Paris-Roubaix 2014

(FRA/WorldTour) - Siegerliste Paris-Roubaix

Terpstra mit spätem Solo aus großer Gruppe
Niki Terpstra (Omega) gewann Paris-Roubaix 2014 als Solist. Nach einem aufregenden Rennen setzte sich der 29-jährige Niederländer dann relativ unspektakulär 6,3 Kilometer vor dem Ziel aus einer 11-köpfigen Gruppe der Besten ab, in der sein Team mit 3 Mann in der Überzahl war. John Degenkolb (Giant) freute sich über seinen Sprint um den 2. Platz mit einer knappen Radlänge vor den beiden Rennfavoriten Fabian Cancellara (Trek) und Sep Vanmarcke (Belkin). So fiel die Entscheidung nicht auf den 51,1 Kilometern Kopfsteinpflaster - dort wurde vor dem Finale an diesem milden Frühlingstag nur gesiebt.

Aus dem letzten ernsten Pflaster-Sektor, Carrefour de l'Arbre 15 Kilometer vor dem Ziel, gingen Degenkolb, Cancellara, Vanmarcke, Peter Sagan (Cannondale) und Zdenek Stybar (Omega) als Spitzenquintett hervor. Zuvor hatte Sagan das Rennen einige Kilometer als Solist angeführt. Nur 16 Sekunden dahinter folgte eine Gruppe mit den 2 Team-Duos Boonen und Terpstra (beide Omega), Thomas und Wiggins (beide Sky) sowie Sebastian Langeveld (Garmin) und als Aufpasser für Degenkolb der überraschend starke Bert de Backer (Giant). Vorne bremste Stybar seine 4 Begleiter, die ohnehin nicht voll durchzogen. Deswegen erfolgte 9 Kilometer vor dem Ziel der Zusammenschluss und hinter dem vorletzten (harmlosen) Pfalster-Sektor Hem die erfolgreiche Attacke von Terpstra, im Vorjahr bereits auf dem 3. Platz hinter Cancellara und Vanmarcke.

Boonen als Animator wollte nicht stillhalten
Vor allem Tom Boonen brachte die 112. Ausgabe des Monuments Paris-Roubaix durch frühe Attacken in die Gänge - insofern traf es am Ende nicht das falsche Team. Der 4-fache Roubaix-Sieger eröffnete 65 Kilometer vor dem Ziel das Feuerwerk unter den großen Namen, bei denen zuvor nicht viel passiert war, auch nicht im ansonsten berüchtigten Wald von Arenberg. Boonen animierte immer wieder Gruppen mit wechselnder Besetzung. Davon hielten sich mit Boonen am längsten gemeinsam an der Spitze: Thor Hushovd (BMC), Yannick Martinez (Europcar), Bram Tankink (Belkin), Geraint Thomas und Bart de Backer. Der Vorsprung pendelte: 2 Beinahe-Zusammenschlüsse nutzten erst Hushovd und dann Tankink, um sich in die Spitzengruppe zu setzen, aus der zwischenzeitlich Ladagnous (FDJ.fr) und Gaudin (AG2R) nicht mehr Boonens Tempo mitgehen konnten.

36 Kilometer vor dem Ziel attackierte aus der Verfolgergruppe heraus Sagan, den Maarten Wynants (Belkin) markierte. Gut 10 Kilometer später holte das Duo die Spitzengruppe ein, und auch die nächste Gruppe um Cancellara und Vanmarcke war fast dran. 2 andere Belkin-Fahrer sprangen zur Spitzengruppe. Aus dieser attackierte 21,4 Kilometer vor dem Ziel nochmals Sagan, diesmal auf Asphalt. Im Sektor vor Carrefour de l'Arbre führte Vanmarcke mit Cancellara am Rad die zweite Verfolgergruppe wieder an die erste heran, obwohl in dieser mehrere Teamkollegen saßen. Vanmarcke war vielleicht der stärkste Pflaster-Fahrer an diesem Tag, und verfügte augenscheinlich sogar über das stärkste Team. Aber eine merkwürdige Taktik während des gesamten Rennverlaufs und das gute Wetter spielten in die Karten anderer Teams und Fahrer.

