Mailand-San Remo 2014

(ITA/WorldTour) - Siegerliste Mailand-San Remo

Kristoff triumphiert vor Cancellara
Alexander Kristoff (Katusha) gewann aus einer größeren Gruppe die 105. Auflage von Mailand-San Remo. Den 2. Platz behauptete mal wieder Fabian Cancellara (Trek) im sitzenden Sprint gegen einige hochkarätige, etatmäßige Sprinter. Den verbleibenden Podestplatz erreichte überraschend Ben Swift (Sky) und nicht dessen Landsmann Mark Cavendish (Omega), der hinter Juan José Lobato (Movistar) Fünfter wurde. Vorjahressieger Gerald Ciolek (MTN) landete auf dem 9. und wieder einen Platz vor dem Rennfavoriten Peter Sagan (Cannondale).

Die Fahrer hatten erneut mit scheußlichem Wetter zu kämpfen, wenn auch diesmal nicht mit Schneefall. Am Turchinopass fiel das Thermometer auf 2 Grad, dies bei Regen und teilweise leichtem Hagel. Auf der Zielgeraden mussten einige größere Pfützen noch kurz bis vor der Ankunft abgepumpt werden. Alexander Kristoff erwies sich unter diesen Bedingugen als der deutlich schnellste Mann auf der Zielgeraden in San Remo. Der 26-jährige Olympia-Bronzemedaillist fuhr zu seinem bisher größten Triumph mit 2 Radlängen Vorsprung. Es war zugleich der erste Sieg eines Norwegers bei einem der 5 Radsport-Monumente.

In die Spitzengruppe des Tages gesellten sich bei Mailand-San Remo 2014 Antonio Parrinello (Androni Giocattoli), Nicola Boem (Bardiani), Maarten Tjallingii (Belkin), Nathan Haas (Garmin), Matteo Bono (Lampre), Jan Barta (Netapp) und Marc de Maar (Unitedhealthcare), dies bei maximal rund 10 Minuten Vorsprung. Als es in die Capi ging, waren noch Tjallinigii, Bono, Barta und de Maar übrig. Bis zum Cipressa-Anstieg fiel auch Barta zurück, im Anstieg selbst Bono. Ab dann schnellte der verbliebene Vorsprung von 2 Minuten rasch herunter.

Nibali animiert mit frühem Solo ab Cipressa
Von den großen Namen setzte Vincenzo Nibali (Astana) unterhalb von Cipressa gut 25 Kilometer vor dem Ziel alles auf eine Karte. Bis zum Gipfel fuhr er auf 14 Sekunden an das Führungsduo heran und dem immer kleiner werdenden Hauptfeld 25 Sekunden davon. In der Abfahrt rauschte Nibali vorbei an Tjallingii und de Maar, die folglich keine Rolle mehr spielten. Unten hatte Nibali 46 Sekunden Sekunden Vorsprung auf das Peloton. Im folgenden 10 Kilometer langen Flachstück schmolz das Polster jedoch auf unter 20 Sekunden, so dass Nibali praktisch chancenlos in den letzten Anstieg ging.

Am Poggio di San Remo war Nibalis gewagtes Himmelfahrtskommando schnell beendet. 9 Kilometer vor dem Ziel kassierte ihn zuerst Grégory Rast (Trek). Dessen Verschärfung schloss sich Enrico Battaglin (Bardiani) an. 2 Kilometer später attackierte Philippe Gilbert (BMC) mit Daniele Bennati (Tinkoff) am Rad. Der Angriff brachte nichts außer die Einholung von Rast und Battaglin. Kurz vor der Kuppe riss Lars Petter Nordhaug (Belkin) mit Greg van Avermaet (BMC) am Rad eine unbedeutende Lücke zu den nächsten Verfolgern.

Swift in Cancellaras Sog aufs Podium
Unmittelbar nach der Abfahrt erfolgten 2 letzte Attacken durch Nordhaug und Colbrelli (Bardiani). Kurz nach der 2-Kilometer-Marke nahmen Stybar für Cavendish und Paolini für Kristoff das Heft endgültig in die Hand und stellten Sonny Colbrelli, der am Ende trotzdem noch den 6. Platz belegte. Auf dem Schlusskilometer ließen sich kurz noch einmal Gilbert und van Avermaet vorne blicken, bevor Sacha Modolo (Lampre) und Cavendish nahezu zeitgleich den Sprint eröffneten. Modolo schliefen noch schneller die Beine ein als Cavendish. So stürmte Kristoff zum überlegenen Sieg vorbei. Im Sog von Cancellara sprintete Swift auf den Podestplatz, während Lobato den Kontakt zu Kristoffs Hinterrad verlor.

Ciolek setzte wieder auf Sagans Hinterrad. Was im Vorjahr Gold wert war, entpuppte sich diesmal als Fehlentscheidung. Sagan wurde im Sprint aus dem Tritt gebracht von Zdenek Stybar, der seinem Teamkollegen Cavendish das Hinterrad freihielt. Ciolek war dann eingebaut hinter Modolo und Stybar. Er war dennoch bester Deutscher: Denn ein Defekt am Fuße des Poggio vermasselte John Degenkolb (Giant) das Rennen, und André Greipel (Lotto) konnte nur mit Mühe den Kontakt zur ersten Gruppe herstellen.

