Mailand-Sanremo 2018

(ITA/1.UWT) - Siegerliste Mailand-Sanremo

Nibali kommt vor Sprintern durch!

Vincenzo Nibali (Bahrain) gewann sensationall Mailand-Sanremo 2018 als Solist. Alles tröpfelte schon einem Massensprint entgegen, als der 33-jährige Italiener 7 Kilometer vor dem Ziel am Poggio di Sanremo um 11 Sekunden wegfuhr - und in einem Herzschlag-Finale auf der Via Roma einige Radlängen vor den nahenden Sprintern rettete. Von denen stand Caleb Ewan (Mitchelton) eine Stufe über allen. Er musste sich aber mit dem 2. Platz vor den beiden ehemaligen Siegern Arnaud Démare (Groupama) und Alexander Kristoff (UAE) begnügen.

Neilands am Poggio als Startrampe für Nibali

Nach 285 gefahrenen Kilometern führte Marcus Burghardt (Bora) ein noch sehr großes Peloton in den letzten Anstieg: Poggio di Sanremo. Als Helfer des Weltmeisters Peter Sagan riss er unfreiwillig eine Lücke zu allen anderen. Jempy Drucker (BMC) schloss zu ihm auf, und Burghardt nahm die Beine hoch. 7,2 Kilometer vor dem Ziel attackierte der Nobody Krists Neilands (Israel Academy), und nur Nibali folgte sofort. Simon Spilak (Katusha) und Enrico Battaglin (LottoNL) probierten nach vorn zu kommen, blieben aber erfolglos. Nach 800 Metern konnte Neilands dem Tempo Nibalis nicht mehr folgen. Im Verfolgerfeld neutralisierten sich Sagan und Michal Kwiatkowski (Sky), die Siegduellanten des Vorjahres.

In der Poggio-Abfahrt fuhr Matteo Trentin (Mitchelton) davon. Währenddessen stürzte André Greipel (Lotto) und brach sich das Schlüsselbein. Unten hatte Nibali 2,2 Kilometer vor dem Ziel noch 6 Sekunden vor Trentin und 9 vor dem Hauptfeld, das sich zunächst sortieren musste. Danach war Trentin schnell eingefangen, doch an Nibali kam keiner mehr heran. Im Nachhinein wäre Trentin mit Tempoarbeit anstatt seines kurzen Solos hilfreicher für seinen Teamkollegen Ewan gewesen.

So aber feierte Nibali einen seiner größten Erfolge bei einem Rennen, bei dem man fast schon nicht mehr mit einem Siege des Hais aus Messina rechnete. Gesamtsieger bei Giro, Tour und Vuelta, dazu das andere italienische Monument, die Lombardei-Rundfahrt - da fehlen realistisch betrachtet nur noch Lüttich und die WM! Auf der Via Roma bei Mailand-Sanremo 2018 hatte Nibali gerade noch genügend Zeit, um sich vor der Ziellinie fürs Siegerfoto aufzurichten.

Es gibt viele Stimmen, dass bei dem ersten großen Frühjahrklassikers des Jahres die ersten 285 Kilometer stets zu wenig passiere. Aber mit ihrem unnachahmlichen Spannungsbogen zeigte die Classicissima einmal mehr, dass sie vielmehr das in bestimmter Weise großartigste Rennen des Jahres ist - denn wo sonst konkurrieren Grand-Tour-Siegfahrer, Klassikerjäger und Spitzensprinter um einen großen Sieg im selben Rennen?

Erst stundenlang durch den Regen

Um 9:45 Uhr machte sich das Peloton in Mailand auf den über 7-stündigen Weg, von dem dann knapp die Hälfte entlang der ligurischen Küste führte. Wegen Regens war die Straße während der ersten Rennstunden triefend nass, dies bei Temperaturen zwischen ein- und zweistelligem Bereich. Durch den Regen und auch den Gegenwind war das Durchschnittstempo vergleichsweise langsam, was mutmaßlich den Sprintern in die Karten spielte. Zudem klarte das Wetter hinterher auf, und die Straßen waren in der Schlussphase trocken.

Die frühe Spitzengruppe des Tages zählte zwar 9 Fahrer, war aber qualitativ eher mäßig besetzt. Sie bestand aus Maestri, Rota (beide Bardiani), Koberniak (Gazprom), Sagiv, van Winden (beide Israel Academy), Hatsuyama (Nippo), Planet (Novo Nordisk), Bono (UAE) und Mosca (Wilier). Diese 9 Spitzenreiter wurden vom Hauptfeld an der relativ kurzen Leine gehalten. Am letzten der 3 Capi, Capo Berta, hängten Mirco Maestri, Lorenzo Rota, Dennis van Winden und Matteo Bono ihre 5 Mitausreißer ab. Im Hauptfeld musste hier bereits Marcel Kittel (Katusha) bei seinem Sanremo-Debüt abreißen lassen.

