Roger de Vlaeminck – «Monsieur Paris Roubaix»

Von Matthias Falke

Beim Namen Roger de Vlaeminck geraten Radsportexperten ins Schwärmen. Obwohl er nie Straßenweltmeister wurde, gilt der Flame als vielleicht größter Klassikerjäger aller Zeiten. Allein mit seinen vier Siegen bei der «Fahrt durch die Hölle des Nordens», wegen seines berüchtigten Kopfsteinpflasters das wohl schwerste Eintagesrennen der Welt, hat sich «Monsieur Paris - Roubaix» ein Denkmal gesetzt und eine bis heute unerreichte Leistung vollbracht.

Am 24. August 1947 im belgischen Eekloo geboren, orientierte sich Roger de Vlaeminck in der Jugend an seinem zwei Jahre älteren Bruder Eric, in den späten sechziger Jahren einer der besten Querfeldeinfahrer weltweit. Bereits de Vlaemincks Einstieg in die Radsportwelt glich einem Paukenschlag und ist bis heute ein Novum geblieben. Als Amateur errang er 1968 in Luxemburg auf Anhieb das Regenbogentrikot bei der Crossweltmeisterschaft, während sein Bruder am gleichen Tag den Titel bei den Profis eroberte.

Der Einstieg ins Profigeschäft verlief ähnlich märchenhaft. Er siegte 1969 bei Het Volk (Gent-Gent) und konnte zwei Wochen später nur von dem entfesselt fahrenden Eddy Merckx bei Mailand - San Remo geschlagen werden. De Vlaeminck revanchierte sich noch in der gleichen Saison und holte sich den Titel des belgischen Straßenmeisters vor Merckx. Mit einem fünften Platz bei seiner ersten Paris-Roubaix-Teilnahme deutete der Belgier ebenfalls an, dass er einer der ganz Großen werden könnte.

1970 heimste de Vlaeminck bei Lüttich-Bastogne-Lüttich seinen ersten Erfolg bei einem großen Klassiker ein, gewann eine Etappe bei der Tour de France und errang den zweiten Platz bei Paris - Roubaix. Dieses Rennen sollte sein erklärtes Lieblingsrennen werden, obgleich ihm auch bei Landesrundfahrten außergewöhnliche und bis heute einmalige Leistungen gelangen.
So glänzte er 1972 bei seiner ersten Giro d’Italia-Teilnahme mit vier Etappensiegen und elf (!) weiteren Platzierungen unter den besten Acht, was den siebten Rang in der Endabrechnung und das Punktetrikot bedeutete. Im Jahr darauf brachte er es beim Giro gar auf 18 (!) Platzierungen unter den ersten Zehn, und holte sich erneut unangefochten das Punktetrikot. Aber damit nicht genug. 1975, im wohl besten Jahr seiner Karriere, belegte Roger de Vlaeminck den vierten Platz bei der Italienrundfahrt, sicherte sich das Punktetrikot, sieben Etappensiege und kam bis auf die dritte und die 19. Etappe immer unter die ersten Acht! Unvergessen auch sein legendärer Auftritt kurz darauf bei der Tour de Suisse. Als Gesamtsieger holte er sich mit dem Prolog sechs (!) Etappensiege, wurde viermal Zweiter und rangierte auf der siebten Etappe auf dem fünften Platz! Ein Rekord für die Ewigkeit.

Aber zurück zur Hölle des Nordens: Bei seiner dritten Teilnahme fuhr de Vlaeminck als Siebter im altehrwürdigen Radstadion von Roubaix über den Zielstrich. Aber 1972 war es dann soweit. «Monsieur Paris – Roubaix» trotzte in unnachahmlicher Manier dem Kopfsteinpflaster und gewann erstmals das schwerste Radrennen der Welt. 1974, 1975 und 1977 folgten weitere Siege. Rang sieben im Jahr 1973, der dritte Platz 1976, Zweiter 1978, 1979 und 1981 und Rang sechs im Jahr 1982 belegen, dass ausgerechnet das Rennen, dem die Fachwelt die größten Unwegbarkeiten nachsagt und das für viele Radprofis bis in die heutige Zeit ein Martyrium ist, über mehr als ein Jahrzehnt von Roger de Vlaeminck beherrscht wurde.

Mit 37 Jahren beendete Roger de Vlaeminck eine der eindrucksvollsten Karrieren des Profiradsports. Nach einem letzten Rennen in Overijse bei Brüssel versteigerte er sein Rennrad auf einem großen Festbankett zu Gunsten der Welthungerhilfe. Zwar startete er Ende 1986 nochmals ein Comeback, konnte aber nie wieder einen Sieg im Profizirkus erringen und stieg am 15. Februar 1988 endgültig vom Rad.

Nur eines macht de Vlaeminck, der von Freunden und ehemaligen Kollegen als lebensfroh und umgänglich beschrieben wird, bis heute traurig. Es gelang ihm nie, das Regenbogentrikot des Straßenweltmeisters zu erobern. Rang zwei hinter dem Holländer Hennie Kuiper 1975 in Yvoir blieb der beste Erfolg von «Monsieur Paris – Roubaix».

