Paris-Roubaix 2017

(FRA/1.UWT) - Siegerliste Paris-Roubaix

Die Sonne strahlt für van Avermaet

Greg van Avermaet (BMC) gewann Paris-Roubaix 2017 im Sprint auf der Radrennbahn gegen 4 Mitstreiter. Der 31-jährige Belgier setzte sich nach 257 Kilometern mit mehr als einer Radlänge durch vor Zdenek Stybar (Quick Step), der im Schlussbogen eine gefährlich große Lücke gerissen hatte. Den 3. Platz belegte Sebastian Langeveld (Cannondale) - bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen über 20 Grad.

Erst auf der Radrennbahn hatte ein Duo mit Jasper Stuyven (Trek) und Gianni Moscon (Sky) den Anschluss zum pokernden Spitzentrio hergestellt. Die beiden reihten sich im Sprint aber doch wieder auf den Plätzen 4 und 5 ein. Nur 12 Sekunden hinter dem Sieger sprintete aus einer größeren Gruppe Arnaud Démare (FDJ) auf den 6. Platz vor André Greipel (Lotto).

Van Avermaet holte nach langem Anlauf seinen ersten Sieg bei einem Monument - nach einer beinah perfekten Frühjahrssaison mit Siegen bei Omloop, E3-Preis und Gent-Wevelgem. Dabei war der Olympiasieger bei dem Kopfsteinpflaster-Klassiker im Norden Frankreichs früh ins Hintertreffen geraten, als er im letzten Pavé-Sektor vor dem Wald von Arenberg durch einen Sturz zurückgeworfen wurde, aber im Laufe des Rennen den Weg zurück nach vorne fand.

Die Vorentscheidung bei Paris-Roubaix 2017 fiel innerhalb der letzten 40 Kilometer, als Stybar, Langeveld, Jürgen Roelandts (Lotto) sowie van Avermaet, Stuyven und Moscon den Solisten an der Spitze, van Avermaets Teamkollegen Daniel Oss, vefolgten. Im letzten 5-Sterne-Sektor Carrefour de l'Arbre konnten 17 Kilometer vor dem Ziel nur noch Langeveld und Stybar das Tempo von van Avermaet mitgehen. Stuyven und Moscon fielen hier zurück, Roelandts und Oss schon vorher.

Das Verfolgerfeld war nicht weit zurück, schaffte aber keine organisierte Nachführarbeit mehr. Stybar nahm sich vorne aus der Führungsarbeit heraus mit Verweis auf seinen Teamkollegen Tom Boonen, der zu seinem Karriereabschluss den Rekordsieg in Roubaix feiern wollte. Allerdings hatte sich van Avermaet zuvor in der Verfolgung von Oss ebenfalls etwas schonen können - und schließlich behielt der Olympiasieger ja auch die Oberhand über Stybar.

Schneller Beginn, keine Spitzengruppe kam weg

In der ersten Rennstunde von Paris-Roubaix 2017 wurden fast 51 Kilometer zurückgelegt. Entsprechend gelang es keiner Gruppe, nennenswert, also mit einem Vorsprung von mehr als einer halben Minute, wegzukommen - so auch einem Quintett mit Mørkøv, Würtz Schmidt (beide Katusha), Daniel (Fortuneo), Hofstetter (Cofidis) und Giraud (Delko), das in der zweiten Rennstunde für eine etwas längere Zeit dem Hauptfeld leicht vorausfuhr.

Den ersten Abschnitt auf Kopfsteinpflaster nahm 167 Kilometer vor dem Ziel ein Spitzentrio mit 45 Sekunden Vorsprung auf, bestehend aus Wallays (Lotto), Delage (FDJ) und Martinez (Delko), wobei Letztgenannter den beiden anderen schnell nicht mehr gewachsen war. 128 Kilometer vor dem Ziel, als die beiden Männer an der Spitze fast eingeholt waren, erhielten sie durch Vandenbergh (AG2R) eine neue Kraft.