Keine Cipressa-Attacken

30 Kilometer vor dem Ziel waren die verbleibenden 4 Ausreißer wieder eingeholt. Die folgende Cipressa-Steigung gab es diesmal genau gar keine Attacke, während vor allem die Teams von Démare und Kwiatkowski das Tempo kontrollierten. Im Flachstück zwischen Cipressa und Poggio formierten sich die Teams in dem ungewöhnlich großen Feld wie eigentlich schon für einen Massensprint. Einen Kilometer vor dem Fuß des Poggio-Anstiegs legte Ex-Sieger Mark Cavendish (Dimension Data) einen fürchterlichen Salto über eine Verkehrsinsel am Ende einer Fahrbahnteilung hin.

Am Poggio erkannte von den Großen der Zunft dann nur Nibali die Gunst der Stunde gegen die sich beäugenden Sprinter. Nibalis Triumph bedeutete zugleich den ersten Sieg eines Italieners bei Mailand-Sanremo seit 2006. Außerdem handelte es sich um das längste Solo seit 1994. Weitere Soli gelangen nur noch im Stile eines Finisseurs, zuletzt 2008. Ansonsten kam es zu Massensprints, Gruppenankünften oder zumindest Sprintduellen. Insofern gehört Nibali mit seinem Sanremo-Sieg 2018 ein besonderer Platz in den Geschichtsbüchern.

Sa 17. März 2018
Ergebnis der 108. Auflage Milano-Sanremo (294km)
1. Vincenzo Nibali (ITA) - Bahrain-Merida 7:18:43
2. Caleb Ewan (AUS) - Mitchelton-Scott
3. Arnaud Démare (FRA) - Groupama-FDJ
4. Alexander Kristoff (NOR) - UAE-Emirates
5. Jürgen Roelandts (BEL) - BMC
6. Peter Sagan (SVK) - Bora-Hansgrohe
7. Michael Matthews (AUS) - Sunweb
8. Magnus Cort (DEN) - Astana
9. Sonny Colbrelli (ITA) - Bahrain-Merida alle
10. Jasper Stuyven (BEL) - Trek-Segafredo
11. Michal Kwiatkowksi (POL) - Sky
12. Matti Breschel (DEN) - EF Education First
13. Christophe Laporte (FRA) - Cofidis
14. Sacha Modolo (ITA) - EF Education First gleiche
15. Marco Canola (ITA) - Nippo-Vini Fantini
16. Edvald Boasson Hagen (NOR) - Dimension Data
17. Greg van Avermaet (BEL) - BMC
18. Nathan Haas (AUS) - Katusha-Alpecin
19. Elia Viviani (ITA) - Quick Step Floors Zeit
20. Maximiliano Richeze (ARG) - Quick Step Floors +0:04
21. Daryl Impey (RSA) - Mitchelton-Scott gl.Zeit
22. Jens Debusschere (BEL) - Lotto Soudal +0:05
23. Krists Neilands (LAT) - Israel Academy
24. Jos van Emden (NED) - LottoNL-Jumbo
25. Matej Mohoric (SLO) - Bahrain-Merida alle
26. Tony Gallopin (FRA) - AG2R La Mondiale
27. Damiano Caruso (ITA) - BMC
28. Luis León Sanchez (ESP) - Astana gleiche
29. Gianni Moscon (ITA) - Sky
30. Christ. Juul-Jensen (DEN) - Mitchelton-Scott
31. Tom Dumoulin (NED) - Sunweb Zeit
32. Daniel Oss (ITA) - Bora-Hansgrohe +0:10
33. Heinrich Haussler (AUS) - Bahrain-Merida +0:11
34. Simon Spilak (SLO) - Katusha-Alpecin +0:15
35. Julian Alaphilippe (FRA) - Quick Step Floors gl.Zeit
...
37. Matteo Trentin (ITA) - Mitchelton-Scott +0:17
52. Filippo Pozzato (ITA) - Wilier-Selle Italia +0:53
56. Jempy Drucker (LUX) - BMC +1:02
58. Marcus Burghardt (GER) - Bora-Hansgrohe +1:27
75. Philippe Gilbert (BEL) - Quick Step Floors +2:23
- 175 Teilnehmer, davon 164 klassiert.

Über Wildcards für Mailand-Sanremo 2018 durften sich Bardiani, Cofidis, Gazprom, Israel Academy, Nippo, Novo Nordisk und Wilier freuen. Die Strecke soll identisch zum Vorjahr sein: über 291 Kilometer mit Cipressa 21,5 und Poggio di Sanremo 5,4 Kilometer vor dem Ziel, das auf der Via Roma in Sanremo erreicht wird.

Anstiege

km-

Zeit

Turchinopass

148,8

13:41

Capo Mele

51,4

15:51

Capo Cervo

46,3

15:57

Capo Berta

38,4

16:10

Cipressa

21,5

16:37

Poggio di Sanremo

5,4

16:59

Zielankunft auf der Via Roma:
Kilometer 294,0 ca. 17:06

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