Die wichtigsten Profi-Siege und de Vlaemincks Teams:

1969 – Flandria-de-Clerck
Straßenmeister Belgien
Het Volk (Gent-Gent)
3. Etappe Belgien-Rundfahrt
Brüssel-Ingooigem

1970 – Flandria-Mars
Kuurne-Brüssel-Kuurne
Großer Scheldepreis
Lüttich-Bastogne-Lüttich
6. Etappe Tour de France (Valenciennes)

1971 – Flandria-Mars
Prolog Andalusien-Rundfahrt
4. Etappe Andalusien-Rundfahrt
Kuurne-Brüssel-Kuurne
Harelbeke-Antwerpen-Harelbeke
Flèche Wallonne
2. Etappe Vier Tage von Dünkirchen
Vier Tage von Dünkirchen, Gesamtsieg
3.1 Etappe Tour de Suisse
Gewinner Punktetrikot Tour de Suisse

1972 – Dreher
Belgischer Meister im Zweier-Mannschaftsfahren (mit Patrick Sercu)
4. Etappe Tirreno-Adriatico
5.2 Etappe Tirreno-Adriatico
Tirreno-Adriatico, Gesamtsieg
Paris-Roubaix
6. Etappe Giro d’Italia
15. Etappe Giro d’Italia
18. Etappe Giro d’Italia
19. Etappe Giro d’Italia
Gewinner Punktetrikot Giro d’Italia
Coppa Placci
GP di Camaiore
Mailand-Turin

1973 – Brooklyn
Mailand-San Remo
5.1 Etappe Tirreno-Adriatico
Tirreno-Adriatico, Gesamtsieg
Gewinner Bergtrikot Tirreno-Adriatico
2. Etappe Giro d’Italia
11. Etappe Giro d’Italia
13. Etappe Giro d’Italia

1974 – Brooklyn
5. Etappe Tirreno-Adratico
Tirreno-Adriatico, Gesamtsieg
Paris-Roubaix
4. Etappe Giro d’Italia
Gewinner Punktetrikot Giro d’Italia
Coppa Placci
Mailand-Turin
Lombardei-Rundfahrt

1975 – Brooklyn
Trofeo Pantalica
2.1 Etappe Tirreno-Adratico
4. Etappe Tirreno-Adratico
5. Etappe Tirreno-Adratico
Tirreno-Adriatico, Gesamtsieg
Paris-Roubaix
Meisterschaft von Zürich
Gewinner Punktetrikot Giro d’Italia
4. Etappe Giro d’Italia
6. Etappe Giro d’Italia
7.2 Etappe Giro d’Italia
10. Etappe Giro d’Italia
11. Etappe Giro d’Italia
18. Etappe Giro d’Italia
20. Etappe Giro d’Italia
Tour de Suisse
Prolog Tour de Suisse
1. Etappe Tour de Suisse
3. Etappe Tour de Suisse
5. Etappe Tour de Suisse
9.1 Etappe Tour de Suisse
9.2 Etappe Tour de Suisse
Tour de Suisse, Gesamtsieg
Gewinner Punktetrikot Tour de Suisse
Giro del Lazio
Coppa Agostoni

1976 – Brooklyn
3. Etappe Tirreno-Adriatico
4. Etappe Tirreno-Adriatico
5.2 Etappe Tirreno-Adriatico
Tirreno-Adriatico, Gesamtsieg
Gewinner Punktetrikot Tour de Romandie
5.1 Etappe Tour de Romandie
Prolog Katalonien-Rundfahrt
2. Etappe Katalonien-Rundfahrt
4. Etappe Katalonien-Rundfahrt
2. Etappe Giro d’Italia
5. Etappe Giro d’Italia
8. Etappe Giro d’Italia
16. Etappe Giro d’Italia
Giro del Lazio
Coppa Agostoni
Sassari-Cagliari
Giro dell'Emilia
Lombardei-Rundfahrt

1977 – Brooklyn
2. Etappe Tirreno-Adriatico
3. Etappe Tirreno-Adriatico
Tirreno-Adriatico, Gesamtsieg
Flandern-Rundfahrt
Paris-Roubaix
Piemont-Rundfahrt

1978 – Sanson
Mailand-San Remo
Sassari-Cagliari
Friaul-Rundfahrt

1979 – GIS
Het Volk (Gent-Gent)
Mailand-San Remo
5.1 Etappe Tirreno-Adriatico
1. Etappe Trentino-Rundfahrt
4. Etappe Vier Tage von Dünkirchen
5.2 Etappe Vier Tage von Dünkirchen
2. Etappe Giro d’Italia
9. Etappe Giro d’Italia
12. Etappe Giro d’Italia
Mailand-Vignola

1980 – Boule d’Or-Colnago
Trofeo Laigueglia
1. Etappe Tirreno-Adriatico
2. Etappe Tirreno-Adriatico
1. Etappe 4 Tage von Dünkirchen
1. Etappe Deutschland-Rundfahrt
2. Etappe Deutschland-Rundfahrt

1981 – Daf-Côte d’Or-Gazelle
Straßenmeister Belgien
2.1Etappe Paris-Nizza
4. Etappe Paris-Nizza
Gewinner Punktetrikot Paris-Nizza
Pfeil von Brabant
2. Etappe Tour de Suisse
3.1 Etappe Tour de Suisse
Paris-Brüssel

1982 – DAF Trucks

1983 – GIOS

1984 – GIS
Kampanien-Rundfahrt
8. Etappe Spanien-Rrundfahrt

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De-Vlaeminck-Seiten im www:
www.memoire-du-cyclisme.net/palmares/de_vlaeminck_roger.php

Belgien

Roger de Vlaeminck
* 24.08.1947 Eeklo

Teams & Siege
Stand: 11.09.2007

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