Schon auf den ersten Pavé-Sektoren, die sich bis Roubaix auf insgesamt über 55 Kilometer summierten, spielten sich die ersten Dramen ab. Von den Mitfavoriten legte Oliver Naesen (AG2R) einen Salto hin. Ex-Sieger Niki Terpstra (Quick Step) schied sturzbedingt aus. Dann war auch van Avermaet in einen Sturz verwickelt.

Im Wald von Arenberg, dem berühmtesten 5-Sterne-Sektor, hängten Stijn Vandenbergh und Jelle Wallays 95 Kilometer vor dem Ziel Delage ab. Das Hauptfeld kam mit nur 10 Sekunden Rückstand aus dem Wald heraus. Van Avermaet wurde mit einer weiteren halben Minute gemeldet. Sylvain Chavanel (Direct Energie) löste Vandenbergh an der Spitze als Begleiter von Wallays ab.

Van Avermaet schloss gerade rechtzeitig zum Hauptfeld auf. Denn 78 Kilometer vor dem Ziel forcierten John Degenkolbs (Trek) Helfer auf dem Pflaster und saugten das Spitzenduo auf. Van Avermaet (BMC) war unter den ersten Leuten dabei, auch der Weltmeister Peter Sagan (Bora) und - allerdings kurzzeitig isoliert von allen Teamkollegen - Tom Boonen.

Sagan ohne Fortune, Boonen zu offensichtlich

Sagan wollte aus dieser Situation Kapital schlagen und attackierte gemeinsam mit seinem Teamkollegen Maciej Bodnar. Zu ihnen fuhren Oss und Stuyven. Doch wie bei der Flandern-Rundfahrt eine Woche zuvor agierte Sagan ohne Fortune: Es begann eine Serie von Defekten. Da Bodnar auf ihn wartete und beide vom inzwischen wieder aufgefüllten Verfolgerfeld eingeholt wurden, bildeten nun Oss und Stuyven die Spitze des Rennens.

In der Folgezeit gab es etliche Attacken aus dem Hauptfeld, von der keine fruchtete. Vor allem Boonen und Sagan probierten es mit der Brechstange auf dem Pflaster immer wieder von vorn. Stattdessen machte sich ein Trio mit Roelandts, Moscon und Dimitri Claeys (Cofidis) auf die Verfolgung von Oss und Stuyven, die vor Mons-en-Pévèle 48 Kilometer vor dem Ziel 40 Sekunden vor dem Hauptfeld lagen.

In diesem Sektor der höchsten Schwierigkeitsstufe beschleunigte Sagan mit Stybar. Den Anschluss zu den beiden hielten Jens Keukeleire (Orica), Boonen, Dylvan van Baarle (Cannondale), Langeveld, Degenkolb, Sagan, van Avermaet, Chavanel und Bert de Backer (Sunweb). Vorne erfolgte derweil der Zusammenschluss zwischen Spitzenduo und Verfolgertrio - nur etwa 15 Sekunden vor den nächsten 10 Verfolgern um Sagan und Stybar. Als noch 41 Kilometer zu fahren waren, liefen das Quintett und die 10 Verfolger zusammen.

Vorentscheidung in der Verfolgung auf Oss

40 Kilometer vor dem Ziel löste sich Oss aus der Spitzengruppe, während Keukeleire mit Defekt aus der Verfolgergruppe zurückfiel. 4 Kilometer später verfolgten Langeveld, Roelandts und Stybar den Solisten an der Spitze. Stuyven attackierte, und die Verfolgergruppe riss auseinander. Sagan war zunächst im Bilde, wurde dann aber durch einen Defekt endgültig ausgeschaltet.

So gingen van Avermaet und Moscon den Zug von Stuyven mit. Die nächsten Verfolger um Boonen und Degenkolb wurden von Marcel Sieberg (Lotto) und Bernhard Eisel (Dimension Data) eingeholt. Aber die Vorentscheidung war gefallen. Van Avermaet fuhr mit Stuyven und Moscon zu Stybar, Langeveld und Roelandts auf und sah sich dann im Windschatten an, wie die Gruppe die 25 Sekunden zu seinem Teamkollegen Oss schloss.