Doch nicht Pompeiana
Mailand-San Remo 2014 wurde noch einmal mit dem gewohnten Finale gefahren, also mit Cipressa, Poggio und ohne Pompeiana dazwischen. Grund dafür war ein Erdrutsch am Pompeiana-Anstieg. So ging es bei Mailand-San Remo 2014 über die alte Route, die bis 2007 gefahren wurde, also auch ohne Le Manie. Dieser Anstieg wurde wegen der geplanten Hinzunahme von Pompeiana gestrichen und nicht mehr kurzfristig ins Profil zurückgeholt. So wurde die Austragung 2014 sogar sprinterfreundlicher als die Jahre zuvor, obwohl das genaue Gegenteil bewirkt werden sollte. Der Pompeiana-Anstieg hätte als 3. ernster Anstieg zwischen Cipressa und Poggio den Bergfahrern in die Karten gespielt.

Der Veranstalter möchte an den ohnehin umstrittenen Plänen nun für 2015 festhalten. Dabei war das Rennen gerade in den letzten 2 bis 3 Jahren auch ohne Pompeiana spannend genug. Wahrscheinlich störte man sich an den Siegern: Mit Goss, Gerrans und Ciolek gewannen die Fahrer mit der nervenstärksten Taktik und nicht die körperlich stärksten Fahrer wie Cancellara, Sagan oder Nibali. Nun feierte 2014 mit Kristoff ein weiterer Fahrer bei Mailand-San Remo seinen ersten monumentalen Sieg, der ansonsten nicht so sehr im Rampenlicht steht wie Sagan, dem damit immer noch der große Erfolg bei einem Monument fehlt.

So 23. März 2014
Ergebnis der 105. Auflage Milano-Sanremo (294km)
1. Alexander Kristoff (NOR) - Katusha 6h55:56
2. Fabian Cancellara (SUI) - Trek
3. Ben Swift (GBR) - Sky
4. Juan José Lobato (ESP) - Movistar
5. Mark Cavendish (GER) - Omega-Quick Step
6. Sonny Colbrelli (ITA) - Bardiani-CSF
7. Zdenek Stybar (CZE) - Omega-Quick Step
8. Sacha Modolo (ITA) - Lampre-Merida
9. Gerald Ciolek (GER) - MTN-Qhubeka
10. Peter Sagan (SVK) - Cannondale
11. Ramunas Navardauskas (LTU) - Garmin-Sharp
12. Salvatore Puccio (ITA) - Sky
13. Philippe Gilbert (BEL) - BMC alle
14. Sebastian Langeveld (NED) - Garmin-Sharp
15. Lars Petter Nordhaug (NOR) - Belkin
16. Yoann Offredo (FRA) - FDJ.fr
17. Francisco Ventoso (ESP) - Movistar
18. Daniele Bennati (ITA) - Tinkoff-Saxo
19. Grégory Rast (SUI) - Trek gleiche
20. Fabio Felline (ITA) - Trek
21. Sylvain Chavanel (FRA) - IAM
22. Davide Cimolai (ITA) - Lampre-Merida
23. Jürgen Roelandts (BEL) - Lotto-Belisol
24. André Greipel (GER) - Lotto-Belisol
25. Greg van Avermaet (BEL) - BMC Zeit
26. Alexandre Pichot (FRA) - Europcar +0:06
27. Fabian Wegmann (GER) - Garmin Sharp +0:07
28. Davide Appollonio (ITA) - AG2R La Mondiale +0:34
29. Edvald Boasson Hagen (NOR) - Sky gl.Zeit
30. Filippo Pozzato (ITA) - Lampre-Merida +0:40
...
33. Luca Paolini (ITA) - Katusha +1:12
34. Arnaud Démare (FRA) - FDJ.fr +1:22
36. Mauro Finetto (ITA) - Neri Sottoli +1:22
39. John Degenkolb (GER) - Giant-Shimano +1:54
41. Maarten Tjallingii (NED) - Belkin +2:38
44. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +3:15
54. Simon Geschke (GER) - Giant-Shimano +5:08
- 200 Teilnehmer, davon 114 klassiert.

Wildcards für Mailand-San Remo 2014 gingen an Androni, Bardiani, IAM, MTN, Neri Sottoli, Netapp, Unitedhealthcare.

Anstiege                km-   Zeit
1. Passo del Turchino 151 12:42
2. Capo Mele 53 15:54
3. Capo Cervo 48 16:00
4. Capo Berta 40 16:13
5. Cipressa 22 16:40
6. Poggio di Sanremo 6 17:02
Zielankunft in San Remo
Kilometer 294 um 17:10 (+/- 20 min)
(Zeiten nach mittlerem Schnitt)

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://www.gazzetta.it/Speciali/MilanoSanremo/en/
    - Landkarte
    - Gesamtes Profil
    - Profil der letzten 30 Kilometer
    - Zeittabelle (PDF)
(provisorische) Startliste auf procyclingstats.com
Fotos des Vorjahres auf cyclingnews.com

Ergebnis des Vorjahres (Sieger Gerald Ciolek)
Ergebnis des Vorjahres (Sieger Simon Gerrans)

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