Mailand-San Remo 2013

(ITA/WorldTour) - Siegerliste Mailand-San Remo

Ciolek schlägt Sagan in Regenschlacht!
Gerald Ciolek (MTN) gelang bei Mailand-San Remo 2013 der größte deutsche Sieg seit 9 Jahren. Im Sechsersprint gewann er vor dem haushohen Favoriten Peter Sagan (Cannondale). Am Poggio di San Remo, dem letzten Anstieg, ging Ciolek aus dem sehr dezimierten Hauptfeld heraus eine Attacke von Paolini (Katusha), Sagan und Cancellara (RadioShack) mit. Das Quartett schloss in der Abfahrt zu einem Spitzenduo mit Chavanel (Omega) und Stannard (Sky) auf. Bei scheußlichem Wetter behielt Ciolek kühlen Kopf, pokerte an den Hinterrädern von Cancellara und zuletzt Sagan. Nachdem der Favorit aus der Slowakei den Sprint eröffnet hatte, trat Ciolek noch gerade rechtzeitig aus dessen Windschatten hervor. Das Podium komplettierte Fabian Cancellara.

Neutralisation wegen Schnees am Turchino-Pass
Bei klirrender Kälte nahmen um kurz nach 10 Uhr in Mailand 200 Fahrer das Abenteuer Mailand-San Remo 2013 in Angriff. Wegen eines Wintereinbruchs im lombardisch-ligurischen März wurde die Strecke während des Rennens verkürzt und in 2 Hälften geteilt. Vor dem eingeschneiten Tuchino-Pass, dem höchsten Punkte der Strecke, musste das Rennen im wahrsten Sinne des Wortes eingefroren werden. Die Fahrer stiegen bei Rennkilometer 117 mit vereisten Helmen in ihre Teambusse und wurden in diesen bis etwa zur 163-Kilometer-Marke kutschiert. Die 6 Ausreißer Bak (Lotto), Belkow (Katusha), Fortin (Bardiani), Lastras (Movistar), Montaguti (AG2R) und Rosa (Androni) durften beim Neustart mit dem über 7-minütigen Vorsprung weiterfahren, den sie vor der Schneepause hatten.

Auch der Anstieg Le Manie, nach 204 der ursprünglich 298 geplanten Rennkilometer, wurde aus dem Profil gestrichen. Wegen des Wetters brauchte es aber gar nicht dieser 2 ausgelassenen Anstiege für eine gesalzene Selektion. In einem Ausscheidungsfahren wurde das erste Peloton immer kleiner, erreichte den vorletzten Anstieg - Cipressa 27 Kilometer vor dem Ziel - mit weniger als 40 Mann. Die frühen Ausreißer waren da bereits längst gestellt. In die Cipressa-Steigung hinein attackierten Bardet (AG2R), Caruso (Cannondale), Roelandts (Lotto), Löfkvist (IAM) und Chavanel - ohne wegzukommen.

Stannard und Chavanel mit beherztem Vorstoß
Stattdessen probierte es Philippe Gilbert (BMC) in der Cipressa-Abfahrt. Das ohnehin schon kleine Spitzenfeld riss aufgrund der Verschärfung des Weltmeisters auseinander. Im Flachstück vor dem Poggio fanden aber schließlich Sylvain Chavanel, Ian Stannard und Eduard Worganow (Katusha) den Mut zum beherzten Vorstoß, während Gilbert, Roelandts und ein paar andere Fahrer, die auf der Abfahrt wenige Meter herausfuhren, wieder eingeholt wurden. Mit knapp einer halben Minute Vorsprung kam das neu formierte Spitzentrio zur letzten Steigung, in der Worganow zurückfiel.

Aus der Gruppe der übrigen Favoriten ging zunächst Maxim Iglinski (Astana) in die Offensive. Dann kam der entscheidende Vorstoß Paolinis vorbei an Iglinski. Santambrogio (Vini Fantini) schaffte nicht den Anschluss zu Paolini, dafür aber Sagan, Cancellara, Ciolek und Pozzato (Lampre). Mit wenigen Sekunden Vorsprung passierten Chavanel und Stannard die Kuppe. Nach einer Verschärfung Cancellaras verlor Pozzato nur um wenige Meter den Anschluss an den ebenfalls leicht abgehängten Paolini. Während Paolini auf der Abfahrt sofort wieder den Anschluss herstellte, wurde Pozzato geschluckt von den nächsten Verfolgern, die oben auch nur wenige Radlängen zurück waren.

Auf den letzten 3 flachen Kilometern wehrte Sagan einen ersten Angriff Stannards ab. Das Pokerspiel begann. Sagan selbst forcierte einen etwas halbherzigen Angriff, um nicht selbst alle Lücken schließen zu müssen. Diesmal parierte Cancellara mit Paolini und Ciolek am Hinterrad, und Chavanel brachte auch Stannard noch einmal zurück. Sagan vereitelte einen letzten Versuch von Stannard, der den Schlusskilometer nun von vorne fuhr. Die Reihenfolge für die Sprintanfahrt lautete: Stannard vor Sagan, Ciolek, Cancellara, Chavanel und Paolini. Währenddessen hatte sich Taylor Phinney (BMC) aus dem Verfolgerfeld gelöst und fast noch die Spitze erreicht. Im Sprint um den 8. Platz vollendeten Kristoff (Katusha), Cavendish (Omega) und Eisel (Sky) dieses jetzt schon legendäre Mailand-San Remo in den Top-Ten.