Als dies 24,5 Kilometer geschehen war, leistete Oss noch Tempoarbeit als Beitrag zum Sieg seines Teamkollegen, an dem er großen Anteil hatte. Die Verfolgergruppe um Boonen und Degenkolb füllte sich in der Zwischenzeit ordentlich auf. Der zurückgekehrte Naesen probierte etwas mit Boonen und Degenkolb auf dem Pflaster am Carrefour de l'Arbre. Dennoch gelang es nicht, den Rückstand zur Spitze zu senken, eher im Gegenteil: Er wuchs auf über eine Minute. Erst am Ende schrumpfte der Abstand wieder, als sich die Spitze ihrer Sache bereits sicher war.

Um den 6. duellierten sich aus einer 19-köpfigen Gruppe die Sprinter Démare und Greipel. Beide hatten das Rennen zuvor mit - nicht richtig zündenden - Attacken belebt, staubten ihre Platzierungen also nicht nur ab. Die Sieger der beiden letzten Jahre, Degenkolb und Mathew Hayman (Orica) belegten die Plätze 10 und 11.

So 9. April 2017
Ergebnis der 115. Auflage Paris-Roubaix (257,0km)
1. Greg van Avermaet (BEL) - BMC 5:41:07
2. Zdenek Stybar (CZE) - Quick Step Floors
3. Sebastian Langeveld (NED) - Cannondale-Drapac alle
4. Jasper Stuyven (BEL) - Trek-Segafredo gleiche
5. Gianni Moscon (GBR) - Sky Zeit
6. Arnaud Démare (FRA) - FDJ +0:12
7. André Greipel (GER) - Lotto-Soudal
8. Edward Theuns (BEL) - Trek-Segafredo
9. Adrien Petit (FRA) - Direct Energie
10. John Degenkolb (GER) - Trek-Segafredo
11. Mathew Hayman (AUS) - Orica-Scott
12. Florian Sénéchal (FRA) - Cofidis
13. Tom Boonen (BEL) - Quick Step Floors alle
14. Yoann Offredo (FRA) - Wanty-Groupe Gobert
15. Lauerns de Vreese (BEL) - Astana
16. Marcus Burghardt (GER) - Bora-Hansgrohe
17. Piet Allegaert (BEL) - Sport Vlaanderen gleiche
18. Nikolas Maes (BEL) - Lotto-Soudal
19. Sylvain Chavanel (FRA) - Direct Energie
20. Dylan van Baarle (NED) - Cannondale-Drapac
21. Daniel Oss (ITA) - BMC Zeit
22. Jurgen Roelandts (BEL) - Lotto-Soudal +0:20
23. Jelle Wallays (BEL) - Lotto-Soudal +0:26
24. Marcel Sieberg (GER) - Lotto-Soudal +0:36
25. Ramon Sinkeldam (NED) - Sunweb +2:24
26. Marco Marcato (ITA) - UAE-Emirates alle
27. Nils Politt (GER) - Katusha-Alpecin
28. Jonas van Genechten (BEL) - Cofidis gleiche
29. Koen de Kort (NED) - Trek-Segafredo
30. Bert Van Lerberghe (BEL) - Sport Vlaanderen Zeit
31. Oliver Naesen (BEL) - AG2R La Mondiale +2:24
...
36. Bernhard Eisel (AUT) - Dimension Data +3:30
38. Peter Sagan (SVK) - Bora-Hansgrohe +5:12
64. Edvald Boasson Hagen (NOR) - Dimension Data +9:41
72. Ian Stannard (GBR) - Sky +9:41
76. Tony Martin (GER) - Katusha-Alpecin +9:41
83. Jens Keukeleire (BEL) - Orica-Scott +14:06
- 198 Teilnehmer, davon 102 klassiert.

