalb Minuten hoch!

Die Spitze des Rennens wurde nun gebildet von Andy Schleck, Monfort, Roche (AG2R), Devenyns (Quick Step), Silin (Katusha) und Iglinski. Nur Devenyns unterstützte das Leopard-Duo in der Tempoarbeit. In der Verfolgergruppe herrschte nach Schlecks Attacke zunächst Ratlosigkeit. Keiner sah sich in der Verantwortung. Voeckler wollte seinen Edelhelfer Rolland nicht frühzeitig verschleißen. Contador schickte irgendwann Chris Sørensen und sporadisch Navarro in die Nachführarbeit. Sanchez hätte einige Helfer gehabt, zog diese aber schnell von der Tempoarbeit ab - aus gutem Grund, wie man nach der Etappe wusste. Evans geduldete sich, bis sein Helfer Morabito wieder aufschloss. Alles nicht sehr effektiv. Als Evans - mittlerweile 15 Kilometer vor dem Ziel - seine Felle dahinschwimmen sah, stemmte er sich selbst seinem Schicksal entgegen und spannte sich vor die Verfolgergruppe. Andy war inzwischen als Solist unterwegs. Das große Loch zu ihm konnte Evans noch um über 2 Minuten verkleinern. Dies wahrte ihm zumindest eine vage Chance auf dem Toursieg.

Starker Evans auf verlorenem Posten
Andy Schleck drehte die Tour de France durch seine geschichtsträchtige Flucht zu seinen Gunsten. Gemeinsam mit seinem Bruder Frank hat er nur noch Evans zu fürchten. Dessen Team BMC überzeugte im Flachland, taugt in den Bergen aber überhaupt nichts. Dieser Gedanke kam den Schlecks noch gerade rechtzeitig zum Finale der Tour de France. In den Pyrenäen traute sich keiner, das Heft in die Hand zu nehmen - und es schien, als würden sich die Schlecks sogar gegenseitig bremsen. Dabei kann ihnen in diesem Jahr außer Evans solo keiner das Wasser reichen, außerdem haben sie das stärkste Team im Rücken. Diese komfortable Situation erst in den Alpen auszuspielen, war - auch angesichts des überraschend zähen Voeckler - ein Wagnis.

Immerhin nährte dies die Spannung der Tour de France 2011, die sonst wohl schon längst zugunsten von Leopard und Schlecks entschieden wäre. Nebenbei greift das Brüderpaar auch noch in den Kampf ums Bergtrikot ein. In dieser Sonderwertung haben die Ausreißer nach veränderter Punkteverteilung keine Chance mehr, da fast nur noch die 4 Bergankünfte zählen. Vanendert behält das rot-gepunktete Trikot mit 4 Punkten vor Andy Schleck, und dazwischen liegt auch noch Samuel Sanchez.

Bergwertung
1. Jelle Vanendert (BEL) - Omega Pharma-Lotto 74 p.
2. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi 72
3. Andy Schleck (LUX) - Leopard-Trek 70
4. Frank Schleck (LUX) - Leopard-Trek 56
5. Cadel Evans (AUS) - BMC Racing 50
6. Jérémy Roy (FRA) - FDJ 45
7. Maxim Iglinski (KAZ) - Astana 40

Auf der 18. Etappe erreichten nur 79 der verbliebenen 168 Fahrer das Ziel innerhalb der Karenzzeit. Die Jury entschied sich, das riesige Gruppetto dennoch im Rennen zu belassen. Den betroffenen Fahrern wurden in der Punktewertung 20 Punkte abgezogen, also auch Cavendish (HTC) und Gilbert (Lotto). Rojas hingegen kam rechtzeitig ins Ziel und sicherte seinen 2. Platz in der Punktewertung gegenüber Gilbert ab. Cavendishs Vorsprung auf Rojas schrumpfte auf 15 Punkte.


Einschätzung vor der Etappe: Die 18. Etappe der Tour de France 2011 führt zurück von Italien in die französischen Alpen. Endlich stehen zum 100-jährigen Alpen-Jubiläum die ersten großen Alpenpässe auf dem Programm, und zwar gleich 3 der höchsten Kategorie: der Col Agnel an der italienisch-französischen Grenze, der landschaftlich beeindruckende Col d'Izoard und schließlich der Col du Galibier, der von der Südseite über den Col du Lautaret als Bergankunft gefahren wird. Kein Alpenpass war bei der Tour de France so oft Schauplatz wie der Col du Galibier, der erstmals bei der Tour de France 1911 im Programm stand. Ist dies also die Königsetappe der Tour 2011? Einige Radsportfreunde werden die Nase rümpfen, dass es sich beim Schlussanstieg um die «leichtere» Seite des Galibiers handelt. So richtig steil wird es da nur auf dem letzten Kilometer. Als kleinen Trost gibt es den Galibier aber am nächsten Tag gleich noch einmal, dann von der anderen, schwierigeren Seite...
Profil, Landkarte & Marschtabelle auf www.letour.fr
Profil Anstiegs zum Col Agnel auf www.salite.ch
Profil Anstiegs zum Col d'Izoard auf www.salite.ch
Profil der Bergankunft am Col du Galibier auf www.salite.ch

Tour de France 2011

Tour de France 2011
18. Etappe (200,5km)
von Pinerolo/ITA
nach Galibier Serre-Chevalier

-km154 12:47 Verzuolo/ITA
-km93 14:28 Col Agnel
-km55 15:32 Col d'Izoard
-km0 17:04 Col du Galibier

Etappensieger:
Andy Schleck (LUX)

Gelbes Trikot:
Thomas Voeckler (FRA)

Grünes Trikot:
Mark Cavendish (GBR)

Bergtrikot:
Jelle Vanendert (BEL)

Bester Jungprofi:
Rein Taaramae (EST)

Teamwertung:
Garmin-Cervélo

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