Paris-Roubaix 2015

(FRA/1.UWT) - Siegerliste Paris-Roubaix

Dege erfüllt sich Traum bei der «Königin der Klasskier»!
John Degenkolb (Giant) gewann in überlegener Manier Paris-Roubaix 2015 vor Zdenek Stybar (Etixx) und Greg van Avermaet (BMC). 119 Jahre nach dem Premierensieg von Josef Fischer war dies der zweite deutsche Triumph bei der «Königin der Klassiker». In einer aufregenden Schlussphase fuhr Degenkolb allein zu den beiden Spitzenreitern van Avermaet und Yves Lampaert (Etixx) vor. Stybar, Boom (Astana), Elmiger (IAM) und Keukeleire (Orica) kamen in Roubaix noch einmal zurück, so dass im Velodrom 7 Mann um den Sieg sprinteten

Degenkolb eroberte mit 26 Jahren sein 2. Monument, nachdem er 3 Wochen vor Paris-Roubaix bereits Mailand-Sanremo für sich entschieden hatte. Sein damaliger Gegner Alexander Kristoff (Katusha) erreicht bei Paris-Roubaix den 10. Platz im Sprint einer größeren Gruppe hinter den leicht abgesetzten Rowe (Sky) und Debusschere (Lotto). Eine Woche zuvor hatte Kristoff noch das Heft bei der Flandern-Rundfahrt in die Hand genommen und trotz seiner Sprintfähigkeiten in der Schlussphase die Flucht nach vorn ergriffen, während Degenkolb pokerte. Das mochte Degenkolb nicht noch einmal passieren, so dass diesmal er sein Herz erfolgreich in beide Hände nahm und nach 253,5 Rennkilometern am Ziel seiner Träume war.

Bei schönem Wetter über 52,7 Kilometer grobes Pflaster
Regenfrei und bei angenehmen Temperaturen machte den Fahrern weder Staub und schon gar nicht Schlamm zu schaffen. Dafür war natürlich das Grundtempo bei Paris-Roubaix 2015 umso höher. Dennoch spielten sich die entscheidenden Szenen erst hinter den schwierigsten Kopfsteinpflasterstücken ab, die bei der 113. Auflage des Pflaster-Klassikers nur der Vorselektion dienten. Das Rennen enthielt 52,7 Kilometer Kopfsteinpflaster - und damit 1,6 mehr als im Jahr zuvor. 3 der 27 Pflastersektoren stehen später in der Saison auch bei der 4. Etappe der Tour de France im Programm: Quiévy, Saint-Python und Verchain-Maugré. Die kleineren Streckenänderungen bei Paris-Roubaix 2015 gegenüber dem Vorjahr betrafen nur die ersten Pflasterabschnitte. Die letzten 117 Kilometer und damit 20 Pavé-Sektoren waren identisch mit dem Vorjahr, inklusive der 3 schwierigsten Sektoren: Wald von Arenberg, Mons-en-Pévèle und Carrefour de l'Arbre.

9 Mann schafften bei Paris-Roubaix 2015 den Sprung in die Spitzengruppe des Tages, und zwar de Bie (Lotto), Rast (Trek), Blythe (Orica), Gougeard (AG2R), Saramotins (IAM), Perichon (Bretange), Declercq (Topsport Vlaanderen), Backaert (Wanty) und Matzka (Bora). Ein Großteil dieser Gruppe blieb sehr lange in Front. Rast, Gougerad, Saramotins und Backaert wurden erste 22 Kilometer vor dem Ziel eingeholt. Aleksejs Saramotins schrammte am Ende auf dem 13. Platz nur knapp an den Top-Ten vorbei.

