Paris-Roubaix 2006

(FRA/ProTour-MNM) - Siegerliste Paris-Roubaix

Solo-Triumph durch Cancellara
Fabian Cancellara (Team CSC) ist der Sieger von Paris-Roubaix 2006. Der 25-jährige Schweizer triumphierte beim bekanntesten Radklassiker der Welt als Solist. Nach einem Disqualifikations-Hickhack um die Plätze hinter Cancellara setzte die Jury den Weltmeister Tom Boonen (Quick Step) auf Platz 2, obwohl er eigentlich nur Fünfter wurde. In einer ersten Verfolgergruppe hatte zunächst Leif Hoste (Discovery Channel) diesen Platz vor Peter van Petegem (Davitamon-Lotto) und seinem Discovery-Teamkollegen Wladimir Gussew belegt. Die Jury monierte bei diesem Trio, dass es einen sich schließenden Bahnübergang unerlaubt passiert hatte.

Cancellara feierte bei der 104. Auflage der «Königin der Klassiker» seinen größten Karriere-Erfolg. Es war erst der zweite Schweizer Sieg in Roubaix seit Heiri Suter 1923. Bislang ragte aus Cancellaras Palmarès der Sieg beim Prolog der Tour de France 2004 heraus. Bei Paris-Roubaix hatte er vor zwei Jahren Platz 4 belegt. Nun also der großartige Sieg des Schweizers - und der geschlagene Top-Favorit und Vorjahressieger Tom Boonen brachte es auf den Punkt: «Der Beste hat heute gewonnen». Knapp 20 Kilometer vor dem Ziel konterte Cancellara eine Attacke des Russen Gussew auf dem viertletzten der insgesamt 27 Kopfsteinpflaster-Abschnitte. Auf dem drittletzten Abschnitt, der schweren Pavé-Zone «Carrefour de l'Arbre», entledigte sich Cancellara schließlich seines letzten Begleiters. Sein Vorsprung wuchs schnell, und auch reguläre Bedingungen im Verfolgerfeld hätten Cancellaras Sieg nicht verhindern können.

Nie über rote Ampeln fahren!
Neben Cancellera gehörten in der Endphase des Rennens sieben weitere Fahrer zur Spitzengruppe. Dies waren Hoste, van Petegem, Gussew, Boonen, Alessandro Ballan (Lampre-Fondital), Juan Antonio Flecha (Rabobank) und Bernhard Eisel (Française des Jeux). Nachdem Cancellara ernst gemacht hatte, fanden sich seine einstigen Mitstreiter in zwei Dreiergruppen wieder, plus dem zurückhängenden Österreicher Eisel. Dann kam die Geschichte mit dem Bahnübergang. Als sich die Schranken senkten, huschten Hoste, van Petegem und Gussew noch schnell vorbei. Boonen, Ballan und Flecha hingegen mussten stehen bleiben und den Zug vorbeifahren lassen. Laut Reglement dürfen Rennfahrer keine geschlossenen Bahnschranken passieren. Dem Freund der Spitzfindigkeit sei gesagt: Als Boonen, Ballan und Flecha wieder in die Pedale traten, war der Zug zwar durch, die Schranke aber immer noch unten...

Bei den disqualifizierten Fahrern flossen nach dem sehr harten Jury-Urteil die Tränen. Der Belgier Leif Hoste hätte wie schon eine Woche zuvor bei der Flandern-Rundfahrt Platz 2 erreicht. Hostes Team Discovery Channel, das lange Zeit am besten aufgestellt zu sein schien, stand am Ende mit völlig leeren Händen da. Den beiden Disqualifikationen war noch größeres Pech vorausgegangen. Bei George Hincapie, dem eigentlichen Team-Kapitän, brach 47 Kilometer vor dem Ziel der Lenker ab: Sturz aufs Pflaster und aus der Traum vom ersten US-Sieg in der «Hölle des Nordens»!

Erste Selektion im Wald von Arenberg
Nach dem ersten schweren Pavé-Sektor, dem Wald von Arenberg 95 Kilometer vor dem Ziel, konnten sich 14 Fahrer aus dem Hauptfeld entscheidend absetzen. Neben den bereits genannten waren dies Wesemann (T-Mobile), Guesdon (Française des Jeux), Michaelsen (Team CSC), Steegmans (Davitamon-Lotto) und der Franzose Portal (Caisse d'Epargne), der aus einer frühen Ausreißergruppe mit Schreck (T-Mobile), Posthuma (Rabobank) und dem alten Konyschew (LPR) übrig blieb. Discovery Channel war als einziges Team dreifach vertreten, Tom Boonen hingegen schon überraschend früh von sämtlichen seiner Helfer isoliert. Zudem hatte in der Schlussphase Boonen auch nicht mehr die überragenden Beine, die ihn in der Vorwoche zum nächsten Sieg bei der Flandern-Rundfahrt getragen hatten.