Sagan mit der Favoritenbürde, Ciolek abgebrüht
Der schon in jungen Jahren übermächtig erscheinende Peter Sagan (23) wartet damit weiterhin auf seinen ersten Klassikersieg. Analog zu Cancellara im letzten Jahr wurde Sagan 2013 zum Verhängnis, dass sich die Augen wegen der prognostizierten Überlegenheit vor allem auf ihn richteten. Davon profitierte Gerald Ciolek - als einziger der Top-6 mit abgedunkelter Sonnenbrille unterwegs - ähnlich abgebrüht wie Vorjahressieger Gerrans.

Ciolek gehört mit seinen 26 Jahren auch noch zu den eher jüngeren Fahrern, baut dagegen auf langjährige Erfahrung. Sein Durchburch mit dem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften datiert aus dem Juni 2005. Ein Jahr später wurde er U23-Weltmeister. Danach folgten ein paar schöne Siege, darunter ein Vuelta-Etappenerfolg 2009 - doch die himmelhohen Erwartungen, in die Fußstapfen des 4-maligen San-Remo-Siegers Erik Zabel schlüpfen zu können, erwiesen sich vorerst als zu groß. Cioleks Fokus lag vor allem auf Massensprints, teilweise sogar nur als Anfahrer. Durch die Klassikerschule ging er endlich ab 2011 beim belgischen Team Quick Step, allerdings wiederum vornehmlich als Helfer.

Für die Saison 2013 wechselte Ciolek als unumstrittener Kapitän zu einem zweitklassigen afrikanischen Rad-Projekt unter deutscher Sportleitung: MTN-Qhubeka. Für Mailand-San Remo war das Team ebenso wie eine Woche zuvor bei der Mehretappenfahrt Tirreno-Adriatico auf eine Wildcard angewiesen. Ciolek verbuchte schon bei Tirreno-Adriatico vordere Platzierungen, ebenso wie bei seinem Saisonauftakt in Laigueglia. Hinzu kam ein Etappensieg bei den 3 Tagen von West-Flandern. Aufgrund der ansprechenden Form schien ein 2. Platz hinter Sagan bei Mailand-San Remo durchaus realistisch zu sein...

So 17. März 2013
Ergebnis der 104. Auflage Milano-Sanremo (298 - x km)
1. Gerald Ciolek (GER) - MTN-Qhubeka 5h37:20
2. Peter Sagan (SVK) - Cannondale
3. Fabian Cancellara (SUI) - RadioShack-Leopard alle
4. Sylvain Chavanel (FRA) - Omega-Quick Step
5. Luca Paolini (ITA) - Katusha gleiche
6. Ian Stannard (GBR) - Sky
7. Taylor Phinney (USA) - BMC Zeit
8. Alexander Kristoff (NOR) - Katusha +0:14
9. Mark Cavendish (GBR) - Omega-Quick Step
10. Bernhard Eisel (AUT) - Sky
11. Francisco Ventoso (ESP) - Movistar
12. Sonny Colbrelli (ITA) - Bardiani-CSF Inox
13. Heinrich Haussler (AUS) - IAM
14. Enrico Gasparotto (ITA) - Astana
15. Sébastien Turgot (FRA) - Europcar
16. Jürgen Roelandts (BEL) - Lotto-Belisol
17. Romain Bardet (FRA) - AG2R
18. John Degenkolb (GER) - Argos-Shimano
19. Yoann Offredo (FRA) - FDJ
20. Oscar Gatto (ITA) - Vini Fantini
21. Borut Bozic (SLO) - Astana
22. Angel Vicioso (ESP) - Katusha
23. Sebastian Langeveld (NED) - Orica-Greenedge alle
24. Xavier Florencio (ESP) - Katusha
25. José Joaquin Rojas (ESP) - Movistar
26. Davide Malacarne (ITA) - Europcar
27. Gabriel Rasch (NOR) - Sky
28. Daniele Bennati (ITA) - Saxo-Tinkoff
29. Maxime Bouet (FRA) - AG2R La Mondiale
30. Grégory Rast (SUI) - RadioShack-Leopard gleiche
31. Gorka Izaguirre (ESP) - Euskaltel-Euskadi
32. Philippe Gilbert (BEL) - BMC
33. Filippo Pozzato (ITA) - Lampre-Merida
34. Matteo Rabottini (ITA) - Vini Fantini
35. Maxim Iglinski (KAZ) - Astana
36. Greg van Avermaet (BEL) - BMC
37. Thomas Löfkvist (SWE) - IAM Zeit
38. Mauro Santambrogio (ITA) - Vini Fantini +0:20
39. Vincent Jérôme (FRA) - Europcar gl.Zeit
40. Michael Rogers (AUS) - Saxo-Tinkoff gl.Zeit
41. Arthur Vichot (FRA) - FDJ +0:56
42. Salvatore Puccio (ITA) - Sky gl.Zeit
43. Eduard Worganow (RUS) - Katusha gl.Zeit
44. Maxime Monfort (BEL) - RadioShack-Leopard +2:39
45. Moreno Moser (ITA) - Cannondale +2:42
46. Roberto Ferrari (ITA) - Lampre-Merida +3:26
47. Daryl Impey (RSA) - Orica-Greenedge gl.Zeit
48. Andriy Grivko (UKR) - Astana +3:35
49. Damiano Caruso (ITA) - Cannondale +4:40
...
56. Danilo Hondo (GER) - RadioShack-Leopard +5:13
58. André Greipel (GER) - Lotto-Belisol +5:13
59. Stefan Denifl (AUT) - IAM +5:13
65. Alessandro Petacchi (ITA) - Lampre-Merida +5:13
68. Simon Gerrans (AUS) - Orica-Greenedge +5:13
79. Simon Geschke (GER) - Argos-Shimano +5:13
82. Paul Martens (GER) - Blanco +8:59
84. Johannes Fröhlinger (GER) - Argos-Shimano +9:20
87. Fabian Wegmann (GER) - Garmin-Sharp +9:22
91. Marcel Sieberg (GER) - Lotto-Belisol +11:29
- 200 Teilnehmer, davon 135 klassiert.
Anstiege                km-  Zeit
1. Passo del Turchino 156 13:33
2. Le Mànie 94 15:01
3. Capo Mele 52 16:00
4. Capo Cervo 47 16:08
5. Capo Berta 40 16:19
6. Cipressa 22 16:44
7. Poggio di Sanremo 6 17:06
Zielankunft in San Remo
Kilometer 298 ca. 17:15 Uhr
(wurde dann wegen des Unterbruchs erheblich später)