Als noch 19 Kilometer zu fahren waren, attackierte Vanmarcke mit Cancellara am Rad. Dahinter stürzte Boom (Belkin) in einer Pflasterkurve. Die aufgegangene Lücke konnten nur Degenkolb und Stybar schließen. Während das Quartett Sagan einholte, formierten sich dahinter 6 Fahrer, von denen insbesondere Stybars Teamkollegen Boonen und Terpstra der Spitze hinterherjagten. Auch klinkten sich die Sky-Fahrer Geraint Thomas und Bradley Wiggins ein. Letztgenannter stand als erster Tour-de-France-Sieger seit Greg Lemond am Start von Paris-Roubaix. Inklusive Langeveld und de Backer schlossen sie zu den 5 Spitzenleuten auf. De Backer hatte nach den zehrenden Kilometern auf der Flucht nicht mehr die Reserven, um die Gruppe für Degenkolb zusammenzuhalten und auf die Attacke von Terpstra zu reagieren. Aus einem unterhaltsamen Nachmittag war mit einem Schlag die Luft raus. Leider verpeilte die französische Regie den Zieleinlauf der Gruppe um Degenkolb und zeigte stattdessen lieber den Sprint ihres Landsmannes Arnaud Démare (FDJ.fr) gegen Bernhard Eisel (Sky) um den 12. Platz.

Einige Pavés dann auch bei der Tour de France
Bei Paris-Roubaix 2014 waren 28 der gefürchteten Kopfsteinpflaster-Sektoren eingebaut. 51,1 der insgesamt 257 Kilometer langen Strecke wurden auf meist übelst groben Pflasterwegen zurückgelegt. 9 Sektoren sind auch Bestandteil der 5. Tour-de-France-Etappe, allerdings teilweise kürzer als bei Paris-Roubaix und in entgegengesetzter Richtung. Den Sprung in die 8-köpfige frühe Spitzengruppe bei Paris-Roubaix 2014 vollzogen: Clément Koretzky, Benoît Jarrier (beide Bretagne), David Boucher (FDJ.fr), Kenny Dehaes (Lotto), Andreas Schillinger (Netapp), Michal Kolar (Tinkoff), John Murphy (Unitedhealthcare) und Tim de Troyer (Wanty). Mit Schillinger, Jarrier und de Troyer wurden die letzten 3 Verbliebenen 61 Kilometer vor dem Ziel von Boonen gestellt.

Aus dem erweiterten Favoritenkreis war vor dem Wald von Arenberg nur Alexander Kristoff (Kristoff) nach bisher ertragreichem Frühjahr wegen Sturzes außer Gefecht gesetzt. Auch Sagan und Degenkolb hingen den Musik zeitweise wegen Defekten hinterher. Cancellara wurde beinahe von seinem Teamkollegen Roulston abgeräumt und war deswegen für kurze Zeit abgehängt. Greg van Avermaet konnte im Gegensatz sein Malheur 24 Kilometer vor dem Ziel nicht mehr wirklich reparieren, als er gemeinsam mit seinem Helfer Michael Schär in einer gepflasterten Kurve stürzte.

Monumente: Podium Nr.1 für Degenkolb, Nr. 15 für Cancellara
Niki Terpstra gelang bei Paris-Roubaix 2014 sein größter Triumph. Der 2-fache niederländische Meister hat unter anderem 2 Siege bei Dwars door Vlaanderen in seinen Palmarès stehen und in Roubaix neben dem 3. Platz von 2013 auch einen 5. Platz von 2012 vorzuweisen. John Degenkolb fuhr 2 Wochen nach seinem Sieg bei Gent-Wevelgem nun erstmals aufs Podest bei einem Monument. Dies erreichte Fabian Cancellara bereits zum 15. Mal bei insgesamt 7 Siegen, zuletzt vor einer Woche bei der Flandern-Rundfahrt.

