Mailand-Sanremo 2015

(ITA/1.UWT) - Siegerliste Mailand-San Remo

Degenkolb begleicht Rechnung in Sanremo
Im Vorjahr noch durch einen Defekt am Poggio ausgebremst, triumphierte John Degenkolb (Giant) bei Mailand-Sanremo 2015 im Massensprint und feierte seinen ersten Sieg bei einem Monument! Nach 293 Kilometern setzte sich der 26-jährige Deutsche auf der Via Roma mit einer knappen Radlänge vor dem Vorjahressieger Alexander Kristoff (Katusha) durch. Bei engeren Abständen dahinter überfuhr Michael Matthews (Orica) die Ziellinie für den 3. Platz vor Peter Sagan (Tinkoff), Niccolo Bonifazio (Lampre) und Nacer Bouhanni (Cofidis). Bei Fabian Cancellara (Trek) auf dem 7. Platz endete eine phänomenale Serie mit 4 Podestplätzen in Folge. Das Wetter war wie im letzten Jahr regnerisch, am Ende trockneten die Straßen aber ab.

Unter den Top-Fahrern, die eine Entscheidung im Massensprint verhindern wollten, waren ausnahmsweise mal mehr Aktionen an der Cipressa, dem vorletzten Hügel, zu sehen, als am Poggio di Sanremo. Am Ende der Cipressa-Abfahrt lösten sich Daniel Oss (BMC) und Geraint Thomas (Sky) 18 Kilometer vor dem Ziel. Das Duo fuhr bis über eine halbe Minute Vorsprung heraus, hatte hinter der 10-Kilometer-Marke am Fuße des Poggio noch 17 Sekunden. Im Anstieg fuhr Thomas seinem Begleiter davon. Das Verfolgerfeld ließ sich zunächst von Paolini (Katusha), der das Tempo für Kristoff machte, hinaufführen. Erst relativ weit oben attackierte Greg van Avermaet (BMC). Hinter ihm gingen als Trio Fabian Cancellara (Trek), Peter Sagan (Tinkoff) und Michael Matthews (Orica) hinterher. Oben waren Thomas, van Avermaet, das Trio und das Hauptfeld jedoch nur durch wenige Radlängen getrennt - und alles lief wieder zusammen.

Die 11-köpfige Spitzengruppe des Tages setzt sich bei Mailand-Sanremo 2015 zusammen aus Berard (AG2R), dall'Antonia, Frapporti (beide Androni), Pirazzi (Bardiani), Barta (Bora), Kurek (CCC), Molano (Colombia), Tjallingii (LottoNL), Bono (Lampre), Pauwels (MTN) und Peron (Novo Nordisk). An der Capo Berta attackierte Stefano Pirazzi 39 Kilometer vor dem Ziel, als der Vorsprung vor dem Hauptfeld noch etwas über eine Minute betrug. Bono, Berard und Pauwels gingen mit. Kurz danach ereigneten sich mehrere Stürze im Hauptfeld. An vierter Position rutschte Stannard (Sky), so dass seine 3 Teamkollegen Rowe, Thomas und Swift dem Feld für einige Kilometer vorausfuhren. Vorn hatte sich inzwischen Bono abgesetzt, und nur noch Berard und Pauwels waren seine Verfolger. Als das Sky-Trio die Verfolgergruppe einholte, war auch das Hauptfeld schon fast wieder dran.

Kristoff fast schon abgehängt an der Cipressa
In die Cipressa-Steigung hinein attackierte Silvan Dillier (BMC) aus dem Feld und holte Thomas, Swift und Barta ein, die aus der Verfolgergruppe übrig geblieben waren. Außerdem sprangen van Avermaet und Stybar (Etixx) hinterher. Im Aufstieg stürzte Démare (FDJ) und spielte keine Rolle mehr. 25,5 Kilometer vor dem Ziel wurde mit Bono der letzte frühe Ausreißer eingeholt und mit ihm auch die Gruppe um Thomas, van Avermaet und Stybar. In der Folge hielt vor allem Nordhaug (Sky) das Tempo hoch. Am Ende des Feldes schien Kristoff in Schwierigkeiten zu geraten. Eine neue Spitzengruppe bildete sich erst in der späten Bergabphase, als sich Oss und Thomas davonstahlen. Im Flachstück vor dem Poggio wollte in der Verfolgung keiner recht die Verantwortung übernehmen, bis sich Katusha vorspannte. Im Poggio-Aufstieg wählte Luca Paolini das Tempo dosiert genug für den erholten Kristoff, aber immerhin schnell genug, dass beispielsweise Greipel (Lotto) abfiel.