Großteil des Hauptfelds bricht Reglement an Bahnschranke
Der erste große Aufreger im Hauptfeld ereignete sich erst hinter dem Wald von Arenberg: 85 Kilometer vor dem Ziel senkte sich eine Bahnschranke unmittelbar vor dem Hauptfeld. Ein Großteil der Fahrer umkurvte die Schranken im Slalom. Nur die Nachhut blieb stehen, weil der Schnellzug nahte. Laut Reglement hätte fast das gesamte Feld fürs Passieren des roten Bahnübergangs disqualifiziert werden müssen. Diese Entscheidung wäre nicht einmal hart gewesen, sondern nur folgerichtig. Stattdessen drosselte die Jury das Tempo des Hauptfeldes, damit die Nachzügler wieder herankommen konnten. Bei Paris-Roubaix 2006 wurden nach solch einer Situation 3 Spitzenfahrer disqualifiziert. Aber 2015 hätte die richtige Entscheidung der Jury zu viel Aufsehen erregt. Denn wer traut sich, fast das ganze Peloton zu disqualifizieren? - selbst wenn diese Entscheidung eigentlich nur so hätte fallen dürfen.

Kurz nach dem Schrankenskandal konnte man den ersten Mitfavoriten streichen: Geraint Thomas (Sky) stürzte an einem Bordstein, nachdem sein Team zuvor viel Führungsarbeit inverstiert hatte. In der Folgezeit versuchte vor allem das Team Etixx, das Feld durch scharf gefahrene Pflasterabschnitte zu sprengen. Diese Versuche wurden jedoch relativ schnell neutralisiert, ebenso wie Attacken von Lotto, dem zweiten belgischen Top-Team. Etwas längeren Bestand hatte der Vorstoß von Stijn Vandenbergh (Etixx), der 45 Kilometer vor dem Ziel angriff und die verbliebenen Spitzenreiter für 12 Kilometer als Solist verfolgte.

Wiggins, Vanmarcke, Roelandts kamen nicht wirklich weg
33 Kilometer vor dem Ziel attackierte Bradley Wiggins (Sky) in seinem letzten großen Straßenrennen überraschend in einen leichteren Pflasterabschnitt hinein. Er preschte an Vandenbergh heran. Mit Gewaltakten schafften auch noch Debusschere (Lotto) und Stybar den Anschluss. Doch die Konstellation dieser Gruppe passte nicht, dies eine halbe Minute hinter der Spitzengruppe um Saramotins und Grégory Rast sowie gut 10 Sekunden vor der Hauptgruppe. Als die Gruppe um Wiggins eingeholt war, wurden 2 Attacken von van Avermaet schnell vereitelt.

Sep Vanmarcke (LottoNL) attackierte 24 Kilometer vor dem Ziel. Diesmal kamen nur Vorjahressieger Terpstra (Etixx) mit Degenkolb am Hinterrad mit sowie mit Verzögerung Lars Boom und Peter Sagan (Tinkoff). Als 2 Kilometer später Rast, Gougeard, Saramotins und Backaert eingeholt waren, schlief das Tempo jedoch ein, so dass die nächste größere Gruppe wieder herankam. Vanmarcke kämpte sich nach einem Defekt wieder in die erste Gruppe zurück, teilweise mit Teamunterstützung.

Vor dem Sektor Carrefour de l'Arbre setzte sich Borut Bozic (Astana) in Front, verfolgt und erreicht von Jürgen Roelandts (Lotto). Dieser ließ Bozic auf dem Pflaster stehen, während sich hinten Marcato (Wanty) von der Verfolgergruppe leicht absetzte. Degenkolb fuhr wie bei allen Pflasterabschnitten aufmerksam an einer vorderern Position, zuletzt häufig an der zweiten. 14 Kilometer vor dem Ziel fuhr Jens Keukeleire zu Roelandts vor, keinen Kilometer später war auch dieses Duo wieder Geschichte. Paris-Roubaix 2015 würde sich nun hinter den großen Klippen und Schlüsselstellen entscheiden...

Taktik und verbliebene Kräfte bestimmten aufregendes Finale
Wer hatte nun die besten Kräfte, die stärksten Nerven, die richtige Nase, vielleicht auch das Quentchen Glück? Vanmarcke attackiert mit Martin Elmiger am Rad, aber Stybar passte auf. Dann ging Boom, verfolgt von Terpstra mit Degenkolb im Windschatten, ehe auch dieser Versuch neutralisiert war. Ein vorentscheidender Vorstoß gelang Yves Lampaert 12,5 Kilometer vor dem Ziel. Nur sein belgischer Landsmann van Avermaet folgte sofort. Bert de Backer (Giant) stieg mit Verzögerung nach und hing nun zwischen dem Spitzenduo und der ersten Verfolgergruppe.