So 13. April 2014, Compiègne - Roubaix
Ergebnis der 112. Auflage Paris-Roubaix (257km)
1. Niki Terpstra (NED) - Omega-Quick Step 6h09:01
2. John Degenkolb (GER) - Giant-Shimano +0:20
3. Fabian Cancellara (SUI) - Trek
4. Sep Vanmarcke (BEL) - Belkin
5. Zdenek Stybar (CZE) - Omega-Quick Step
6. Peter Sagan (SVK) - Cannondale alle
7. Geraint Thomas (GBR) - Sky
8. Sebastian Langeveld (NED) - Garmin-Sharp gleiche
9. Bradley Wiggins (GBR) - Sky
10. Tom Boonen (BEL) - Omega-Quick Step Zeit
11. Bart de Backer (BEL) - Giant-Shimano +0:26
12. Arnaud Démare (FRA) - FDJ.fr +0:47
13. Bernhard Eisel (AUT) - Sky
14. Sébastien Turgot (FRA) - AG2R La Mondiale alle
15. Björn Leukemans (BEL) - Wanty-Groupe Gobert
16. Stijn Vandenbergh (BEL) - Omega-Quick Step gleiche
17. Greg van Avermaet (BEL) - BMC
18. Jos van Emden (NED) - Belkin Zeit
19. Thor Hushovd (NOR) - BMC +1:05
20. Jempy Drucker (LUX) - Wanty-Groupe Gobert
21. Edvald Boasson Hagen (NOR) - Sky
22. Marcus Burghardt (GER) - BMC
23. Sébastien Minard (FRA) - AG2R La Mondiale
24. Yannick Martinez (FRA) - Europcar
25. Jens Keukeleire (BEL) - Orica-Greenedge
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Neben den obligatorischen Einladungen an die 18 ProTeams gingen 7 Wildcards für Paris-Roubaix 2014 an: Bretagne, Cofidis, IAM, Netapp, Tosport Vlaanderen, Unitedhealthcare und Wanty.

Pavé-Sektoren 2014 (Länge in km)             km-   Zeit
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28. Troisvilles - Inchy (2,2) 159,5 12:51 ***
27. Viesly - Quiévy (1,8) 153 13:00 ***
26. Quiévy - Saint-Python (3,7) 150,5 13:04 ****
25. Saint-Python (1,5) 146 13:11 **
24. Solesmes - Haussy (0,8) 137,5 13:24 **
23. Saulzoir - Verchain-Maugré (1,2) 131 13:34 **
22. Verchain-Maugré - Quérénaing (1,6) 126,5 13:40 ***
21. Quérénaing - Famars (1,2) 122 13:47 **
20. Maing - Monchaux-sur-Écaillon (1,6) 116,5 13:55 ***
19. Haveluy - Wallers (2,5) 104 14:14 ****
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18. Wald von Arenberg (2,4) 95,5 14:27 *****
17. Wallers - Hélesmes (1,6) 89,5 14:36 ***
16. Hornaing - Wandignies (3,7) 82,5 14:46 ****
15. Warlaing - Brillon (2,4) 75 14:57 ***
14. Tilloy - Sars-et-Rosières (2,4) 72 15:02 ****
13. Beuvry-la-Forêt - Orchies (1,4) 65,5 15:12 ***
12. Orchies (1,7) 60,5 15:20 ***
11. Auchy-lez-Orchies - Bersée (2,7) 54,5 15:29 ****
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10. Mons-en-Pévèle (3,0) 49 15:37 *****
9. Mérignies - Avelin (0,7) 43 15:46 **
8. Pont-Thibaut - Ennevelin (1,4) 39,5 15:51 ***
7. Templeuve (Moulin-de-Vertain) (0,5) 33,5 16:00 **
6. Cysoing - Bourghelles (1,3) 27 16:10 ****
Bourghelles - Wannehain (1,1) 24,5 16:14 ***
5. Camphin-en-Pévèle (1,8) 20 16:20 ****
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4. Carrefour de l'Arbre (2,1) 17 16:24 *****
3. Gruson (1,1) 15 16:28 **
2. Willems - Hem (1,4) 8 16:38 **
1. Roubaix (0,3) 1 16:48 *
Zielankunft im Vélodrome von Roubaix:
Kilometer 257 ca. 16:50 Uhr

Zeiten nach mittlerer geschätzter Geschwindigkeit. Die Anzahl der Sterne gibt Aufschluss über die Schwierigkeit der Pflaster-Abschnitte. Hier spielen die Länge des Abschnitts sowie die Beschaffenheit des Untergrundes eine Rolle: je gröber das Pflaster und je größer die Zwischenräume zwischen den Pflastersteinen, desto mehr Sterne. Auch bei Paris-Roubaix 2014 gibt es wieder die 5-Sterne-Abschnitte Wald von Arenberg, Mons-en-Pévèle und Carrefour de l'Arbre, die alle 3 relativ lang sind und zudem über einen gewollt besonders katastrophalen Untergrund verfügen.

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://www.letour.fr/indexPRX_fr.html
     - Landkarte, Zeittabelle & Pflaster-Sektoren
Wetter in Mons-en-Pévèle auf wetter.com
(provisorische) Startliste auf procyclingstats.com
Fotos des Vorjahres auf cyclingnews.com

Ergebnis des Vorjahres (Sieger Fabian Cancellara)
Ergebnis vor 2 Jahren (Sieger Tom Boonen)

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