Einschätzung vor dem Rennen

Der größte Favorit für Mailand-San Remo 2013 ist Peter Sagan (Cannondale), obwohl er noch keinen großen Klassikersieg errungen hat. Der 23-jährige Slowake kann im Massensprint, aus einer kleinen Gruppe oder sogar als Solist gewinnen, wie er in den letzten Wochen und Monaten unter Beweis gestellt hat. Sagan verfügt zudem noch über den aufstrebenden Teamkollegen Moreno Moser.

Der Kreis der weiteren Kandidaten auf den Sieg bzw. das Podest in San Remo hängt vom Rennverlauf ab. Bei einem Massensprint sind zuerst Mark Cavendish (Omega) und André Greipel (Lotto) zu nennen. Auch auf dem Zettel haben muss man z.B. Ciolek (MTN), Hushovd (BMC), Goss (Orica) und Bennati (Saxo). Hinter der Form von Degenkolb (Argos), Boonen (Omega) und Haussler (IAM) stehen Fragezeichen. Einen Massensprint vermeiden wollen u.a. Nibali (Astana), Cancellara (RadioShack), Santambrogio (Vini Fantini) oder Chavanel (Omega). Bei Vorstößen dieser Fahrer werden vermutlich auch die sprintstarken Pozzato (Lampre), Paolini (Katusha), Gilbert, van Avermaet (beide BMC) und Vorjahressieger Gerrans (Orica) versuchen mitzufahren.

Doch bei Schneeregen und Kälte läuft das Rennen möglicherweise ganz anders als man es gewohnt ist...

Mailand-San Remo findet 2013 nicht mehr auf einem Samstag statt, sondern wie die anderen großen Frühjahrsklassiker an einem Sonntag. Am 17. März stehen 25 Teams an der Startlinie in Mailand: Die 18 mit WorldTour-Status und 7 per Wildcard: Androni Giocattoli, Bardiani-CSF, Europcar, IAM, Katusha, MTN-Qhubeka und Vini Fantini (wobei Katusha wegen eines Gerichtentscheids doch noch WorldTour-Stauts erhielt und im Nachhinein betrachtet eine Einladung gar nicht nötig gehabt hätte).

Die Strecke sollte so wie in den letzten Jahren bleiben inklusive Turchino-Pass, Le Manie, Cipressa und Poggio sowie der Zielankunft an der Strandpromenade San Remos mit dem Namen Lungomare Italo Calvino. Mit einer Streckenlänge von geplanten 298 Kilometern ist Mailand-San Remo 2013 wieder der längste aller Klassiker.

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://www.gazzetta.it/Speciali/MilanoSanremo/en/
    - Landkarte
    - Profil der gesamten Strecke
    - Profil der letzten 30 Kilometer
    - Zeittabelle (PDF-Datei)
(provisorische) Startliste auf procyclingstats.com
Fotos des Vorjahres auf cyclingnews.com

Ergebnis des Vorjahres (Sieger Simon Gerrans)
Ergebnis des Vorjahres (Sieger Matthew Goss)

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