Degenkolb erinnerte sich an das Rennen im Vorjahr, als er im Sprint der Verfolger den 2. Platz hinter Terpstra belegte. Auch bei der Flandern-Rundfahrt hatte er 7 Tage zuvor den Postabgang verpasst. Diesmal wollte er nur eines: den Sieg bei Paris-Roubaix, seinen Kindheitstraum. Da die Verfolgergruppe nicht harmonierte, setzte «Dege» alles auf eine Karte. Er fuhr zu seinem Teamkollegen de Backer vor, der eine letzte Ablösung fuhr, und dann als Solist zum Spitzenduo. Lampaert hatte schon zuvor etwas weniger getan als der endschnellere van Avermaet. Nun stellte er gegen den übermächtig erscheinenden Degenkolb die Arbeit ein. Van Avermaet ließ sich wenigstens zu einigen Führungen bewegen.

Denn von hinten drohte Ungemach: Aus der Verfolgergruppe hatten sich Boom, Stybar, Elmiger und Keukeleire abgesetzt und harmonierten besser. An einer ekligen, nur um eine Nuance steigenden Hauptstraße sprang Stybar 3,2 Kilometer vor dem Ziel zum Trio vor. 700 Meter später attackiert Lampaert erfolglos, kurz bevor auch Boom, Stybar und Elmiger auf der letzten gepflasterten Allee in Roubaix zurückkamen. Auch die nächste Verfolgergruppe war nicht weit, allerdings wegen Defekts ohne Sagan.

Im Velodrom spannte sich Lampaert vor seinen Teamkollegen Stybar, dahinter Degenkolb. Auf der Gegengeraden versuchte Boom, von außen zu kommen. Degenkolb wollte sich nicht einbauen lassen, setzte vor der Kurve zum Sprint an. Noch in der Kurve zog er vor Stybar auf die Innenbahn und feierte einen überlegenen Sieg. Stybar und van Avermaet kämpften verbissen um die Podestplätze hinter Degenkolb. Der Schweizer Meister Martin Elmiger reihte sich auf dem 5. Platz ein. Andreas Schillinger (Bora) belegte als zweitbester Deutscher den 16. Platz.

So 12. April 2015, Compiègne - Roubaix
Ergebnis der 113. Auflage Paris-Roubaix (253,5km)
1. John Degenkolb (GER) - Giant-Alpecin 5:49:51
2. Zdenek Stybar (CZE) - Etixx-Quick Step
3. Greg van Avermaet (BEL) - BMC
4. Lars Boom (NED) - Astana alle
5. Martin Elmiger (SUI) - IAM gleiche
6. Jens Keukeleire (BEL) - Orica-Greenedge Zeit
7. Yves Lampaert (BEL) - Etixx-Quick Step +0:07
8. Luke Rowe (GBR) - Sky +0:28
9. Jens Debusschere (BEL) - Lotto-Soudal +0:29
10. Alexander Kristoff (NOR) - Katusha +0:31
11. Sep Vanmarcke (BEL) - LottoNL-Jumbo
12. Bert de Backer (BEL) - Giant-Alpecin
13. Aleksejs Saramotins (LTU) - IAM
14. Borut Bozic (SLO) - Astana
15. Niki Terpstra (NED) - Etixx-Quick Step alle
16. Andreas Schillinger (GER) - Bora-Argon 18
17. Florian Sénéchal (FRA) - Cofidis
18. Bradley Wiggins (GBR) - Sky
19. Björn Leukemans (BEL) - Wanty-Groupe Gobert gleiche
20. Grégory Rast (BEL) - Trek
21. Jürgen Roelandts (BEL) - Lotto-Soudal
22. Marco Marcato (ITA) - Wanty-Groupe Gobert
23. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff-Saxo Zeit
24. Laurens de Vreese (BEL) - Astana +1:38
25. Frederik Backaert (BEL) - Wanty-Groupe Gobert alle
26. Alexis Gougeard (FRA) - AG2R La Mondiale gleiche
27. Ramon Sinkeldam (NED) - Giant-Alpecin Zeit
28. André Greipel (GER) - Lotto-Soudal +2:55
29. Michael Mørkøv (DEN) - Tinkoff-Saxo
30. Tim de Troyer (BEL) - Topsport Vlaanderen alle
... gleiche
33. Stijn Vandenbergh (BEL) - Etixx-Quick Step Zeit
37. Arnaud Démare (FRA) - FDJ +3:21
44. Luca Paolini (ITA) - Katusha +3:24
75. Johan Vansummeren (BEL) - AG2R La Mondiale +7:50
96. Ralf Matzka (GER) - Bora-Argon 18 +15:21
- 200 Teilnehmer, davon 133 klassiert.