Der Wald von Arenberg war nach einjähriger Restaurationspause wieder im Programm von Paris-Roubaix. Keinem Deutschen gelang im Wald von Arenberg der Sprung in die Spitzengruppe, wenn man Steffen Wesemann (T-Mobile) nicht mitzählt. Erik Zabel (Team Milram) kam mit dem Hauptfeld ins Ziel und wurde Zwölfter. Steffen Wesemann, mittlerweile mit Schweizer Pass ausgerüstet, hielt nach überstandener Atemwegserkrankung lange Zeit in der Spitzengruppe mit. «Wese» verlor dann aber doch noch einige Minuten auf den Sieger Cancellara und wurde Sechster.

9. April 2006
Ergebnis der 104. Auflage Paris-Roubaix (259km)
1. Fabian Cancellara (SUI) - Team CSC 6h07:54
2. Tom Boonen (BEL) - Quick Step +1:49
3. Alessandro Ballan (ITA) - Lampre-Fondital gl.Zeit
4. Juan Antonio Flecha (ESP) - Rabobank gl.Zeit
5. Bernhard Eisel (AUT) - Française des Jeux +3:25
6. Steffen Wesemann (SUI) - T-Mobile Team +5:35
7. Frédéric Guesdon (FRA) - Française des Jeux +6:31
8. Bert Roesems (BEL) - Davitamon-Lotto +6:44
9. Christophe Mengin (FRA) - Française des Jeux gl.Zeit
10. Staf Scheirlinckx (BEL) - Cofidis +6:49
11. Pedro Horillo (ESP) - Rabobank
12. Erik Zabel (GER) - Team Milram
13. Steven de Jongh (NED) - Quick Step
14. Leon van Bon (NED) - Davitamon-Lotto
15. Filippo Pozzato (ITA) - Quick Step
16. Aart Vierhouten (NED) - Skil-Shimano alle
17. Baden Cooke (AUS) - Unibet.com
18. Martin Elmiger (SUI) - Phonak
19. Lars Michaelsen (DEN) - Team CSC
20. Marco Serpellini (ITA) - Unibet.com
21. Anthony Geslin (FRA) - Bouygues Telecom gleiche
22. Marcus Burghardt (GER) - T-Mobile Team
23. Mathew Hayman (AUS) - Rabobank
24. Roger Hammond (GBR) - Discovery Channel
25. Jimmy Casper (FRA) - Cofidis
...
27. Enrico Poitschke (GER) - Team Milram Zeit
30. Ralf Grabsch (GER) - Team Milram
42. Andreas Klier (GER) - T-Mobile Team
61. Gert Steegmans (BEL) - Davitamon-Lotto +9:32
- 194 Teilnehmer, davon 112 klassiert.
DSQ Leif Hoste (BEL) - Discovery Channel
DSQ Peter van Petegem (RUS) - Davitamon-Lotto
DSQ Wladimir Gussew (RUS) - Discovery Channel
ProTour-Wertung nach 7 von 27 Rennen
1. Tom Boonen (BEL) - Quick Step 129 p.
2. Alessandro Ballan (ITA) - Lampre-Fondital 105
3. Fabian Cancellara (SUI) - Team CSC 84
4. Alessandro Petacchi (ITA) - Team Milram 72
5. Antonio Colom (ESP) - Caisse d'Epargne 71
6. Filippo Pozzato (ITA) - Quick Step 70
7. George Hincapie (USA) - Discovery Channel 60
8. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi 59
9 J.A. Gomez Marchante (ESP) - Saunier Duval-Prodir 53
10. Floyd Landis (USA) - Phonak 52
11. Thomas Dekker (NED) - Rabobank 51
12. Francisco J. Vila (ESP) - Lampre-Fondital 48
13. Alejandro Valverde (ESP) - Caisse d'Epargne 46
14. Thor Hushovd (NOR) - Crédit Agricole 44
15. Leif Hoste (BEL) - Discovery Channel 42
...

nach oben

Cancellara kann es noch gar nicht fassen
Dem Schweizer gehört der Siegerstein
Radsport-Seite.de, Homepage / Termine/Result. / Radsport-Resultate 2006 / Paris-Roubaix 2006