Die 7 Wildcards für Paris-Roubaix 2017 erhielten Cofidis, Delko, Direct Energie, Fortuneo, Roompot, Sport Vlaanderen und Wanty. Die 18 WorldTour-Teams waren automatisch dabei.

Strecke

Pavé-Sektoren 2017 (Länge in km)             km-   Zeit
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29. Troisvilles - Inchy (2,2) 160 13:23 ***
28. Viesly - Quiévy (1,8) 153,5 13:33 ***
27. Quiévy - Saint-Python (3,7) 151 13:36 ****
26. Viesly - Briastre (3,0) 144,5 13:45 ***
25. Briastre - Solesmes (0,8) 141 13:51 **
24. Vertain - St-Martin-sur-Écaillon (2,3) 132,5 14:03 ***
23. Verchain-Maugré - Quérénain (1,6) 122,5 14:17 ***
22. Quérénaing - Maing (2,5) 119,5 14:21 ***
21. Maing - Monchaux-sur-Écaillon (1,6) 116,5 14:24 ***
20. Haveluy - Wallers (2,5) 103,5 14:44 ****
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19. Wald von Arenberg (2,4) 95,5 14:56 *****
18. Wallers - Hélesmes (1,6) 89 15:04 ***
17. Hornaing - Wandignies (3,7) 82,5 15:14 ****
16. Warlaing - Brillon (2,4) 75 15:25 ***
15. Tilloy - Sars-et-Rosières (2,4) 71,5 15:30 ****
14. Beuvry - Orchies (1,4) 65 15:39 ***
13. Orchies (1,7) 60 15:46 ***
12. Auchy - Bersée (2,7) 54 15:55 ****
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11. Mons-en-Pévèle (3,0) 48,5 16:03 *****
10. Mérignies - Avelin (0,7) 42,5 16:11 **
9. Pont-Thibault - Ennevelin (1,4) 39 16:16 ***
8. Templeuve (Moulin-de-Vertain) (0,7) 33 16:25 **
7. Cysoing - Bourghelles (1,3) 26,5 16:34 ***
6. Bourghelles - Wannehain (1,1) 24 16:37 ***
5. Camphin-en-Pévèle (1,8) 19,5 16:44 ****
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4. Carrefour de l'Arbre (2,1) 17 16:48 *****
3. Gruson (1,1) 14,5 16:51 **
2. Willems - Hem (1,4) 8 17:01 ***
1. Roubaix (0,3) 1 17:10 *
Zielankunft im Vélodrome von Roubaix:
Kilometer 257,0 ca. 17:12 Uhr

Anders als in Hotels bedeuten bei Paris-Roubaix mehr Sterne, dass der entsprechende Kopfsteinpflastersektor unkomfortabler ist. Der vorletzte Sektor nach Hem wurde für 2017 aufgewertet auf 3 Sterne, weil die asphaltierten Streifen am Wegesrand diesmal abgesperrt sind und die Fahrer somit übers Pflaster müssen.

Die ersten Kopfsteinpflasterabschnitte bei Paris-Roubaix 2017 folgen durch Hinzunahme 3 neuer Sektoren (Viesly - Briastre, Briastre - Solesmes, Verchain-Maugré - Quérénain) dichter aufeinander. Dafür wurden 2 Sektoren in der Gegend für die 115. Auflage aus dem Programm genommen (Saint-Python, Capelle - Ruesnes). Die Intensität und Spannung des Rennens aus dem Vorjahr ließ allerdings schon kaum noch Wünsche offen, wahrscheinlich auch provoziert durch die erstmalig komplette Live-Übertragung vom Start in Compiègne an.

Insgesamt stehen über 55 Kilometer Kopfsteinpflaster für Paris-Roubaix 2017 auf dem Streckenplan - und damit 3 mehr als im Vorjahr. Auch in diesem Jahr wird die «Königin der Klassiker» komplett live gezeigt. Der Wetterbericht sagt Sonnenschein bei über 20 Grad vorher.

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