Wildcards für Paris-Roubaix 2015 erhielten Bretagne, Cofidis, Europcar (alle Frankreich), Topsport Vlaanderen, Wanty (beide Belgien), Bora (Deutschland), MTN (Südafrika) und Unitedhealthcare (USA). Damit starten inklusive der 17 WorldTour-Teams insgesamt 25 Teams.

Pavé-Sektoren 2015 (Länge in km)             km-   Zeit
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27. Troisvilles - Inchy (2,2) 155 12:58 ***
26. Viesly - Quiévy (1,8) 148,5 13:07 ***
25. Quiévy - Saint-Python (3,7) 145,5 13:11 ****
24. Saint-Python (1,5) 141 13:18 **
23. Vertain - St-Martin-sur-Écaillon (2,3) 133 13:30 ***
22. Verchain - Quérénaing (1,6) 123,5 13:45 ***
21. Quérénaing - Maing (2,5) 120 13:50 ***
20. Maing - Monchaux (1,6) 117 13:55 ***
19. Haveluy - Wallers (2,5) 104 14:14 ****
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18. Wald von Arenberg (2,4) 95,5 14:27 *****
17. Wallers - Hélesmes (1,6) 89,5 14:36 ***
16. Hornaing - Wandignies (3,7) 82,5 14:46 ****
15. Warlaing - Brillon (2,4) 75 14:57 ***
14. Tilloy - Sars-et-Rosières (2,4) 72 15:02 ****
13. Beuvry - Orchies (1,4) 65,5 15:12 ***
12. Orchies (1,7) 60,5 15:20 ***
11. Auchy - Bersée (2,7) 54,5 15:29 ****
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10. Mons-en-Pévèle (3,0) 49 15:37 *****
9. Mérignies - Avelin (0,7) 43 15:46 **
8. Pont-Thibault - Ennevelin (1,4) 39,5 15:51 ***
7. Templeuve (Moulin-de-Vertain) (0,5) 33,5 16:00 **
6. Cysoing - Bourghelles (1,3) 27 16:10 ***
Bourghelles - Wannehain (1,1) 24,5 16:14 ***
5. Camphin-en-Pévèle (1,8) 20 16:20 ****
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4. Carrefour de l'Arbre (2,1) 17 16:24 *****
3. Gruson (1,1) 15 16:28 **
2. Willems - Hem (1,4) 8 16:38 **
1. Roubaix (0,3) 1,5 16:48 *
Zielankunft im Vélodrome von Roubaix:
Kilometer 253,5 ca. 16:50 Uhr

Zeiten nach mittlerer geschätzter Geschwindigkeit. Die Anzahl der Sterne gibt Aufschluss über die Schwierigkeit der Pflaster-Abschnitte. Hier spielen die Länge des Abschnitts sowie die Beschaffenheit des Untergrundes eine Rolle: je gröber das Pflaster und je größer die Zwischenräume zwischen den Pflastersteinen, desto mehr Sterne. Auch bei Paris-Roubaix 2015 gibt es wieder die 5-Sterne-Abschnitte Wald von Arenberg, Mons-en-Pévèle und Carrefour de l'Arbre, die alle 3 relativ lang sind und zudem über einen gewollt besonders katastrophalen Untergrund verfügen.

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://www.letour.fr/paris-roubaix/
Wetter in Mons-en-Pévèle auf wetter.com
(provisorische) Startliste auf procyclingstats.com
Fotos des Vorjahres auf cyclingnews.com

Ergebnis des Vorjahres (Sieger Niki Terpstra)
Ergebnis vor 2 Jahren (Sieger Fabian Cancellara)

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