Bereits in der berühmten Linkskurve zur Poggio-Abfahrt schien die Sprintentscheidung eine ausgemachte Sache zu sein. Gilbert dünnte das Feld noch durch einen Sturz aus, durch den auch Stybar, Kwiatkowski (beide Etixx) und Ciolek (MTN) aus dem Geschäft waren. Gerald Ciolek, letzter deutscher Sanremo-Sieger bis Degenkolb, donnerte seinen Helm wütend auf die Straße. 2,7 Kilometer vor dem Ziel startete van Avermaet einen letzten Verzweiflungsangriff, der sofort egalisiert war. Sagan wurde wenig später wohl eher zufällig einige Radlängen vors Feld gespült, nutzte die Situation aber nicht zu einem Solo aus.

So zog Paolini als ständiger Pilot für Kristoff den Sprint an, hinter ihm der junge Bonifazio, dann Matthews, Tony Gallopin (Lotto) und Cancellara. Degenkolb machte dahinter an Cancellara und Gallopin vorbei noch zwei wichtige Positionen gut. Als Kristoff den Sprint schon früh eröffnen musste, fand Degenkolb ein letztes Mal Windschatten hinter Bonifazio, den Matthews vergeblich rechts zu überholen versuchte. Dann stürmte Degenkolb hervor zu seinem wohlverdienten größten Triumph. Sagan und Bouhanni starteten von zu weit hinten, Cancellara ließ sich an der Bande einbauen.

Degenkolb erlangte nach Siegen im Vorjahr bei Gent-Wevelgem und vor 2 Jahren bei Paris-Tours nun das Ziel seiner Träume. Sein bestes Resultat bei einem Monument stand bisher mit einem 2. Platz bei Paris-Roubaix, ebenfalls im Vorjahr. Nach Altig, Zabel und Ciolek trug sich Degenkolb als vierter Deutscher in die Siegerliste von Mailand-Sanremo ein, dem damit erfolgsversprechendsten der 5 Monumente aus deutscher Sicht.

So 22. März 2015
Ergebnis der 106. Auflage Milano-Sanremo (293km)
1. John Degenkolb (GER) - Giant-Alpecin 6:46:16
2. Alexander Kristoff (NOR) - Katusha
3. Michael Matthews (AUS) - Orica-Greenedge
4. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff-Saxo
5. Niccolo Bonifazio (ITA) - Lampre-Merida
6. Nacer Bouhanni (FRA) - Cofidis
7. Fabian Cancellara (SUI) - Trek
8. Davide Cimolai (ITA) - Lampre-Merida
9. Tony Gallopin (FRA) - Lotto-Soudal
10. Edvald Boasson Hagen (NOR) - MTN-Qhubeka
11. Jürgen Roelandts (BEL) - Lotto-Belisol
12. Matti Breschel (DEN) - Tinkoff-Saxo
13. Ben Swift (GBR) - Sky
14. Sebastian Langeveld (NED) - Cannondale-Garmin
15. Tim Wellens (BEL) - Lotto-Soudal
16. Grega Bole (SLO) - CCC-Sprandi
17. Paul Martens (GER) - LottoNL-Jumbo
18. Sonny Colbrelli (ITA) - Bardiani-CSF alle
19. Greg van Avermaet (BEL) - BMC
20. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar
21. Michele Scarponi (ITA) - Astana
22. Maciej Paterski (POL) - CCC-Sprandi gleiche
23. Sylvain Chavanel (FRA) - IAM
24. Ion Izagirre (ESP) - Movistar
25. Tom Dumoulin (NED) - Giant-Alpecin
26. Fabio Felline (ITA) - Trek Zeit
27. Rinaldo Nocentini (ITA) - AG2R La Mondiale +0:06
28. Nathan Haas (AUS) - Cannondale-Garmin gl.Zeit
29. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff-Saxo +0:09
30. Luca Paolini (ITA) - Katusha +0:11
...
31. Geraint Thomas (GBR) - Sky +0:12
38. Silvan Dillier (SUI) - BMC +0:23
41. Filippo Pozzato (ITA) - Lampre-Merida +0:23
45. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +0:23
46. Mark Cavendish (GBR) - Etixx-Quick Step +0:23
47. André Greipel (GER) - Lotto-Soudal +0:23
55. Philippe Gilbert (BEL) - BMC +3:00
56. Zdenek Stybar (CZE) - Etixx-Quick Step +3:00
59. Gerald Ciolek (GER) - MTN-Qhubeka +3:39
67. Michal Kwiatkowski (POL) - Etixx-Quick Step +4:56
79. Matthew Goss (AUS) - MTN-Qhubeka +4:59
. Heinrich Haussler (AUS) - IAM +4:59
84. Giacomo Nizzolo (ITA) - Trek +4:59
85. Juan José Lobato (ESP) - Movistar +4:59
- 199 Teilnehmer, davon 160 klassiert.

Wildcards für Mailand-Sanremo 2015 gingen an Androni, Bardiani, Bora, CCC, Cofidis, Colombia, MTN und Novo Nordisk.

Rückkehr auf die Via Roma, kein Pomeiana

Die Zielgerade von Mailand-Sanremo kehrte 2015 auf die Via Roma zurück. Nach 7 Jahren mit Ziel an der Strandpromenade von Sanremo wurde der Sieger damit erstmals seit 2007 wieder am klassischen Ankunftsort ermittelt. Die Distanz vom Fuße der Poggio-Abfahrt zum Zielstrich verringerte sich dadurch von knapp 3 auf gut 2 Kilometer. Der Frühjahrsklassiker endete von 1949 bis 1985 und von 1994 bis 2007 auf der Via Roma, bis 1948 und von 1986 bis 1993 auf dem Corso Cavalotti und von 2008 bis 2014 auf dem Piazzale Italo Calvino.

An den Anstiegen - Turchinopass, Capo Mele, Capo Cervo, Capo Berta, Cipressa und Poggio - änderte sich für Mailand-Sanremo 2015 indes nichts. Von Pomeiana war keine Rede mehr. Der Anstieg zwischen Cipressa und Poggio sollte eigentlich schon 2014 neu ins Profil aufgenommen werden. Wegen eines Erdrutsches musste man da noch (zum Glück) auf den neuen (eigentlich sowieso überflüssigen) Pompeiana-Anstieg verzichten und die Premiere auf 2015 verschieben. Dieser Plan ist aber wohl vorerst vom Tisch.

Mit der Straße über Pompeiana und Castellaro wäre praktisch die letzte Möglichkeit ausgeschöpft worden, im Finale einen Abzweig von der Mittelmeerküste in die Hügel des Landesinnern zu nehmen (solange man nicht den Start südlich von Mailand legt oder die Distanz über 300 Kilometer schraubt). Der Poggio war in den 1960ern, die Cipressa in den 1980er Jahren ins Profil des erstmals 1907 gefahrenen Rennens aufgenommen worden. Von 2008 bis 2013 wurde hinter dem Turchinopass eine Umleitung über einen weiteren Anstieg - Le Manie - gefahren.

Anstiege                km-   Zeit
1. Passo del Turchino 150 13:42
2. Capo Mele 52 15:53
3. Capo Cervo 47 16:00
4. Capo Berta 39 16:13
5. Cipressa 22 16:40
6. Poggio di Sanremo 6 17:02
Zielankunft in Sanremo (Via Roma)
Kilometer 293 um 17:09 (+/- 20 min)
(Zeiten nach mittlerem Schnitt)

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://www.gazzetta.it/Speciali/MilanoSanremo/en/
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(provisorische) Startliste auf procyclingstats.com
Fotos des Vorjahres auf cyclingnews.com

Ergebnis des Vorjahres (Sieger Alexander Kristoff)
Ergebnis vor 2 Jahren (Sieger Gerald Ciolek)

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